Lahntal in alten Ansichten

Lahntal in alten Ansichten

Auteur
:   Reinhard Richstein
Gemeente
:   Lahntal
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2255-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Lahntal in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Wer den Namen Lahntal hört, stellt sich darunter wohl mit Recht eine Landschaft vor. Ein Tal, eingebettet und urnkränzt von bewaldeten Höhenzügen, einzelnen hohen Bergen, abwechselnd mit sanften Hügeln. So ist das obere Tal der Lahn, die einmal mehr, dann wieder weniger eingeengt von den Ausläufern des Westerwaldes von der rechten Seite und von links durch die südlichsten Erhebungen des Rothaargebirges, mit eines der schönsten unserer Mittelgebirgslandschaften. Wie konnte es denn anders sein, als nach einem passenden Namen für die nach der Gebiets- und Verwaltungsreform in 1974 geschaffene Großgemeinde gesucht wurde, daß der Name Lahntal in Erwägung gezogen und letztendlich auch gewählt wurde. Seit dieser Zeit erscheint also Lahntal auch als Ortsbezeichnung auf der Landkarte. Wer jedoch eine ältere Karte zur Hand nimmt, auf der die neueste kommunalgeographische Veränderung noch nicht sichtbar gemacht wurde, der folge dem Lauf der Lahn ab der früheren Kreisgrenze Biedenkopf-Marburg. Er findet dort zunächst den Dammhammer, eine frühere Mühle, spätere Hammerschmiede und jetzigen Wohnsitz. In unmittelbarer Nähe ist der Campingplatz Dammhammer gelegen, alles zum Ortsteil Brungershausen gehörend. Das Dörfchen selbst, etwa ein Kilometer linksseits gelegen, hat 75 Einwohner und vorwiegend landwirtschaftliche Struktur. Brungershausen wird urkundlich in 1235 erstmals erwähnt und bestand zu dieser Zeit aus einem Gutshof und der vorerwähnten Mühle an der Lahn. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts gehörte Brungershausen zum Kloster Caldern und nach dessen Auflösung um 1528 zur Universität Marburg.

Ein kleines Stück flußabwärts auf der rechten Seite liegt Kernbach. Dahin führt der Weg über eine in 1925 erbaute sehr schöne Sandsteinbrücke. Das Dorf selbst mit einer noch in Betrieb befindlichen Mühle, herrlich im Kernbachtälchen gelegen, ist den Wanderern zum nahen Rimberg wohl bekannt. Die Einwohnerzahl beträgt 163 und hat sich auch hier in den letzten 20 Jahren nicht wesentlich verändert. Die in Ortsmitte gelegene Kapelle stammt aus dem Jahr 1687. Sie

wurde in 1912 und 1979 restauriert. Dabei wurde das gut erhaltene Fachwerk, das in 1912 verputzt worden war, jetzt wieder freigelegt. Schon im Jahr 1836 bauten die Kernbacher ein Schulhaus. Hierin fand zunächst nur Unterricht für die Kinder aus Kernbach statt. Einige Jahre später kamen auch die Brungershäuser hinzu. Unterrichtet wurde bis 1968, später folgte die Entwidmung des Gebäudes und Übergang in Privatbesitz.

Um nach Caldern zu gelangen, müssen wir dem Lauf der Lahn schon ein größeres Stück folgen. Zur Rechten erhebt sich das Kerndorf auf und um den Klosterberg gelegen. Erheben kann man mit Recht sagen, denn vom Tal aus muß man schon hinaufschauen. Die Bezeichnung Klosterberg weist auf das früher auf der Höhe gelegene Zisterzienserinnen-Kloster hin, dessen Gründung auf das Jahr 1250 zurückgeht. Geblieben von der klösterlichen Herrlichkeit sind einige Mauerreste und der in seinen Außenmauern noch erhaltene Konventsbau. Die heutige evangelisch-lutherische Nikolaikirche ist wahrscheinlich aus der Nikolaikapelle, die bei der Klostergründung schon vorhanden war und dann Bestandteil des Klosters wurde, Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden. Caldern beherbergt 1 128 Seelen und wird durch seine herrliche Lage und Urngebung als offiziell anerkannter Erholungsort von Touristen und Urlaubern gerne besucht,

