Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2

Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Rudolf Angermeier
Gemeente
:   Mühldorf am Inn
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5238-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2'

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49. Wer da denken sollte, ein Herrenfahrer könne nur in Verbindung mit einem PS-starken Schlitten oder gar mit Sportcoupe samt Biene gesehen werden, unterliegt offenbar einem Irrturm. Dieser Gentleman auf seinem fast abenteuerlichen Gefährt belehrt uns eines Besseren. Er ist sich seiner Ausnahmestellung sehr wohl bewußt, stellt dies mit Gocks und Krawatte, mit Handschuhen und schnallenverzierten Lackschuhen auch eindrucksvoll zur Schau. Als zum Ende des 19. Jahrhunderts der Sport von England aus auf den Kontinent übergriff, gab es zunächst aus dem bürgerlichen Lager breite Ablehnung und Skepsis. Er galt als sinnloser und nutzloser Zeitvertreib, der einem allgemeinen Müßiggang nur Vorschub leistete. Aber die Söhne dieser Skeptiker fanden, besonders im Radsport, eine Art aufregender Exclusivität die sich nicht jeder leisten konnte und außerdem eine gewisse Fertigkeit und Geschicklichkeit erforderte. Und daß Radfahren auch noch galant sein konnte, haben die Mühldorfer Velozipedisten schon 1882 erfahren.

50. Leo Mulfinger hat als Amtmann der Stadt Mühldorf über dreißig Jahre lang gedient, vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch 1945. Er war Chef der Verwaltung und von 1932 bis 1937 sogar Bürgermeister, wenngleich seine Entscheidungsgewalt während des Dritten Reiches durch die Partei stark eingeschränkt wurde. Seine Zeit war von äußerst schwierigen Umständen begleitet, von Arbeitslosigkeit und Rezession, von Intlation und turbulenten Machtkämpfen am Anfang der dreißiger Jahre. Aber sein Amtsnachfolger Hans Gollwitzer hatte 1952 allen Grund Leo Mulfinger aus Anlaß der Verleihung des Ehrenbürgerrechts als einen fleißigen, umsichtigen und gewissenhaften Beamten zu loben, ihn als 'Mehrer der Stadt' zu bezeichnen, auch wenn er nie ein Mann der großen Worte war, sondern die Zuverlässigkeit und Korrektheit zu seinen Prinzipien erwählt hatte.

51. Das Volksfest von 1913 bot Attraktionen am laufenden Band. Die Turnhalle erhielt für eine Gewerbeausstellung einen Anbau, der Obst- und Gartenbauverein errichtete einen Blumenpark , in dem ein Musikpavillon Aufstellung fand, die 'Schnaxelkapselschützen' bauten eine Schießhalle und Herr Dinhuber bewirtete seine Gäste in einer feschen Almhütte. Besonders aktiv war der Turnverein, er schuf vor der Festhalle ein Geviert mit 30 x 30 Metern, um den Zöglingen Gelegenheit zur Produktion zu verschaffen, hundert Knaben und hundert Mädchen führten ein großes Keulenschwingen vor und für den Abend standen illuminierte 'Marmorgruppen' auf dem Programrn, bestehend aus neun lebenden Bildern zu jeweils 14 Mann.

52. Am 13. Mai 1923 war Großkampftag auf der Mühldorfer Rennbahn angesagt. Neben zahlreichen Radrennen wurden erstmals Rennen für Schwermotore, von 3 PS aufwärts, vorgeführt, was eine bis dahin noch nie dagewesene Besucherzahl von mehr als 5 000 Menschen anlockte. Die Cracks kamen allerdings ausnahmslos aus München, in Mühldorf selbst war es erst im August 1923 zur Gründung eines Motorsportclubs unter Führung des Buchbindermeisters Eugen Dachs gekommen. Auf unserem Bild stehen die Rennfahrer mit ihren abenteuerlichen Maschinen bereits am Start, mit Mantel, Lederhaube und Schutzbrille angetan, und warten darauf , angeschoben zu werden. In welcher Geschwindigkeit sie um das Mühldorfer Oval donnerten, ist allerdings nicht vermerkt.

53. In den 'Münchner Neuesten Nachrichten' vom 23. Juni 1921 stand zu lesen: 'Der Mühldorfer Trabrenn- und Zuchtverein hat mit seiner neuen Rennbahn ein Werk erstellt, das uneingeschränkte Hochachtung verdient. Für die Schöpfung kann kein Wort des Lobes zu viel gesagt werden. Die ganze Anlage ist in allen Teilen großzügig erdacht und ausgeführt und stellt nach ihrer Vollendung eine Rennbahn dar, die zu den schnellsten Bayerns und vielleicht auch noch darüber hinaus zählt. Die Trabrenngemeinde Mühldorf verdient jede nur mögliche Förderung und Unterstützung.' Unser Bild zeigt den neuen Zielrichterturm mit der großen Neuheit eines Totalisators und den Sieger des ersten Rennens um den großen Preis der Stadt Mühldorf über 2 000 m, 'HennyII'.

