Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten

Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Siegtales, Kunstdenkmäler des
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1913-9
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten'

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14. Südlich an einem vielleicht von der Südmauer des Kloster stammenden Mauerrest gibt es zwei Grabsteine von Abten aus dem achtzehnten Jahrhundert, darüber der mächtige Sturz des Hauptportals der Kirche. Unter den Reliquien der Abtei wird ein Zahn des Heiligen Johannes Baptist genannt, welche der Ritter Heinrich von Ulmen zugleich mit dem berühmten Limburger Kreuzreliquiar aus der Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1204 mitgebracht hatte. Uber dessen Verbleib ist aber nichts bekannt, ebenso ist das Muttergottesbild, das besonders die Wallfahrer anzog, nicht mehr nachzuweisen. Der in den Jahren 1722/1723 erbaute Küchenhof, eine sehr großzügige Anlage von malerischer Dachgruppierung, umschließt ein Rechteek gegenüber der früheren Westfront. Den Nordflügel bildet die große Scheune unten mit Lichtschlitzen aus Trachyt, die nach außen gewendete Kopfseite mit großem Rundbogentor, darauf die JahreszahI1723, ein stattlicher Fachwerkgiebel mit abgewalmter Spitze. Die Ostseite enthält ein nach dem Hof hin früher zum Teil offenes Gebäude mit Walmdach, dessen niedriges Obergeschoß aus Fachwerk kleine Wohnräume enthielt. Es ist wahrscheinlich die 1804 genannte Faßbinderei und Kelterhaus.

An der Südseite liegt das - nachträglich nach Osten verlängerte - Halbwinner- oder Pächterhaus, ein schlichter, zweigeschossiger Bau mit Öffnungen in Hausteinfassung und abgewalmten Dachecken. Die übrigen Seiten, namentlich die lange Westfront des Hofes, sind mit einfachen Stallgebäuden besetzt, an dem Westtrakt auf den Türstürzen die Jahreszahlen 1722 und 1723. An das Pächterhaus stößt von Süden her ein schmaler niedriger Gebäudetrakt an, der heute Stallungen und Backhaus enthält. Auf der Ecke steht hier über hohem, vom Hof aus zugänglichem Kellergeschoß ein langgestreckter eingeschossiger Bau von sieben Achsen, die sogenannte alte Brauerei. In Eisenankern hier die Zahl 1711. Der Torbau im Norden, von dem aus ein beiderseits mit Mauern eingefaßter Weg auf den Vorplatz zwischen Kirche und Küchenhof führt, ist ein zweigeschossige stattliche Anlage von 1750. Das Innere noch mit der alten Einteilung und den alten Treppen, in dem Mansardgeschoß ein Sälchen mit derben Wandmalereien, auf den Wänden große Blumenbukette, auf der Decke ein große Rosette mit dem Wappen des Abtes.

15. Die Ablehnung der französischen Konstruktionsprinzipien scheint dafür zu sprechen, daß ein mit Frankreich wohl vertrauter rheinischer Meister Heisterbach errichtet hat. Gerade der Zisterzienserorden hat es verstanden, damals sich von Fall zu Fall aus frommen Laien einen festen Stamm von Bauleuten zu verbinden. Nachdem wir hier einige besinnliche Stündlein verträumt haben, verlassen wir den heiligen Bezirk und gelangen, an der im achtzehnten Jahrhunderte entstandenen Klostermauer aus Bruchsteinen vorbei zu den am Tal nach dem Petersberg hin liegenden beiden Weihern, wo ein anmutiger Weg durch das Talgehänge zwischen den fleißig betriebenen Steinbrüchen des Stenzelberges und der Weilhöhe führt. Durch mit Nieder- und Hochwald bestandene Talgründe geht es über den Thomasberg und Bellinghausen nach Oberpleis. Hier bestand schon um das Jahr 944 eine der ältesten geistlichen Stiftungen im Auelgau, welche die spätere 'Decania Siegburgensis' der Erzdiözese Köln bildete. Nachdem Everhard von Pleisa zur Gründung eines Klosters sein Vermögen bestimmt, gab auch der Erzbischof Wiefried von Köln (925-953) seine ganze Habe zu diesem Zwecke und zog Benediktiner aus der bekannten und berühmten Abtei Corvey in diese Waldeinsamkeit.

