Leipzig / Kleinzschocher, Schleußig und Plagwitz in alten Ansichten

Leipzig / Kleinzschocher, Schleußig und Plagwitz in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Joachim Pröhl
Gemeente
:   Leipzig
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6246-3
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Leipzig / Kleinzschocher, Schleußig und Plagwitz in alten Ansichten'

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20 Im Iahre 1880 wurde die Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. gegründet. Ab 1939/40 fertigte dieses Werk neben Web- und Strickgarn auch Rüstungsgüter für den Krieg. Es wurde am 4. Dezember 1943 während eines Bombenangriffs zum Teil zerstort, Rechts im Bild wurde 1929/30 die Städtische Wohnsiedlung bis zur Limburger Straße erweitert. Die abgebildeten Gebäude sind erhalten geblieben. Infolge des Volksentscheides am 30. Juni 1946 in Sachsen wurde die Kammgarnspilmerei neben anderen Betrieben in Volkseigen-

turn überführr: sie wurde der VEB Buntgarnwerke Leipzig. Nach 1989/90 wurde das Gebäude von einer großen Handelskette als Lagerraum und von einer anderen als Kaufhalle genutzt. Die beiden großen Schornsteine sind verschwunden. Zum Gaudi der Leipziger und zum Leid der Anwohner fiel der rechts TIn Bild stehende, 1 0 1 m hohe Schornstein bei seiner Sprengung am 24. Februar 1995 nicht in die vorausberechnete Richtung. er fiel in die Kühlwasserteiche.

Das Gelànde, auf dem die Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. errichtet wurde, findet seine Begrenzung durch die Zschochersche Straße, die Erich-Zeigner-Allee (damals Elisabeth-Allee) und durch die Limburger Straße. Man erkerint im Vordergrund die Elisabeth-Allee und die flächenmäßige Ausdehnung der Karurngarnspinnerei. Im wesentlichen ist der Fabrikkomplex von 1913 bis heute so erhalten geblieben. Die Gebäude sind anhand der Postkarte leicht identifizierbar; In der Mitte des Bildes erkennt man den massigen Bau an der Zscho-

cherschen Straße, der heute von Firmen, die nach 1990 nach Leipzig kamen. genutzt wird. Links daneben TIn Hintergrund ist die damalige 50. Volkssrhule, erkermbar. Nur die Schornsteine haben ausgeraucht. Auf der linken Seite der Elisabeth -Allee, die damals kaum bebaut war, befinden sich noch heute die Autogaragen dieser Firma. Heute stehen dort Bararken aus der jüngsten Vergangenheit. die Einrichrungen der Kinder- und Iugenderziehung dienen.

Gruss aus .s:eipzig- West

21 Das riesige Fabrikationsgelände der 1880 gegründeten Kammgarnsptnnerei Stöhr & Co. lag zwischen der Zschocherschen Straße und der Elisabeth-Allee (jetzt Erich-Zeigner-Allee). Den Fuhrpark hatte die große Firma nicht auf dem eigentlichen Werksgelände, sondern diesem gegenüber in der Elisabeth-Allee. Auf dem in den zwanziger Iahren aufgenommenen Foto sieht man im Hintergrund die von Bäumen gesäumte Allee und dabinter auf der anderen Straßenseite eine Fabrikhalle von Stöhr & Co. Es darf kaum angenommen werden, daß die hier abgebildeten Autos der gesamte Fuhrpark dieser Firma war. Aber Reklame und Werbung für sich konnte das Unternehmen offenbar mehr mit den Nobelkarossen namhafter Automarken machen als mit Lastkraftwagen. Dieses Foto sollte vermutlich bei Lieferanten und Kunden aller Art Eindruck machen

und dernonstrieren, mit welchen schönen, noblen Limousinen die Direktoren der Firma gefahren werden. Ob zwischen den Chauffeuren drei stehen bei den fünf PKW und drei bei dem einen LKW - eine unterschiedllche soziale Rangordnung bestand, kann nur vermutet wer-

den. Diese Garagenanlage ist bis in die Gegenwart in der ErichZeigner-Allee Nr. 77a erhalten geblieben. Nur die Dachgauben sind zugunsten einer Aufstokkung verschwunden.

