Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten

Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Siegtales, Kunstdenkmäler des
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1913-9
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten'

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9. Demjenigen, der seiner selbst und seiner Zeit Herr ist, sei der Weg durch das Siebengebirge empfohlen. Er mag nun seine Wanderung von Königswinter antreten, über den Petersberg nach dem Tale von Heisterbach ziehen, oder von Dollendorf aus dem nördlichen Quertale durch das Gebirge folgen. Der äußerst romantische Weg führt bald durch frischen Hochwald, bald durch liebliche Talgründe von Ober-Dollendorf nach Heisterbach. Die malerische Chorruine der unter Franzosenherrschaft abgerissenen Zisterzienser-Abteikirche in ihrer mehr als lieblichen Umgebung gibt sich sehr einladend und wir finden in den Ökonomie-Gebäuden des alten Klosters, in der von dem Hofmann Heuser unterhaltenen Wirtschaft, eine gastliche Aufnahme. Der Chorbau in der einsamen Stille des Tales überrascht durch die eigentümlichen Formen des gotischen Ubergangsstiles in seiner merkwürdigsten Episode und läßt uns, nach dem, was von dem Prachtbau übrig geblieben, um so mehr die Barbarei des zerstörenden Varidalismus beklagen.

Unter dem Erzbischof Bruno von Berg (1131-1137) hatte sich auf dem Stromberg, dem jetzigen Petersberg, ein frommer Klausner mit wenigen Genossen niedergelassen. Schon bald hatte das Kloster verschiedene Besitzungen in der Umgegend erworben, zuletzt noch 1176, aber kurze Zeit darauf muß die Genossenschaft sich aufgelöst haben. 1189 besetzte der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg als Vogt das verlassene Kloster mit zwölf Zisterziensern unter Leitung des Abtes Hermann aus der Abtei Himmerode in der Eifel, aber schon nach vier Jahren siedelten die Mönche nach dem Heisterbacher Tal über, wo sie bereits 1175 durch eine Schenkung der Gräfin Aleidis von Molbach Besitz erworben hatten. Im folgenden Jahre wurde die dortige Niederlassung von Papst Coelestin lIl. als Zisterzienser-Kloster nach der reformierten Benediktinerregel mit allen ihren Rechten und ihrem Besitz bestätigt. Mit großem Einsatz begegnete der neue Abt Gevardus 1197 einer Hungersnot, indem er aus den Beständen der Abtei täglich Fleisch und Brot an die hungernde Bevölkerung austeilen ließ.

10. Trotz der Kriegsunruhen am Rhein, die auch das Kloster schwer trafen, blühte jenes schnell empor. Das beeindruckendste äußere Zeugnis für diesen Glanz der Abtei in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts ist die einheitliche Durchführung des stattlichen Klosterbaues, welcher fast unversehrt bis zum Untergang der Abtei bestanden hat. Im Jahre 1202 wurde nach Mitteilung des Caesarius von Heisterbach der Grundstein der Kirche gelegt, nachdem man sich bis dahin mit einem Holzbaue beholfen hatte. 1227 weihte BischofWezelin von Reval siebzehn Altäre und die Weihe der Kirche fand am 19. Oktober 1237 statt. Aber schon bald nach der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts trat eine Periode des Verfalles der klösterlichen Zucht und der Vermögensverwaltung ein, welche ein scharfes Eingreifen des Generalkapitels des Ordens notwendig machte. 1285 wurde die Kirche sogar mit dem Interdikt belegt und der Abt seines Amtes entsetzt. Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderte erhob sich das Kloster zu neuem Glanze. Während der Reformationsunruhen hatte die Abtei, deren reicher Besitz über die ganzen Rheinlande verstreut war, schwer zu leiden. 1583 wurden gar der Abt und zwei Brüder nach der Burg Godesberg verschleppt und 1588 die An1age durch die Truppen des Prinzen von Chirnay auf das Schlimmste mitgenommen. Man plünderte und zerstörte die ganze Ausstattung, riß teilweise die Dächer ein und legte dann Feuer an, welches die sämtlichen Bedachungen von Kloster und Kirche in Flammen aufgehen und die Glocken schmelzen ließ.

