Losheim in alten Ansichten

Losheim in alten Ansichten

Auteur
:   Vincent Marx
Gemeente
:   Losheim
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4570-1
Pagina's
:   88
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Losheim in alten Ansichten'

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69. Um 1927. Haus Becker-Krapp, dahinter Hotel und Café Marx. Davor auf dem Wagen Peter Görtz mit seinem Sohn Karl, der im letzten Krieg geblieben ist. Die Bäume rechts wurden kurz nach dieser Aufnahme gefällt.

70. Urn 1929. Sanitätskolonne: Pau1 Konz, Stef. Buchmann, Nik. Schäfer, Joh. Gasper, Math. Braun, Mich. Thielen, Nik. Buchmann und Jakob Buchheit. Unten: Jak. Jakobs, Joh. Maxem, Jak. Meiers, Ste. Buchmann, Dy. Schuler und P. Keßler.

71. Carl Dewes Ende der zwanziger Jahre. Er wurde am 11. Juli 1864 in Losheim geboren und verstarb in Saarlouis am 10. September 1933. Dewes ging vor der Jahrhundertwende nach Amerika, heiratete eine Witwe mit Brauerei und großem Besitz. Nach ihrem Tode beerbte er sie und wurde ein reicher Mann. Um 1907 baute er sich hier eine Villa und nahm ab 1912 seine Schwester Anna - aus dem Hotel Dewes - zu sich. Die kleinen Gärten um sein Anwesen kaufte er nach und nach auf und machte einen Park mit vielen schönen Bäumen daraus. Er kam jedes Jahr nach Losheim und sein täglicher Spaziergang führte ihn nach Heimlingen. Um 1927 ließ er in Heimlingen den Dewes-Park anlegen, anschließend ließ er das Schwimmbad erbauen und dahinter einen Sportplatz. Diese schönen Anlagen zogen viele Fremde an. Nachträglich ließ er sogar einen Musikpavillon errichten. Es wurden Sornmernachts- und Sportfeste veranstaltet. Hier herrschte freudiges Treiben. Herr Dewes wurde Ehrenbürger von Losheim.

72. Die um 1907 erbaute Villa Dewes. In den zwanziger Jahren ließ Dewes sein ganzes Anwesen mit einer hohen Mauer umgeben. Die Zementkugeln auf Säulen und Mauern wogen sieben Zentner das Stück. Nur vorn zur Front wurde ein schweres Eisengitter angebracht. Dewes hatte seine Nichte Mathilde Basenach zur Alleinerbin eingesetzt.

73. 1929: hier sehen Sie das Schwimmbad im Dewespark.

74. Einweihung des Sportplatzes mit Pavillon im Dewespark Ende der zwanziger Jahre. Ganz rechts Carl Dewes und Johann Zengerle, davor Pastor Wilz.

75. Fastnacht im eisigen Winter am 28. Februar 1929. Aufstellung bei Thieser am Bahnhof. Bei 22. Grad Kälte. Nach wenigen Minuten löste sich der Zug auf, die Menschen flüchteten in die Häuser. Links Josef Monz und rechts Ed. Becker, der am folgenden Tage nach Amerika auswanderte.

76. Um 1930 vor Gasthaus Peter Keßler. Von links nach rechts: Nik. Maas, Nicolaus und Peter Keßler, Kriscowiak, Kohr, Max Stander, Rudolf Keßler, Peter Lauermann, Monzel, Karl Stander, Matth. Feilen, weiter rechts Schulien, Wie man sieht eine ergiebige J agdbeute. In den zwanziger Jahren war die Jagd das Ereignis.

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Stellungsbefehl von 1813. Peter Ziegier ist gebürtig in Lebach. Viele Nachkommen von ihm leben in Losheim und haben den Namen 'Zieglich' behalten.

Begebenheiten aus früherer Zeit.

'Mir langt et'

Gemeinderatssitzung in Losheim 1897. Auf der Tagesordnung stand die Verlegung einer Wasserleitung. Sie wurde auch beschlossen und genehmigt. Ein Ratsmitglied freute sich besonders auf die Wasserleitung und meinte: '0 wie schein, dat ma Wasserleitung krein, dann kann eich meich och e mol böden.' Ein andere Ratsherr erwiderte daraufhin: 'Wat haescht hei böden, eich sen geböd gen, wei eich uff de Welt komm sen, und dann hun eich meich geböd, wei eich in de Zeihung woar, mir langt et.'

