Leipzig / Kleinzschocher, Schleußig und Plagwitz in alten Ansichten

Leipzig / Kleinzschocher, Schleußig und Plagwitz in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Joachim Pröhl
Gemeente
:   Leipzig
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6246-3
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Leipzig / Kleinzschocher, Schleußig und Plagwitz in alten Ansichten'

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30 Dieses Foto wurde um

1900 von der Schleußiger Brücke aus aufgenommen. Im Vordergrund fließt die Weiße Elster. Die gemauerte Wand und die breite Treppe zum Fluß sind noch vorhanden, ebenso das große Haus in der Oeserstraße, dessen Rûckfront erkermbar ist. Der pferdestall des Dachdeckermeisters Vorsatz und die anderen kleineren Häuser sind modernen Gebäuden gevvichen. Im Hintergrund links sind Fabrikationshallen der ehernaligen Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. (einrnal VEB Buntgarnwerke geheißen) in der Elisabeth-Allee (jetzt Erich-ZeignerAllee) erkennbar. Nur die Schornsteine sind verschwunden; der große, links im Bild sichtbare Schornstein fiel infolge einer Sprengung all 24. Februar 1995 unglücklich in die nicht vorgesehene Bahn. Vis-à-vis der hellen Mauer befand sich die Gondelstation Leipzig-Schleußig,

an der man Boote stundenweise ausleihen konnte. Wenn arn Elsterwehr am Palmengarten wieder eine Sichenmg eingerichtet werden wird, wird man am Bootsshop Herold wieder Ruderkähne ausleihen können.

31 Dieses Foto wurde um

192 2 aufgenommen. Der Standort des Fotografen ist die Schleußiger Brücke. Man erkerint links die Bootbauerei und die Bootsverleihung von Otto Seifert und rechts davon die Bootsverleihung von Hermann Seifert. Hinter dem großen Firmenschild ist die Turnhalle des' Allgemeinen Turn-Vereins zu Lctpzig-Schleußig' erkennbar, die infolge eines Bombenangriffs 1944 niederbrannte. Man konnte nicht nur Ruderboote aus der am Ufer liegenden Flottille zu vergnüglichen Fahrten auf der Elster ausleihen. sondern sich auch mit einem Kahn nach Connewitz und Gautzsch fahren lassen, Eine Überfahrt kostete damals für Erwachsene 50 Pfennige, für Kinder 20 Pfennige, für die Mitnahme eines Fahrrades mußte man 20 Pfennige bezahlen. Die große Pappel in der Mitte des Bildes existiert noch immer, Heute be-

treiben die Enkel der Serferts an der Schleußiger Brücke einen Bootsshop.

32 Die abgebildete Turnhalle ließ sich der 'Allgemeine TurnVerein zu Leipzig-Schleussig' urn 1900 bauen. Die turnbegeisterten Schleußiger vollbrachten seit 1882 in dem Restaurant 'Zum grunen Jäger' ihre Leibesübungen. Weil aber dessen Räumlichkeiten mir der Zeit zu klein wurden, mußte eine größere Halle geschaffen werden. 1905 wurde eben diese Turnhalle eingeweiht. Sie befand sich vis-à-vis des Oesterreicherdenkmals neben der Bootsbaufirma Seifert an der Schleußiger Brücke. Die Turnergemeinde erlebte in der neuen Turnhalle manchen turnerischen Höhepunkt, einen davon sieht man hier im Bild. Ob die demonstrierten Turnübungen für die späteren Trainer zum Vorbild genommen wurden, ist nicht bekannt, ganz eindeutig hat sich aber die Kleidung der Turner verkürzt.Noch etwas fillt auf: Junge Damen und Frauen beteiligten

sich nicht an der Demonstration. Im Zweiten Weltkrieg übernahm die genannte Bootsbaufirma die Turnhalle als Werkstatt. Während eines Bombenangriffs brannte am Ende des Krieges die Halle nieder; Reste des Fundaments sind heute noch erkennbar.

Allgemeiner Turn-Verein z.