22 Daß 1813 bei Leipzig eine rnórderische Schlacht zwischen den Truppen Napoleon 1. und den Truppen der verbündeten Preußen, Österreicher und Russen stattfand, gehört zur Allgemeinbildung. Den siegreichen Kämpfern schlossen sich zuletzt auch noch die Soldaten des sächsischen Königs FriedrichAugust I. (1806-1827) an. Nicht nur das monumentale V ölkerschlachtdenkmal kann man bestaunen, sondern auch andere Denkmäler inAugenschein nehmen, wie z.B. das 'OesterreicherDenkmal' Nr. 2, das an die Vólkerschlacht von 1813 erinnert. Gleiche Denkmäler stehen an der Genezarethkirche in Paunsdorf und in Lößnig am Rembrandtplatz. Zur 1 Oû-Iahrfeier der Vólkerschlacht wurden sie aufgestellt und würdigen den slegrelehen Mut der Soldaten, die dort gekämpft und! oder ihr Leben verloren haben. Das abgebil-

dete Denkmal mit dem bekrónten doppelköpfigen österreichischen Adler trägt die Inschrift: 'Oesterr. 3. Korps, Feldzeugmeister Graf Gyulai, I.leichte Division Feldmarschalleutnant Prinz Moritz Liechtenstein, Detachement Oberstlt. Frh. v. Simbschen. Dem Gedenken der in den

Kämpfen bei Lindenau, Zschocher u. Schleussig gefallenen Helden.' Es steht vor der Schleußiger Brücke am Küchenholz.

Léipzig - Kteinzsduxher

Oesterretdier-Dmkma; 1813

23 Der Leipziger Schriftsteller Dr, Guido Theodor Apel (18 I 11867) ließ zwischen 1861 und 1864 auf eigene Rechnung auf den Schlachtfeldern der V ölkerschlacht in und urn Leipzig 44 Erinnerungssteine setzen, davon im heutigen Stadtgebiet 14, Ihm zu Ehren wurden und werden sie Apelsteine genannt. Über diese Steine mforrniert Rl. Donner: 'Dr, Theodor Apels Völkerschlacht-Marksteine gleichen sich im wesentlichen in ihrer äußerlichen Form, teilen sich jedoch in zwei Gruppen, Die Stellungen des französischen Heeres bezeichnen die Steine mit den ungeraden Ziffern und den abgerundeten Steinendcn, gekennzeichnet mit einem N (N = Napoleon), Die Steine mit den geraden Ziffern, einem V (V = Verbündete) am spitz zulaufenden Steinende, markleren die Standorte der verbündeten Heere, Die Marksteine geben außerdern Auskunft über Namen und Datum der Schlacht, die Truppenstärke und den Führer des jeweiligen Truppenteils. Zwei Pfeile zeigen die Kampfrichtung und die Bucbstaben 0, S, W, N die

Himmelsrichtung an. Schließlich finden wir auf dem Stein noch den Namen des Stifters mit der Jahreszahl der Errichtung (zwischen 1861 und 1864).' Der hier abgebildete Apelstein Nr. 26 steht in der Amonienstraße vor der Schule am Adler, Auf ihm ist auf der nicht sichtbaren Seite folgenderText vermerkt: 'V, Fûrsr M, Liechtenstein, L österreich. Ieichte Division, 5500 M: Der Apelstein NI. 23 steht auf dem in diesem Band vorgestellten KarlHeine-Platz.