54. Die Errichtung der Realschule in Mühldorf war eine außerordentlich schwere Geburt. Bereits 1843 wurde ein erster Versuch zur Gründung einer Lateinschule gestartet, aber zu dieser Zeit hatte man mit der Einführung einer Volksschulpflicht noch alle Hände voll zu tun. 1877 ermunterte dann der Staat die Städte, die Weiterbildung zu fördern, aber erneut scheiterte es an der finanziellen Ausstattung. Auch 1904 und 1913 beschränkte sich der Staat darauf, die Genehmigung zu erteilen und die Kosten den anderen zu überlassen. Stadtinspektor Leo Mulfinger griff dann 1921 zur Selbsthilfe , gründete einen 'Mittelschulverein Mühldorf', der zumindest die Kosten für die Lehrkraft übernehmen konnte, die Stadt stellte im Bruderhaus einen Schulsaal zur Verfügung und noch im selben Jahr konnte die 'Städtische Realschule mit Lateinabteilung' eröffnet werden. Mit Herrn DI. Schöberl hatte man einen erfahrenen und umsichtigen Direktor gefunden.

55. Der Fasehing von 1936 war ein Großereignis für Mühldorf. Neben einem Faschingszug von bisher nie gesehenem Ausmaß mit einer Unzahl von Wägen und Fußgruppen, zählte vor allem der berühmte Zirkus 'Born-Böfki' zu den besonderen Attraktienen. Da wetteiferten Turnergruppen. Seiltänzcrinnen, Dompteure und chinesische Artisten um die Gunst des Publikums, das den Stadtplatz bis aus den letzten Platz füllte. Auf der Rennbahn gab's ein spannendes 'Ochsenrennats' mit allen einheimischen Cracks und mittendrin im Trubel war natürlich Papa Rauh mit seiner original Mühldorfer Damenkapelle. Man kan es ihm förmlich vom Gesicht ablesen, daß er zu jeder Gaudi zu haben war.

56. 'Er war ein echter Freund und Förderer der Heimat und ein bleibendes Stück Mühldorf.' So steht es in einern Nachruf auf den Baumeister Alois Oelmaier, der im August 1973 im Alter von 83 Jahren gestorben war. Er war einer jener vielen Zugereisten, die sich zu allen Zeiten der Stadt Mühldorf verpflichtet fühlten, war 1920 aus Biberach an der Riß gekommen, gründete ein erfolgreiches Baugeschäft und wandte sich ganz selbstverständlich gleich dem Heirnatbund Mühldorf zu, dessen Vorstand er auch über fünfzehn Jahre war. Man muß den spateren Kreisheimatpfleger erlebt haben, wie er in seiner selbstentwickelten Inntaler Tracht die Versammlungen seines Vereins meist selbst bestritt, wie er über Gott und die Welt stundenlang referieren konnte, muß ihn beobachtet haben, wenn er bei gernütlichen Vereinsausflügen Steine zu sammeln begann. Das war nur eine seiner vielen Leidenschaften, neben den künstlerischen Fähigkeiten war es immer eine ausgeprägte Sorge um das Schöne und Erhaltenswerte .

57. Georg Gschwendtner, 1846 in Mühldorf geboren, war eine stadtbekannte Persönlichkeit. Er betrieb eine von seinen Vorfahren aufgebaute Lohnkutscherei und besaß das Stadtplatz-Haus Nr. 33, das heute dem Optiker Hirsch gehört. Mit ihm ging allerdings das traditionsreiche Gewerbe eines Kutschers, Pferdelehners und Stellwageninhabers zu Ende, Eisenbahn und Automobil haben das Pferdefuhrgeschäft brotlos gemacht. Auf dem Foto, das anläßlich seiner goldenen Hochzeit im Jahr 1926 gemacht wurde, zeigt er voller Stolz seine Kriegsauszeichnungen, die ihm als Teilnehmer des ruhmreichen Feldzugs von 1870171 verliehen wurden. Er brachte den Sieg über den Erzfeind Frankreien und in der Folge die Proklamation des 2. Deutschen Reiches durch Fürst Otto von Bismark.

58. Turnhalle Mühldorf, Pokalturnier zu Pfingsten 1928 und Sieg über den alten Rivalen Altötting mit 4 : 2. Grund genug sich nochmal in Schale zu werfen, sich mit ein paar feschen Jungfrauen zu dekorieren und voller Stolz dem Fotografen zu stellen. Heute fragt man sich allerdings, wie man in dieser Montur überhaupt Fußball spielen konnte, mit derartigen Schuhen und Beinkleidern. Aber Mühldorfs Sportgeschehen bekam durch die Fußballer mächtigen Auftrieb, als sie 1922 mit der Spielvereinigung einen eigenen Verein gegründet hatten. Es war die Zeit, als der Fußball noch mühsam um Anerkennung und um Zuschauer kämpfen rnußte, die finanziellen Verhältnisse waren nie recht berauschend, obwohl man mit dem Fahrrad zu den Auswärtsspielen fahren mußte.

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