Leipzlq-Sehleussig

33 An der Stelle, an der sich die Könneritzstraße, die Rödelstraße und die Antonienstraße an der Schleußiger Brücke, die hier die Elster überquert, treffen, befand sich seit 1867 der 'NaturPark Schleussig'. Es handelte sich um eine Parkgaststätte, in der man noch 1939 bei Blasmusik Bier und Kaffee trinken uud Kuchen essen konrite. Eine achthundert Iahre alte Linde hat man,

wie man auf dieser Postkarte sieht, mit Ästen umzäunt. Man war bereits Anfang des 20. Iahrhunderts umweltbewußt, naturverbunden sowieso und stolz auf seine alten Bäume. Einige von diesen großen Bäumen kann man heute noch bewundern. Sie steheu in unmittelbarer Nähe einer 1970 eröffneten Kaufhalle, die einen Teil der Fläche des NaturParks in Anspruch genommen hat. Vom Natur-Park aus konnten die Gäste Spaziergänge in den Arnselgrund, eine Partie in

Schleußig entlang der Elster oder ins Küchenholz (Küchenholzallee) unternehmen,

34 Dort, wo 1867 derNaturPark Schleussig' angelegt wurde, befand sich seit der Mitte des 18. [ahrhunderts ein Herrenhaus, Der Natut-Park ging aus einer ehemaligen Gutsschenke hervor. Er war rnit viereausend Sitzplätzen für die Leipziger Bevölkerung ein beliebtes Ausflugslokal und hatte großen Zulauf Die Attraktion dieses Gartenlokals erhöhte sich durch eine Voliere, ein Affenhaus, durch Schießbuden, ein Tiergehege und eine Kegelbahn. Man erreichte damals das Lokal von Leipzig aus mit einem Kahn (der Natut-Park hatte eine eigene Haltestelle) oder mit Kutschen. Zu Fuß konnte der Leipziger Marktweg (jetzt Schleußiger Weg) benutzt werden; er wurde erst 1874 als Straße ausgebaut. So dicht an der Elster gelegen, hatte dieses Terrain öfter durch Überschwemmungen zu leiden, am 6. Februar 1909 zum Beispiel. Von einer Hochwasserkatastrophe am

16. und 17. August 1924 zeugt diese Postkarte. Selbst Soldaten konnten gegen dieses Hochwasser nichts ausrichten.

NATURPARK - SCHLEUSSJG. BESITZER MAX HAUFE - .?.

Erinnerung an die Hochwasserkatastrophe vom 16.-17. August 1924

35 Die Rödelstraße (nach dem östlich von Schleußig gelegenen. nach 1913 zugeschütteten Bach 'Rodel' benannt) wurde nicht nur am 6. Februar 1909 überflutet. Berichte sprechen von einer Überschwemmung des Dorfes Schleußig durch die Elster und die Rödel 1854. In den fünfziger [ahren veranlaßte Karl Heine, die Flußläufe der Elster, der Pleiße und der Luppe zu regulieren und damit das umliegende 'nasse Gelände' trockenzulegen. In diesem Zusammenhang wurde 1913 am Palmengarten das Elsterwehr gebaut. Auch von einer Überschwemmung des NaturParks an der Elster im August 1924 gibt es fotografische Dokumeute. Der Fotograf dieses Bildes blickte aus der Richtung der 1895 errichteten eisernen Schleußiger Brücke in Richtung Schleußiger Weg. Die auf dem Foto abgebildeten Häuser der Rödelstraße 1 2, 14 und 16 auf

der linken Seite der Straße mußten infolge der Hochwasserschäden abgebrochen werden. In der Höhe der beiden Pferdefuhrwerke befand sich das alte 'Elsterthal' in der Rödelstraße 10; diese Gaststätte wurde 1912 abgebrochen.

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Leipzig im Hochwasser Rbdelstrasso in Schleussig am 6. Febrvar 1909

36 Das Restaurant 'Zum grünen Iäger' befand sich in der Rödelstraße Nr. 18 in der Nachbarschaft des Restaurants 'Zum Elsterthal'. Am 31. März 1882 trafen sich 16 turnfreudige Schleußiger Männer im 'Grünen Jäger' zu einer Gründungsversammlung: Der 'Allgemeine Turn-Verein zu LeipzigSchleussig' wurde ins Leben gerufen. Dieses Lokal war für die Turner die erste Turnhalle; einen Übungsplatz richteten sie sich im Garten ein. Infolge des Mitgliederzuwaches wurden im Laufe der Zeit die Räume für die Turnerei zu klein. Man beschloß, eine neueTurnhalle zu bauen. Im Iahre 1900 ließ derVerein eine

neue, größere Turnhalle in der Antonienstraße gegenüber dem Oesterreicherdenkmal von 18 13 errichten. Einen Schankbetrieb gab es in dieser Halle nicht. Der 'Grüne Jäger' blieb weiter Vereins- und Gartenlokal. Nach dem

Krieg fand das Gebäude als Reparaturwerksrart für Heizgeräte Verwendung, 1986 wurde der 'Griine Jäger' gänzlich abgebrochen.

