Leutkirch in alten Ansichten Band 2

Leutkirch in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Emil Vogler
Gemeente
:   Leutkirch
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1361-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Leutkirch in alten Ansichten Band 2'

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39. Wo heute der Turm des Altenwohnheims an der Wurzacher Straße in die Höhe ragt, stand das Gebäude der Baumschule Edelmann, die von dem Stadtförster Edelmann 1876 gegründet worden war, um Nachwuchs für den Stadtwald heranzuziehen. Sein Sohn Hugo Edelmann fügte der Baumschule ein Aufkaufgeschäft für Altmaterial an. Hinter dem grofsen Tor in der großen Halle stapelte sich Altpapier und Alteisen. Die Wände schmückten gußeiserne Ofenplatten, die der kunstverständige Händler vor dem Einschmelzen rettete, so wie er auch manches wertvolle Buch aus dem Altpapier in seine Bücherei stellte. Vor dem Gallusmarkt brachten die Kinder Kastanien zu ihm und erhielten dafür einen Marktgroschen. Als Jäger sammelte sie Edelmann für die Wildfütterung im Winter.

40. Wo stand wohl dieser alte Bauernhof? Nun, an der Ecke Ottmannshofer Straße-Schlotterbachgasse. Wohnung, Stall, Scheune und Schopf, alles war unter einem Dach. So lebte hier die Bauernfamilie und trieb die Landwirtschaft um, Man fuhr hinaus auf die Felder und Wiesen und brachte die Ernte heim. Aber dann kam die neue Zeit. Der Kraftwagen vor dem Haus deutet sie an, Das Fahren hinaus auf die Wiesen und Felder wurde immer beschwerlicher, vor allem das Austreiben des Viehs. Da nahm der Bauer Abschied von der Unteren Vorstadt, wie so mancher vor ihm, und zog hinaus vor die Stadt, wo er seine Grundstücke nun rund um den Hof hat.

41. Aus dem Bauernhof von einst ist heute ein moderner Glas-Beton-Bau geworden. Vor der Bankfiliale parken Autos. Daneben reiht sich Wohnung an Wohnung. Die alten Nachbarhäuser schauen etwas verlegen auf den neuen Bau, der nicht so recht zu ihnen passen will. Die neue Zeit fordert ihren Tribut. Aus der Unteren Vorstadt, dem einstigen Dorf Mittelhofen, sind die Bauern ausgezogen oder haben die Landwirtschaft aufgegeben. Das Bild mit den früher mit Landern gedeckten Häusern ist nur noch auf alten Stichen erhalten.

42. Hier, bei einem Landwirtschaftlichen Bezirksfest, zeigen sich die Bauern noch einmal stolz in ihrer Tracht, die heute längst nicht mehr getragen wird. Die Frauen und Mädchen in weißer Bluse, im mit silberner Kordel verschnürten Mieder, dem Rock mit breiter Borte, darüber die seidene Schürze. Die großen Radhauben haben sie leider daheim gelassen. Nur die Frauen tragen ihre schwarzen Spitzhäubchen. Die Männer zeigen sich in der roten oder geblümten Weste mit den 'Bollenknöpfen' , den kurzen Hosen und weißen Strümpfen, auf dem Kopf den Dreispitz, die Zipfelmütze oder den weichen Zylinder mit Goldkordel. Der Hochzeitlader rechts im langen Rock hält stolz den mit Bändern und Blumen geschmückten Stab. Die lange Tabakspfeife darf nicht fehlen!

43. Die evangelische Dreifaltigkeitskirche, erbaut 1613-1615, hat manche Wandlungen mitgemacht. Die damalige Predigtsaalkirche mit Renaissance-Portalen und Kassettendecke erhielt 1860 eine völlige Umgestaltung. In dieser Zeit beherrschte die Neugotik das Feld. Schlanke gotische Kirchenfenster und Portale bestimmten das äußere Bild. Der Innenraum als hochgewölbte neugotische Hallenkirche erhielt eine einheitliche Ausgestaltung mit schönem Orgelprospekt auf der durchgehenden Empore. Hinter dem Orgeltisch war ein farbiges Kirchenfenster eingefügt (David met der Harfe) aus der Spezialglaserei in Lauingen.