Aoelstein Nr. 26, Antonienstraße 24

24 Auf dern GrundstückAntonienstraße Nr. 36, dem heutigen Gießerplatz, stand bis 1877 die Kleinzschochersche alte, hölzerne Windmühle. 1878 wurde eine neue Windmühle solide aus Ziegelsteinen errichtet. Sie war dem Fotografen Max Petermann und dem Verleger diese Postkarte wert. Langes Müllerglück und großen Gewinn scheint der Müller Heidrich [edoch nicht mit seinem Prachtbau gehabt zu haben, denn schon nach elf [ahren wurde diese Windmühle 1889 wieder abgerissen. Das gesamte Gelände wurde, weil der örtliche Häuserbau um diese Zeit auch in und um Kleinzschocher einen enormen Aufschwung erfuhr, für die Bebauung erschlossen. Gegen viele finanzkräftige Häuserbauer kam ein einzelner Müller nicht an. Das Holz der alten Mühle wurde damals vorwiegend als Brennmaterial an die Dorfbewohner verkauft. Das Mahlwerk

der abgebrochenen neuen Windmühle erwarb ein Lindenthaler Müller für seine dortige Mühle; die Ziegelsteinen verwendete ein Unternehmer in Großzschocher zum Häuserbau. 1906 wurde der GasthofWindmûhle' in 'Mätzschkers Pestsäle' urnbenannt.

Alte WindmOh/e

25 Spätestens bis zum Ersten Weltkrieg war die Industrialisierung im Leipziger rVesten abgeschlossen, die Straßen waren befestigt und beschleust, Gas-

und! oder elektrische Beleuchtung installiert, die Wasserversorgung für Industrie und Haushalte gesichert. Aber es herrschte eine von Spekulanten ausgenutzte unbeschreibliche Wohnungsnot. Vor hundert [ahren schrieb hierzu

die LeipzigerVolkszeitung: 'In Leipzig wurden am l . Dez. ] 890 an einzimmerigen Wohnungen über 5500 von 3, über 5000 von 4, nahe an 4000 von 5, 2500 von 6, ] 500 von 7, einige Hundert von 8 bis 9 und 2 von 15 Personen bewohnt! - Es scheint also, daB hier, wie auch anderwärts, Wohnungen für die Lebenden dringlicher sind, als Denkrnäler für Kriegsereignisse, an denen ja ohnehin ein Mangel nicht besteht.' (Zitiert in: LVZ 29. September 1995.) UmdieWohnungsnot beheben zu helfen, gründete der Verlagsbuchhändler Herrnann Iulius Meyer (1826-

] 909) ] 888 den 'Verein zur Erbauung billiger Wolmungen in Leipzig', dem er persönlich 2

Milhonen Mark stiftete. In Lindenau, Eutritzsch und Reudnitz wurden von 1888 bis ]905 jeweils eine Siedlung errichtet. In Kleinzschocher konnten irn Oktober] 908 die ersten 15 Häuser mit 166 Wohnungen, die unter Leitung von Banrat Pommer gebaut worden waren, bezogen

werden. Insgesamt wurden bis 1914 'auf der grünen Wiese' 92 Häuser mit 9 7 4 Wohnungen errichtet. Die monatliche Miete betrug je nach Größe der Wohnung - jede mit Balkon I - 10 bis 22 Mark. Nur den Familien wurde der Einzug gestattet, die im Monat weniger als ] 50 Mark Ein-

kommen harten. Diese damals vorbildlichen Sozialwohnungen haben den Zweiten Weltkrieg überstanden. Sie wurden und werden nach der demokratischen Wende rundum renoviert.

Leipzig - Kleinzsdtodier

26 Im damaligen Kónig-Albert -Park und einern Teil der 'Nonne' (heute zum Clara-Zetkin-Park gehörend) fand 1897 die 'Sächsisch- Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung' start; unter anderem wurde dort ein Blockhaus aus- und vorgestellt. Dieses Blockhaus erwarb der 1894 gegründete 'Westvorstädtische Schreberverein Leipzig-Klernzschocher'. der damals ein gepachtetes Gelände in der Dieskaustraße bewirtschafiete. Der Schreberverein übernahm und pachtere 1900 unweit der Eisenbahnbrücke in der Antonienstraße ein neues Gelände in der Diezmannstraße. Die Gartenkolonie heißt heute 'Landesverband Sachsen, Kleingartenverein Blockhaus e.v., 1894, Diezmannstraße 4'. Das Blockhaus steht in alter Schönheit unverändert als Vereinsheim in der Schrebergartenanlage. Die Wiese und die Bäume sind noch genauso wie

abgebildet, nur letztere sind eben einhundert Iahre alter und dernentsprechend größer, und von den abgebildeten Kindern pflegen heute die Kinder als Altersrentner ihre Gärten.

