Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2

Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Rudolf Angermeier
Gemeente
:   Mühldorf am Inn
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5238-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2'

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9. Allzulange dürfte es nicht mehr dauern, dann gehört auch dieses Bild der Vergangenheit an. Nicht, daß es dann keinen Haberkasten mehr gäbe, denn der Denkmalschutz hat ein wachsames Auge auf dieses Stück Mühldorfer Vergangenheit, aber man wird ihm auf alle Fälle ein neues Kleid verpassen. Sein Bruder, der Kornkastcn, hat die Prozedur der Erneuerung schon mit Erfolg hinter sich gebracht und auch das verbindende Mauerstück kann sich wieder sehen lassen, auch wenn man die Zinnen um einen Kopf kürzer gemacht hat. Was dem Haberkasten in Zukunft widerfahren soll, wird noch immer von Experten ausgekocht, aber es wäre schade, wenn man seine Substanz über Gebühr antasten würde. Mit ihm hat man doch weiß Gott schon genug gesündigt, seitdem er seinen Zweck, nämlich darin Getreide zu Iagern, verloren hat. Ein Wahrzeichen der Stadt bleibt er trotzdem allemal.

10. Zum erstenmal tritt die Familie Leiseder 1835 in Mühldorf auf, als der ledige Hafnerssohn Martin Leiseder aus Geisenhausen das Hafneranwesen in der Kirchgasse erwirbt und um die Erlaubnis nachsucht, sein Gewerbe in der Stadt auszuüben. Unsere Abbildung von 1870 zeigt ihn dann schon als Bürgermeister und in seine Amtszeit fiel eine wichtige Entscheidung. Im ganzen Land grassierte nämlich das Eisenbahnfieber, die Bürgermeister gaben sich im Verkehrsministerium in München die Klinke in die Hand um ihre Städte an das Streckennetz der Bahn zu binden. Martin Leiseder war es gelungen, durch unzählige Eingaben und Petitionen Mühldorf zu einem Knotenpunkt zu rnachen, eine große Chance für die Innstadt, den wirtschaftlichen Verlust auszugleichen, der durch die sterbende Innschiffahrt entstanden war.

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11. Mühldorf hat im Laufe seiner Geschichte viele Brücken über den Inn gesehen, in früher Zeit alle aus Holz gebaut, sodaß sie nur jeweils für kurze Zeit den Hochwassern und Eisgängen standhielten. Auf unserem Bild ist die erste Steinbrücke zu sehen, 1813 von dem Ingenieur Wibeking in drei Bögen elegant über den Fluß geführt und an den Ufern mit gewaltigen Widerlagern aus Stein befestigt. Das Material stammte vom alten Voitturm, der vor dem fürstbischöflichen Pflegschloß stand und als Zeichen richterlicher Gewalt galt. Mit der Säkularisation von 1803 war dieser Anspruch hinfällig geworden, der Turm wurde Stein für Stein abgebrochen und an den Inn transportiert um der neuen Brücke den nötigen Halt zu geben. Erst 1852 entstand dann die vielen Mühldorfern noch bekannte Maximiliansbrücke mit ihrem gemütlichen Holzdach, welche 1945 gesprengt wurde.

12. Das Grundmodell der Mühldorfer Stadthäuser zeigt sich an der Dreifensterfassade. Wenn man zu dieser Hausbreite nun noch ein Treppenhaus für drei Etagen rechnet, so ergeben sich äußerst schmale Wohnflächen, die nur durch die ungewöhnliche Tiefe der Häuser auszugleichen war. Das war wohl auch der Grund, daß in fast allen Bürgerhäusern teils offene, teils gedeckte Lichtschächte eingefügt sind, oder daß die Wohnhäuser und die rückwärtigen Wirtschaftsgebäude durch einen Arkadenhof getrennt sind. Die Wichtigkeit dieser Innenhöfe leuchtet ein, wenn man an Pferde und Wägen als notwendiges Verkehrsmittel, oder an eine Anlage eines Hausbrunnens denkt. Daß solche Arkadenhöfe auch ihre eigene Ästhetik entwikkein können, zeigt unser Bild.

13. So ging das im vorigen Jahrhundert noch vor sich: Dominikus Geiger, Sohn eines Kleinbauern und Buchbinders im schwäbischen Eppishausen, begab sich nach seiner Lehrzeit auf Wanderschaft und gründete 1863 in Kraiburg eine kleine Buchbinderei. Ein Jahr später bekam er in Mühldorf die Konzession. ein Geschäft zu betreiben und nach weiteren fünf Jahren gliederte er seiner Buchbinderei eine Druckerei an. Er war von Anfang an besessen von der Idee, eine eigene Zeitung herauszugeben und seit dem Jahr 1871 gibt es dann auch seinen 'Mühldorfer Anzeiger'. Als Dominikus Geiger 1904 starb konnte er freilich noch nicht ahnen, daß es Druckereien, wie sie auf unserem Bild dargestellt sind, nicht mehr geben wird, daß sogar die Zeit der privat betriebenen Lokalzeitungen vorbei sein wird und nur noch in einem größeren Wirtschaftsverband betrieben werden können.