44. Von der Orgelempore geht der Bliek zur Kanzel mit ihrem zierlichen, hochstrebenden Kanzeldeckel, dem Taufstein, den einst die Jungfer Zwickerin gestiftet hatte, dem schlichten Altar mit neugotischem Gitter und dem hohen Fenster (Jesus in Gethsemane), flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus, an die sich die übrigen Apostel anschlossen, dem hohen Gewölbe, getragen von schlanken Säulen mit Kapitellen, die gotische Motive zeigen. Hinter dem Altar hängen die Tafeln zum Gedächtnis an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, In unserer Zeit erschien die Kirche zu groß, die Neugotik war überlebt. So sind die Bilder nur noch Erinnerung, vor allem für die ältere Generation, die hier Taufe, Konfirmation und Hochzeit als Höhepunkt in ihrem Leben feierte.

45. Ja, so schritten einst die Konfirmandinnen zum Altar, im schlichten langen schwarzen Kleid, auf dem aufgesteckten Haar ein Kränzchen aus Immergrün. Zur Konfirmation gehörte auch das neue Gesangbuch als Begleiter durch das Leben. Man meint, an dem ernsten Gesichtsausdruck des Mädchens zu spüren, wie sehr es sich des Ernstes der Feier, die einen wichtigen Einschnitt in ihrem Leben bedeutete, sogar noch beim Fotografen bewußt ist. Ihr schwarzes Kleid - ist es nicht schon das Kleid der künftigen Frau und Mutter?

46. Da sitzt sie ja, die Frau und Mutter, im gleichen schwarzen Kleid, wie sie es wohl schon als Kcnfirrnandin trug. Nun hat sie sich mit ihrer stattlichen Familie dem Fotografen gestellt. Der Vater, Stadtbaumeister Saleth, mit gepflegtem Bart, hat sich, sichtlich stolz, hinter seiner großen Familie aufgebaut. Sieben Kinder - das Jüngste hat nicht ganz still gehalten - gruppieren sich um die Eltern. Farnilien mit sicben Kindern sind, im Gegensatz zu früher, heute eine Seltenheit geworden. Die Zeiten haben sich geändert. Die Frau ist nicht mehr nur sorgende Mutter. Sie hat wie der Mann einen Beruf erlernt, von dem sie sich ungern trennt.

47. Auch die Martinskirche gehört in dieses Büchlein, denn ihr Inneres hat, wie das der Dreifaltigkeitskirche, sein Gesicht mit den wechselnden Stilen gewandelt, von der Romanik, der Gotik, über das Barock zur Neugotik. Im 19. Jahrhundert erhielt ihr Chor einen neugotischen Altar aus der Schreinergotik-Werkstätte der Gebrüder Metz in Gebrazhofen, ebenso die hochgestellte Kanzel mit schlichtem DeckeL Doch die neue Zeit kündigte sich an. Professor Burkhart, Frankfurt, zusammen mit Erwin Henning, ersetzte die Nebenaltäre durch Wandgemälde des Heiligen Martin und der Heiligen Elisabeth. Heute ist der Bliek auf den Altar nur noch Erinnerung.

STiDTPfIRR~IRCHE, HEILIGES GRIB

48. Die Feier der Auferstehung Christi am Abend des Ostersamstag wurde früher zum ergreifenden Schauspiel. Von dem Dachboden der Kirche schwebten am Tag zuvor die Kulissen und Figuren herab und wurden im Chor als Heiliges Grab aufgebaut. Römische Kriegsknechte halten Wache. Der Bliek geht hinein in das Grabgewölbe mit dem erhabenen Leichnam. Dann ertönt der Jubelruf: 'Christus resurrexit est' - 'Er ist auferstanden!' Die Fastenzeit ist zu Ende. Von einem damals angesehenen Bürger wird erzählt, er habe sich nach der Feier vor der Kirche genüßlich die ersehnte Zigarre angezündet, auf die er sechs Wochen verzichtet hatte ...

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