Leutkirch in alten Ansichten Band 2

Leutkirch in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Emil Vogler
Gemeente
:   Leutkirch
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1361-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Leutkirch in alten Ansichten Band 2'

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29. Daß es auch anders gemacht werden kann, zeigt das breit hingelagerte Haus mit Walmdach in der Bachstraße. Liebevoll wurde hier das Fachwerk freigelegt, und die vorher so nüchtern verputzte Giebelseite bekam ein lebendiges Gesicht. Vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war hier die hintere Badstube, betreut von Barbierern und Badern, zuletzt von dem Chirurgen Caspar Steudlin. Dann hörte der Badebetrieb auf', und das Haus ging durch allerlei Hände. Es kam 1838 in den Besitz der Familie Wagenseil, zuletzt des Schwiegersohnes Hugo Knecht.

30. Das enge Gäßchen zwischen der Marktstraße und der Bachstraße gab dem Haus mit seiner durch die Sprossenfenster und die Fensterladen wohl gegliederten Fassade den Namen 'Zum Gässelesbeck'. Mehrere Jahrhunderte hindurch war hier eine Bäckerei. Mit langen Scheitern wurde der Backofen angeheizt. Hinter den beiden Fenstern im Erdgeschoß war die zum Haus gehörende Beckenwirtschaft, in der am Wochenmarkt die Bäuerinnen einkehrten und sich mit einem süßen Zopf stärkten. Von dem kleinen Dachaufbau aus zog man, wie auch nebenan im 'Lamm', Holz und Torf hinauf auf den Boden unter dem Dach.

31. Aber was ist aus dem Haus des Gässelebeck geworden? Ja, der Backofen hat schon lange ausgedient. Das einfache, schlichte Beckenhaus verwandelte sich in ein recht vornehrnes Gebäude. Die Fenster mit ihrer Umrahmung im Renaissancestil unterstreichen die guten Proportionen des hohen Hauses. Die gelungene Renovierung, die sich auch auf die Modernisierung der Wohnungen erstreckte, hat die Bachstraße um einen repräsentativen Bau bereichert - ein Stück vorbildliche Altstadtsanierung.

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32. Dazu noch ein Beispiel. Als der alte 'Schatten' abgebrochen war, wurde hinter dem neu entstandenen Marktplatz der hohe, nüchterne Giebel des Kornhauses freigelegt und bot von der Marktstraße her kein schönes Bild. Also schmückte man ihn mit Wandgemälden, die auf die einstige Bedeutung des Hauses hinwiesen: Schnitter und Schnitterin, die Fuhre mit Korn mit dem Kornmeister und den Abladeknechten. Hier fandja seit 1500 an den Wochenmärkten regelmäßig der Kornmarkt statt.

33. Als der Kornmarkt aufhörte - die Landwirtschaft hatte sich ja auf Grünlandwirtschaft umgestellt -, und das Haus auch als Lagerhaus nicht mehr benötigt wurde, fragte man sich: 'Was soll mit dem Haus geschehen? '. Und Stadtverwaltung und Gemeinderat rangen sich zu einem guten Entschluß durch. Stadtbauamtsrat A. Nägele verdanken wir die vorbildliche Renovierung: die Kornhaushalle im Erdgeschoß, den mit Fachwerk verzierten Erker, auf der Gegenseite den angebauten Treppenaufgang. Heute bildet das Kornhaus mit der öffentlichen Stadtbücherei und dem Heimatmuseum einen viel besuchten kulturellen Mittelpunkt unserer Stadt.

