Lauterbach in alten Ansichten

Lauterbach in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Carola Runge und Kurt Vollmöller
Gemeente
:   Lauterbach
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5108-5
Pagina's
:   88
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Lauterbach in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Inmitten einer lieblichen Mittelgebirgslandschaft, umgeben von sanften bewaldeten Höhenzügen, liegt die oberhessische Stadt Lauterbach an den nordöstlichen Ausläufern des Vogelsbergs. Die Lauter, ein munterer Gebirgsbach, der im Vogelsberg entspringt und durch die Stadt fließt, gab ihr den Namen, bei dessen Klang jedem sogleich das bekannte Volkslied einfällt: 'In Lauterbach hab ich mein Strumpfverlorn .. .', das hier bei vielen Gelegenheiten gespielt und gesungen wird und zu einem echten Heirnatlied geworden ist.

In der fränkischen Siedlungsperiode zwischen 400 und 800 entstand Lauterbach an einem wichtigen siebenstrahligen Kreuzungspunkt uralter Strafsen. Im Jahre 812 wird es zum ersten Mal urkundlich genannt in der Markbeschreibung der Kirche von Schlitz. In dieser Urkunde wird eine Kapelle .mit Namen Luternbach erwähnt, an der ein Erzpriester amtierte. Dies ist auch der erste Hinweis auf eine Kirche in Lauterbach. Im Mittelalter gehörte der Ort zu dem grofsen Territorium der Abtei Fulda, der Abt des Klosters war Landesherr. Als Geistlicher durfte er jedoch keine weltliche Gerichtsbarkeit ausüben. Er sah sich daher gezwungen, in die einzelnen Gerichtsbezirke adlige Vögte einzusetzen. Die Vogtei Lauterbach hatten seit dem 12. Jahrhundert die Grafen von Ziegenhain als fuldisches Lehen inne. Diese setzten zur Verwaltung des Gebietes ihrerseits wieder die Herren von Wartenberg als Untervögte ein, deren Nachfolger seit 1336 die Herren von Eisenbach wurden. Von Zeit zu Zeit kam es zu Spannungen zwischen dem Abt von Fulda und den Vögten, die sich mehrmals zu offenen Fehden zuspitzten. So erhoben sich die fuldischen Ritter im 13. Jahrhundert gegen die Abtei, doch der damalige Abt Bertho II. von Leipolz, genannt 'Fingerhut' wegen seinem kleinen Statur, war seinen Gegnern überlegen und blieb Sieger. Er bemächtigte sich ihrer Burgen und zerstörte sie. 1265 wurde die Burg Wartenberg bei Angersbach zerstört und 1269 auch die Burg Eisenbach. Letztere wurde

jedoch nach einigen Jahren wieder aufgebaut, während Burg Wartenberg seither Ruine blieb. 1266 erhob der Abt Lauterbach zur Stadt, wohl zum Dank dafür, daß seine Bewohner ihm treu zur Seite gestanden hatten während der Fehde gegen die Vögte. Lauterbach erhielt eine Stadtmauer mit Turmburg. Die lateinisch abgefaßte Stadtwerdungsurkunde von 1266, die sich bis zum heutigen Tag erhalten hat, ist zugleich der Friedensvertrag mit den Brüdern Dietrich und Heinrich von Wartenberg.