Gar malerisch gruppiert sich von diesem Punkte das nördliche Terrain des Siebengebirges. Den Freunde frischer Waldpoesie, welche im Frühling, im Sommer und Herbste gerade im Siebengebirge ihre reichste Anmut entfaltet, führt ohne alle Anstrengung ein Weg in fünf Stunden nach Siegburg. Am Flusse läßt der Kiebitz seinen Ruf ertönen, in den Sümpfen stelzt kollernd die Rohrdommel und scheu flattern die Seeschwalben und der grüne, blau und rot schimmernde Eisvogel umher, welche in den Höhlungen der Ufer der unteren Sieg und der Agger ihre Nester bauen.

Auf dem diesseitigen Ufer liegt ein wenig vom Siegflusse entfernt Eschmar, die Geburtsstätte des im Lande vielgerühmten Propheten, des Spielhaehn, eines fahrenden Musikanten, der mit seinen Weissagungen und seiner Fidel im Lande umherzog und noch heute seine Gläubigen hat. Er fand sein Ende in einer Straßenpfütze, in die er in illuminiertem Zustande gefallen war.

16. Für denjenigen, der das Siegtal im Fluge besuchen, nur seine schönsten Punkte zum Ziele seines Ausfluges machen will, dem bietet von Köln oder von Siegburg aus die Eisenbahn die bequemste Gelegenheit. In beinahe drei Stunden ist das Ziel Siegen, die Hauptstadt des Siegener Landes, erreicht, und zudem sind für die Reisezeit bis zum Herbstanfang an den einladendsten Punkten des Tales Haltestellen, leider aber nur für Sonn- und Feiertage angelegt, wie in Blankenberg und Herehen und so weiter. Es können diese Haltestellen jedoch nur bis Ende September benutzt werden, indem dann die Züge an denselben nicht mehr anhalten, wie auch von und nach den Endbahnhöfen keine Retourbillets gegeben werden. Auf der Hin- und Rückfahrt kann die Reise einmal unterbrochen werden. Vormittags und Nachmittags verkehren jeweils zwei Züge siegauf- und -abwärts. Mit dem Abend wird die Fahrzeit etwas länger, gegen vier Stunden. Zudem besteht eine zusätzliche Verbindung zwischen Betzdorf und Siegen Hin und Zurück um die Mittagszeit, sowie von Eitorf nach Deutz am frühen Morgen und abends acht Uhr von Deutz nach Eitorf, wo der Zug eine gute Stunde später eintrifft.

Das Projekt der Deutz-Gießener-Bahn ist das staunenswerte Werk eines Sohnes des Siegerlandes, des aus Hamm gebürtigen Königlich Geheimen Baurates Haehner, dem auch die Bauleitung übertragen war. 1857 wurde mit den Arbeiten begonnen; Kroaten und Italiener waren Tag und Nacht bei den Erdbewegungen eingesetzt. Die 24 Meilen lange Strecke wurde schließlich 1861 mit einem Kostenaufwande von 20,784,170 Millionen Thalern vollendet. Allein bis Siegen mußte der Fluß achtunddreißig mal überbrückt, dreizehn kleinere und größere Tunnel durch den Fels getrieben werden, abgesehen von den Einschnitten, Aufschüttungen, Gleisanlagen und Gebäuden. Die ersten Lokomotiven waren englisches Fabrikat, die ersten Führer ebenfalls Engländer. Sie verdienten sieben Thaler, etwa zwanzig Mark, am Tag. Die eigentliche Deutz-Gießener-Bahn geht von Betzdorf aus rechts ab durch das Hellertal über Herdorf, Burbach und in einem ungeheuer schmalen Bogen nach Süden in das Dilltal, wo die nassauische Staatsbahn weiterführt.

17. Von Deutz aus läuft die Bahn in der Ebene, immer weiter vorn Rheine zurücktretend, an den bewaldeten Ausläufern des bergischen Landes vorbei. Hier erhebt sich das Lustschloß Bensberg, 1703/1716 von dem Herzoge Philipp Wilhelm erbaut. Das Schloß ist jetzt in ein königliches Kadettenhaus verwandelt und hat bei den baulichen Umgestaltungen leider manche seiner architektonischen Schönheiten eingebüßt, und dies zum größten Ärger unseres verstorbenen kunstsinnigen Königs Friedrich Wilhelm IV. Unterhalb des Schlosses liegt die alte, zur Hälfte abgetragene Burg der Grafen von Berg, ein düsterer Bau mit schauerlichen Verliesen und Folterkammern, in denen das blutige Unwesen der Hexenprozesse manch unschuldiges Opfer forderte.

