Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten

Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Siegtales, Kunstdenkmäler des
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1913-9
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kunstdenkmäler des Siegtales in alten Ansichten'

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19. Im freundlichen Sieglahr, dem alten Lara, lohnt die Mühe dem Besuch einer Giesstätte, wo die wackeren Meister und Gebrüder Claren stets beschäftigt sind. Auf dem Wege nach Siegburg erhebt in dem Winkel, den die hier in die Sieg mündende Agger bildet, die Friedrich-Wilhelm-Hütte ihre Tag und Nacht qualmenden Schornsteine. Alsbald jedoch unterscheiden wir schon deutlich den großen Felskoloß mit seinen abteilichen Gebäuden, deren Mauern durch die weite Ebene zum Rheine herabschimmern. Da der Bau der steinernen Siegbrücke erst begonnen hat, müssen wir quer feldein den Wagenspuren zur Siegfähre folgen, hinter der uns eine Pappelallee in einiger Entfernung nach Siegburg führt.

So freundlich das Städtchen, so einladend sind für den Wanderer dessen Umgebungen, welche den Aufenthalt reichlichst lohnen, da zudem der Gasthof 'Zum Stern' in jeder Beziehung empfehlenswert, und man sich unter den leutseligen Bewohnern Siegburgs bald heimisch fühlt. Auf der vierhundert Fuß über der Nordsee sich erhebenden Basaltkuppe, einem Basalt-Konglomerat, welches jetzt die Abtei-Gebäulichkeiten trägt, drohte im elften Jahrhunderte eine Herrenveste, dem Pfalzgrafen Heinrich I. (1047-1064), auch der Wütende oder Furiosus, zubenannt.

Nachdem wir den Abtei-Turme erstiegen und eine noch schlimmere dunkle Wendeltreppe glücklich hinter uns gelassen haben, erholen wir uns auf der bequemen, steinernen Gallerie. Unter uns die weitläufigen Abteigebäude mit ihren Gartenanlagen und den Basaltklüftungen, darunter lagert die altertümliche Stadt um den kräftigen Turm und das hohe Chor ihrer Pfarrkirche, wo die Auelgasse mündet. Hinter einem Hügel mit dem auf alten Burgtrümmern erbauten Landsitz des Freiherrn von Loé bei Troisdorf, ragt in der Ferne die Spitze des Kölner Dornes. Den südlichen Horizont bekränzen im schwebenden Dunst die stolzen Gipfel der Eifel. Gerade vor uns liegt die alte Lieblingsstadt des Krummstabes und der Musen, Bonn, welches mit seinen neuen Ufer-Palästen sich stolz den Strom hinaufzieht, indes die fromme Rheindorfskirche gütig sich versteekt,

20. Wenden wir uns von hier aus nur gleich zu dem abteilichen Berge gegenüber, an welchem uns ein bequemer und nett eingefriedeter Fahrweg zu der seit 1825 bestehenden Provinzial-Irrenheilanstalt hinaufführt. Zum Besuche derselben bedarf es einer Karte des Direktors, Herrn Geheimen Obermedizinalrat Dr. Jacobi, welche der humane alte Herr nicht so leicht jemandem verweigert. Seine Wohnung liegt rechts an der letzten Krümmung des Weges unter den alten Abteimauern. Schon auf diesem Wege begegnen uns hier und da einige der unglücklichen Bewohner, teils auf dem Wege von oder zur Arbeit, teils promenierend und zutraulich neugierig, gleichgültig oder mit wahnwitzigem Stolze an dem Fremden vorübergehend. Der untere Verschluß des Berges verhindert ihr Entkommen.

Nicht ohne ein tiefes Gefûhl der Wehmut und des Mitleids schreiten wir durch das Tor der oberen Ringmauer in den inneren Hof dieses traurigen Asyls des höchsten Elends, welches den Menschen treffen kann, und das die Wissenschaft, mit dem reinsten Humanismus gepaart, hier mit bestem Erfolg zu lindern versucht. Die Tob- und Schreisüchtigen, Unreinlichen und gefährlich Wahnsinnigen sind links vom Eingange in dem ehemaligen Kelterhause untergebracht. Nicht gern gestattet man einen Besuch dieser Zellen, der auch den Gesetzteren mit tiefem Grauen und Schauer vor dem kaum denkbaren menschlichen Elend erfüllt, Rechts daneben steht das Badehaus mit großen, je aus einem Steine gehauenen Badewannen. Wie bekannt, ist die Anwendung der verschiedenen Bäder eines der vorzüglichsten Mittel der Seelenheilkunde. Die Küche und Bäckerei befinden sich im Souterrain unter dem Hauptgebäude und über all lacht uns die appetitlichste Reinlichkeit entgegen. Der obere Stock wird von den Kranken erster Klasse und als Gesellschaftssaale benutzt. Unter den Kranken bestehen nämlich außer den normal verpflegten noch drei Klassen, je nach dem Tische, der Wohnung und Bedienung und sonstigen erheiternden Annehmlichkeiten. In der Bezahlung wird ein Unterschied zwischen den Rheinländern, sonstigen Preußen und den Ausländern gemacht.

