Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2

Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Rudolf Angermeier
Gemeente
:   Mühldorf am Inn
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5238-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2'

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39. Frau Anna Reiter war die Gattin des Mühldorfer Stadtkochs Augustin Reiter, der im Stadtplatzhaus Nr. 65 (Viola-Wiedemann) eine Metzgerei mit Auskochgeschäft betrieb. Man konnte dort neben Fleisch- und Wurstwaren auch Kesselsuppe , frischgekochtes Backenfleisch, Kronfleisch oder Lüngerl erwerben, köstliche Schmankerl also, die früher als Gabelfrühstück oder Irnbiß sehr geschätzt waren. Frau Reiter brauchte sich also um Beschäftigung keine Sorgen machen, aber das Geschäft war auch einträglich, wie ihre noble Kleidung deutlich zeigt. Sie trägt eine typische Bürgertracht des 19. Jahrhunderts, aus Moireeseide gefertigt und mit Stickereien reich verziert, mit bauschigem Rock, Spitzenärmeln und einem weißen Schalkragen. Auch ihr prächtiges Halsband samt Brosche und Armreif zeigt, daß Anna Reiter zu den wohlhabenden Bürgersfrauen Mühldorfs zählte.

40. Wer wollte von den jetzigen Mühldorfern schon leugnen, daß bei Betrachtung dieses Bildes nicht auch ein bißehen Wehmut mitspielt? Es erweckt doch nicht nur Erinnerungen an die Tradition eines führenden Handelshauses dieser Stadt, sondern zugleich auch an Kaufgewohnheiten, an Kundenbetreuung und persönliche Beratung, an den Spruch 'bitte beehren Sie uns wieder', oder an das Klingeln altmodischer Registrierkassen. Was waren das für Zeiten. als man nach langer, langer Sparsamkeit endlich das Geld für ein neues Gewand zusammenhatte, als der Herr des Hauses seine Kunden noch namentlich begrüßen konnte und die Lehrmädchen sich beeiltcn, dem Kunden beim Verlassen des Geschäfts die Tür aufzuhalten. Langst vergangene Herrlichkeiten, die mit den Bildern vom Haus Daxenberger automatisch wieder ins Gedächtnis zurückkehren.

41. Schäfflertanz vor dem Rathaus zu Mühldorf im Jahr 1928. Die Menge steht Kopf an Kopf, um dieses imposante Schauspiel mitzuerleben. Auf den Verkehr brauchte man damals noch nicht Rücksicht nehrnen, billig war dieses Vergnügen auch und Müßiggänger gab es 1928 genug. Die Inflation trieb jeden Tag neue Blüten und die Arbeitslosigkeit steuerte ihrem Höhepunkt zu. Da boten die Schäffler in ihrer bunten Tracht mit Musik und Reigen eine willkommene Abwechslung. In Mühldorf war der Schäfflertanz schon seit 1862 Tradition. der siebenjährige Rhythmus hat sich bis heute erhalten. Aber niemand kann sagen, warum dieser Freudentanz, der auf den Ablauf der Pest in München zurückgeht, immer nur am Fasehing aufgeführt wird.

42. Josef Harlander, Schiffer von Mühldorf, starb 1932 nach einem aufregenden Leben, das ihn in alle Flußhäfen an Inn und Donau geführt hatte. Er war vierzig Jahre lang Schiffsknecht, Seilmeister und Steuermann, fuhr auf Plätten von Kufstein bis Budapest und transportierte Tabak, Wein, Bauholz, Getreide, Tuffstein und Marmor und zum Schluß auch noch die Eisenschienen für den Bau der Bahn, die ihm und seinem Gewerbe schließlich den Garaus machte. 'Weit unten in Ungarn, wo die Donau ein Knie macht,' zo erzählt Josef Harlander in seinen Erinnerungen, 'ließen die Schiffer einen Jungknecht ins Wasser fallen und keiner schaute ihm nach, ob er das Ufer erreichte.' Es waren rauhe Gesellen. die ihr Leben auf Plätten und Flößen zubrachten, ein halbes Jahr von Zuhause getrennt und immer in Gefahr, der Unberechenbarkeit des Flusses zu erliegen.

43. Josef Meissauer, ein 45jähriger Geschäftsinhaber in der Pfaugasse (Bräugasse) hatte die Angewohnheit, mit Vorliebe in Damenkleidern zu gehen, er bevorzugte außerdem auffallenden Schmuck und gefärbte Perücken. Seinem Geschäft tat das keinen Abbruch und die Leute hatten sich an seine Marotte gewöhnt. Als groben Unfug wurde allerdings betrachter, daß er während der Fronleichnamsprozession 1910 mit einem Jungfernkränzchen und Stöcklschuhen unter den Bögen einherstolzierte. Dies trug ihm eine Anzeige beim Amtsgericht ein und der Richter verurteilte ihn zu 14 Tagen Gefängnis und Tragung aller Kosten. Da half dem guten Meissauer auch seine Beteuerung nichts, daß er einmal den Trappisten angehört habe und außerdem noch 'Jungmann' sei, weshalb er mit dem gleichen Recht wie eine Jungfrau ein Kränzchen getragen habe.