Viele Jahre danach blieben die Gebäude verlassen, was einen teilweisen Einsturz der Gewölbe zur Folge hatte. Erst unter dem Abte Buschmann (1597-1628) und dem Abte Schaeffer (1628-1661) wurden sie wieder hergerichtet, um in den Kämpfen um Bonn in den Jahren 1688/1689 und 1703 durch Plünderungen erneut in Mitleidenschaft zu geraten. Mit dem Abte Ferdinand Hartmann (1704-1728) aber, welcher mit großer Energie eine Reformierung der stark gesunkenen klösterlichen Zucht durchsetzte, begann eine neue Blütezeit, in der 1711 das Brauhaus und 1722/1723 der große Küchenhof (unser Bild) entstanden.

11. Indes hat auch das achtzehnte Jahrhundert noch kriegerische Unruhen gebracht; bei der Plünderung der Abtei im Jahre 1758 durch hannoversche Truppen wurde der Prior des Klosters als Geisel mitgeschleppt und 1795 nahmen französische Soldaten auf dem Rückzug aus der Sieggegend das Kloster noch hart mit. Besitzstreitigkeiten und Teuerungen kamen hinzu und das Jahr 1795 brachte den Verlust der bedeutenden linksrheinischen Besitzungen des Klosters mit sich. 1803 erfolgte die Aufhebung des Klosters, das bewegliche Gut wurde versteigert, die kirchliche Ausstattung teils verschenkt teils verkauft, die Bibliothek nach Düsseldorf gebracht. Da man sich über die Verwendung von Kirche und Kloster nicht einigen konnte, entschloß man sich zum Verkauf der Gebäude auf Abbruch. Das Zerstörungswerk zog sich über mehrere Jahre hin, die Abteigebäude verschwanden vollkommen. Der preußische Fiskus veräußerte 1820 den ummauerten Klosterbezirk mit dem Küchenhof und den Ackerländereien an den Grafen zur Lippe in Oberkassel, Der letzte Mönch von Heisterbach aber starb 1859 in Königswinter. Die noch vorhandenen Gebäude aus der alten Zeit dienten fortan der Landwirtschaft. Als Neubau entstand ein großes Hotel, denn die Chor-Ruine war zu einer bedeutenden Sehenswürdigkeit des Siebengebirges geworden. Das Torgebäude wurde in den Fremdenbetrieb einbezogen und diente zur Unterbringung von Gästen. Im Park, nahe der Ringmauer, errichteten die adeligen Besitzer ein Mausoleum und die Inschriften auf den marmornen Grabplatten reichen bis in das siebzehnte Jahrhundert zurück.

Zahlreiche mündliche Uberlieferungen, Anekdoten und einige alte Dienstvorschriften halten die kleine Heisterbacher Talbahn bei der Bevölkerung in freundlicher Erinnerung. Die 7,2 Kilometer lange Strecke wurde 1891 eröffnet und diente vorwiegend dem Abtransport von Basaltgestein aus den Brüchen oberhalb Heisterbach. Und schließlich vollzog sich 1919 die glanzvolle Wiedergeburt des Klosters, als die Schwestern-Genossenschaft der Cellitinnen das Gelände erwarb. Trotz eines in der Osternacht 1934 ausbrechenden Brandes, welcher die Stallungen vernichtete, und mehrerer Bomben, welche im März 1941 und Juni 1943 im Garten niedergingen und zwei Kapellen zerstörten, überstand das Kloster die Wirren des Krieges.