21. Während erstere 275 bis 425 Reichsthaler, die zweiten 350 bis 525, Ausländer aber 400 bis 575 Thaler jährlich zu vergüten haben, ist die Zahl der Krankenaufnahmen in den letzten Jahren bedeutend gestiegen und hat namentlich 1850 die früher nie erreichte Höhe von 186 Insassen gebracht. 1863 verzeichnete die Anstalt einen Bestand von 247 Kranken. Das Refektorium und die Dormitorien der Abtei sind zu Gesellschaftssälen umgewandelt. Wir können uns eines unheimlichen Gefühles nicht erwehren beim Anblick einzelner oder ganzer Gruppen der Unglücklichen, welche unter strenger Aufsicht urnherspazieren, sich mit Gartenarbeit beschäftigen und sich zuweilen mit zutraulicher Geschwätzigkeit an den Fremden heran drängen, während Andere gar keine Notiz von ihm nehmen. Eitle Neugierde kann uns nicht an einen solchen Ort des Schreckens führen. Der schmerzliche Eindruck wird aber gemildert, gewahrt man das Prinzip der edelsten Humanität in der Behandlung der Kranken und die Aufopferung und Hingabe, mit welcher Direktor Jacobi und seine Assistenzärzte ihrem schweren Amte obliegen.

Haben wir die Erlaubnis, die Anlagen zu besuchen welche in den mannigfaltigsten Formen den Bau umgeben und den Berg schmücken, werden wir überrascht von den malerischen Aussichten, die sich auf Stadt und Fluß und das weite Talgelände den Augen entfalten. Dies ganz besonders vom Johannistürmchen aus, welches keek auf einen südlichen Felsvorsprung gebaut ist und in welchem mich als Knabe zum ersten Male die Wirkung einer Aeols-Harfe fesselte. Hier kann man vergessen, daß die Spaziergänger, welche wir unten beschäftigt finden, des Lichtes der Vernunft beraubt sind, denn nur zu schmerzlich berührt uns ein soloher schriller Mißton in der unendlichen Harmonie, die uns rings umweht und umblüht.

In der weiten Ebene, durch welche sich die Sieg in vielen Windungen dem Rhein zuschlängelt, liegen zerstreut unzählige Dörfer und Flecken, in denen die Prophezeihungen des Spielhaehn von 1842 bis 1849 allein sieben Auflagen erlebt haben.

.A Eingänge ins Hauptgebäude. - 11 Archiv. - r Abtritte. - D K F Zur Keltnerey gcbörige Zimmer. - G Hauptstiege. - H Küche. - J Gänge K Stiegen .. - L Saal. - M X Voraimrner. - 0 Speisesaal, - P Bedienteneimmer. - Q Office. - R Zimmer des Hra. Kücheameisters, - S Ge. sindestube. - l' Küche, - ij Winter-Refektoriem. - I" Sommer-Refektorium. - JV Orangerie. - X Eingänge vom Hofe und Garten. - r Zimmer

der Herren Kapitular eu. - Z 8edientenzimmer.

Aa Bibliethek. - 86 Braedmagaain -" Totengewölbe. -/) Treppe zum Eingang der Kircbe. - c Fundament des Glockenturms.

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22. Pfalzgraf Heinrich I. war dem tatgewaltigen Erzbischof Anno Il. von Köln (1056-1076) ein störender Nachbar, denn er trieb von seiner Veste auf dem Siegberge Wegelagerei, machte Fluß und Straße unsicher. Sein dem Beinamen der Wütende entsprechendes Leben und Treiben mochte endlich dem Kölner Stuhl eine bequeme Veranlassung geben, sich der gefürchteten Veste zu bemächtigen. Anno, der Heilige, eröffnete gegen ihn die Fehde und brachte den Wütenden glücklich gefangen in Köln ein. Hier mußte Heinrich zur Buße Berg und Schloß Siegburg an den stolzen Sieger abtreten und nach einem mißlungenen Restitutionsversuche sein Leben im Kloster Echternach zubringen, wo er im Wahnsinn starb. Er hatte auf seiner Burg in Cochem zuvor in einem Wutanfalle seine Gemahlin mit der Streitaxt erschlagen und seine Mannen, vor denen er sich seiner Tat rühmte, hatten sich seiner bemächtigt und ihn wegbringen lassen.