In den folgenden Jahrhunderten wechselte Lauterbach mehrfach den Besitzer durch Verpfändungen, Verkäufe und durch kriegerische Ereignisse. Nach dem hessischen Krieg 1427 hatten die beiden Gegner, der Erzbischof von Mainz und Landgraf Ludwig von Hessen, Lauterbach in Pfandbesitz. Nach dem Aussterben der Herren von Eisenbach 1428 traten die Ritter und späteren Freiherren Riedesei zu Eisenbach an ihre Stelle, ein Geschlecht, mit dem die Geschichte Lauterbachs aufs engste verbunden ist und das heute noch in der Umgebung der Stadt ansässig ist. Hermann n. Riedesel, der 'Goldene Ritter', kam als erster der Familie in die Gegend. Durch kluge Politik gelang es ihm, ganz Lauterbach und Urngebung fest in seine Hand zu bekommen und die Macht seines Hauses zu festigen. 1433 erhielt er den hessischen Pfandanteil an Lauterbach, und 1456 auch den mainzischen. Landgraf Ludwig verlieh ihm die Erbmarschallwürde für sein Haus. Sowohl im 15. wie auch im 16. Jahrhundert gab es ernste Auseinandersetzungen zwischen der Abtei Fulda und den Rittern RiedeseI. 1527 wurde die Reformation in Lauterbach eingeführt, wodurch der Bruch mit Fulda sich vertiefte. Vergeblich versuchte der Abt, Lauterbach wieder unter seine Herrschaft zu bringen. 1548 wandte er Gewalt an und eroberte die Stadt durch einen Handstreich. Doch die Riedesel setzten alles daran, wieder in den Besitz von Lauterbach zu kommen, was ihnen nach jahrelangem vergeblichen Prozeß

vier Jahre später 1552 ebenfalls durch Gewalt mit Hilfe des mächtigen protestantischen Grafen von Oldenburg auch gelang. Dieser höchst unklaren Rechtslage wurde erst 1684 ein Ende gemacht durch den Abschluß eines Vertrages zwischen den streitenden Parteien, in dem die Vogtei Lauterbach als Lehen erklärt und den Riedesei, die der reichsunmittelbaren fränkischen Ritterschaft angehörten und in diesem Jahr in den Freiherrenstand erhoben wurden, als selbständigen Landesherren übertragen wurde. Das kleine Ländchen, das sie regierten mit eigener Verfassung und Gerichtsbarkeit, wurde das Junkerland genannt. Lauterbach war die Hauptstadt. Es hat als eigenständiges Staatswesen bestanden bis 1806. In diesem Jahr wurde es dem neugegründeten Großherzogtum Hessen einverleibt als ein Teil der Provinz Oberhessen.

Als Bestandteil eines größeren Landes konnte sich die Stadt in mehrfacher Hinsicht besser entfalten. So wurde vor allem der Verkehr gefördert durch den Bau neuer Fernstraßen im 19. Jahrhundert, die die Stadt berühren. Als 1871 die Bahnlinie Gießen-Fulda fertig gestellt wurde, erhielt Lauterbach Anschluß an das Eisenbahnnetz ; und der Bau der Vogelsbergbahn 1901 verband. die Stadt direkt mit Frankfurt. Nach der Gründung des Landkreises 1852 wurde Lauterbach Kreisstadt und damit enger mit dem Umland verbunden.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts bildeten sich viele Vereine und bestimmten das gesellige Leben der Stadt. In früheren Jahrhunderten war Lauterbach ein Ackerbürger- und Handwerkerstädtchen. Einzelne Handwerke waren vorherrschend und bildeten die Hauptgrundlage für den Unterhalt der Bevölkerung. Von den meistgeübten Gewerbezweigen stand an erster Stelle die Leinenweberei, die zunächst handwerklich und später industriell betrieben wurde. Von ihr lebte der größte Teil der Bevölkerung. Daneben gab es noch andere Handwerke, die zu überörtlicher Bedeutung gelangten, wie die Töpfereien, die Hutmacher, die Metzger, die nicht nur die

Stadt versorgten, sondern auch Versandgeschäft hatten. Einen guten Ruf genossen auch die Lauterbacher Messerschmiede. Durch die Vieh- und Weidewirtschaft im Vogelsberg entwickelte sich auch die Molkerei zu besonderer Leistungskraft; hier wird der bekannte Camembert 'Lauterbacher Strolch' hergestellt. Der eigentliche Durchbruch zu wirtschaftlichem Aufschwung gelang jedoch erst in unserem Jahrhundert mit der vollen Industrialisierung, und zu einer Blüte kam es nach dem Zweiten Weltkrieg.

