Lahntal in alten Ansichten

Lahntal in alten Ansichten

Auteur
:   Reinhard Richstein
Gemeente
:   Lahntal
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2255-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Lahntal in alten Ansichten'

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29. Wesentlich romantischer war die Zeit, als noch 'Holz vor der Tür' lag oder saß gegenüber der Jetztzeit, wo alles akkurat und glänzend sauber sein muß. Der Wasserbottich, mit dem das kostbare Regenwasser aufgefangen wurde, der Starenkasten hoch oben am Giebel, die Spannsäge in Ruhestellung unter dem Fenster und auch die Maulkörbe für die Kühe beim Futterholen, all dies gehört der Vergangenheit an. Das Fachwerk an dem Klingelhöfer'schen Stammhaus auf der Ketzerbach in Sterzhausen ist bei der Renovierung zum Teil sichtbar geblieben. Die Aufnahme entstammt der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und zeigt von links:

Johann-Theis, Michael und Heinrich Klingelhöfer. Im Fenster Frau Elisabeth Klingelhöfer, aus Unterrosphe gebürtig.

30. Die älteren Mitbürger werden sich sicher an ihn erinnern: den Juden Salli Ziegelstein aus Sterzhausen. Hier ist er als Soldat im Ersten Weltkrieg zu sehen, als auch die Juden das 'Ehrenkleid der Nation' tragen durften. Erst 25 Jahre später wurden sie dafür mit dem gelben Stern ausgezeichnet und verschwanden auf Nimmerwiedersehen in den Konzentrationsläger. Unser Salli, aus Rauschenberg stammend, heiratete eine der beiden Töchter der jüdischen GastwirtsfamiJie Isenberg in Sterzhausen. Er betrieb einen schwunghaften Viehhandel, wodurch er in der näheren und weiteren Umgebung von Sterzhausen gut bekannt war. Die Gastwirtschaft 'Zur Linde' wurde später von den Eheleuten Heinrich und Emma Schmidt gepachtet beziehungsweise gekauft. Die Wirtin, die als Tante Emma sehr bekannt war, lebt heute noch (1983) hochbetagt in Sterzhausen.

31. Das heutige Lebensmittelgeschäft von Heinz Kappeller auf der Ketzerbach in Sterzhausen hat eine alte Tradition. Auf dem Firmenschild über der Tür ist gleichzeitig vermerkt, was es alles zu kaufen gab: 'Kolonialwaren, Mehl, Kleie, Flaschenbier, Tabak und Cigarren von Andreas Kappeller'. Das Schild rechts von der Tür weist darauf hin; daß auch Kathreiners Malzkaffee zu haben ist. Nicht mit Sicherheit festzustellen war, ob alle Kinder auf dem Bild zur Familie Kappeller gehörten. Die Aufnahme ist im Jahre 1908 oder 1909 entstanden. Das Haus wurde durch An- und Umbauten gänzlich verändert.

32. Die Aufnahme aus dem Jahre 1908 zeigt einen Pack- oder Brautwagen. Mit diesem hier fuhr Anna Katharina Damm von Sterzhausen nach Schönstadt, um dort als Frau Geisel Bäuerin zu werden. Zwischen Möbel, Betten und Hausrat, welches die Braut als Aussteuer in den neuen Hausstand einbrachte, thronte sie mit Gefolge auf dem neuen Sofa. Die Beladung eines solchen Packwagens erforderte besonderes Geschick und erfolgte nach bestimmten Regeln. So diente der spinnfertige Flachs, rings um den Leiterwagen aufgeschichtet, gleichzeitig auch als Polster- und Verpackungsmaterial. Im Hintergrund ist das alte Spritzenhaus zu sehen, das heute nicht mehr vorhanden ist. Es diente, wie schon der Name sagt, der Feuerspritze und auch manchem Übeltäter als Unterkunft. Das vergitterte Fenster weist darauf hin.

