Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 1

Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Rudolf Angermeier
Gemeente
:   Mühldorf am Inn
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1823-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 1'

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39. Am Stadtplatz gab es schon ab 1819 ein eigenes Postlokal, dem ein Poststall für den Reise- und Güterverkehr angeschlossen war. Mit der Einführung der Eisenbahn 1871 wurde ein zweites Postamt notwendig und man entschloß sich 1899 zu einem repräsentativen Neubau eines Königlich Bayerischen Postamtsgebäudes gegenüber dem Bahnhof. Der Zweite Weltkrieg hat dem alten Postgebäude schweren Schaden zugefügt, beim Wiederaufbau hat man sich leider zur völligen Veränderung der alten, klassizistischen Fassade bewegen lassen. Hätte es damals schon einen Denkmalsschutz gegeben, wäre dieses schöne Haus heute noch eine Zierde des ganzen Bahnhofsplatzes.

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40. Einem langgehegten Bedürfnis entsprechend beschloß der Landrat von Oberbayern am 20. November 1905 die 6. Kreiswinterschule Bayerns in Mühldorf zu errichten. Dieser Beschluß hatte den Bau eines neuen Schulgebäudes zur Folge, dessen Finanzierung die beiden Distrikte Mühldorf und Neumarkt übernahmen. Die Stadt unter Bürgermeister Fischer hat sich sehr großzügig gezeigt, hat rund acht Tagwerk Grund kostenlos bereitgestellt, ebenso den Anschluß von Kanal, Wasser und Licht und dazu einen Zuschuß von 5 000 Reichsmark. Die Bauoberleitung hatte Professor Jummerspach aus München und so ist es auch verständlich, daß die alte Landwirtschafsschule deutlich Zeichen des Jugendstils aufwies.

41. Der Turnhallenbau im Jahr 1905 wurde erst dadurch möglich, daß der Stadtmagistrat durch Beschlüsse der beiden städtischen Kollegien den Grund für Halle, Turn- und Spielplatz schenkungsweise abtrat. Der Bau der Halle war mit einem Betrag von 8 000 Mark veranschlagt. In der Vereinskasse hatte man schon seit Jahren eine Rücklage gebildet, die aber nur 3300 Mark aufwies. So entschloß sich die Vorstandschaft Schuldscheine über jeweils 20 Mark auszugeben. Die Rückzahlung erfolgte in der Art, daß der Verein pro Jahr fünf der verzinslichen Scheine zurückkaufte, die Reihenfolge der Rückzahlungen wurde ausgelost. Unter der spendenfreudigen Bürgerschaft waren schnell alle Schuldscheine verkauft und der Bau konnte beginnen.

42. Das Schützenwesen hat in Mühldorf eine lange Tradition, schon von 1468 gibt es den ersten Hinweis. Damals war Schießen noch kein Sport, wie heute, sondern für alle Jungbürger eine Verpflichtung, sich im Umgang mit Waffen zu üben. An Schießanlagen und Schützenhäusern könnte man eine ganze Reihe aufzählen, in der Pflanzenau, am Sauloch, am Grieß, bei der Eichkapellen, oder am Wenzlkeller. Der natürliche Kugelfang am Stadtberg war recht vorteilhaft aber ebenso nachteilig die vielen Quellen, die die Schießanlagen immer wieder unterspülten. 1884 haben die Schützen dann an der Ahamer Straße dieses Schützenhaus erbaut in dem nicht nur der Sport, sondern auch die Gemütlichkeit zu ihrem Recht kam.

43. Mühldorf muß einst ein wahres Paradies für durstige Seelen gewesen sein. In der Stadt lag fast eine Brauerei neben der anderen. Auf dem schatrigen Höhenzug am Nordrand der Stadt lag ein Kranz von Sommerkellern, die mit einem Spaziergang verbunden, zu einer gemütlichen Einkehr verlockten. Der erste und älteste dieser Keller war der des 'Himmelbräu', der frühesten, nachweislichen Brauerei. Schon im Jahr 1803 hat Georg Lutz den Märzenkeller an der Stelle errichtet, wo über der Stadt die staubige Straße nach München begann. In der inzwischen mehrfach umgebauten 'Neuen Welt' hat sich der Himmelkeller bis heute erhalten.

