Ludwigsfelde in alten Ansichten

Ludwigsfelde in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Gerhard Birk
Gemeente
:   Ludwigsfelde
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5309-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Ludwigsfelde in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

In unmittelbarer Nähe des 1375 erstmalig im Landbuch Kaiser Karls des IV. erwähnten Ortes Dahmsdorf (Damsdorp) im Teltow entstand im Zuge der friderizianischen Besiedlungspolitik zwischen 1750 und 1753 die Kolonie Ludwigsfelde, indem einige kleine Häuser für Weberfamilien errichtet wurden. Die heutige Gaststätte 'Alter Krug' ist das letzte, allerdings mehrfach umgebaute Haus aus der Entstehungszeit von Ludwigsfelde. Die Bewohner dieser Kolonie hatte man mit 'Versprechungen, mit List und einiger Überredung' in die recht unwirtliche und kaum besiedelte Gegend, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten, geloekt, Der Ortsname ist auf Ludwig von der Groeben, Erb- und Gerichtsherr von Löwenbruch und Ludwigsfelde , gleichzeitig Staatsdiener am Hof Friedrich des Il., zurückzuführen. Von der Groeben hatte Grund und Boden für die Ansiedlung zur Verfügung gestellt und sich damit gleichzeitig ein Denkmal gesetzt.

In Ludwigsfelde lebten vorerst 'sechs außländische kleine Wirthe. Um 1800 waren es etwa 85 Seelen, die sich um elf Feuerstellen scharten.

Der spätere Herr von Ludwigsfelde, Erasmus Ludwig Friedrich von der Groeben, diente als Generalmajor und avancierte zum Gesandten Preußens am Zarenhof in Petersburg. Er starb 1791 kinderlos. Sein Brudcr, Major a. D. Karl Wilhelm von der Groeben, trat das Erbe an.

Die Eroberungszüge Napoleons brachten diesen Adeligen um den Verstand, 'und so setzte er am 29. Mai 1805 seinem Leben im Gutsgarten selbst ein Ende'. Der Besitz ging in die Hand seines Neffen, des Hauptmanns Friedrich Wil helm Leopold von der Knesebeck aus dem Hause Carwe im Ruppinschen, über.

Die folgenden Jahrzehnte gingen fast spurlos an Ludwigsfel-

de vorüber. Von der französischen Revolution und den Eroberungszügen Napoleons hatte man sicher kaum etwas gespürt - bis daß der Krieg dann auch Ludwigsfelde erreichte. Napoleons Truppen hinterließen nachhaltige Spuren. Und als sich irn August 1813 vor den Toren Berlins erneut ein Unheil zusammenbraute, wurde auch Ludwigsfelde rnit verheerenden Folgen heirngesucht. Nur einen Steinwurf vom Schlachtfeld Großbeeren entfernt, bekam der Ort die Auswirkungen der Kämpfe direkt zu spüren.

Die Not war grenzenlos. Auch in den darauffolgenden Jahren wurde sie nicht geringer, zumal die industrielle Revolution den Ludwigsfelder Webern und Spinnern die Existenzgrundlage zerstörte. Der Ackerbau bot wegen der geringen Bodenfruchtbarkeit und der hohen Wildschäden keine sichere Lebensgrundlage.

Der Errichtung der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn (18391841), eine der ersten größeren deutschen Eisenbahnlinien, begegnete man vorerst mit großem Mißtrauen; sehr bald erkannte man jedoch, daß diese bahnbrechende technische Neuerung für manchen rnittellosen Einwohner eine neue Existenzgrundlage darstellte.

Durch den Bahnhof hatte Ludwigsfelde eine bernerkeuswerte Bedeutung erlangt. Dies spiegeltc sich schließlich auch darin wider, daß 1843 eine Königlich-Preußische Postanstalt errichtet und bald auch mit der Chaussierung der Wege, die nach Ludwigsfelde führten, begonnen wurde.