Jetzt ist Lauterbach wirtschaftliches Zentrum eines größeren Raumes im nordöstlichen Vogelsberg. Viele Pendler strömen täglich aus der Umgebung in die Stadt, um ihrer Arbeit nachzugehen. Zahlreiche Industriebetriebe bestehen schon seit langer Zeit und wurden wesentlich erweitert, andere haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg hier niedergelassen. So konnten auch die Evakuierten und Heimatvertriebenen in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden.

Auch an kulturellen Einrichtungen fehlt es in Lauterbach nicht, hervorzuheben sind: Eine umfangreiche Bibliothek, das sehenswerte Hohhaus-Museum und eine rege Volkshochschule mit reichem Angebot. Ebenfalls vielseitig sind die sportlichen Möglichkeiten, besonders durch die großzügigen Sportanlagen im Steinigsgrund, wie das umfangreiche Freischwimmbad, das Hallenwellenbad, die Tennisplätze und die Kunsteisbahn. Wintersportmöglichkeiten bestehen auch in dem nahe gelegenen Vogelsberg.

Auf Grund seiner schönen landschaftlichen Lage und seines gesunden Klimas ist Lauterbach seit 1962 staatlich anerkannter Luftkurort und besitzt die dazu notwendigen Einrichtungen. Der Fremdenverkehr hat seitdem ständig zugenommen und gibt dem Wirtschaftsleben der Stadt wesentliche Impulse.

Lauterbach ist heute die Kreisstadt des Vogelsbergkreises.

1. Eine der vielen Lauterbacher Strumpfkarten schuf der berühmte Marburger Künstler Otto Ubbelohde. Von ihm stammt das hier gezeigte Bild.

Das Motiv hat viele Künstler zur Gestaltung angeregt. Die Idee, eine solche Karte herauszubringen, geht auf den alten Herrn Gustav Mandt zurück. Den ersten Entwurf schuf 1898 der Malermeister Julius Siemsen.

2. Oben: Der 1835 in Lauterbach geborene Maler Fritz Ebel malte den Lauterbacher Marktplatz noch mit dem alten Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und der alten Stadtschenke daneben. Es waren die schönsten und stattlichsten Fachwerkhäuser am Marktplatz. 1870 wurden sie abgerissen. Beide Gebäude waren durch einen Zwischenbau miteinander verbunden, unter dem das sogenannte 'Schenkgässchen' vom Marktplatz zur Hintergasse führte, Am Stadtwirtshaus hingen die schmiedeeisernen Zunftzeichen der Handwerkerzünfte, die ihre Zusammenkünfte dort hatten. Unten: Das jetzige Rathaus wurde 1871 und in den folgenden Jahren an Stelle des alten Rathauses und der Stadtschenke erbaut. Links unten sieht man noch die beiden großen Tore der einstigen Markthalle. Hier wurde später der Sitzungssaal eingerichtet, Inzwischen erfuhr das Rathaus noch weitere wesentliche Veränderungen, Anläßlich des Stadtjubiläums 1966 wurde es innen und außen gründlich erneuert. Die heutige Stadtkasse links neben dem Rathaus wurde 1743 von Johannes Schwartz erbaut. Das schöne Fachwerk wurde in neuerer Zeit freigelegt, das Hauptportal an die Seite verlegt und die große Freitreppe entfernt.

3. Die Hintergasse mit der Ziegenherde malte Heinrich Diehm. Der Geißhirt Kirchner treibt die Ziegen zur Weide. Links unterhält sich Rat Schaum mit Sarut-Kassier Sandmann. Das zweite Haus links mit der schönen Fachwerkfassade, ein Wienoldshaus, wurde vor 1900 abgebrochen.