Wir kommen zum Mittelpunkt und Verwaltungssitz der Gemeinde Lahntal, nach Sterzhausen. Das hier bedeutend breiter gewordene Lahntal mag unsere Vorfahren auch zu einer wesentlich breiteren und aufgelockerteren Siedlungsdichte bewogen haben. Schmucke, großräumig angelegte Bauernhöfe im Oberdorf und an der Wittgensteiner Straße zeugen hiervon. Eine rege Vereinstätigkeit hat in Sterzhausen seit eh und je bestanden. Zu erwähnen wäre der Fußballverein, der auf eine lange Tradition zurückblicken kann und einen beachtlichen Tabellenplatz behauptet. Auch die Trachtengruppe isr erwähnenswert, die durch ihre begeisternden Darbietungen bei vielen öffentlichen Veranstaltungen bis weit über die Orts- und Kreisgrenze hinaus gekannt geworden

ist. Die Einwohnerzahl hat sich in den letzten Jahren durch beträchtlichen Siedlungszuwachs auf mehr als 1 600 erhöht. Das Lahntal hat sich unterhalb Sterzhausen mächtig ausgedehnt. Bundesstraße und Bahn führen in gerader Linie nach Goßfelden, dem mit 1 940 Einwohner größten Ortsteil der Gemeinde. Goßfelden ist ein Ort mit alter Tradition. Bereits um 850 nach Christus wird es urkundlich erwähnt. Die Zugehörigkeit zum Deutschen Ritterorden, der im 13. Jahrhundert seine Ballei Hessen in Marburg entwickelte und unterhielt, hat mancherlei Spuren hinterlassen. Von besenderem historischen Wert ist die alte Sandsteinbrücke, die mit erheblichen Mitteln restauriert und für den Fahrbetrieb gesperrt wurde. Der Ortskern selbst hat noch eine ganze Anzahl schöne, alte Fachwerkhäuser. Goßfelden hat den größten Siedlungszuwachs in den letzten Jahren im Gemeindegebiet zu verzeichnen. Man kann nicht von Goßfelden reden, ohne eines bedeutenden Künstlers zu gedenken, der dort einen großen Teil seines Lebens und Wirkens zugebracht hat: des Mahlers Otto Ubbelohde. Sein Haus, in der Lahnaue gelegen, wird noch von seinen Nachkommen bewohnt. Eine Straße und die Schule sind nach ihm benannt. Prof. Dr. Otto Ubbelohde starb in 1922 und ruht auf dem Friedhof in Goßfelden.

Fast angrenzend durch einen Verbindungsweg rechts der Lahn von Goßfelden aus erreichbar, der Ortsteil Sarnau mit 875 Einwohner. Die Lahn hält direkten Kontakt mit dem Dorf und hat jetzt eine neue, verkehrsgerechte Brücke erhalten. Sarnau war Schnittpunkt der alten Weinstraße, jener alten Handelsstraße, die von Süden kommend, den Ort in nördlicher Richtung durchquerte. Als sehenswert zu erwähnen ist die evangelische Kirche, die vor zwölf Jahren im neuzeitlichen Stil erbaut wurde. Besondere Bedeutung hat in Sarnau der Fußball. Der frühere Bürgermeister Nau kam 1920 aus englischer Kriegsgefangenschaft zurück und gab die nötigen Impulse zur Gründung des Fußballvereins. Begeisterung und Kenntnisse für diesen Sport hatte er sich in England, dem Fußballmutterland, erworben. Der SG Lahn-

fels, aus dem FV Sarnau hervorgegangen, hat einen Tabellenplatz an der Spitze.

Als letzten Ortsteil im Gemeindeverband erreichen wir Göttingen, ein Dörfchen mit 235 Einwohner, im Schnittpunkt zweier Bundesstraßen gelegen. Durch diese Tatsache wird das Dorf täglich von etwa 10000 Fahrzeugen durchströmt, bestimmt nicht zur Freude und zum Vorteil der Einwohner. Bedauerlich, daß man vor einigen Jahren, als innerhalb der Ortslage ein Ausbau und eine Verbreiterung der beiden Straßen an ihrem Treffpunkt durchgeführt wurde und der außer einem Wohnhaus leider auch die alte, historische Sandsteinbrücke über die Wetschaft zum Opfer fiel, nicht eine für die Bewohner bessere Umgehungsmöglichkeit gefunden hat. Göttingen wird im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt. Ein Schulhaus wurde 1902 gebaut, worin bis 1967 unterrichtet wurde. Die Einwohnerzahl wird sich infolge des neu erschlossenen Neubaugebietes 'Auf dem Gern' künftig wesentlich erhöhen.

