Lindenberg im Allgäu in alten Ansichten Band 2

Lindenberg im Allgäu in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Günter Fichter
Gemeente
:   Lindenberg im Allgäu
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6673-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Lindenberg im Allgäu in alten Ansichten Band 2'

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Vorwort

Nicht immer nehmen Ortsentwicklungen einen vorhersehbaren Verlauf. Glaubt man der Schulweisheit, dann hätte die Stadt lindenberg imAllgäu, heute der unbestrittene Mittelpunkt des oberen Landkreises Lindau, das kleine Dorf des Mittelalters bleiben müssen, versunken im Dornröschenschlaf, ohne Kraft undAnstoß zum Wachsen. Zu ungünstig waren zunächst die geografischen, klimatischen und politisch-sozialen Bedingungen.

Seit dem 17. [ahrhundert kamen dann aber doch ineinander verquickte wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in Gang, an deren Ende lindenberg als Markt und Stadt die Nachbarorte an Bedeutung und Größe überragte. Was waren die Gründe für diesen Aufstieg und Wandel? Einen ersten Anstoß für Veränderungen gab die kärgliche Landwirtschaft, die den Bewohnern zwar das Nötigste zum Leben schenkte, aber keinen echten Gewinn erbrachte. Da war es schon gut, dass sich die Menschen für die Wintermonate, wenn die Landwirtschaft ruhte, eine Nebenbeschäftigung zulegten. So begannen sie bereits früh, aus heimischem Stroh allerlei Gebrauchsgüter des täglichen Lebens zu flechten, wozu auch einfache Strohhüte für den Hausgebrauch gehörten. In professionelle Bahnen gelenkt wurde diese Entwicklung, als lindenberger Rossknechte in Italien das Flechten schöner, für den Verkauf geeigneter Strohhüte erlernt hatten. So wurde aus der 'Hostuben' -Arbeit eine regelrechte Erwerbsquelle, die sich immer mehr verstärkte und Lindenberg

schließlich zum führenden Zentrum der Strohhutherstellung in Deutschland machte.

Ein weiterer Anstoß für einen grundlegenden Wandel lindenbergs erwuchs aus dem Pferdehandel, der viele heimische Bauernsöhne oft für Monate in die Fremde führte. Hier lernten sie, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, aber auch gutes Geld zu verdienen, was letzten Endes wieder der Entwicklung des Heimatortes zugute kam. Die pferdehändler waren meist Herren von Welt, die oft von großen Ereignissen erzählen konnten und so indirekt auch die Zurückgebliebenen aufgeschlossener für Fremdes und Neues machten.

Dies alles war aber nur möglich, weil die Menschen im lindenberger Raum seit der Aufhebung der Leibeigenschaft im Iahre 1748 die persönliche Freiheit besaßen und das Recht, über ihr Eigentum selbst zu verfügen. Das schufMut, das eigene Geschick in die Hand zu nehmen und besonders in wirtschaftlicher Hinsicht neue Dinge zu wagen. Eine Gelegenheit für wirtschaftlich Neues gab es Anfang des 19. Iahrhunderts, als sich im Allgäu immer mehr die Milchwirtschaft durchsetzte. Die Lindenberger schlossen sich an und versuchten ganz nach Schweizer Art qualitativ hochwertigen Käse zu erzeugen, der in den Handel gehen und in bare Münze umgesetzt werden konnte. Das gelang aber erst, als der Käsehändler Aurel Stadler den Schweizer Sennen Johann Althaus aus dem Emmental ins Westallgäu holte. Er lehrte

die Lindenberger, Hart-und Rundkäse herzustellen, der sich mit Erfolg absetzen ließ. Mit kleinen Sennereien und Käselokalen, genossenschaftlich oder privat, fing es an; große Käsefabriken und Handelsgeschäfte stehen am Ende einer Entwicklung, die ein ganz wichtiger Teil der neueren Lindenberger Wirtschaftsgeschichte geworden ist. Allerdings darf auch nicht vergessen werden, dass die erfreuliche Entwicklung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Ansiedlung weiterer Betriebe mit ganz anderer Produktion zusätzlich abgesichert worden ist.

Die Lindenberger haben immer einen Weg gefunden, Altes, wenn es überholt war, fallen zu lassen und Neues zu beginnen, wenn es für die Zukunft und Fortentwicklung des Ortes notwendig war. So ist am Ende einer über tausendjährigen Entwicklung aus dem ehemals unbedeutenden DorfLindenberg eine Kleinstadt mit fast 12 000 Einwohnern geworden, die den Bewohnern in vieler Hinsicht etwas zu bieten hat.