Anno seinerseits zog 1064 nach Italien, um im Frühjahr 1065 mit über zwölf Mönchen über die Alpen heimzukehren und das Kloster mit diesen Benediktinern zu besetzen. Die neue Stiftung war sein Lieblingsaufenthalt. Er war als energischer und äußerst strenger Herrscher bekannt, geachtet und gefürchtet. Köln sah in ihm nur einen kalten Tyrannen, der empörte Adel nannte seine harten Strafen Grausamkeit. Besonders das beliebte Augenausstechen, womit Anno auch geringere Verbrechen und besonders persönliche Feinde bestrafte, wandte die Herzen vieler von ihm ab und gab begründeten Anlaß zur Lästerung. Doch müssen die Taten solcher Männer der Geschichte nach den Anschauungen ihrer Zeit beurteilt werden. Sein Jahrhundert war wild und roh, in welchem eine feinere Gesittung selbst in den höheren Kreisen der Gesellschaft kaum in Erscheinung trat. Ohne Rechtfertigung werden uns seine Taten klar, wenn wir erwägen, daß er in seiner Jugend das Waffenwerk gepflegt, ehe er durch seinen Oheim bestimmt wurde, sich dem geistlichen Stande zu widmen. Allein vierhundertdreißig Wunder, die er teils im Leben, teils noch im Grabe verrichtete, begründeten im Jahre 1183 die Heiligsprechung.

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. I-IJ Prälatur . - G St iece. - J) Abtritt. - J:: G:inge. - Ti' Hauptsticgc. - (; Stiege. - ll-.J Gastzimmer. K Bildersaal. - L Billard. - M-S Unvollendete Zimmer. - 0-1' und Q-U Zim mcr der Henen Kapitula rcn.

S Abtritt. - T Kirche. - U Chor, - V Eingang in die Kirche. - 11' Haupteingang in diesclbe. - r Hau,kaoellc. - Z Glo<kenturm. - a Oratorium. - IJ Hofr aum. - c Eincana aus dem H'auptjrebäude in die Kirch .

23. Seine Nachfolger erkannten die Wichtigkeit seiner Stiftungen gar zu wohl. So werden 1161 gegen siebzig Ortschaften aufgezählt, über welche sich die Besitzungen der Abtei erstreckten. Außerdem führte sie in der Gegend den Gerichts- und selbst Blutbann und besaß durch Schenkung das kaiserliche Bergregal, das Münz-, Markt- und Zollrecht. In dem Maße, wie sich die Macht des Klosters hob, stieg auch das Ansehen der Stadt Siberg, wie sie in den ältesten Urkunden hieß. Mit dem Stadtrechte hatte dieselbe auch Mauern, Tore, und Türme erhalten, sich an die Nord-, Ost- und Südseite des Siegberges lehnend, auf welchem die nach Bedürfnis erweiterten Abteigebäude mit ihrer Kirche thronten.

Handel und Verkehr der Stadt Siegberg, muß schon irn dreizehnten Jahrhunderte nicht unbedeutend gewesen sein, besonders mit Köln, dessen Bürger 1284 das volle Schutzrecht vom Abt, den Schöffen und Bürgermeistern Siegburgs erhalten. Unter den gewöhnlichen Zünften werden besonders die Gewandmacher, Weißgerber, Kürschner, Wollenweber, Kannenbäcker (Eueler, Oulner) aufgeführt, Vielbesucht war die Stadt seit Erzbischof Anno heilig gesprochen. Ein Beweis dieses Handelsverkehrs läßt sich darin sehen, daß schon 1308 eine Lombarde, der Geldhändler Ricardus, in der Stadt seßhaft ist. Nur wo Aussicht auf Geschäfte, ließen sich diese nieder.

Ein Hauptzweig des Handels war Wein, denn die Abtei besaß bedeutende Wemgärten, selbst die Sonnenseiten des Siegberges waren noch bis ins siebzehnte Jahrhundert mit Reben bepflanzt, und scheint der Verbrauch des edlen Saftes unter dem Konvente kein geringer gewesen zu sein denn bei Aufhebung der Abtei 1803 waren die Weinschulden - bei fünfzigtausend Thalern an Einkünften jährlich - doch so bedeutend, das die bayerische Regierung einem Kölner Weinhändler das Kloster Altenberg zur Schuldendeckung überlassen mußte. Daß die weltlichen Nachbarfürsten diesem Machtzuwachs nicht ruhig zusahen, erfahren wir schon im vierzehnten Jahrhunderte aus einem Streite, den die Abtei rnit dem Grafen von Sayn über den Blankenberg führte,

Unser Bild zeigt den Abteiberge nach Merian, 1640.

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