Lübeck in alten Ansichten Band 2

Lübeck in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Karl-Heinz Axen
Gemeente
:   Lübeck
Provincie
:   Schleswig-Holstein
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5425-3
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Lübeck in alten Ansichten Band 2'

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19. Von der Breiten Straße herunterkommend blieken wir auf die Jakobikirche, die ihren Namen nach dem ihr zugehörigen Stadtteil erhielt. Die Breite Straße, 1284 'Platea Lata', 1379 'Brydenstrate' und 1411 'Bredestrate' genannt, galt als die eigentliche Hauptstraße Lübecks. Diese Straße, die vom Koberg bis zum Kohlmarkt reicht, wurde in älterer Zeit bevorzugt als Wohnstraße genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts verlor die Straße langsam den Charakter einer Wohnstraße. Was insbesondere für die Ratsherren galt, die in nächster Umgebung des Rathauses wohnten, nicht aber für die einfacheren Leute, die im mittleren Teil der Breiten Straße wohnten. Auf diesen Abschnitt blieken wir von der Ecke der Pfaffenstraße aus. Um 1880 wurden die mittelalterlichen Bauten durch moderne Geschäftshäuser, siehe unser Foto von 1905, ersetzt.

~übe~

Breite Strasse

20. Obwohl sich die belebte Breite Straße für den Verkauf von Waren förmlich anbot, blieb sie , wie bereits erwähnt, lange die Wohnstraße der Wohlhabenden. Anders wurde es, als der erste gut rechnende Hausbesitzer, fast schüchtern, wie es Professor von Lütgendorff in seinem Buch 'Lübeck zur Zeit unserer Großeltern' schreibt, einen Verkaufsladen im Erdgeschoß einrichten ließ. Zunächst schüttelten die Leute verständnislos den Kopf darüber. galt es doch als unfein Waren so marktschreierisch in die Fenster zu stellen. Als es sich jedoch zeigte, daß gut daran zu verdienen war, folgten die Nachbarn schnell dem Beispiel. Am leichtesten jene, die ohnehin nur die oberen Stockwerke bewohnten. Wer in der Hauptstraße der Stadt einen Laden eröffnen konnte, brauchte es fortan nicht mehr zu bereuen.

Lübeck

Breit es tr as s e,

~ ez lag u. Lichtdruck v. Knackstedl & Xäth.r, Hamburg. 28.

21. Obwohl diese Aufnahme bereits um 1900 entstand, kommen uns die Fassaden der Häuser aus diesem Abschnitt der Breiten Straße, durch die wir hinab in Richtung Beckergrube blieken, durchaus vertraut vor. Rechts im Bild steht noch das traditionelle Haus der Schiffergesellschaft. Selbst die Apotheke befindet sich noch im Haus Nr. 4. Dahinter erkennen wir die neugotischen Fassaden der Häuser Nr. 6, es gehört der Kaufmannschaft, und Nr. 8, in dem Emanuel Geibel einige Zeit gewohnt haben soll. In den nächstfolgenden Häusern Nr. 10 und Nr. 12, die sich baulich veränderten, befindet sich heute die Verwaltung der Handwerkskammer Lübeck.

22. Das Haus der Schiffergesellschaft kommt auf dieser künstlerisch gelungenen, im Original farbig gehaltenen Steindruckzeichnung sehr schön zur Geltung. Lübecks Ehrenbürger Thomas Mann erinnerte sich anläßlich der Verleihung seines Ehrenbürgerrechts an den Besuch Kaiser Wilhelms im Jahre 1900. Seine Majestät suchte damals auch die 'interessanteste Kneipe Deutschlands' auf. Zu diesem Anlaß begrüßte der Inhaber seinen hohen Gast vor dem Haus der Schiffergesellschaft mit den Worten: 'Na Majestät, auch mal wieder'n büschen in Lübeek. Wie geht es denn so?' Der Kaiser, eher andere Umgangsformen gewohnt, schenkte diesen Vertraulichkeiten keine Beachtung und schritt, so Thomas Mann, erhobenen Hauptes am Hausherrn vorbei.

23. Einige Jahre früher, 1892, gastierte Fürst Bismarck im Haus der Lübecker Schiffergesellschaft. Als die Herren des Vorstandes. die Kapitäne Steffen, Heinemann und Nevermann mit seiner Durchlaucht, dem Fürsten, beim Frühschoppen saßen, entwickelte sich folgendes Gespräch: 'Wie heißt denn Ihr Schift, Herr Steffen?' 'Ich führe den Dampfer Deutschland, Durchlaucht.' 'Ah Deutschland. Den habe ich auch lange Zeit gefahren,' war die Antwort Bismarcks. Ob das Gespräch wirklich so ablief, wie es unten auf der Karte steht, ist die Frage; dem Kartenverieger jedenfalls war diese interessante Bleistiftskizze eine Ansichtskarte wert.