Auf den folgenden Seiten findet der Leser Bilder mit Beschreibungen von allen Ortsteilen aus alter Zeit, von längst Vergangenern, aber auch von Brauchtum und Gewohnheiten, die sich bis in unsere Tage erhalten konnten. Manche werden auf den Bildern ihre Eltern oder Großeltern in jungen Jahren erkennen und ein wenig von dem nachempfinden können, unter welchen Bedingungen sich das Leben früher abspielte. Dies war auch Sinn und Hauptzweck zu diesem Bildband. Auch sollte er eine Anregung dazu sein, in unserer auf Vorwärtsdenken ausgerichteten Zeit einmal besinnlich Rückschau zu halten, uns einmal in die Lage unserer Vorfahren zu versetzen und zu versuchen, das, was sie oft unter schwierigsten Umständen geleistet und geschaffen haben, ein wenig besser zu verstehen. Wenn uns das gelingt, so glaube ich, hat sich der Rückblick gelohnt.

1. Noch rechtzeitig vor der Drucklegung dieses Bildbandes wurde die Genehmigung des von Dr. Enno Korn vom Staatsarchiv Marburg entworfenen und von dem Heraldiker Heinz Ritt aus BadNauheim ausgeführten Wappens der Gemeinde Lahntal vom Hessischen Innenminister erteilt. Als Wappenbilder wählte die Gemeinde einen Wellenbalken unter Hinweis auf die namengebende Lahn, den Deutschordensschild wegen der Bedeutung des Deutschen Ordens für die Geschichte des heutigen Ortsteiles Goßfelden, einen Äbtissinnenstab im Hinweis auf das ehemalige Zisterzienserinnenkloster zu Caldern und sieben Kleeblätter für die sieben Ort steile der Gemeinde. Rot und weiß im Lahntaler Wappen sind die hessischen Farben.

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2. Oben: In der Einleitung beginnt die geographische Kurzbeschreibung der Gemeinde Lahntal mit dem Dammhammer, dem jetzigen Wohnsitz der Familie Gröppner, direkt an der Lahn und der früheren Kreisgrenze Marburg/Biedenkopf gelegen. Zur Zeit unserer Aufnahme, etwa um 1906, war die frühere Mühle bereits zu einer Hammerschmiede ausgebaut, die mit Wasserkraft betrieben wurde. Links im Bild, ein wenig an den Rand gedrängt, die drei Akteure, welche die Schmiede in Pacht betrieben: Friedrich Richstein und seine Söhne Wilhelm und Fritz. Die übrigen Personen auf dem Bild waren Sornmergäste, die sich auf dem Dammhammer mit seiner reizvollen Umgebung zahlreich und gerne aufhielten. Der Wasserabfluß in der Mitte war ein regulierbarer Überlauf, durch den ein gleichmäßiger Lauf des Antriebs-Wasserrades erreicht wurde,

Unten: Das alte Mäuersch-Haus mit den damaligen Besitzern Landwirt, Schmied und Bürgermeister Jakob Groß und seiner Frau Maria geborene Riebeling dürfte eines der ältesten in Brungershausen gewesen sein, wenn man davon ausgeht, daß es in seiner Originalität bis zum Abriß Anfang der dreißiger Jahre erhalten geblieben ist. So hat das Haus ohne größere Reparaturen, Instandsetzungen oder Umbauten gut und gerne 300 Jahre lang Winterstürmen und Sonnenhitze getrotzt, Gewitter und Unwetter über sich ergehen lassen, ohne größeren Schaden zu nehmen. Als dann in 1933 die Vorbereitungen und auch die Ausführung eines Neubaues abgeschlossen werden sollten, mußte der Altbau für immer verschwinden, da er 'im Wege' stand. Die Original-Aufnahme aus dem Jahr 1910/11 - als Ansichtspostkarte verwendbar - war in mehreren Exemplaren vorhanden und diesçm Urnstand ist es wohl zu verdanken, daß uns eines davon heute zur Verfügung steht.

3. Gruß aus Brungershausen. Diese Karte erhielt am 2. Oktober 1902 der Gendarm Wilhelm Reichard in Hofheim/Taunus von seinem Schwager Theodor Lettermann als Glückwunsch zum Geburtstag. Es soll auch heute noch vorkommen, daß man zum Geburtstag Glückwünsche per Post bekommt. Da dies aber nicht mehr für fünf Pfennig möglich ist, wie damals, greift man schon lieber zum Telefonhörer. Aber wo bleibt da die Romantik und die Überlieferung für die Nachwelt, wie in diesem Falle? Es dürfte sich hier um die älteste zeichnerische Darstellung von Brungershausen handeln, die vor der Jahrhundertwende entstanden ist. Die Wichtelhäuser, die bekannte Felsgruppe im Wollenberg und die Gastwirtschaft Pfeiffer mit dem längst verschwundenen alten Zollhaus an der Wittgensteiner Straße, sowie die Eisenbahn mit Rauchfahne im Hintergrund lassen die Romantik der vergangenen Zeit erahnen.

