Kreuzwertheim in alten Ansichten

Kreuzwertheim in alten Ansichten

Auteur
:   Manfred Schneider
Gemeente
:   Kreuzwertheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5315-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kreuzwertheim in alten Ansichten'

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21. Kreuzwertheimer Hauptstraße im Jahr 1909. Frankisch spitz setzten fast alle Häuser ihre Giebelgesichter gegen die Straße, boten ihr sozusagen die Stirn, als müßten sie Lärm und Unruhe von den Höfen aussperren und zusammenhalten gegen deren unerbittlichen Zugriff. Das war einfachste und dennoch vollendete Architektur, fränkische Hofbilder zu beiden Seiten.

Rechts, vor der Abzweigung zur Maingasse, befand sich das hiesige 'Geschäftszentrum' . Wo bis 1987 das Schuhgeschäft Winzenhöler lag und jetzt eine Fahrschule, ein Elektronik-Fachgeschäft und die Volksbank untergebracht sind, existierte bis etwa 1922 der Laden von Ernst Fehn, daneben die Kurz- und Kolonialwarenhandlung von Babette Winzenhöller, der Ehefrau des berühmten 'Postschorsch'.

Unter der Silhouette der Wertheimer Burg ragt das alte Gasthaus 'Zum Adler' in die Fahrbahn. Es setzte einen sichtbaren Endpunkt für die Straße, an deren Beginn (bestimmt kein Zufall!) ebenfalls ein Wirtshaus zur Einkehr lud. Statt der jetzigen uniformen Durchfahrtspiste in Normbreite, mit Bordsteinen und einer Peitschenlampenpromenade, wurde die alte Dorfstraße von einer Pflasterrinne begrenzt, in der die Regenwasserfluten abflossen. Wie hier vor der Metzgerei von Karl Wolpert standen Sitzbänke aus Stein, auf denen die Menschen am Abend gemütlich nachbarliche Zwiesprache hielten. Wo wäre das heute in Kreuzwertheim noch möglich? Weil aber fast nur von Kühen oder Pferden gezogene Leiterwagen vorüberrollten, mußte sich niemand gestört fühlen oder um die Atemluft sorgen. Mit dem Aufkommen des Massenverkehrs war es damit schnell vorbei. Vor Jahrzehnten noch konnte man die Kreuzwertheimer Hauptstraße lieben. Inzwischen ist sie unmenschlich geworden. Mensch und Auto können nicht die gleiche Fläche für sich beanspruchen. Wochentags fühlen sich die Fußgänger der Straße ausgeliefert, machtlos gegen das Blech, erstickt in Abgaswolken. Alle haben es eilig, rasen blieklos vorüber. Verweilen scheint unmöglich, die Straße ist im pulsierenden Leben gestorben. Niemand will die Errungenschaften und Segnungen der Moderne verkennen: Der Ortskern ist im innerörtlichen Verkehr per Autobus mit den Neubaugebieten und der Schwesterstadt verbunden. Ein Scheunentor, zugepflastert mit Papier, verkündet das Programm der Lichtspieltheater über dem Main, Vieles ist vorhanden, was das Leben zeitgemäß und bequem macht: Supermarkt, Blumenboutique, Bushaltestelle, Bank, Reinigungs- und Lotto-Annahmestelle, Der Dorfbäcker hat aufgegeben, aber nicht weit davon offeriert eine auswärtige Bäckerei ihr Angebot samt Kaffee-Shop. Zwei Metzgereien bieten in der Auslage Großstadtniveau, Käsetheke inbegriffen. Doch sind die Jahre endgültig vorbei, in denen die Menschen auf der Abendbank vor ihrer Haustür saßen. Da und dort ranken noch vereinzelte Rebstöcke an den Fachwerkscheunen der Sonne entgegen. Ansonsten aber ist es mit der Ruhe vorbei. (Foto: Sammlung Manfred Schneider.)

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22. Bäckerei Georg Fröber um das Jahr 1922. Ein Dorf ohne Tante-Emrna-Läden? Undenkbar! Schon immer gehörte es zu den wesentlichen Kennzeichen ländlichen Lebens, daß es Anlaufstellen gab, wo man sich zu zwanglosem Plausch treffen und menschliche Nähe erfahren konnte. Ohne diese Begegnungen wäre das gemeinschaftliche Miteinander um vieles ärmer gewesen.

Den alltäglichen Treffpunkt am Dorfbrunnen gab es aber kaum noch, seit die Haushaltungen 1909 an eine Wasserleitung angeschlossen wurden. Der Fortschritt machte neue Stätten der Begegnung nötig, Solche Adressen waren vor allem auch Nachrichtenbörse: die Tore des Kindergartens und der Schule, natürlich der Kirchhof', hauptsächlich aber die kleinen Geschäfte. Bäcker, Metzgereien und 'Kolonialwarenhandlungen', wo man neben allerlei Krimskrams die Lebensmittel des täglichen Bedarfs kaufen konnte. Erst seit die meisten ihre Pforten schlossen, sprechen wir liebe- und sehnsuchtsvoll von den 'Tante-Ernrna-Läden'.