37 ImJahrel830wurdedas Gebäude gebaut, in dem 1868 das Restaurant 'Zum Elsterthal Leipzig-Schleusslg' eröffnet wurde; es stand in der Rödelstraße

10 (ursprünglich DorfstraBe). Die Rödel war ein kleiner Bach, der östlich von Schleußig in die Elster entwässerte. Bis 1868 beherbergte das Haus ein 'Etablissement', eine Caststube und eine vom Bäckermeister C. Heinrich Weigel betriebene 'Dampfschokoladen- und Kakaofabrik' . Die Gastwirtschaft 'Elsterthal' hatte einen großen Tanzsaal, eine Kegelbahn und einen schönen Garten, in dem auch die bekannte Leipziger Gose ausgeschenkt wurde. Der Arbeiter-Turn- und Sportverein veranstaltete in dem Lokal Schauturnen und hielt in ihm Versammlungen ab, Am 6. Februar 1909 überflutete die Elster große Teile Schleußigs. Einige Häuser in der RödelstraBe muß-

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ten infolge des aufgetretenen Schaderis abgerissen werden. Das alte 'Elsterthal' wurde 1912 abgebrochen und an seiner Stelle das neue 'Elstertal' errichtet.

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38 Verrnutlich hatte das nlte 'Elsterthal' durch das Hochwasser, das die Rödelstraße am 9. Februar 1909 unter Wasser gesetzt hatte, gelitten. 1912 wurde es abgerissen und durch das neue 'Elstertal' , Rödelstraße Nr. 10 (heute Nr. 14), ersetzt. Dieses wurde als Hotel gebaut und dienre besenders zu den Leipziger Messen als Speise- und Tanzlokal. Der Hotelbetneb wurde jedoch nicht lange aufrechterhalten. Im Garten spendeten große Kastanienbäume im Sommer willkommenen Schatten. Von den Gästen wurde die Bedienung im Garten sehr geschätzt. Auch eine vorhandene Kegelbahn fand regen Zuspruch. Nach 1918 fanden in der Gaststätte 'Elstertal' häufig Arbeiterversarnrnlungen statt. Versammlungsort für verschiedene gesellschaftliche Organisationen war das Lokal auch in den Zeiten bis zur politischen Wende 1 989190. Das Lokal blieb

jedoch als Gaststätte geöffnet. Zur Zeit bietet das 'Elstertal' einen traurigen Anblick.

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39 Diesen Anblick gewann der Betrachter vom Restaurant 'Waldschloss' aus. Er blickte geradeaus in die Schnorrstraße, von links kommt die Röde1straße, rechts beginnt der Schleußiger Weg. Man schaure auf die hölzerne Notkirche, die von 1905 bis 1933 an der Ecke Ródelstraße/Schnorrstraße stand. Schleußig, als ein Vorort von Leipzig, hatte keine eigene Kirche; die Kirchgemeinde mußte zum Gottesdienst ete. nach Kleinzschoeher gehen. Von 193 1 bis 1933 wurde in der Stieglitzstraße 42 von C.W Zweck und H. Voigt eine neue Kirche als Stahlbetonskelettbau errichtet. Am 29. Januar 1933 ist sie als Bethamenkirche eingeweiht worden. Die im Hintergrund rechts erkennbare Schule wurde 1908 eröffnet, Von 1914 bis I 91 7 benutzee man einen Teil von ihr als Kaserne und als Pferdestall. Heute ist sie die 49. Grundschule Leipzigs. Der

nach demAbriß der Notkirche freigewordene Platz wurde und ist Schulhof Bei Betrachtung dieses Fotos wünschten sich Leipziger Autofahrer heute so viele freie Parkplätze.

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