Wunderlich sticht der neue Prachtbau der Pfalz-Neuburger gegen die altersgraue Veste ab, welche jetzt das Friedensgericht und eine höhere Schule beherbergt. Auf Schloß Bensberg, von dem man einen wunderschönen, überraschenden Anblick auf das herrliche Panorama des goldenen Rheingaues genießen kann, hielten die Söhne des Herzogs oft Hof. Sie pflegten im nahen Königlichen Forste des edlen Waidwerks, welches damals nur ein Vorrecht der Fürsten und des Adels, durch die strengsten Gesetze gegen alle übergriffe der Untertanen geschützt war. Der mindeste Jagdfrevel wurde mit Zuchthaus bestraft. Wer sich gegen Edelwild vergaß, den schmiedete man auf einen lebendigen Hirsch und gab ihm so seinem Schicksale preis. Auf die bitteren Klagen der Landleute wurde erst 1790 unter Kurfürst Karl Theodor diesem übelstande abgeholfen und der Wildbestand um Bensberg niedergeschossen. Nachdem das Haus Philipp Wilhelms 1742 erloschen, karn 1743 mit Carl Philipp Theodor die sulzbach-pfälzische Linie an die Regierung. Napoleon verlieh arn 15. Mai 1806 das Land seinem Schwager Joachim Mürat als Großherzogturn, und als dieser am 1. August 1808 das Königreich Neapel erhielt, wurde das bergische Land von Frankreich verwaltet. Nachdem Napoleon 1809 seinen Neffen, den Kronprinzen von Holland, zum Großherzog erhoben hatte, nahm Preußen am 15. Juli 1815 nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses das Herzogtum Berg in seinen Besitz.

18. Im Fluge fesselt der Lüderich das Auge, eine 629 Fuß hohe, von der Sü1z umspülte Bergkuppe, welche den ganzen Höhenzug beherrscht. Alte Stollen und Schachte bekunden, daß hier schon seit den frühesten Zeiten auf Erz gebaut worden ist. Viele dieser alten Gruben wurden in der jüngsten Aktien-Schwindel-Periode von belgischen, französischen und selbst englischen metallurgischen Gesellschaften wieder in Angriff genommen, und von diesen fremden Industrie-Rittem - ohne besonderen Erfolg, aber gewiß nicht zu ihrem Schaden - die erwirtschafteten Gelder verschwindelt, wie es so manche, jetzt stilliegenden Werke beweisen. Am Lüderich wird auch wieder von der bekannten und bewährten Gesellschaft 'Vieille Montagne' bedeutender Bergbau betrieben, und mancher Bergmann mag sich der Hoffnung hingeben, hier einst große Schätze zu heben, da ihm die Sage berichtet, das Domstift Köln habe im Schoße des Berges, zur Zeit des Dombaues, ungeheure Reichtümer gefunden.

Wunderdinge erzählt die Sage aber auch von der grenzenlosen Uppigkeit, in welcher die Bergleute hier geschwelgt, so daß man den Namen Lüderich gar von Lüderlich ableiten will. Der Himmel strafte den Unfug, indem ein Teil des Werkes einstürzte und fünfhundert Menschen verschüttete, deren Blut man noch in dem aus dem Berge quellenden, roten, mit Eisen geschwängerten Wasser, dem Rotbach erkennen glaubt. Die Bahn läuft durch die Wahner Heide, eine weit sich dehnende Sandebene, mit Haidekraut und Wacholder bewachsen. Hier hält die Artillerie des achten Armeekorps jährlich im Sommer ihre Schießübungen, und mancher Besenbinder der angrenzenden Dörfer holt sich auf dieser Heide den Urstoff zu seinem ihn kümmerlich nährenden Handwerke.

Das Dorf Wahn hat auch einen Edelsitz, jetzt Eigentum der Familie von Eltz. In Spich überrascht ein niedliches Kirchlein mit einem in Zink ausgeführten fünfzig Fuß hohen Turme. Gleich hinter Troisdorf, das noch am Anfange der zwanziger Jahre auf dem Ravensberg einen Einsiedler fütterte, führt die Eisenbahn über die Agger durch einen buschreichen Talgrund und bald darauf nach Siegburg.

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