Lahntal in alten Ansichten

Lahntal in alten Ansichten

Auteur
:   Reinhard Richstein
Gemeente
:   Lahntal
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2255-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Lahntal in alten Ansichten'

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19. Ein vertrautes Bild von Kirche und Pfarrhaus in Caldern bietet sich dem Beschauer von der Straßenabzweigung Richtung Dilschhausen her. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, daß manches vor dem Ersten Weltkrieg, als diese Aufnahme entstand, doch wesentlich anders aussah. Während die Kirche selbst in den letzten Jahrhunderten äußerlich unverändert blieb, wurde das um 1750 gebaute alte Pfarrhaus bereits 1919 abgerissen, nachdem von 1914 bis 1916 ein neues Pfarrhaus zwischen Kirche und altem Pfarrhaus gebaut worden war. Heute drängt sich die Frage auf, warum ein solch schönes und stattliches Gebäude, das bestimmt aus Eichenholz gezimmert war, schon nach 170 Janren ausgedient hatte? Die Wegegabelung im Vordergrund diente den Kindern aus der Schule gegenüber in der Pause als Spielplatz und die Sandsteinbänke um die junge Linde luden zum Schwatz und Ausruhen an lauen Sommerabenden ein. Ein Stück Romantik ist auch hier Vergangenheit.

20. An dieser Stelle soll an einen Mann erinnert werden, der für sein Kirchspiel Caldern-KernbachBrungershausen viele Jahre segensreich gewirkt hat:

Pfarrer Gottfried Schmidmann. So wie ihn das Bild aus den zwanziger Jahren darstellt, ist er vielen älteren Gemeindegliedern als ihren 'Pärrner' noch gut in Erinnerung, In 1874 in Fronhausen/Lahn geboren, kam Gottfried Schmidmann in 1902 als Pfarrer nach Caldern, von wo er nach 30jähriger Tätigkeit in 1932 nach Marburg übersiedelte, um an der Lutherischen Pfarrkirche als Kreispfarrer (Superintendent) zu wirken. Sein Leben und Schaffen in Caldern war erfüllt von Glück und Freude an seiner seelsorgerischen Arbeit in der Gemeinde, aber auch von persönlichem bitteren Leid und Trauer. So starb ihm seine junge Frau schon einige Jahre nach dem Beginn seiner Tätigkeit in Caldern und er bedurfte selbst des Trostes, den' er oft schon anderen in Unglück und Todesnot gespendet hatte. Pfarrer Schmidmann lebte in den letzten Lebensjahren bei seiner Tochter in Korbach und starb dort 1954. Er ist auf dem städtischen Friedhof in Marburg beigesetzt.

21. In ihrer Sonntagstracht präsentiert sich hier die l Familie Wiegand und Christine Ludwig aus Caldern r~ mit den Kindern Philipp, Elisabeth, Anna-Katarina und Johannes. Während die Mutter streng in schwarz erschien, waren die 'Anzüge' der Mädchen recht farbenfroh, besenders die Farben grün und rot dominierten und die Röcke auch der kleinen Mädchen waren schön-sittsam lang. Ein Kunstwerk besonderer Art waren die Kappen, auch Betzei genannt. Das Oberteil war mit farbigen Glasperlen so bestickt, daß sich Muster und Ornamente ergaben. Zu der Kleidung auf Lebenszeit, die eine junge Frau mit in die Ehe brachte, gehörten auch die entsprechende Anzahl Kappen. Übrigens, das kleine Mädchen vorn in dem langen Kleidehen ist ein Bub. Damals leisteten sich die jungen Männer in dem Alter noch das Vergnügen, Madehenkleider zu tragen. Das Bild entstand im Jahr 1903.

22. Hier haben wir auch gleich das Wohnhaus der Familie Ludwig, mit Dorfnamen Backes genannt. Diese Bezeichnung ist von einem ausgestorbenen Familiennamen übernommen worden, der noch im 18. Jahrhundert in Caldern existierte. So ist in einer Aufzeichnung in einem alten kirchlichen Stuhl-Buch von 1766 zu lesen: Johann Peter Backes zu Caldern hat den 5. Sitz der langen Mannsbühne, nachdem er die Herrschaft von seinem Vater ûbernommen, vor sicn einzulosen, Das Haus selbst dürfte aus dem 17. Jahrhundert stammen und hat ursprünglich auch im unteren Teil aus Fachwerk bestanden. Es wurde im Jahr 1921 mit Betonsteinen unterfangen und bereits neun Jahre später gänzlich abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

23. Nicht mit zwei PS, sondern mit zwei KS pflügt hier der Kuhbauer Wiegand Ludwig aus Caldern seinen Mist unter. Die Tätigkeit des Pflügens mit zwei Kühen ging natürlich wesentlich langsamer vonstatten, als mit zwei Pferden. Die hier sichtbar gepflügte Fläche dürfte in etwa dem Tagespensum mit zwei Rindviehchern entsprechen. Ein mehr hätte sich mit Sicherheit auf die zu erwartende Milchleistung am Abend negativausgewirkt und darauf mußte, zum Wohle aller, ja auch Rücksicht genommen werden. So sehen die Drei hier ihrem wohlverdienten Feierabend entgegen. Das Bild ist um 1910 aufgenommen. Im Hintergrund der Debushof und die Silhouette vom Rimberg.