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44. Im Frühjahr 1904 waren endlich die jahrzehntelangen Verhandlungen über eine zentrale Wasserversorgung abgeschlossen. Über 40 Quellen entlang des Stadtberges wurden zusammengeschlossen und über eine Pumpstation direkt in die Häuser gebracht. Die Errichtung der Pumpstation am heutigen Stadtwall bereitete große Schwierigkeiten. Mehrfach galt es einen Bergrutsch aufzufangen, das Grundwasser trat so intensiv hervor, daß man sich zu einem regelrechten Pfahlbau entschließen mußte. Auch die Zuleitung zum Hochreservoir und zum Wasserturm, von dem aus das ganze Bahnviertel versorgt wird, war äußerst achwierig. Insgesamt 200000 Mark hat die Stadt für diese 'gemeindliche Wohltätigkeitsanstalt' aufbringen müssen.

45. Nagelschmiedmeister Franz-Xaver Fischer hat während der langen Zeit, von der dieses Buch erzählt, mit an der Spitze der Stadt Mühldorf gestanden. Schon als 27jähriger wurde er in das Gemeinde-Collegium gewählt, ab 1888 gehörte er 12 Jahre dem Magistrat an um dann von 1900 bis 1919 das Amt des ersten Bürgermeisters zu übernehmen. Franz-Xaver Fischer hat viel geleistet für die Stadt, die Einführung der Elektrizität, der Bau einer Wasserleitung und einer Kanalisation und die Errichtung einer Knabenschule fallen unter seine Zeit. Die Kriegsjahre von 1914-1918 haben seiner Arbeit besondere Prüfungen auferlegt und als er 1919 sein Amt niederlegte schickten sich die Kommunisten an, das Mühldorfer Rathaus zu stürmen.

46. Bürgerstolz, Seriosität und Handwerksfleiß waren die gesellschaftlichen Grundlagen des städtischen Gemeinwesens. Der bürgerliche Metzgermeister Josef Wagner stellt sich voller Stolz vor einem frischgeschlachteten Ochsen dem Fotografen, neben seiner Frau die als ausgekochte Viehhändlerin im ganzen Gäu bekannt war, die Leinfelder Rosi, über 40 Jahre der gute Geist des Hauses. Im Hintergrund die ganze Belegschaft, zum besonderen Ereignis mit blendend weißen Schabern angetan und neben dem unentbehrlichen Metzgerhund der Herr Gendarm, der als gestrenger, amtlicher Fleischbeschauer seines Amtes waltet.

47. Der Stadtfischer Alois Mareis war ein Mühldorfer Original. Bis ins hohe Alter hinein betrieb er sein Gewerbe, tagaus-tagein, Sommer wie Winter war er am Wasser zu finden. Sein Fischereirecht reichte vom Heisterbach bis zur Einmündung des Weidinger Baches, ungefähr 15 Kilometer. Unser Bild zeigt ihn in seinen besten Jahren mit einem mehr als 50 Pfund schweren Huchen, dem 'König des Inn'. Als Huchenfischer war er berühmt, wenngleich solche Exemplare zu den seltenen Glücksfällen gehörten. Er lebte äußerst zurückgezogen in seinem Fischerhäusl und taute erst auf, wenn sich die Sportfischer bei ihm zum Hoagarten trafen.

48. Das hat es in Mühldorf bei keinem Volksfest anders gegeben als hier auf dem Bild von 1929. Der Steckerlfisch-Stand von Alois Mareis gehörte zum Bierzelt wie die Musik und der Kas. Aber das Geschäft hat der Fischer immer seiner Frau überlassen, er selbst war nie am Stand zu sehen, er hat sich nur darauf beschränkt, die frischgefangenen Fische aus dem Inn und der Isen zu liefern. Der Bratofen war aus Ziegelsteinen extra aufgemauert, die Bude nur mit ein paar Bäumen dekoriert, nur auf das Bild mit dem Huchen hat er nie verzichten wollen. Es war auch ein Gütezeichen für alle Volksfestbesucher.

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