Die Entscheidung

Im Jahre 1910 bat der Glöckner von Losheim um Erhöhung seines Lohnes für das Mittagsläuten von drei auf fünf Mark im Jahr. Diese Angelegenheit mußte von dem Gemeinderat entschieden werden. Bei der nächsten Sitzung unter Leitung von Bürgermeister Langenfeld ergab die Abstimmung fünfzig Prozent dafür und fünfzig dagegen. So war nichts zu erreichen. Aber es fehlte noch ein Ratsmitglied, und von diesem war dann die Entscheidung abhängig, Man holte ihn zur Sitzung. Unterwegs wurde der Mann über die Sachlage informiert. Kaum angekommen meldete er sich auch zu Wort: 'Meine Herren. Eich wäß um wat et gäht, und Ihr erwort von mir dei Entschädung. Eich soan net sou und eich soan net esou. Sou kann känen soan, eich häv sou gesoat.'

Peter Schulien hatte Glück

Eine kleine Episode aus dem Kriege 1870 berichtet uns folgendes: Das schwach besetzte Saarbrücken wurde am 2. August 1870 von den Franzosen überrannt. Ein Losheimer namens Peter Schulien diente damals in der Stadt bei den 7er Ulanen. Durch das schnelle Vorrücken der Franzosen wurde er von seinem Truppenteil abgeschnitten. Schulien hielt sic!

gerade in einem Bauernhaus auf, und um der Gefangenschaft zu entgehen, versteekte man ihn im Keller in einem offenen Faß, legte Säcke darüber und wartete ab. Und schon bald kan eine französische Patrouille mit einem Hund, um nach versprengten 'Prussiens' zu suchen. Das ganze Anwesen wurde durchsucht, und zum Schluß auch der Keller. Auf der halben Treppe gab der Hund schon Laut und stürzte auf das Faß zu. Alles schien verloren. Aber da ging der Hund einer Katze nach, die hinter dem Faß saß. Die lief um ihr Leben die Treppe hinauf zum Ausgang, hinterher bellend der Hund, und hinter dem Hund her die fluchenden Franzosen. Unser Losheimer Soldat war gerettet. Am anderen Morgen verließ er, als Bauer verkleidet, mit Strohhut und Sense das gastliche Haus, ging an vielen Franzosen vorbei und erreichte unbehelligt wieder seine Einheit,

Der Teufelsautomat

In meiner Jugendzeit stand in Losheim im Bahnhofsvorraum ein Stollwerkautomat, ein Ungetüm von Gerat. Sympathischer war schon sein Inhalt mit vier verschiedenen Süßigkeiten wie Schokolade, Trüffel, Mandeln und Pfefferminz. In jeder kleinen Schachtel lagen zusätzlich Kaiserbildchen, die wir besonders liebten und daher sammelten. Dieser Sammeleifer wurde uns zum Verhängnis. Eines Tages versuchte ich mit drei Groschen mein Glück, doch leider klappte der Einwurf nicht. Der Automat behielt die drei Groschen, spuckte aber keine Schachtel heraus. Untröstlich lief ich zu meinern Freund Edmund und klagte ihm mein Mißgeschick, 'Komrn, das krieg' ich in Ordnung!' war sein Trost, und wir gingen zum Bahnhof zurück. Zuerst sah sich Edmund den Automaten prüfend von allen Seiten genau an, dann bearbeitete er das Ungetüm mit beiden Fäusten und zuletzt mit den Füßen - nichts half. Ich bangte um rneine drei Groschen. 'Mit dem Ding bin ich noch lange nicht Iertig', tröstete mich mein Freund. Plötzlich kam ihm eine hilfreiche Idee, er spuckte auf die rechte Hand, und wie geölt fuhr er damit durch den Ausgabeschlitz. Mit Mühe und Geduld wurde der Automat um drei Schachteln erleichtert - für meine drei Groschen und dann um einige weitere Päckchen für die Arbeit. Der

Automat war leer. Für uns beide war die kleine Strafexekution ein voller Erfolg und schien damit erledigt zu sein. Gedacht! Die Taschen voller Süßigkeiten und dazu die herrlichen Kaiserbildchen erweckten die Neugier unserer Freunde. Selbstverständlich erzählten wir ihnen den Hergang, und von da an hatte der Teufel die Hand im Spiel.