Etwas von diesem Verlauf sichtbar zu machen, zu zeigen, was einmal das Leben der Menschen in Lindenberg bestimmt hat, ist das Anliegen dieses Ansichtenbuches.

Die ersten Seiten des Buches, dessen Untertitel auch 'von Hut und Käs und anderem Gewerbe' heißen könnte, sind dem Pferdehandel gewidmet, der für Lindenberg eine erste frühe Entwicklungsphase darstellt. Die folgenden Bilder gehen dann recht umfangreich auf die Hutherstellung in allen Phasen ein. Eine Reihe von Hutfabriken wird vorgestellt, um einen Eindruck von der Vielzahl der Betriebe, die es einmal gab, zu vermitteln. Einblicke in die Arbeitsabläufe wollen festhalten, was heute schon viele nicht mehr wissen und kennen. Den zweiten Schwerpunkt des

Buches bildet die Darstellung der Milchwirtschaft und des Molkereiwesens. Hier wird auf kleine Käselokale und große Fabrikationsbetriebe eingegangen und an einem Beispiel aufgezeigt, wie Schmelzkäse entsteht. Zur Auflockerung wurden auch Bilder von anderem Gewerbe eingestreut. Gasthäuser, Metzgereien und Bäckereien, touristische Einrichtungen wie das Feriendorf Nadenberg oder das Waldseehaus zeigen, dass die Lindenberger auf vielen Gebieten recht rührig waren. Miteinbeziehen wollte ich auch die öffentlichen Einrichtungen, die zu Beginn des 20. [ahrhunderts zur Verbesserung der Infrastruktur Lindenbergs geschaffen worden sind. Dazu gehören das Gas- und Elektrizitätswerk genauso wie die Eisenbahn und anderer öffentlicher Nahverkehr.

Um aussagekräftige, möglichst wenig bekannte Bilder zu finden, habe ich das Stadtarchiv Lindenberg sehr gründlich durchforscht. Weitere Fotografien stammen aus dem Hutmuseum und aus Privatbesitz. Sehr herzlich danke ich dem Museumsverwalter Manfred Röhrl für seine Informationen und inhaltlichen Korrekturen. Großer Dank gebührt auch dem Sammler Karl Staudter, der mir für das Buch eine Reihe interessanter Bilder zur Verfügung gestellt hat. Er hat mich in jeder Hinsicht bei der Entstehung des Buches unterstützt.

Schön wäre es, wenn das Ansichtenbuch möglichst viele Leser finden würde. Mir jedenfalls hat die Erstellung nicht nur Mühe und Arbeit bereitet, sondern auch große Freude gemacht. Ich wünsche mir, dass der Leser etwas davon verspürt.

Günter Fichter

1 So sah der Markt Lindenberg im Allgäu 19 0 2 aus: Deutlich erkennbar ist die Form des Straßendorfes, das sich auf der Nordwest-Südostachse über vier Kilometer erstreckt. Auffällt

auch die lockere Bebauung, die lediglich im Ortsmittelpunkt eine gewisse Verdichtung erfahren hat.

N ach bestimmt die Aureliuskirche, die alte pfarrkirche aus dem 14.Jahrhun-

dert, das Ortsbild, das aber zunehmend städtischen Charakter annimmt. Lindenberg besitzt eine blühende Hutindustrie, von der jeder zweite Haushalt lebt. Neben der Landwirt-

schaft, die immer mehr zurückgedrängt wird, hat sich eine Reihe anderer Gewerbebetriebe angesiedelt. Zu Beginn des 20. Iahrhunderts wohnen in Lindenberg etwa 3 000 Menschen.

2 Die Anfänge des Lindenberger pferdehandels verlieren sich im Dunkeln. Wir wissen aber, dass in Oberitalien wegen zahlreicher Kriege immer wieder Reitpferde gebraucht wurden. Sie in weiten Teilen Europas zusammenzukaufen und über die Alpen nach Süden zu bringen, war vam 17. bis I9.Jahrhundert ein Erwerbszweig der Lindenberger. Auf diesen Zügen lernten Rossknechte und Koppelführer auch die Fertigung feiner italienischer Strohhüte kennen. Weil sie neben ihrer kärglichen Landwirtschaft um jede Zuerwerbsmöglichkeit froh waren,

begannen sie bald selbst, schöne und hochwertige Strohhüte herzustellen, die über den Eigenbedarf hinaus auf den Märkten verkauft werden konnten.

