Leutkirch in alten Ansichten Band 2

Leutkirch in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Emil Vogler
Gemeente
:   Leutkirch
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1361-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Leutkirch in alten Ansichten Band 2'

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Leutkirdi

9. So sah es um 1910 in der Marktstraße aus: Vor der Stadtwirtschaft plätschert es in dem gußeisernen Brunnen. Anton Mohr verkauft Gernüse, Butter und Käse, daneben Max Bredl Herren- und Knabenbekleidung. Das Haus Weber-Oberem ist noch nicht umgebaut. Reehen und andere bäuerliche Geräte lehnen zum Verkauf an der Wand. Auf der gcgenübcrliegenden Straßenseite weist ein rauchender Indianer darauf hin, daß man bei Frau Kieninger gute Rauchwaren neben allerlei Spezereiwaren kaufen kann. An der Ecke zum Gässele machte Konditor Heinzelmann seine berühmten Trisinet-Schnitten und Nußschiffle. Die 'Hauptstraße' macht noch einen recht friedlichen Eindruck,

Heuptslresse

10. Wer in der Hauptstraße sein Geschäft hat, ist natürlich stolz darauf. Man bestellt den Fotografen und stellt sich vor dem Haus auf, so wie hier der Bäckermeister Joh. Georg Zettler mit Frau und Kindern, er in der weißen Bäckerschürze. Man nannte ihn übrigens immer 'Langenbeck' nach seinem Vorgänger, dem Bäcker Lang (1841-1875). Stützen tragen die weit vorkragenden Obergeschosse. Im zweiten Stock wohnte der 'Kleidermacher' Jos. Anton Schuck. Die Hausfront mit den aufgeteilten Fenstern und den Fensterladen ist wohltuend gegliedert. Durch die schmalen Fenster an der Seite übersah man die Straße bis hinauf zum Rathaus, Durch das etwas schmale Tor in der Mitte konnte gerade noch ein beladener Heuwagen hineinschlüpfen. Zum Bäcker gehörte damals noch eine kleine Landwirtschaft.

11. Was hat der Braune mit der großen weißen Blesse, der hier in der Hauptstraße so geduldig vor dem leeren Leiterwagen wartet, wohl in die Stadt hereingebracht? Diesmal war es eine Ladung Torf oder 'Wasen', wie man im Allgäu sagt. Der Bauer hat die Wasen in einem der Möser gestoehen und getrocknet. Bevor er in den 'Hirsch' ging, um sich mit einem Schoppen Bier und einern guten Vesper für die Heimfahrt zu stärken, hat er dem Braunen vorsorglich eine Decke über den Rücken gelegt. Es kann ja schon eine Weile dauern, bis er mit dem Vespern fertig ist und sich auf den Heimweg macht.

12. Hier hat er die Wasen abgeladen. Es ist ein stattlicher Haufen. Nun werden sie in die braunen Weidenkörbe gefüllt. Dann schweben sie am Seil in die Höhe und werden hoch ober zum Giebelfenster hereingezogen. Bald türmt sich auf dem 'Boden' ein brauner Haufen. Im Winter wandern die Wasen dann herunter zu dem großen Kachelofen, in dem ein ordentliches Holzfeuer prasselt. Wenn es heruntergebrannt ist, kommen auf die Glut die Wasen drauf. Langsam fangen sie an zu glühen und halten den ganzen Tag über den Ofen behaglich warm.

13. Auch in der Schneegasse sorgt man für den Winter vor. Vor dem heute verschwundenen 'Neuen Bau', einst Haus der Leinwandschau, Stadttheater, Stadtbibliothek und Rüstkammer, dann Schulhaus und schließlich städtisches Miethaus, sägt ein Bewohner die Äste zusammen, die er vom Reisplatz im Herlazhofer Holz hereingeholt hat, billiges Brennmaterial für Herd und Ofen. Auf der anderen Seite der Gasse stehen die an die Stadtmauer angeklebten einstigen Weberhäuschen mit der 'Dunk' im Untergeschoß. In einem von ihnen wohnte früher der 'Reiffer', der die Leinwand maß und prüfte.