Am nächsten Tag kam Heinrich aufgeregt mit der Meldung: 'Der Automat ist wieder voll'. Nun wurden wir von vielen Jungen in unserer Straße bestürmt, mit zum Bahnhof zu laufen und ihnen zu zeigen 'wie es gemacht wird'. Wir zögerten, denn wir sahen keinen Grund. Schließlich gingen wir doch mit. Heinrich, der Kleinste der Runde, machte den ersten Versuch - und blieb prompt mit der Hand stecken. Nur mit Mühe und Not konnten wir die verletzte Hand herausziehen. Nur Edmunds dünne Hand brachte das Kunststück fertig und leerte auf vielseitiges Drängen den gefüllten Automaten.

Nun hatten wir alle, was wir wollten, die Kaiserbildchen in voller Serie und dazu die Süßigkeiten. Der Erfolg sprach sich herurn. In den nächsten Tagen kamen noch mehr Jungen, um sich an einer weiteren Aktion am Bahnhof zu beteiligen. Wieder kam einer mit der Meldung: 'Der Automat ist voll'. Eine Schar Jungen liefvoraus, machte sich am Automaten zu schaffen und wurde erwischt. Hinter dem Fahrkartenschalter stand der Wirt und Eigentümer des Automaten. Alle Jungen wurden notiert, und die Väter mußten den Schaden bezahlen, die Strafe gab es zusätzlich. Damit schien der Fall Bahnhof erledigt zu sein, aber weit gefehlt. Rektor und Pfarrer bekamen Wind von der Sache, und im nächsten Unterricht kam der Fall zur Sprache, und wieder gab es Schelte. Bei der Großmutter klagte ich über die viele Strafen, und das Ende sei noch nicht abzusehen. 'Junge', sagte sie, 'wie konntest du dich mit Edmund an einer solchen Sache beteiligen? ' 'Ach, die drei Groschen, die steckenblieben, dann die schönen Kaiserbildchen und das Drängen und Betteln der Jungen war zu viel für uns beide', sagte ich. 'Auch vom Kaplan ist bei der nächsten Gelegenheit nichts Gutes zu erwarten. Steek dir etwas in die Hose', war Großmutters guter Rat. Wie gesagt, so war es auch. Im Unterricht vom Kaplan mußten alle Übel·

täter nach vorne treten. Mir zog er zuerst den Hosenboden stramm - und da passierte es. Die alte Hose riß und was schaute heraus? ... der Katechismus! Der Kaplan konnte das Lachen nicht verbeißen und stellte das Strafgericht ein. Den Bahnhof mit dem Teufelsautomaten mieden wir aber fortan wie die Pest.

Zahnziehen - die alte Methode

Als ich noch klein war, klagte ich eines Abends über bittere Zahnschmerzen. Großmutter bemühte sich mit Hausmittelchen um Linderung. Nichts half. Da versuchte mein Vater eine radikale Methode. Er steckte meine Beine bis an die Knie in einen Eimer kaltes Wasser, doch die Wirkung war gering. An der Tiir stand anteilnehmend das Hausmädchen, ein fleißiges Lieschen aus der Eifel. Auch sie wollte helfen, aber ihr Vorschlag wurde überhört. Kurz und gut: nach der Wasserkur steckte man mich ins Bett, und ich schlief bald ein. Am anderen Morgen überlegten die Eltern, was nun geschehen sollte. Damals gab es drei Möglichkeiten, entweder zum Arzt, der gegenüber wohnte, sich aber nicht gern mit Zahnbehandlung befaßte, oder zum Dorfbarbier, der sich nebenbei auch mit dem 'Zahnrobben' beschäftigte. Eine weitere Möglichkeit war, nach Nunkirchen zu gehen, in eine Schmiede, da tat man Hilfesuchenden gern den Gefallen. Die Eltern fragten beim Arzt, und der setzte den Termin der Behandlung für den späten Nachmittag an. Selbstverständlich wurde ich für die Stunde der Bewährung zurechtgemacht. Die gute Oma hatte schon zwei kleine Geschenke für mich bereit, ein Vorwitztütchen und eine Lakritzstange. Vater sagte nur: 'Es ist an der Zeit, daß der Jammer aufhört.' Als es soweit war, nahm Mutter mich an der Hand und ging mit mir hinüber. 'Ach, da ist ja das liebe Bübchen', so empfing mich der Arzt. Das mit dem Bübchen gefiel mir aber gar nicht, ich war je schon im ersten Schuljahr. Ich wurde nahe am Fenster auf einen alten Kurbelstuhl gesetzt und untersucht. Mutter saß in der Nähe. 'Den Übeltäter haben wir bald', sagte der Arzt und legte die Zahnzange vor meinen Augen auf ein Tischchen. Das war genau verkehrt: beim Anblick der Zange wurde mir unheimlich zumute. Auch die Luft im Sprechzimmer bekam mir

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