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3 Das Bild führt uns nach Mailand kurz vor 1 900. Es zeigt die Lindenberger pferdehändler Martino Huber als Kutscher und seinen Bruder Antonio, der in der Kutsche Platz genommen hat. Zusammen mit ihrem Bruder, dem etwas jüngeren Gebhard, führten sie die Pferdegroßhandlung, die sie von dem vorherigen italienischen Besitzer übernommen hatten. Dazu gehörten Geschäftsgebäude mit großen Stallungen, weite Gelände für das Bereiten, nicht zu vergessen eigene Schmieden und Sattlereien. Eine größere Zahl von Kutschern und Stallknechten

bildete das Personal der Firma, die in Rom, Neapel und Turin Außenstellen unterhielt und in Hannover eine Ankaufsstelle für pferde errichtete.

4 Geschätzt als Förderer seiner Heimatgemeinde und auch beliebt, weil er gerne in geselliger, fröhlicher Runde saß, war Pferdehändler Martino Huber, ein Mann von Welt, den es immer wieder nach Lindenberg zurückzog. 1897 ernannte ihn ' die dankbare Marktgemeinde Lindenberg' zu ihrem Ehrenbürger. Die künstlerisch gestaltete Verleihungsurkunde weist auf signifikante Merkmale der Heimat hin, auf den Pferdehandel, die Alpwirtschaft und die Hutindustrie. Auf dem unteren Bild schlagen die Wellen des Mittelmeeres sanft an südliche Gestade. Und in der Ferne raucht der Vesuv. Eine Reminiszenz an seine Wahlheimat

Neapel, wo Martino Huber einen bedeutenden Umschlagplatz für pferde unterhielt.

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5 Zwei besonders schöne Gräber im historischen Friedhof an der Aureliuskirche erinnern an den Glanz vergangener Zeiten, als Lindenberg als Drehscheibe des pferdehandels in ganz Europa bekannt war. Die pferdehändler Martino und Antonio Huber sowie ihre Nachfahren Xaver und ]ames Huber, selbst noch in dem Gewerbe tätig, liegen hier in kunstvollen ]ugendstilgräbern. Durch den Pferdehandel, der einheimische Händler und Koppelknechte nach Italien führte, hat damals das Dorf Anschluss an die Außenwelt gefunden, Wandel und Aufstieg erfahren. Namen

wie Stiefenhofer, König und Huber tauchen auf, alles Bürger, die aufgrund ihres Wohlstands oft auch Gönner ihrer Heimatgemeinde waren.

6 Seine Kgl. Hoh. Prinz Ludwig von Bayern besuchte am 6.Juni 1907 die Marktgemeinde Lindenberg. Man wusste in München, welchen Aufschwung der Ort in der Vergangenheit genommen hatte. Handel, Handwerk und vor allem die Hutindustrie blühten. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister JosefFehr besichtigte der hohe Gast die Hutfabriken Huber, Reich sowie die Bleicherei AG. Die Belegschaften empfingen Prinz Ludwig mit Hochrufen. Anschließend gab die Stadt ein Festbankett im 'Krone-Saal', wobei die Königstreue undAn-

hänglichkeit der Lindenberger an die Wittelsbacher Dynastie immer wieder zum Ausdruck gebracht wurden. Eine schön gestaltete Postkarte erinnert an den hohen Besuch.

7 Den Lindenbergern kam der Besuch Prinz Ludwigs gerade recht.

Man wollte die königliche Regierung beeindrucken, hatte man doch für den Markt Lindenberg die städ-

tische Verfassung beantragt. Bürger, Vereine und viele Schulkinder standen beiderseits der Hauptstraße. Auch Ehrenjungfrauen auf einem mit einer Krone bekränzten Automobil be-

glei te ten den hohen Gast bei der Fahrt zum Rathaus. Wenige Wochen später zeigte sich, dass sich die Lindenberger nicht vergeblich bemüht hatten. Am 26.Juni 1907 verlieh

die Regierung in München Lindenberg den Status eines Marktes mit städtischer Verfassung. Damit war eine wesentliche Vorstufe zur Stadterhebung im Iahre 1914 erreicht.

8 Eine gelungene Werbung für das aufstrebende Lindenberg war diese um 1905 entstandene Postkarte des Fotografen Gabriel Specht. Vor der Kulisse der Berge dehnt sich, von rauchenden Kaminen durchsetzt, der Industrieort Lindenberg aus. Die Lokalbahn dampft kraftvoll dem Ort entgegen und signalisiert, dass Lindenberg mit nah und fern verbunden ist. Auch die Detailbilder unterstreichen den modernen Geist, der Einzug gehalten hat: Lindenberg besitzt einen Bahnhof, eine Bahnhofstraße mit dem städtisch anmutenden

Hotel 'Krone'. Post- und Zollamt weisen auf die wirtschaftliche Betriebsamkeit hin, die von der

Hutindustrie ausgeht. Besonders stolz sind die Bewohner auf das neue Elektrizitätswerk.

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