Lindenberg im Allgäu in alten Ansichten Band 1

Lindenberg im Allgäu in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Günter Fichter
Gemeente
:   Lindenberg im Allgäu
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5353-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Lindenberg im Allgäu in alten Ansichten Band 1'

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49. Zu den ältesten Lindenberger Gewerbebetrieben gehörte die Gerberei Spieler, heute das Doppelhaus Reithmeier/Gietinger in der unteren Hauptstraße. Hier ließen sich die Metzger und Bauern nach Hausschlachtungen ihre Häute und Felle gerben, um sie dann nach einem Jahr etwa als Sohlleder für die Schuhe wieder abzuholen. Wie alt die Gerberei war, zeigen bei Umbauarbeiten gefundene Steintröge, in denen die Lohbrühe zubereitet wurde. Sie tragen die Jahreszahl1786. Mit dem Aufleben der industriellen Ledererzeugung mußte 1907 die Gerberei aufgegeben werden. Unser Bild von 1905 zeigt die eine Haushälfte, in der Konrad Gruber 1909 ein Friseurgeschäft eröffnete. Im anderen Hausteil betrieb damals Engelbert Reichart einen Schuhladen.

50. Mindestens sechzig Jahre alt ist diese Fotografie aus Alt-Lindenberg. Sie wurde von Kellers Berg aus aufgenommen, der heute mit den Häusern der sogenannten Bergkolonie fast vollständig zugebaut ist. Im Vordergrund sehen wir den Landwirt Franz Josef Schneider mit Ehefrau Franziska und Sohn Xaver vom Antoniusplatz 2 bei der Heuernte. Das landwirtschaftliche Anwesen Hirschbergstraße 6 in der Bildmitte wurde in den sechziger Jahren abgebrochen. Das Wohnhaus im Vordergrund, 1908 erbaut, trug früher den Hausnamen 'beirn Goldschneider'. Rechts vorne lugt noch ein für die Lindenberger Industriegesehichte bedeutsames Haus hervor. Hier gründete Aurel Huber 1835 eine Strohhutfabrik, die 1870 zum ersten Industriebetrieb Lindenbergs wurde. Er erbaute ein eigenes Betriebsgebäude und trennte so Wohnhaus und Fabrikationsräume voneinander ab.

51. Das Leben war zu Großvaters Zeiten noch sehr viel stärker als heute in den natürlichen Jahresablauf eingebunden. Auf unserem Bild von 1933 fährt ein liebevoll gcschrnückrer Bauernwagen, auf dem sich eine Mostpresse befindet, zum Erntedankfest. Hinterdrein schreitet , sauber herausgeputzt, das Gesinde. Ziel war die Wiese in der Au, wo die Nationalsozialisten erstmals ein Erntedankfest veranstalteten. Die Hirschbergstraße, die den Ortsteil Ried mit Lindenberg verbinder, war damals noch ein von zahlreichen Obstbäumen gesäumter Bauernweg.

52. Vieles von dem, was unser Leben ausmacht, können wir auf der aus einem Familienalbum stammenden Fotografie von 1933 herauslesen: das Geborensein in eine bestimmte Familie und Landschaft, die Arbeit und Freizeit. Auf unserem Bild lagern Mutter und Kind friedlich am Wiesenrand, während Benedikt Keller, damals Bauer und Pächter auf dem sogenannten Fehrhof, sein Heu auf den Wagen lädt. Im Hintergrund links ist außerdem die Schießstätte auf der Rieder Höhe zu erkennen. Zwischen ihr und dem Kugelfang, rechts im Bild, wurde später die Trasse der Alpenstraße gelegt.

1827

53. Unser Bild aus einer Festschrift von 1927 beschreibt den Anfang der Lindenberger Strohhutfabrik Hagspiel: Als der Strohhuthändler Gebhard Hagspiel 1828 auf den Nadenberg heiratete, kam er dadurch in den Besitz eines Eigenheims, in dem er sich eine Werkstätte zum Formen der Hüte einrichtete. Da das Geschäft florierte, konnte er 1844 ganz in der Nähe ein neues Wohnhaus mit geräumigerer Werkstatt erbauen. Unter seinem Sohn Franz Xaver Hagspiel, der inszwischen überseeische Strohborten zur Hutherstellung verwendete, wurde 1885 ein weiterer Ergänzungsbau mit großen Lagerräumen errichtet. Auch die Nachfolger bewahrten den guten Ruf der Firma, die 1908 schließlich nach Heimenkirch verlegt wurde. 1931, in Zeiten schwerer wirtschaftlicher Rezession, wurde die Strohhutfabrik Hagspiel stillgelegt und versteigert.