4. Dieses in 1842 von dem Müller der Hutemühle Heinrich Kamm in dem von Johannes Groß gekauften Garten erbaute Wohnhaus ist das Geburts- und Elternhaus von Friedrich Richstein. Die Aufnahme entstand im Jahre 1912. Dies ist auch ungefähr der Zeitpunkt, zu dem er das 'Brungershäuser Heimatlied' schrieb und vertonte. Aber nicht allein durch dieses Lied ist er über die Ortsgrenzen hinaus bekannt geworden, auch seine handschriftliche Erzählung 'Mein Heimatdorf Brungershausen' hat bei derzeitigen und ehemaligen Brungershäusern großen Anklang gefunden. Friedrich Richstein war der letzt1ebende Mitbegründer des Posaunenchor Caldern im Jahre 1906, der ihm sein Heimatlied noch zu seinem 80. Geburtstag in Marbach spielen konnte. Er starb am 25. Juli 1979 in Sandershausen bei Kassel mit 86 Jahren. Lassen wir ihn in seinem Lied, aus dem seine große Heimatliebe spricht, nachfolgend selbst zu Wort und Ton kommen.

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6. Eine solche zahlreiche Mannschaft war nötig, wenn im Spätherbst die Dreschmaschine ins Dorf kam, um die eingebrachte Getreideernte zu dreschen. Da mußte rausgeworfen, aufgegabelt, eingelegt, Säcke mufsten abgenommen, gewogen und auf den Boden getragen werden. Ferner war das Stroh abzunehmen, zu binden und zu gabeln. Dann war das Heald (Spreu) in Tragkörbe zu sammeln und auf die Bühne zu tragen, was ausschließlich Frauenarbeit war. Es war schon eine schwere Schufterei von frühmorgens sechs bis abends acht Uhr bei Staub und Dreck und oft auch bei Kälte. Dafür gab es aber auch gutes Essen dreimal am Tag und Durst brauchte auch niemand zu leiden, besenders nicht in diesem Falle, denn das Bild entstand im Jahre 1930 auf dem Hof der Gastwirtschaft Pfeiffer in Brungershausen. Dreschrnaschinenbesitzer und Maschinist war Heinrich Lenz aus Buchenau.

7. Das Bild zeigt im Vordergrund einen Brautwagen, der auf seinem Weg von Buchenau nach Kernbach auf der Wittgensteiner Straße gerade das alte Zollhaus in Brungershausen passiert. Das Zollhaus, oder später Chausseehaus genannt, wurde 1828 von der damaligen Landherrschaft erbaut, nachdem zuvor das Gelände von der Universität Marburg gekauft worden war. Es diente dem amtierenden Zöllner als Dienstwohnung. Dieser hatte die Aufgabe, von den die nahe Kurhessisch-Darmstädtische Grenze passierenden Warentransporten Zoll zu erheben. Folgende Namen von diensituenden Zöllnern sind uns überliefert: Philipp Stengel, Zöllner König und Zöllner Hartung. Nachdem 1866 auch die Kurhessen preußisch wurden, hatte das Zollhaus in seiner Bestimmung ausgedient. Es diente danach noch einigen Familien als Wohnhaus und wurde am 19. Oktober 1872 durch Johannes Pfeiffer von der Königlichen Regierung in Kassel für 630 Taler samt dem dazugehörigen Gelände gekauft. Seit 1954 ist es endgültig verschwunden.

8. Nur die älteren Einwohner von Kernbach werden sich an dieses Haus der Familie Arnold erinnern, obwohl es noch vorhanden ist. Der Fachwerkbau hat jedoch sein Aussehen und auch seine Inneneinrichtung dem Zeitgeschmack entsprechend geändert. Unverändert geblieben ist dagegen im Wesentlichen die Scheune mit den farbigen Fachwerkmalereien an den oberen Gefachen, die noch im Original erhalten sein dürften. Das Anwesen wurde laut Balkeninschrift in 1846 vom Urgroßvater des jetzigen Besitzers Heinrich Arnold erbaut. Auf dem Bild sind die Eltern Jost und Margarethe Arnold mit den beiden ältesten Kindern zu sehen. Die Aufnahme ist im Jahr 1913 entstanden.

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