24. Original Bauernbrot gibt es zwar auch heute noch in Caldern, doch wird es jetzt auf andere Weise 'an den Mann' gebracht, als damals. Der Pferdebäckerwagen alten Stils hat längst ausgedient, ebenso sind alle Personen auf dem Bild nicht mehr am Leben. Ganz rechts der Senior-Chef des Unternehmens, Müller Johannes Pfeiffer, links der Fahrer und spatere Bürgermeister von Kernbach Ludwig Seipp. Die beiden jungen Leute hat der Zweite Weltkrieg verschlungen. Das Bild ist um 1930 entstanden und wurde anläßlich des SOjährigen Bestehens der Calderner Mühlenbäckerei im Großforrnat reproduziert.

25. Ein Kuhgespann gibt es heute bei uns überhaupt nicht mehr. Zur Zeit dieser Aufnahme, Ende der zwanziger Jahre, gehörten Kuhgespanne noch zum Dorf- und Landschaftsbild. Nun, unsere wackeren Bauern auf dem Bild wollten nicht gerade zur Feldarbeit ausrücken, sondern es handelt sich um ein Bauernfest mit Festzug unter ihrer Mitwirkung. Auch Reitersleute waren vertreten, wie man sieht, Mißtrauisch betrachtet die Handkuh, die in Wirklichkeit ein Ochse ist, den Haufen frischer Pferdeäpfel auf dem Weg. Die auf dem Bild erkermbaren Personen sind von links: Johannes Heine, Hermann Wack, Wiegand Ludwig, Andreas Ochs und der Reiter Johannes Moog, sämtlich aus Caldern.

26. Das Vereinsleben war auch in Caldern zu Anfang unseres Jahrhunderts schon recht beachtlich. Hier der Turnverein im Jahre 1919 schon mit einer stattlichen Anzahl aktiver Mitglieder. Das Gründungsjahr des Turnvereins, aus dem der heutige Turn- und Sportverein hervorgegangen ist, war 1911. Die sportliche Betätigung beschränkte sich damals fast ausschließlich auf das Geräteturnen, Fußball kam erst viel später. Ganz links Herr Lehrer Mütze, einer der Mitbegründer des Vereins. Drei noch lebende Mitglieder auf dem Bild sind: Joharm Klingelhöfer, Heinrich Klingelhöfer und Peter Grebe. Kar! Muth, der ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist, verunglückte sechs Jahre später tötlich bei Löscharbeiten, als in 1925 die Mühle in Caldern abbrannte.

27. Herr Pfarrer Waas in Sterzhausen, hier zusammen mit seinen Konfirmanden des Konfirmationsjahrganges 1926 zu sehen, hat wesentlich zum Gelingen unseres Bildbandes beigetragen. Als Amateur-Fotograf hat er schon um die Jahrhundertwende eine große Zahl wertvoller Fotos aus dem dörflichen Leben während seiner Pfarrzeit in Sterzhausen geschaffen, auf die wir jetzt zurückgreifen können. Der gebürtige Basdorfer kam schon in den neunziger Jahren als Pfarrer nach Sterzhausen, wo er bis 1930 wirkte. Waas galt als 'gestrenger Gottesmann' vor dem alle, besonders die Jugendlichen, einen Heidenrespekt hatten. Manche Erinnerungen und Überlieferungen deuten jedenfalls darauf hin. Er wohnte nach seiner Pensionierung in Marburg, ruht aber auf dem Friedhof in Sterzhausen, auf dem er selbst in den 40 Jahren seiner Amtszeit so manchen Sterzhäuser begraben hat.

28. Alte Schul- und Konfirmationsbilder werden immer wieder gerne hervorgeholt und es werden Überlegungen angestellt, wer wohl dieser oder jene gewesen sein könnte. Dies herauszufinden ist gar nicht so einfach, wenn, wie in diesem Falle, die Konfirmation schon so lange zurückliegt und von den Beteiligten keiner mehr unter uns weilt. Der Herr Pfarrer Waas hat seinen Konfirmandenjahrgang 1904 hier höchst persönlich auf die Platte gebannt, deshalb fehlt er auch auf dem Bild. Wahrscheinlich war der Selbstauslöser noch nicht erfunden. Die Aufnahme entstand im Garten des Pfarrhauses Sterzhausen.

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