Westvorstädtischer Schrebervereln Leipzig· Klelnzschocher (Slockhaus)

271m 'Bürgergarten' , einem Lokal in derWindorfer Straße in Kleinzschocher, trafen sich in den achtziger Iahren des vorigen Iahrhunderts allwöchentlich Bûrger, um am Stammtisch Karten zu spielen. Der naturkundige Friedrich Prater gesellte sich zu ihnen, um sie mit den Lehren des Laienbehandlers Vincenz Prießnitz (1799-1851) bekannt zu machen. Die naturgemäße Krankenbehandlung (auf sie hatte in der Antike Hippokrates hingewiesen) fand im 19. Jahrhundert eine neue Belebung. Es ging/ geht um die Selbstheilung durch die im Menschen innewohnenden Naturheilkräfte. Dazu werden

z.B. Luft und Licht, Klimareize, Kalt- und Warmwassereinwirknngen, Ruhe und Bewegung als fördernd für den menschlichen Organismus angesehen. Herr Prater hatte Erfolg, seine überzeugten Anhänger pachteten hinter dem neuen Friedhof Land

und gründeten 1886 den 'Verein für Gesundheitspflege und arzneilose Heilweise zu Leipzig Kleinzschocher'. In Vorbereitung auf das 1 OOjährige Jubiläum der Gartensparte modernisierten die 428 Gärtner die gesamteAnlage und das Spartenheim. Heute führt der Verein den Namen 'Ver-

ein für naturgemäße Gesundheitspflege e.Y. Nat'l, gegr. 1886, zu Leipzig Kleinzschocher', Das Spartenheim ist zu dem allseitig empfehlenswerten Restaurant 'Zum Nat'I' geworden.

28 In einer gepflegten Anlage des Friedhofs in der Schwartzestraße 33 steht dieser Gedenkstein. In den etwa 75 Iahren seit seiner Errichtung haben sich die Bepflanzung und der Pflanzenwuchs wesentlich verändert. Nur die rechts neben dem Stein stehende, jetzt große Fichte scheint noch dieselbe zu sein. ' 1 9141918 - Sie starben für uns', ist zu lesen. Andere deutsche Soldaten starben für Kaiser und Vaterland und wieder andere für wieder etwas anderes. Sie starben nicht für uns, nicht für ihre Eltern und Großeltern; letztich waren es immer unwürdige Ideen und Ziele, für die sie starben. Aber an alle, die ihr Leben in Kriegen und deren Zusammenhängen sinnlos opfern mußten, sollte man schon denken.

Leipzig - Kleinzsdiodier

Ehremknkstein unserer gefaJ1en.en Helden

29 Ein Ortsfremder müßte sehr lange suchen, wenn er die hier abgebildeten Objekte finden wollte. Selbst Bürger, die in dieser Gegend wohnen, haben ihre Mühe. Hier treffen drei Straßen zusammen: die Antonienstraße (sie kommt auf dern Foto von links, vom 'Adler'}, die Rodelstraße (sie ist die Fortsetzung der Antonienstraße und verläuft weiter nach rechts aus dem Bild hinaus) und die Könneritzstraße, die in der Mitte des Bildes zwischen den Häuserblöcken nach Osten in Richtung City verläuft. Die Häuser an der Ecke Kónneritzstraße/Rödelstraße kann man heute noch so betrachten. Die eiserne Brücke über die im Vordergrund dahinfheßende WeiBe Elster ersetzte ] 895 die nicht mehr den Verkehrsansprûchen genügende Vorgängerin. Aber bereits 35 Iahre später mußte auch sie

durch einen Neubau ersetzt werden.Anfang der dreißiger Iahre wurde eine Betonbrücke gebaut.

Leipzig-Schleussig

parli~ an der Schleussiçer J3rück~

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