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44, Von der Firma Geiger wurde aus Anlaß des Volksfestes von 1913 diese eigene Festkarte herausgegeben. Der Entwurf stammte vom Heimatkünstler Karl Wenninger und zeigt im Vierfarbendruck das Symbol des Festes, die Urnrisse des Haupteingangs. Zwei kleine Amorl halten einen Schild in Händen, auf dem das Mühldorfer Stadtwappen erscheint, bekrönt von der Stadtsilhouette. Die Karte war sehr begehrt, um Grüße an die Verwandtschaft vom Mühldorfer Volksfest zu verschicken. Wer hätte 1913 daran gedacht, daß es für lange Zeit die letzte Gelegenheit sein würde, in bierseliger Ausgelassenheit ein Fest zu feiern. Ein Jahr später stand für viele schon die Mobilmachung ins Haus.

45. Unser Bild zeigt die Akteure des 'Musikverein Mühldorf", der im Dezember 1908 gegründet wurde. Es war eine schwere Geburt, gegen die unterschiedlichsten Interessen einen eigenen Verein aufzubauen, denn die musikalische Szene um die Jahrhundertwende wurde eindeutig von der Familie Heindl beherrscht. Außerdem unterhielt die Liedertafel ein eigenes Vereinsorchester, ebenso der Bürgergesangsverein und neben der Stadtkapelle Heindl gab es auch noch die Blechmusik vom Schwaigerkeller. Man darf annehmen, daß das Gerangel um die besten Instrumentalisten groß war in Mühldorf und es bedurfte einer starken Persönlichkeit, um sich mit einem eigenen Musikverein zu behaupten. Dem Gerichtsvollzieher Kar! Horst, in der Bildmitte mit dem Taktstock, war es schließlich gelungen, eine von allen anerkannte Blaskapelle zusammenzustellen.

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46. Am Stadtberg von Mühldorf gab es um 1900 eine ganze Menge von Kellerwirtschaften, die besonders wegen ihres schattigen Wirtsgartens zu beliebten Ausflugszielen während der warmen Jahreszeit wurden. Da wanderten die Bürgersfamilien am Abend zu einer Radibrotzeit und zum Bier, im Salettl war man windgeschützt und wenns hoch kam spielte sogar eine Schrammelmusik zur Unterhaltung. So war es beim Sallerkeller, beim Himmelkeller, im Loiblkeller oder wie auf dem Bild im Schwaigerkeller. Unter schattigen Kastanienbäumen war es gemütlich, die Kinder hatten ihren Auslauf und für die Bauernknechtl aus der Umgebung war eine Fahrradeinstelle eingerichtet, damit sie ihren Brennabor in Sicherheit bringen konnten.

47. Felix Gebhart, Apotheker aus Landshut, war 1836 nach Mühldorf gekommen und heiratete die Witwe seines Vorgängers Josef Lerch. Er war von seinen Mitbürgern hochgeschätzt, war ein eifriges Mitglied des Bürgergesangsvereins und hat sich große Verdienste um die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Mühldorf erworben. Kein Wunder also, daß er 1845 in das Amt des Bürgermeisters berufen wurde, das er dann für zwanzig Jahre mit großem Erfolg bekleidete. Seine Apotheke war zu jener Zeit noch im jetzigen Donaubauerhaus am Eingang zur Tuchmachergasse und wurde nach seiner Zeit mit dem Namen 'Elefanten-Apotheke' versehen. Erst der Pharmazierat Hermann Dölger hat mit der Apotheke 1922 einen Umzug an das Münchner Tor vorgenommen, er wollte damit dem ständigen Zuwachs der Bevölkerung im Bahnhofsviertel Rechnung tragen.

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48. Um die Mitte des Septembers 1899 wurde unser ganzes Gebiet von einer verheerenden Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Die auffallendste Folge davon war das Eisenbahnunglück von Rohrbach. Der mittlere Brückenpfeiler der Bahnlinie MühldorfNeumarkt war infolge der Unterspülung geborsten und hatte den Nachtzug mit Lokornotive, fünf Passagier- und einem Dienstwagen in die stark überflutete Isen gestürzt. Sechs Eisenbahner des Begleitpersonals fanden dabei den Tod, nur der Wagenwärter überlebte die Katastrophe. Die Lokomotive hat man erst nach dem Absinken des Hochwassers im Flußbett der Isen gefunden.

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