lÜBéCK, GeIBe-b.p.lITZ

24. Da sitzt er nun auf dem nach ihm benannten Platz, Lübecks Dichter Emanuel Geibel, und schaut etwas nachdenklich auf die vom Licht des Morgens angestrahlten Häuser in der wie leergefegt wirkenden Breiten Straße. Vielleicht ahnte unser Dichter schon, wo er in späteren Jahren, nach dem sich die Gesinnung des Volkes geändert hatte, einmal sitzen sollte. Der Name 'Geibelplatz' war nur eine Station in der Reihe von Namen dieses Platzes. Den Namen Koberg trug er nachweislich bereits 1368, hieß später Koopbarg, wieder Koberg, 1852 Kaufberg, wurde aber auch Grenzberg oder Jakobiberg genannt. Heute jedenfalls verschandeln parkende Autos diesen Platz, aus dem mit Geschick und unter Einbezug der alten Häuserreihen ein schmucker, touristisch interessanter Platz werden könnte.

25. Von der Umfriedung der Jakobikirche blieken wir hinüber zum Geibelplatz, auf dem das Denkmal des Dichters in der winterlichen Gartenanlage des Jahres 1909 steht. Dieser Platz, der heute wieder den Namen 'Koberg' trägt, war in ältester Zeit vermutlich ein Weideplatz für Kühe, die auf der Anhöhe zwischen der Burg und der Stadt weideten. In späteren Jahrhunderten siedelten sich immer mehr Kaufleute um den Koberg herum an. Einige Jahrzehnte stand das 1889 eingeweihte Geibeldenkmal auf dem Koberg, bevor es in den dreißiger Jahren den schmucklosen Platz neben dem Hciligengcist-Hospital einnehmen mußte. Heute hätten Lübecks Bürger ihren Geibel. den viele Jahre keiner so recht verrnißte, gerne wieder auf seinen angestammten Platz gesetzt.

~m8nuel ~eibel.

Spielmanns Ich hab' dich l ieb, du üsse,

du mein-, Lust und Qual,

ich hab' dich lieb und grüsse dich tausend, rausend Mal.

Lien.

26. Kein anderer Lyriker als Emanuel Geibel verstand es treffender, mit politischen Gedichten das Lebensgefühl der Deutschen zu stimulieren und zu wecken. Obwohl uns heute seine häufig patriotisch wirkenden Gedichte, mit denen er die Reichsgründung und das erste Jahrzehnt des Deutschen Reiches begleitete, nicht unbedingt irn Gedächtnis geblieben sind, machten ihn gerade solche gefühlsbetonten Reirne zur bekarmtesten Erscheinung seiner Zeit. Lesen wir doch einmal die Zeilen, die Emanuel Geibel. der mit großer Liebe an Lübeck hing, nach langer Abwesenheit schrieb: Die Stätten meiner Jugend sah ich wieder, / Doch zeigten sie mir fast ein fremd Gesicht, / Rings wuchsen Giebel, sanken Wipfel nieder, / Und selbst das Flußbett ist das alte nicht.

Lubeek - Geibelplatz

27. Wir blieken auf den von stattlichen Kaufmannshäusern umgebenen Geibelplatz des Jahres 1910, in dessen Zentrum, von Baumwuchs umgeben, das Denkmal des heute nicht unumstrittenen Lübecker Dichters steht. Eine Straßenbahn befindet sich auf dem Weg in die Breite Straße. 1899 wurde die Linie Geibelplatz-Israelsdorf eröffnet. Über die im Jahre 1900 auf dem Geibelplatz eingerichtete Wartehalle schreiben die Lübeckischen Blätter folgendes: 'Auf dem Geibelplatz ist vor kurzem eine Wartehalle in der ehemaligen Polizeiwache eröffnet worden. Eine Verordnung der Straßenbahn-Gesellschaft besagt, daß die Benutzung der Bänke in der Wartehalle nur den Personen gestattet ist, die auf die elektrischen Wagen warten. Eine elektrische Glocke zeigt die Abfahrt nach Israelsdorf eine Minute vorher an.'

28. Im Jahre 1900 schickte Thomas Mann die auf 1 000 Goldmark versicherten Blätter seines Romans 'Buddenbrooks' zum Verleger Samuel Fischer nach Berlin. Eindrucksvoll, aber viel zu lang, war dessen erster Kommentar. Die breitangelegte Erzählung vom 'Verfall einer Familie', so lautete der Untertitel, orientierte sich eng an der eigenen familiären Überlieferung. Es war der wirklichkeitsnahe Realismus seines Romans, den Lübecks noble Gesellschaft dem jungen Thomas Mann übelnahm. 'Ich habe, so Thomas Mann, 'als ich Buddenbrooks schrieb, mit vollem Bewußtsein auf die Wirklichkeit geschaut.' 1901 erschien die zweibändige, heute sehr teure Erstausgabe der 'Buddenbrooks'. die Thomas Mann berühmt machten. 1929 erhielt er für diesen Roman, deren Auflagezahlen Millionen überschritten, den Literatur-Nobelpreis.

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