14. Auf dieser Zeichnung aus dem vorigen Jahrhundert ist in der Bildmitte noch die an das Spital angebaute Heilig-Geist-Kirche zu sehen. Sie war an die Südwand des Spitals angesetzt und nur von dort aus zugänglich. Um der ständigen Hochwassergefahr und dem wenig stabilen Untergrund entgegenzuwirken, war die Kirche auf Pfähle gesetzt. Als aber 1835 der Stadtgraben eingefüllt wurde ergab sich eine so empfindliche Absenkung des Grundwasserspiegels, daß sich gefährliche Risse bildeten. 1860 hat dann der Mauerermeister Schmidt 1 000 Gulden bezahlt für 45 000 Steine, 900 Ziegelpfetten und für das hölzerne Gewölbe im Innern der Kirche. Sie mußte weichen, wurde ins Innere des Spitals verlegt, aber das schöne, schlanke Türrnchen ist leider für immer aus dern Stadtbild Mühldorfs verschwunden.

15. War er nicht viel schöner, der Hochbrunnen des Fürstbischofs Johannes Ernestus Graf von Thun, als er noch im Schatten einer Baumgruppe stand? Freilich hatte man 1920 noch Platz für ein bescheidenes Grün an seiner Seite und für Kinder war es noch nicht lebensgefährlich, sich am kühlen Naß zu erfreuen und ein kleines Bad zu nehmen. Dieser Brunnen, den der Salzburger Bildhauer Andreas Gözinger geschaffen hat, wurde leider 1851 seines schönsten Schmuckes beraubt, indem man die Statue des heiligen Nepomuk abgenommen und an die neuerbaute Maximiliansbrücke gestellt hat. Aber warum sollte er nicht eines Tages wieder zurückkehren auf seinen alten Standplatz, neben der Betonbrücke scheint er sich auch nicht gerade wohl zu fühlen.

16. Mit dem Haus Daxenberger, das hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1910 dargestellt ist, verbinden sich auch heute noch Begriffe wie wohlhabend, tüchtig und seriös, ein Handelshaus, deren Bewohner immer zu den ersten Bürgern der Stadt zählten. Es begann 1589 mit einem Wolfgang Schmidt, der mit einer Gastwirtschaft begarm und dessen Söhne und Enkel zur Kaufmannschaft überwechselten; die nachfolgende Familie Reischi verlegte sich ganz auf den Tuchschnitt und den Stoffhandel und Anton Daxenberger schließlich und seine Nachfolger begründeten ein modernes Textilhaus. Alle sind durch den Handel zu Reichtum und Ansehen gekommen, haben ein großes Haus geführt aber alle haben zugleich auch ihre Verpflichtung für die Allgemeinheit wahrgenommen. Alle waren im Rat der Stadt vertreten, die meisten haben das Bürgermeisteramt innegehabt, eine Mitarbeit in Vereinen war für sie selbstverständlich. Sie haben von der Stadt und für die Stadt gelebt, lange bevor das Wort Solidarität zum vielgeplagten Schlagwort wurde.

17. Dieses Bild zeigt das Café Kalchgruber, Stadtplatz 45 unter den Bögen. Es wird bei vielen Betrachtern Erinnerungen an urgemütliche Stunden wachrufen. Es stammt aus dem Jahr 1924, altmodische Bänke und Tische sind an die Sonne gerückt und der hölzerne Ladenbau scheint noch aus jener Zeit zu sein, als Matthäus Kalchgruber die Witwe des Lebzelters Georg Loibl geheiratet hat. Er hatte damit eine alte Tradition auf diesem Haus übemommen, die über Gastgeben, Lebzelter und Metsieder bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Nur ihm selbst waren keine Nachfolger vergönnt, sodaß das Haus in den siebziger Jahren an die Familie Schmedererverkauft, vollständig abgerissen und als weitgeschätztes Kaufhaus wieder aufgebaut wurde.

18. Das Heimatmuseum Mühldorf war bis 1974 im Münchner Tor untergebracht, es war eine bescheidene Ansammlung von Gegenständcn, die irgendwie in Beziehung zur Geschichte der Stadt standen. Die kleinen und recht verwinkelten Räumlichkeiten schienen für den Zweck ideal geeignet, doch als die Sammlung immer umfangreicher wurde, war eine sachgemäße Dokumentation nicht mehr möglich. Inzwischen wurde das Gefängnis am Kirchplatz durch eine neue Justizvollzugsanstalt ersetzt und der Landkreis erwarb den alten Kasten, gab ihm den Namen seines Erbauers, Paris Graf Lodron, der ihn während des Dreißigjährigen Krieges errichten ließ und stellte ihn als Landkreismuseum zur Verfügung. Der Turm allerdings wartet immer noch auf eine Sanierung und gewinnbringende Verwendung.

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