4. Oben: Das Haus Boreen am Marktplatz beherbergt heute die Drogerie Wettich. Im Erdgeschoß wurde ein größerer Laden eingebaut und die Freitreppe beseitigt. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war hier die erste Wirtschaft am Platz, die der Posthalter Schröder betrieb. Die Postpferde wurden hier gewechselt. In dem stattlichen alten Fachwerkhaus Ahlbrandt daneben wurden ebenfalls in neuerer Zeit die Schaufenster vergrößert. Hier war zeitweise die Sparkasse untergebracht. Die linke Seite war die Wohnung des Armenrechners Habicht.

Unten: Das Haus Herming am Marktplatz 28 wurde am 1. Dezember 1925 teilweise durch Brand zerstört. 1926 wurde es wiederhergestellt und gleichzeitig umgebaut. Das französische Dach wurde entfernt und ein weiteres Stockwerk aufgesetzt und an der Schmalseite ein Anbau angefügt, in dem sich der Laden befindet, und der Eingang versetzt. Das Haus gehörte ursprünglich den Freiherren Riedesel zu Eisenbach, und hier befand sich die sogenannte 'Fräuleinwirtschaft'. Die drei Häuser im Hintergrund (Krömmelbein, Tigges und Lippert) waren damals verputzt, heute zeigen sie ihr schönes Fachwerk.

5. Oben: Ein Festzug bewegt sich über den Marktplatz. Gustav Mandt, einer der ersten Fotografen in Lauterbach, fotografierte 'ihn anläßlich der Einweihung des Kriegerdenkmals von 1870-1871 im August 1907. Bei unserem Bild hatte er es besonders auf die Schüler der damaligen Bürgerschule abgesehen, was man an den Schülermützen erkennt. Man kann abzählen, daß es sich um etwa siebzig Jungen und acht Mädchen handelte.

Unten: Das Löwendenkmal wurde zur Erinnerung an den Deutsch-franzosischen Krieg 1870-1871 am 18. August 1907, dem Jahrestag der Schlacht von Gravelotte, eingeweiht nach langjährigen Vorbereitungen durch den Kriegerverein. Es ist ein Werk des Darmstädter Bildhauers Ludwig Habich. Bei der Einweihung sprachen Schulrat Andres, Vorsitzender des Denkmalausschusses, der das Denkmal enthüllte, und anschließend Bürgermeister Alexander Stöpler, der es in die Obhut der Stadt übernahm, Der Sprecher auf diesem Foto ist Bürgermeister Stöpler. Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem Platz versammelt.

6. Gruppenbild der am 21. August 1910, bei der Einweihung der Ehrentafeln in der hiesigen Stadtkirche, noch lebenden Teilnehmer des Feldzuges 1870-1871 vor dem Löwendenkmal.

7. Festzug zur fünfundzwanzigjährigen Wiederkehr des Sedantages am 2. September 1895. Zur Erinnerung an die Schlacht bei Sedan am 1. September 1870, der am 2. September die Gefangennahme Kaiser Napoleons IIL und die Kapitulation des französischen Kaiserreichs folgte, wurde alljährlich ein vaterländisches Fest veranstaltet, bei dem die Veteranen von 1870 und 1871 besonders geehrt wurden. Ein Festzug bewegte sich durch die Stadt, voran die kleinen Mädchen in weißen Kleidern, anschließend wurde getanzt. Abends wurde auf dem Vaitsberg ein Freudenfeuer abgebrannt.

8. Den Bliek vom Hopfenberg auf die Stadt fotografierte Gustav Mandt sen. im Jahr 1892. Die obere Hainigstraße war noch weitgehend unbebaut. Im Vordergrund sieht man das frühere Sagewerk Fuchs. Das Haus ist teilweise heute noch in einem Wohnhaus erhalten, Linker Hand befand sich der Holzstapelplatz der Bäcker.

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