34. Im Heimatmuseum hangen viele Scheiben der alten Schützengilde. Eine der schönsten zeigt das Gasthaus 'Zum Anker' gegenüber dem Rauthaus, in dem auch Buchdrucker Eduard Holstein, der Stifter der Scheibe, das 'Wochenblättle', den 'Allgäuer Boten' druckte. Im Erdgeschoß war die Wirtschaft, die damals Josef Gerster von Unterzeil umtrieb. Die Scheiben wurden früher mit viel Liebe gemalt. Köstlich die kleinen Figürchen vor dem Gasthaus mit seinen blumengeschmückten Fensterreihen, so das jubelnde Kind und der Fuhrmann mit dem Schimmel vor dem kleinen Wagen. Darüber prangt ein stolzes Wappenschild mit dem Reichsadler. So sah es also 1886 aus. Erst 1905 wurde aus dem Gasthof 'Zum Anker' der Neubau des Kaufhauses 'Zum Anker'. So wurde wenigstens sein Name bewahrt.

35. Ein gemütliches Stübchen! Das Sofa hinter dem ovalen Tisch mit seinen elegant geschwungenen Beinen ladet zum Ausruhen ein und zum Lesen beim warmen Schein der Petroleumlampe. Gegenüber steht das alte Tafelklavier für die Hausmusik. In der Vitrine sind allerlei Raritäten aufbewahrt. Von der Wand grüßen große Familiengemälde. So sah es vor einhundertzwanzig Jahren in manchem Haus unserer Stadt aus, bescheiden, aber man konnte sich wohl fühlen. Heute findet man solch ein Stübchen nur noch im Heimatmuseum. Den Heizkörper unter dem Fenster - Attribut der neuen Zeit - muß man sich eben wegdenken. Der runde, weiße Kachelofen, der in der linken Ecke steht - er ist auf dem Bild leider nicht zu sehen - paßt schon besser in die Bürgerstube,

36. Wer kennt es noch, das kleine, schmalbrüstige Häuschen? Es stand unten in der Eschachstraße unter den hohen Uferbäumen, ein bescheidenes Zuhause. Am 24. September 1850 bat der Hafner Andreas Mann die Stadt, hier einen Hafnerbrennofen bauen zu dürfen. Hier brannten dann er und nach ihm sein Sohn Paul ihre Ofenkacheln, aus denen sie die Kachelöfen in der Stadt und ihrer Umgebung aufbauten. Als Paul Mann dann einen Brennofen neben seinem Haus in der Brühlstraße baute, wurde aus dem aufgestockten Brennhaus ein Wohnhäuschen, in dem zuletzt Frau Greifenegger, die treue He1ferin des Stadtförsters, wohnte. Doch 1972 wurde es abgebrochen wie auch schon vorher die daneben stehende Rindenhütte der Rotgerber. Ein Parkplatz ist an ihre Stelle getreten.

37. Auch das holzverschalte Türmchen mit seinem spitzen Dächlein stand unten an der Eschach. Es stammt aus der Zeit, da der Bürger sich sonntags in seinem Gartenhäuschen von den Strapazen der Woche erholte. Sie standen auch am Fuß der WilheJmshöhe, von Apothekers Garten bis zur Hasenbaindt, die einen schlicht aus Holzstämmchen gezimmert, der laue Sommerwind strich durch ihr offenes, zierlich gebautes Gewände, die andern stabiler gebaut mit Mauern, Fenstern und Freisitz. Vor unserem Türmchen plätscherte munter die Eschach. Romantik und Gernütlichkeit atmeten die Gartenhäuschen vergangener Tage.

38. Nicht weit von dem Türmchen stand der strenge Bau mit seinen vergitterten Fenstern, umschlossen von einer hohen Mauer. Das 'Rote Haus' nannte man den Ziegelbau. Die, die durch sein Tor in die kargen Zellen geführt wurden, erwartete die gestrenge Verhandlung im nahem Amtsgericht. Mit leisem Gruseln gingen wir als Kinder an dem düsteren, geheimnisvollen Gefängnisbau vorüber. Von wieviel schwerem Menschenschicksal konnte er erzählen! Doch er ist heute verschwunden. Nur die dort, wo er stand, jetzt parkenden Polizeiautos erinnern noch an ihn.

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