12. Die denkwürdige Legende vom 'Mönch von Heisterbach' trug den Namen der Klosterstätte weit in die Lande hinaus. Maurus war ein frommer, wißbegieriger junger Mönch, welcher den Worten der Bibel drängend auf den Grund ging, dabei den Abt und manch älteren Bruder mit Fragen beschäftigte, die er nicht begriff oder glauben wollte. Im besonderen grübelte Maurus über die Worte aus dem Brief des Heiligen Petrus nach 'Bei Gott sind tausend Jahre wie ein Tag und ein Tag ist ihm wie tausend Jahre'. Der junge Mönch fand darüber keine Lösung, so sehr er sich auch bemühte, doch wollte er nicht glauben ohne zu begreifen. So wandelte er eines Tages sinnend und betend durch den Klostergarten. Es muß zur Sommerszeit gewesen sein und die Vöglein sangen im kühlenden Walde. Immer wieder versuchte er das Petruswort zu ergründen. Etwas ermüdet ließ er sich schließlich im weichen Moose nieder und ohne es eigentlich zu wollen, schlief er ein. Vom hellen Klang der Vesperglocke erwachte er und eilte erschrocken dem Kloster zu, um das gemeinsame Gebet nicht zu versäumen. Als er die Pforte passierte, saß dort ein Mönch, den er nicht kannte. Ein wenig später erreichte er die Kirche, wo die Ordensbrüder schon versammelt waren. Seinen Platz fand er jedoch besetzt - von einem Mönch, welchen er noch nie gesehen hatte. Erstaunt erblickte er um sich nur Fremde und auch ihn kannte niemand, obgleich er seinen Namen nannte und beteuerte, nur kurze Zeit im Garten und dem nahen Walde zugebracht zu haben. Da fühlte er plötzlich eine große Müdigkeit über sich kommen, und augenblicklich ergraute sein Haar. Mit eingefallenen Wangen sank er kraftlos in die Arme seiner Brüder und sterbend begriff er endlich das Petruswort: 'Bei Gott sind tausend Jahre wie ein Tag'! Die Mönche aber erinnerten sich einer Eintragung im Kirchenbuch, wonach vor dreihundert Jahren ein junger Mönch namens Maurus seine Zelle verlassen und von einem Spaziergange im Garten nie mehr zurückgekehrt sei... Wenn man an den beiden Teichen vorüber, wo ein Schwanenpaar majestätisch seine Kreise zieht, zum Mönchtörchen gelangt und leise das Glöckchen vom Kloster herüberklingt, enträtselt der Besucher vielleicht die Inschrift im schlichten Eichentor: 'Gott ist erhaben über Ort und Zeit. Ihm ist ein Tag wie tausend Jahr, und tausend Jahre sind ihm wie ein Tag!'

13. Die von dem Kirchengebäude allein noch erhaltene Chorruine umfaßt die halbrunde Apsis mit dem Umgang und dem Kranz von sieben Kapellen, ferner die Ansätze des Chorquadrates mit den Gewölberesten der Seitenschiffe, der beiden weiteren Kapellen des Umganges und den Resten der Nischen und Rosettenfenster im Obergaden. Im Inneren der Chorpartie sind die sieben Kapellen in schlichtester Weise als einfache Nischen mit Halbkuppeln ohne Sockel- und Kämpfergliederung durchgeführt. Das Langhaus der Kirche zeigte in der Grundrißanlage zunächst ein großes Querschiff mit vier Kapellen nach Osten, Nischengliederung in den übrigen Wänden und eine stattliche Treppenanlage im Südwestwinkel, die zum Dormitorium führte. Das eigentliche Langhaus bestand aus acht Joehen und hatte eine lichte größte Länge von etwa 78 Metern und eine Breite von zirka 37 Metern. Der Kreuzgang legte sich an die Südseite der Kirche an, er zeigte nach dem Hof hin ausgebildete Strebepfeiler, die dreiteiligen Lichtöffnungen hatten einen überhöhten Mittelbogen und gekuppelte Säulchen. Der Ostflügel, der an das östliche Querhaus der Kirche anschloß, hatte unten die Sakristei und weiter das Refektorium, darüber, mit breiter Treppe aus dem Querschiff zugänglich, das große Dormitorium; vielleicht lag im Erdgeschoß auch noch der Kapitelsaal, dessen Gewölbe auf zwei Säulen ruhte und der ringsum gemauerte Bänke und in der Mitte den Abtssitz hatte.

Um Kirche und Kloster gruppierten sich die verschiedenen Gärten. Der Zier- oder Blumengarten lag anscheinend südlich der Abtei und stieg in Terrassen zu den am Ende des Klosterbezirkes gelegenen Weihern an. Die Terrassenmauern waren mit Hausteinen abgedeckt; genannt werden verschiedentlich Steinpyramiden mit Kugeln und zwei große Pfeiler mit Löwen darauf. In der Wiese vor der Ruine stehen zwei Barockschafte aus Trachyt, auf einem derselben ein steinerner Delphin des siebzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts wohl von einer Fontainenanlage des Gartens herrührend. Die moderne Fontaine ist hergestellt aus der oberen Muschelschale des einst im Kreuzgange stehenden Brunnens, dessen untere, noch größere siebenteilige Schale von sieben Säulchen getragen wurde - eine der schönsten romanischen Anlagen von K1osterbrunnen.

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