33. Ein solcher Brauteinzug oder -Umzug war meist nicht mit einer Fuhre zu bewerkstelligen. Oft fuhr eine Kutsche oder ein Wagen mit den nächsten Angehörigen hinterher, was wir auf diesem Bild sehen können. Die Dorfjugend folgt dem Geführt in gebührendem Abstand bis zum Dorfende. Unterwegs war mit mancherlei Aufenthalt und Hindernissen zu rechnen. In den Dörfern, die zu durchfahren waren, hatte sich das Ereignis schnell herumgesprochen. Eine über die Straße gespannte Ackerleine ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß hier erst einmal angehalten werden mußte. Die Weiterfahrt wurde erst gestattet, wenn den 'Wegelagerern' ein Umtrunk gereicht wurde. Die Reiter waren hieraufvorbereitet und hatten anstatt einer Satteltasche je einen Krug 'Klaren' dabei, wie auf dem vorigen Bild zu erkennen ist.

34. Dieses Bild stellt den Bahnhof Sterzhausen im Jahre 1917 dar. Eine grundsätzliche Veränderung hat das Gebäude bis heute nicht erfahren. Mit Sicherheit gibt es die Petroleumlampen und die Draisine nicht mehr. Letztere wurde von den Streckenarbeitern mit Muskelkraft über die Schienen bewegt. Dieses energiesparende Fahrzeug diente in der Hauptsache als Baustellenfahrzeug und zur Streckenkontrolle. Der Eisenbahner links auf dem Bild mit dem großen Schraubenschlüssel mußte allerdings seine Kontrollgänge über die Schwellen zu Fuß machen, dies soll auch heute noch der Fall sein. Von den abgebildeten Personen sind noch bekannt: Johannes Gnau, Johannes Acker, Jakob Gnau aus Sterzhausen und Peter aus Sarnau. In der Tür zum Warteraum der kleine Johannes Gnau.

35. Die Entstehung der Posaunenchöre geht in das 16. Jahrhundert zurück. Man vereinigte mehrere Posaunen zu Chören, die ihren Einsatz in der Kirchenmusik und in der Oper fanden. Aber ganz so alt ist unser Bild nicht. Es entstand im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts vor der Kirche in Sterzhausen. Dies ist auch die Zeit, in der die meisten Posaunenchöre in unserer Gegend ihre Gründung fanden. Es handelt sich auf unserem Bild nicht nur um den Chor von Sterzhausen, sondern die Aufnahme entstand anläßlich eines Posaunenfestes, an dem mehrere Chöre aus der Umgebung beteiligt waren.

36. Ein junges Paar in der Alt-Marburger Hochzeitstracht sieht man heute auch auf Bilder nur selten. Deshalb verdient es, hier festgehalten zu werden. Weihnachten 1909 heiratete der Bauer Johannes Pepin in Sterzhausen Katharina Kaiser aus Ebsdorf. Das Bild entstand vor dem alten Pepin'schen Haus, das längst einern Neubau weichen mußte. Dem Pfarrer Waas, der sich als Amateur-Fotograf zu dieser Zeit sehr erfolgreich betätigte, verdanken wir neben vielen anderen auch diese Aufnahme.

37. Zurückversetzt in eine beschaulichere Zeit fühlt man sich beim Anblick dieses Kuhgespannes. Gerade hatte der Kuhbauer Kappeller eine Fuhre Mist geladen, als ihn der Fotograf vor der Abfahrt auf dem Hof überraschte. Die übrigen Familienmitglieder waren schnell zur Stelle. Wer schon einmal mit einem Kuhgespann gefahren und auf dem Acker gearbeitet hat, der weiß um die damit verbundene Mühe, aber auch um die Engelsgeduld, die man bei den beiden Rindvieheher aufbringen mußte. Allzuhart durfte man sie nicht hernehmen, denn schließlich sollte sie am Abend auch noch Milch geben. Unser Bild zeigt das Anwesen Kappeller (jetzt Seekinger) und entstand etwa in 1914. Die Scheune rechts hat inzwischen einern neuen Wohnhaus mit Gastwirtschaft Platz machen müssen.

38. Auch das kulturelle Leben stand Anfang unseres Jahrhunderts in Sterzhausen schon in voller Blüte, Auf dem Bild ist eine Theatergruppe in Kostümen und mit Requisiten zu sehen, die wohl kurz vor dem Auftritt zur Premiere stand, wie wir ihren konzentrierten Gesichter entnehmen können. Vielleicht hat aber auch das Blitzlicht hierzu beigetragen. Welches Stück zur Aufführung gelangen sollte, war leider nicht mehr festzustellen. Auch diese Aufnahme noch vor dem Ersten Weltkrieg verdanken wir Herrn Pfarrer Waas.

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