In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die reizvolle Wald-, Heide- und Teichlandschaft um Ludwigsfelde von immer mehr luft- und naturhungrigen Berlinern, die der Enge der Stadt, ihren düster-dumpfen Mietskasernen wenigstens für Stunden zu entfliehen versuchten, entdeckt. 1927/28 wurden in Preußen die Gutsbezirke aufgelöst. Lud-

wigsfelde bildete fortan gemeinsam mit Dahmsdorf eine Gemeinde, die 1930 rund 200 Einwohner zählte. Der (bis 1952) kirchenlose Ort verfügte in jenen Tagen nur über 15 massive Wohnhäuser. Die Mehrzahl der Einwohner lebte in Lauben, Hütten und Gartenhäuschen.

Mit dem Jahre 1936/37 kam Leben in die Genshagener Heide. Binnen Jahresfrist wurde im Zuge der Kriegsvorbereitung mit dem Daimler-Benz-Flugzeugmotorenwerk, das auf einer 375 Hektar großen Waldfläche entstand, eines der größten und modernsten Werke dieser Art praktisch aus dem Boden gestampft.

In der Nähe des 'Waldwerkes' entstand ein riesiger Wohnsiedlungskomplex von Ein-, Zwei- und Mehrfarnilienhäusern, der den Grundstock der heutigen Stadt Ludwigsfelde bildet.

1936 betrug die Stammbelegschaft des Werkes 180 Personen, im Juni 1937 waren es bereits 5 600. (Viele Facharbeiter, Meister und Ingenieure sowie das Management kamen aus anderen Werken des Konzerns, so beispielsweise aus Stuttgart-Untertürkheim, Gaggenau, Mannheim und auch aus dem nahen Berlin-Marienfelde.)

Während des Zweiten Weltkrieges stieg die Zahl der Beschäftigten (einschließlich der Dienstverpflichteten, Westarbeiter, italienischen Militärinternierten, Kriegsgefangenen, der männlichen und weiblichen Ostarbeiter, weiblichen KZ-Häftlinge und weiteren Zwangsarbeitern) auf mehr als 15 000 an.

Ebenso rasch, wie das Werk entstanden ist, kam sein Ende herbei. Nachdem der größte Teil des Maschinenparks ins unterirdische Auslagerungswerk mit der Code-Bezeichnung 'Goldfisch' bei Obrigheim am Neekar verlagert worden war und nachdem das Werk trotz seiner geradezu vollen-

deten Tarnung wiederholt, am 6. August 1944 besonders stark von britisch-amerikanischen Bomberverbänden attakiert worden ist, stellt es im Frühjahr 1945 seine Produktion endgültig ein.

In der Nacht vom 21. zum 22. April 1945 marschierte eine sowjetische Panzereinheit kampflos in Ludwigsfelde ein und besetzte das Werk. Kurze Zeit später begann auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens bzw. im Rahmen der Reparationsleistungen die Demontage. Der Rest des Werkes wurde bis auf geringfügige Ausnahmen gesprengt.

Die Industriegemeinde ohne Industrie war zwischen 1945 und 1952 das Sorgenkind des Kreises Teltow (seit 1952 Kreis Zossen). Ein großer Teil der Einwohner wanderte ab. Die freigewordenen Wohnungen, aber auch viele Baracken der Zwangsarbeiterlager, wurden von Ausgebombten aus Berlin und von Flüchtlingen belegt. Die Einwohnerzahl bewegte sich um die 5 000.

Erst 1952 entschloß sich die DDR-Regierung, den Rest des noch vorhandenen Facharbeiterpotentials durch den Bau eines Industriewerkes von der Abwanderung, vor allem aber von der Republikflucht, abzuhalten. Diese auf einem Teil des Territoriums des ehemaligen Daimler-Benz-Werkes errichtete Produktionsstätte war zeitweise Bestandteil eines ehrgeizigen, aber letztendlich aussichtslosen DDR-Flugzeugbauprogramms.