Das Bild zeigt die frühere Bäckerei Fröber, davor Anna Fröber, die Ehefrau des Bäckermeisters Georg Fröber sen., wie sie mit dem Reisigbesen die Hauptstraße kehrt. Im erkerartig erweiterten Schaufenster gibt eine Schiefertafel über die Preise Auskunft. Ein Türstein mit der Jahreszahl 1832 und einer Brezel verrät, wann man das Haus gebaut hat und daß es von Beginn an als Bäckerei genutzt wurde.

Rechts neben der Eingangstreppe ließ der Hauseigner später eine steinerne Ruhebank aufstellen. Sie ist freilich dem Straßenausbau zum Opfer gefallen.

Nach Schließung der Bäckerei Fröber in der Hauptstraße wurde deren Laden zeitweise als Blumenhandlung genutzt, dann zog vorübergehend eine Filiale der Wertheimer Bäckerei Göpfert dort ein, Jetzt ist die alte Backstube endgültig ausgeräumt. In dem Gebäude mit der Brezel über dem Eingangsportal hat sich ein moderner Betrieb eingenistet, mit Mikroelektronik.

(Foto: Samrnlung Manfred Schneider.)

23. Ehemalige 'Bäckerei und Colonialwarenhandlung' von Georg Weimer um 1917. Bäckereien gehörten von jeher zu den Anlaufstellen eines Dorfes. wo es mehr gab als nur das tägliche Brot. Georg Weimer sen. hatte eine solche am 14. Oktober 1901 von Johann Jakob Bachmann übernommen und pries in der 'Brot- und Feinbäckerei' auch 'Kolonialwaren' an, ausdrücklich auch Zigarren, Zigaretten und Tabake. Neuigkeiten wurden dort ausgetauscht, man erfuhr wie aus einer Zeitung Wissenswertes aus dem Ortsgeschehen. Zuletzt buk Georg Weimer jun. dort die Brötchen, ehe er zum 31. August 1971 seinen Betrieb aufgab.

Das Bild zeigt den Laden aus dem Bliekwinkel des Marktkreuzes. Im Bild (von links): ein namentlich nicht mehr bekannter Geselle, Luise Vollmer geborene Weimer; aus dem Fenster schaut Eva Katharina Weimer geborene Betzei (die Mutter des letzten Bäckermeisters ), und ganz rechts steht Marie Peters.

Die Reihe der Kreuzwertheimer "Tante-Emrna-Läden' ist nicht sehr lange. Noch nie war der Ort das, was man heutzutage 'Einkaufszentrum' nennen würde. Michael Enz betrieb schon um die Jahrhundertwende nebst seiner Spenglerei einen kleinen Laden in der Hauptstraße, gegenüber dem Schloß, wovon freilich nur noch das überdimensionierte Schaufenster zeugt. Im gleichen Straßenzug öffneten und schlossen die 'Kurzund Kolonialwarenhandlungen' von Ernst Fehn, Babette Winzenhöller und Greta Sünkel,

Dann existierte in der Lengfurter Straße die Kolonialwarenhandlung von Michael Wolz, mit den Holzschubladen für Zucker, Mehl und Grieß, denen der unvergessene Geruch des Krämerladens entströmte. Die Kinder kauften dort für 'nen halben Groschen Lutscher und Brause, und der 'Wolze Michele' im grauen Arbeitskittel griff ins Glas und legte meist noch ein Himbeerbonbon dazu, Nicht weit davon lag das 'Kaiser'sKaffee-Geschäft' mit Anneliese Joachim hinter der Theke. Weiter gab es in der gleichen Straße den Laden von Josef Dengel und später einen solohen von Hermann Trabold.

In der Haslocher Straße warben Erwin und Tina Keppner mit ihrem Angebot an 'Fisch und Feinkost'. Übrig geblieben ist nur einer: In der Neugasse verkauft Georg Günzelmann Lebensmittel und Molkereiprodukte. (Foto: Sammlung Manfred Schneider.]

24. Evangelische Pfarrkirche um 1920. Die einstige Wehrkirche 'Ad sanctam crucem' trägt den Namen jenes Kreuzes, das Kreuzwertheim schließlich zum Wahrzeichen wurde und nach welchem der Ort sich benannte. Offenbar hatten die Mönche hier für den südöstlichen Spessartraum ein Missionszentrum geschaffen, von wo aus die Christianisierung des Umlandes erfolgen sollte. 'Werdheim' entwickelte sich zur Urpfarrei des südöstlichen Spessartraums. Die unterstand dem Bischof von Würzburg, und auf ihn ging schließlich auch die Marktrechtsverleihung durch König Heinrich Il. vom 22. Oktober 1009 zurück.