14. Auch in der Bachstraße, auf dem freien Platz zwischen dem Fachwerkhaus Wagenseil, einem der schönsten Fachwerkhäuser unserer Stadt, und dem Haus Fehr, wartet eine Beige Holz darauf, gesägt zu werden. Bis zum Ersten Weltkrieg erhielt ja jeder Biirger zwei Raumeter Biirgerholz aus dem Stadtwald. Man hatte noch keine Ölsorgen! Auf dem Plätz chen hat eine Hausfrau ihre große Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Zwischen den alten Dächern steigt der schlanke Turm der Dreifaltigkeitskirche auf. Ein idyllischer Winkel der alten Stadt, in der es noch geruhsam zuging.

15. Moderner sieht es schon in der Wangener Straße aus. Hier entstanden zwischen 1840 und 1850 neue Gebäude, neben dem Oberamt auch das stattliche Haus, das 1842/1843 Konditor Fehr baute. Sein Nachfolger, Konditor Rieger, aus Amerika zurückgekehrt, nannte es 'Zur Neuen Welt'. Daher hieß die Straße zwischen der Mohrenbrücke und dem Bahnübergang lange 'Neue-Welt-Straße'. 1864 kaufte es Kammacher Schneider. Aus ihm wurde unter seinem Sohn Johann Schneider das Kaufhaus Schneider, kurz 'Mohren-Schneider' genannt wegen seiner Lage neben dem aIten Gasthof 'Zum Mohren', In der romantischen Turmstube über dem Anbau hängte der Bergfreund Eduard Schneider die Erinnerungen an seine vielen Bergtouren auf.

16. Eine besondere Spezialität des Kaufhauses Schneider war sein modernes 'Putz-Atelier'. Hier erhielten die breitrandigen Damenhüte von den fleißigen 'Putzmacherinnen' ihren modischen Schmuck aus Bändern, Blumen und Vogelfedern. Der Hutkauf war für die Damen der Stadt immer ein besonderes Ereignis, Da wurde oft stundenlang vor dem Spiegel probiert, bis endlich die neueste Modeform gefunden war, mit der man sich im Städtchen bewundern lassen konnte.

62iO VerlaK v, J. Ki.e6cr, I.eutki.reh.

17. Winterabend bei der Mohrenbrücke. Einst war es hier recht düster, wenn es Nacht wurde. Der Laternenanzünder ging da wohl durch die Straßen und zündete die spärlichen Petroleum-Laternen an. Doch im 'Allgäuer Volksfreund' war zu lesen: Die trûbseligen Petroleumlampen, die wegen des Mondscheins ohnehin etwa vier Monate kein Licht spenden, verdienen es, in die städtische Rumpelkammer zu wandern. Man weinte ihnen keine Träne nach, als am 24. Dezember 1899 Böllerschüsse ertönten und vier Bogenlampen aufflammten, bei der Mohrenbrücke, beim Rathaus, am Viehmarktplatz und bei der 'Linde'. Auch über dem Eingang zum Gasthof 'Pflug-Post' strahlte eine elektrische Lampe. Ein richtiges 'Christkindie' für die Stadt!

Postplatz.

18. Aber auch die übrigen Straßen der Stadt profitierten von der Einführung des elektrischen Lichts. Sie erhielten zweiundsiebzig Glühlampen an hübsch geschwungenen Trägern, als im Werkhaus Akkumulatoren zur Sicherung einer gleichmäßigen Strombelieferung aufgestellt waren. Auch an dem alten Haus in der Oberen Vorstadt war eine solche Lampe angebracht. Das Haus zeigt noch gegliederte Fenster mit Fensterladen, bei aller Schlichtheit ein anheimelndes Bild der Geborgenheit.

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