In Ludwigsfelde wurden in z. T. rasch wechselnder Folge Schiffsmotoren, Geländewagen, Landmaschinen, Schmelzöfen etc. und seit 1954 Motorroller (insgesamt rund 240000 Stück) hergestellt. Parallel zur Einrichtung bzw. zum Ausbau des Werkes entstanden seit 1952 neue Wohngebiete (vorerst mit Ofen-, später mit Fernheizung). Mehrere Schulen wurden gebaut, die Versorgung erfuhr spürbare

Verbesserungen; doch alle noch so hoch gepriesenen Neuerungen hielten keinem Vergleich mit der Entwicklung in der BRD stand.

1963/64 wurde das Werk abermals umfunktioniert. Am 18. Juli 1965 lief der erste von schließlich weit mehr als 600 000 LKW der Typen W 50 und zuletzt L 60 vom Band. Dieses Ereignis wurde zum Anlaß genornmen, um der Industriegemeinde Ludwigsfelde den Status einer Stadt (der 629. der DDR) zu verleihen. Ludwigsfelde nahm eine für die meisten DDR-Städte typische Entwicklung, die von zeitweiligen Erfolgen und schmerzhaften Rückschlägen bestimmt war.

Seit der Wende veränderte sich das gesamte Leben in Ludwigsfelde grundlegend. Während die geistige Verarbeitung des gewaltigen historischen Vorganges rnit all seinen - nicht in jedem Falle nur freudigen - Begleiterscheinungen vorerst unsichtbar und im Höchstfall in den Gesichtern der Einwohner abzulesen ist, fallen andere Veränderungen geradezu mit Wucht ins Auge.

Der Trabi wird zusehends aus dem Straßenbild verdrängt; immer mehr neue oder zumindest neu aussehende Autos westlicher Herkunft bestimmen das Stadtbild. Hier wird planiert, dort gemauert, woanders werden die Straßen erweitert, die Kreuzungen ausgebaut, Verkehrsampeln errichtet, alte Geschäfte erneuert, neue Geschäfte eröffnet, Handwerksbetriebe gebildet, und man spricht bislang unbekannte geographische Namen wie Mallorca, Costa Brava, Tunesien, Wolfgangsee etc. unbefangen aus und entdeckt die plötzlich größer gewordene Welt - sofern es der Geldbeutel erlaubt. Aber es gibt auch schon die ersten Konkurse. Der Wind der Marktwirtschaft weht mit ungewohnter Heftigkeit, was die absolute Mehrzahl der Einwohner nicht daran

hindert, dieses Prinzip als das effektivere zu begreifen. Mit der Errichtung des Mercedes-Benz-Werkes wird für viele Einwohner eine Perkspektive sichtbar. Der Wille zu notwendigen Veränderungen ist spürbar, und es ist zu hoffen, daß sich die weitere Industrialisierung und die Schaffung von Arbeitsplätzen rnit dem Schutz der arg geschundenen Urnwelt in Einklang bringen läßt.

Der besendere Reiz der Stadt, die nur 17 km von der Landeshauptstadt Potsdam und 17 km von Berlin entfernt ist, besteht darin, daß hier - nicht nur baulich - fast alles zum Positiven verändert werden kann.

Die Aufnahme von Bildern aus Nachbarorten erklärt sich daraus, daß zwischen Ludwigsfelde einerseits und Löwenbruch und Struveshof, aber auch Ahrensdorf und Kerzendorf andererseits, stets die vielfältigsten Beziehungen bestanden. Ludwigsfelde stellt praktisch das geistig-kulturelle wie auch wirtschaftliche Zentrum dieser Orte dar.

Mit dem Bildband, der sich auf die Zeit zwischen 1900 und 1930 ('40) beschränkt, wollen wir den jüngeren und den zugezogenen Einwohnern und Gästen von Ludwigsfelde einen kleinen Einblick in die wechselhafte Geschichte der für die weitere Entwicklung des Landes Brandenburg nicht unwichtigen Stadt geben. Ich danke allen, die mich beim Zusammentragen der Fotos und bei der Fertigstellung des Manuskripts unterstützten.