Die uralte Wehrkirche erhielt freilich in mehreren Bauabschnitten ihr heutiges Gesicht, Romanische und gotische Elemente fügen sich zueinander. Die älteste, in Stein gehauene Jahreszahl findet sich im Sockel des Chores: 1443. Nachdem der erste Bau einem Brand zum Opfer gefallen war, erhöhte man das ursprünglich hingeduckte Kirchenschiff, den Westgiebel, und fügte einen quadratischen Chorraum hinzu. Um 1600 erfolgte erneut eine Aufstockung des Turms, man baute das kleine Kirchlein zum wehrhaft aufgeplusterten Bollwerk aus. Daran hatte man gutgetan, denn bereits ein Jahr später fielen die Würzburger in Kreuzwertheim ein. Schießscharten am Turm und 25 Bleikugeleinschläge in der Kirchhofsmauer zeugen von den kriegerischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit. Wenn der Feind die Dorfmauern überwunden hatte, blieb nur die Wehrkirche als letzte Zuflucht. Die Zeiten waren selten friedlich, und Gotteshäuser blieben von den grausamen Kämpfen nicht verschont,

Als der Dreißigjährige Krieg die deutschen Lande erschütterte, ist er auch an Kreuzwertheim nicht spurlos vorübergegangen. Ursprünglich besaß die Kirche einen zweiten Turm, wie er noch auf der ältesten Abbildung des Dorfes von 1626 zu sehen ist. Er wurde damals von kaiserlichen Truppen zerstört. Nur ein Stützpfeiler neben dem Taufstein blieb als einziger Rest davon übrig. Der Kupferstecher und Verleger Eberhard Kieser hinterließ uns vom gleichen Jahr eine Gesamtansicht des Dorfes und damit auch seiner Kirche. Ursprünglich besaß das Gotteshaus an der Ostseite des Chors einen gräflichen bzw. fürstlichen Stuhl, Er war 1736/37 eingebaut worden, hatte sogar einen eigenen Zugang von außen und stand, die Besonderheit seines Inhabers betonend, etwas erhöht. Bei der Renovierung von 1974 hat man unverständlicherweise auf ihn verzichtet und den außenliegenden Treppenaufgang vor dem Chor abgetragen.

(Foto: Sammlung Manfred Schneider.)

25. Ehemaliges Gasthaus 'Zur Sonne' am Kirchplatz um 1910. Das Gasthaus 'Zur Sonne' gehörte zu den ältesten Einkehrstationen am Ort. Bereits 1650 ist ein Hans Peter Stapf als 'Sonnenwirt' bezeugt. Anfang unseres Jahrhunderts war das prächtige Fachwerk noch zugeputzt. 1905 wurde das majestätische Haus von Bernhard Holl käuflich erworben, und zu seiner Eröffnung am Sonntag, dem 1. Januar 1905, inserierte der Wirt ergebenst und hochachtungsvoll in der Wertheimer Zeitung: 'Indem ich die verehrliche Einwohnerschaft von hier und der Umgebung hievon höflichst in Kenntnis setze , bitte ich um geneigten Zuspruch. Für reingehaltene Weine aus der fürstlichen Kellerei, vorzügliches Bronnbacher Bier und gute Speisen sowie für prompte Bedienung ist Sorge getragen.'

Das große, den Platz zum Fluß hin abschirrnende Gebäude besaß schon immer jenes Ebenmaß, das die Baumeister in Jahrhunderten entwickeln konnten, weil sie ihre Häuser handwerks- und materialgerecht entstehen ließen. Gegründet auf einen festen Sockel heimisehen Buntsandsteins und gefaßt in ein stabiles Gerüst von Eichenfachwerk, bezeugt dieses Haus, was seinen Erbauern oberster Grundsatz war: Bauen hieß ihnen der Natur entnehmen und ihr gleichzeitig hinzufügen: Naturstein, gebrannte Ziegel, Holz und Kalk. Gewiß gelang es den Menschen früher auch nicht auf Anhieb, solch ein Haus zu bauen. Vielleicht wußte gar keiner von denen, die es bewohnt haben: daß sie Schönheit um sich hatten, vollendete Harmonie, die auch daran nicht scheiterte, daß alles an diesem Haus höchst brauchbar hatte sein müssen, Im Gegenteil.

Nichts an diesem Haus bleibt ohne Funktion: Die schlichte Haustür lädt zur Einkehr, schmückt, ohne nach außen prunken zu wollen. Ein hohes hölzernes Schiebetor gewährt selbst hochbeladenen Heuwagen Durchlaß zu Hof und Tenne. Symmetrische Sprossenfenster und Dachgaupen, klein, dafür aber zahlreich, fangen seinem Innern genügend Licht ein, sind die Augen des Baukörpers. Dazu eine handgeschmiedete Laterne; der alte Brunnen davor plätschert heute wieder seine heitere Melodie. Dieses Gebäude stand und steht trotz seiner Größe in harmonischem Verhältnis zu seiner Umgebung, verdrängt die weniger auffälligen Häuschen in seiner Nachbarschaft nicht, ragt trotz seiner Höhe über nichts hinaus,

Und heute stehen wir bewundernd davor und freuen uns, daß der Mensch auch diese Aufgabe zu erfüllen gelernt hat: Altes zu erhalten.

(Foto: Archiv Hans Wehnert.)

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