54. Dieses scheinbar so friedliche Bild hat August Prym 1907 aufgenommen. Wir blieken in eine freundliche Wohnstube, die sich vielleicht in einern landwirtschaftlichen Anwesen befindet. Vom Fenster her fällt Sonnenlicht auf den Arbeitsplatz der Heimarbeiterin, die geradc Hüte näht, Abcr die so schönc Idylle täuscht. Die Heimarbeiterinncn von damals saßen oft zchn Stunden und mehr an ihren Nährnaschinen, die sic stundcnlang mit mühseligem Fußbetrieb am Laufen hielten. Für vielc Fraucn war das Strohhutnähen die cinzige Erwerbsquelle, die eher gering bezahlt war, der einzelnen Familie abcr ein begchrtcs Zubrot bescherte.

55. Die Fertigung von Strohhüten am häuslichen Tisch hatte in Lindenberg seit jeher Tradition. Während vor Jahrhunderten die Bauernfamilie noch jeden Arbeitsgang bis zum fertigen Produkt selbst durchführte , holte man sich später die bereits gellochtenen Strohborten, auch Boschen genannt, aus der Fabrik nach Hause und nähte dort die Rohware zu fertigen Strohhüten. Diese wurden dann in Dekkelkörbe , die aus Holzspänen geflochten waren, verpackt und auf Schlitten, Schubkarren oder kleinen Handkarren oft über weite Wegstreeken nach Lindenberg gebracht. Auf unserem Bild aus den dreißiger Jahren liefern gerade Frauen ihre Heimarbeit bei der Hutfabrik Ottmar Reich an.

56. Um 1900 gab es in Lindenberg und Umgebung 34 Strohhutfabriken. Tausende junger Madehen und Frauen verstanden es, als Hutnäherinnen und Garniererinnen Hüte zu fertigen , die aufgrund ihrer Schönheit und Qualität in alle Welt versandt wurden und Lindenbergs Ruf als Klein-Paris begründeten. Unser Bild, das um 1930 entstanden sein dürfte , wirft einen Bliek in den Nähsaal einer Strohhutfirma. Offensichtlich lassen die Mädchen und Frauen die Arbeit einen Augenblick ruhen, um dem Fotografen besser in die Kamera schauen zu können. Inzwischen sind etliche Jahrzehnte vergangen. in dencri so manche Hutfabrik schließen rnußtc. Nur ganz wenige Frauen verstehen es noch, Hüte auf den speziellen Hutnähmaschinen zu fertigen.

57. Die Strohhutfabrik von Ottmar Reich erlebte schon bald nach ihrer Gründung im Jahre 1838 einen unaufhaltsamen Aufstieg. Bald gehörten die Anwesen Hauptstraße 17, 18, 19 und 20 zum Bereich der Firma. 1882 wurde ein eigenes Fabrikationsgebäude mit moderner Einrichtung erstellt, in dem schon 1884 200 000 Strohhüte erzeugt wurden. Das machte 1890 den Bau einer eigenen Färberei und Bleicherei nötig, Unser Bild, das wohl in jener Zeit entstanden sein dürfte , wirft einen Bliek in den Hof der Bleicherei. Für einen Augenblick haben die Männer und Frauen ihre Arbeit an den Strohborten unterbrochen.

TE~EGRAMM-ADRESSE:

MllZCOMP llNDENBERGAllCÄU GEORONDET 1833.

CODes A.B. C. 5. U. 6. ED.

MARCONI INTERNATIONAL RUDOLF MOSSE CODE FERNSPRECHER ~u.55.

58. Die Lindenberger Hutfabriken versandten in den zwanziger Jahren eindrucksvoll gestaltete Geschäftsbriefe. Auch der Briefkopf der Firma Milz war ein kleines grafisches Kunstwerk, das die Fabrik ins schönste Licht rückte. Im vorliegenden Fall wird dies Fräulein Marie Wiedemann, eine Angestellte des Hauses, aber wenig getröstet haben. Die Geschäftsführung schreibt ihr am 17. August 1926: lnfolge der schon seit Monoten anhaltenden Geschaftslosigkeit sind wir leider genotigt, auch Ihnen das bisherige Angestellten- Verhaltnis per 30. September zu kundigen, Nach diesem Termin sind wir bereit, Sie mit gegenseitiger einmonatlicher Kûndigung weiter zu beschiiftigen, mûßten uns aber in diesem Falle lieue Gehalts-Vereinbarungen vorbehalten. Dies war leider kein Einzelfall. Die Lindenberger Strohhutindustrie steckte seinerzeit in einer tiefen Krise.

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