Ludwigsfelde, im September 1991 Or. Gerhard Birk

1. Der alte Dorfkrug, hier eine Aufnahme von 1900, ist das älteste Haus in Ludwigsfelde. Dem um 1750 im Fachwerkstil errichteten Gasthof wurde am 24. Dezember 1753 durch eine königliche Order 'der Bier- und Brandwein-Verlag, auch Mühlen-Consumtion' bewilligt. Wegen der Legende, daß Napoleon vor der Schlacht bei Großbeeren hier genächtigt habe, wird die inzwischen wiederholt modernisierte Gaststätte im Volksmund nach wie vor der 'Napoleon' genannt. Ludwigsfelde entstand zeitgleich mit den von Berlin integrierten Dörfern wie Adlershof, lohannisthal, Schöneweide, Grünau etc.

2. Die Ortsneugründungen gingen auf die Besiedelungsmaßnahmen Friedrich Il. (s. Foto) zurück; sie wurden vom Kriegs- und Domänenrat Pfeiffer realisiert.

3. Auf der strategisch günstig gelegenen Anhöhe in Wietstock , auf der sich seit jeher die Kirche und der Friedhof befinden. hatten die napoleonischen Truppen arn 22. August 1813 ihre Kanonen in Stellung gebracht, um die in Richtung Ludwigsfelde verschanzten preußischen Landwehrtruppen zu beschießen.

4. Im Jahre 1813 wurde auch Ludwigsfelde von den brandschatzenden, raubenden und mordenden Heerscharen der napoleonischen Eroberer heimgesucht und im Zusammenhang mit der Schlacht bei Großbeeren stark in Mitleidenschaft gezogen. Zwischen Wietstock und Ludwigsfelde fand am 22. August 1813 ein mehrstündiges und verlustreiches Gefecht zwischen preußischer Landwehr und französischen Truppen, unter ihnen Verbündete aus Sachsen, Bayern, dem Rheinland etc., statt. Die Verluste der napoleonischen Truppen wurden mit 500-800 Mann, die der Preußen mit 362 Mann angegeben. Viele der Toten versanken im Morast der überfluteten Wiesen. Zu Ehren der Opfer des Gefechts befinden sich nahe der Schanze Gedenksteine, die in den letzten Jahrzehnten allerdings zusehend verfielen.

5. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in einem verfallenen Nebengebäude des Alten Kruges Waffen und Dokumente von 1813 gefunden.

6. Am 23. August 1813 fand die Schlacht bei Großbeeren statt. Wegen heftiger Regenfälle konnte man die Gewehre nur noch als Hieb- und Stichwaffen benutzen. Ludwigsfelde gehörte zum Aufmarschgebiet und hatte furchtbar unter den napoleonischen Truppen und den Kriegswirren zu leiden.

7. Die Geschichte von Ludwigsfelde ist - wie später mit DaimlerBenz - aufs engste mit der Eisenbahn verbunden. Die industrielle Revolution drang auch in ländliche Regionen vor und erreichte schließlich auch Ludwigsfelde/ Dahmsdorf. Zwischen 1839 und 1841 wurde die Berlin-Anhaltische Eisenbahn (Berlin-Jüterbog-Wittenberg-Köthen) als eine der ersten großen deutschen Bahnlinien gebaut und am 10. September 1841 feierlich eröffnet. 1843 bekam Ludwigsfelde, wo die Züge bis dahin nur bei Bedarf anhielten. einen Haltepunkt. Fortan rollten Fuhrwerke von den urnliegenden Gütern (Löwenbruch, Genshagen, Kerzendorf, Siethen, Gröben) nach Ludwigsfelde, brachten Getreide, Kartoffeln, Spiritus, Milch, Butter, aber auch Brenn- und vor allem Bauholz für die rasch anwachsende Residenzstadt Berlin und nahmen auf dem Rückweg Kohlen, Düngemittel, Saatgut (und natürlich auch Personen) mit. Die Entfernung nach Berlin betrug 24,51 Eisenbahnkilometer. (Fotovon 1980.)

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