Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2

Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Rudolf Angermeier
Gemeente
:   Mühldorf am Inn
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5238-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 2'

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59. Im ersten Band von 'Mühldorf in alten Ansichten' ist der Turmbräugarten aus dem Jahr 1914 abgebildet, damals noch ein Biergarten im Charakter einer Vorstadtidylle, den kein Lärm und Bezingestank noch stören konnte. 1930 hat dann Georg Lankes einen Saal angebaut, der für Jahrzehnte zum Mekka für alle vergnügungssüchtigen Mühldorfer wurde. Besonders als der Himmelsaal in der Katharinenvorstadt 1945 durch Bomben zerstört wurde, war der Lankessaal für alle Arten von Veranstaltungen gut, für Faschingsfeste, für Parteiversammlungen, für Militärkonzerte oder städtische Feierlichkeiten. Alles spielte sich im Turmbräugarten ab, lustiges, erhabenes oder propagandistisches, wie es die Zeit gerade mit sich brachte.

60. Das waren noch Zeiten, als zum Mühldorfer Volksfest eine zwanzig Mann starke, ortseigene Blaskapelle aufspielte. Das Lautsprecherunwesen hatte seinen Einzug in die Bierzelte noch nicht gehalten, man konnte sich bei Bier und Brotzeit auch noch gemütlich mit seinem Nachbarn unterhalten. Der Stadtmusikmeister Ludwig Rauh, den man liebevoll nur den 'Papa Rauh' nannte, ist auf unserem Bild einträchtig neben dem Traditionsfestwirt Georg Lankes abgebildet, das Festbier kam selbstverständlich aus der Mühldorfer Turmbrauerei und kein Mensch dachte daran, daß sich auf dem Heimweg ein Gendarm dafür interessieren könnte, wieviel Maß von dem süffigen dunklen Märzen den Gang des Heimkehrers etwas ins Schwanken brachte.

61. Hans Gollwitzer war eine unter vielen Persönlichkeiten, denen das schwierige Amt aufgetragen war, als Bürgermeister dieser Stadt vorzustehen. Er war 1922 nach Mühldorf gekommen, wurde 1937 zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt und ein Jahr später zum hauptamtlichen Bürgermeister bestimmt. Seine Amtszeit war von großen Schwierigkeiten geprägt, als 1945 die Amerikaner die Stadt besetzten, übergab er diese mit einer weißen Fahne in der Hand, denn er hatte eine angeordnete Verteidigung strikt abgelehnt. Wie viele seiner Amtskollegen wurde er 1945 seines Postens enthoben, erreichte aber 1952 durch eine Stichwahl seine Wiedereinsetzung. Nach seiner Pensionierung versah er ehrenamtlich die Stadtbücherei und das Stadtarchiv, eine Bezahlung für diese unermüdliche Tätigkeit lehnte er aber ab. Die Stadt hat ihm für sein Wirken in Mühldorf die Ehrenbürgerschaft verliehen.

62. Heldengedenktag 1940. Der Krieg war gerade ein Jahr alt, Polen war in einem Blitzkrieg niedergekämpft, der Frankreichfeldzug hatte gerade hoffnungsvoll begonnen und so war es sinnvoll, sich vor dem Kriegerdenkmal zu versarnmeln, an dem schon so vieler Kriege gegen den Erzfeind Frankreich gedacht wurde. Jetzt war man entschlossen, Frankreich endgültig auszuschalten, ganz Europa sollte unter die Fittiche des Nationalsozialismus kommen und unter dem Hakenkreuz vereint werden. So oder ähnlich mag der Redner am Podium gesproehen haben und die jungen Leute unter dern Obelisk zeigen wilde Entschlossenheit. Aber fünf Jahre später war nur eine geschlagene Armee und ein verwüstetes Land übriggeblieben, die Träume vorn Tausendjährigen Reich und die Ansprüche einer arischen Herrenschicht waren nur von kurzer Dauer.

63. Was macht man rnit Kriegerdenkmälern, wenn nach einem weltweiten. grausamen Vernichtungskampf die Völker endlich zu der Überzeugung gelangen, daß Erzfeindschaft und Rache gar nicht sein rnüßten? So wie auf dem Stadtplatz von Mühldorf bildeten in allen Städten Europas die Denkmale den Mittelpunkt, jedes Jahr wurde unter feierlichem Trommelwirbel und in markigen Reden von Ehre und Vaterland gesprochen, als müsse der Krieg immer von neuem verherrlicht werden. Trotzdem war es nicht diese weise Erkenritnis allein, die 1958 zum Abbruch des Kriegerdenkmals drängte , sondern auch der schnell anwachsende Verkehr. So wurde der Obelisk zertrümmert, die beiden Löwen an den Franzosenfriedhof und nach Waldkraiburg vergeben und die säulchenumstandene Einfassung dem Preßlufthammer überlassen.

64. So hat der Stadtplatz von Mühldorf zum großen Kreistag am 14. Juni 1939 ausgesehen. Der GeneralappeIl und Aufmarsch aller Formationen stand noch bevor, jedes Haus war herausgeputzt für den hohcn Besuch des Gauleiters aus der Hauptstadt der Bewegung. Man denkt dabei unmittelbar an eine Bühne, die für die jeweilige Gelegenheit ihre Dekoration verändert , an Zeitgeschmack oder ideologische Ansprüche , die den in langen Jahrhunderten gewachsenen Platz als ihre Staffage benutzt haben. Die Häuserfronten des Mühldorfer Stadtplatzes haben das in aller Bescheidenheit über sich ergehen lassen, weder erzbischöfliche, noch königliche oder gar parteiideologische Embleme haben sie in ihrem gewachsenen Selbstverständnis als Handelsstadt am Inn auf Dauer beeindrucken können. Die bunte Vielfalt der Häuser ist sich selbst genug, sie bedarf keiner Dekoration.

65. Erinnerungen an düstere Zeiten sind mit diesem Bild verbunden. Am 2. Mai 1945 sind die Amerikaner mit ihren Panzerspitzen in Mühldorf einmarschiert, die Stadt war wie leergefegt, nur Bürgermeister Hans Gollwitzer stand mit einer weißen Fahne vor dem Rathaus, um sie als unbefestigte Stadt den Besatzern zu übergeben. Aber zum Zeitpunkt der Übergabe flog mit einem ohrenbetäubenden Knall die Innbrücke in die Luft , zurückflutende deutsche Soldaten wollten damit den Amerikanern den Weitermarsch erschweren. Bürgermeister Gollwitzer, als vermeintlicher Schuldiger, wurde sofort verhaftet und interniert, über den Inn wurde von arnerikanischen Pionieren eine einspurige Notbrücke gebaut um den Verkehr mit dern Süden notdürftig zu gewährleisten. Heute denkt niemand mehr an das Elend der vielen Flüchtenden, Entwurzcltcn, Heimkehrenden und Suchenden, die überviele Jahre ihren Weggesucht haben.

66. Bahnhof Mühldorf - 24. April 1945. Eine Luftaufnahme aus dem britischen Verteidigungsministerium zeigt uns die schweren Verwüstungen in der oberen Stadt nach den beiden Bombenangriffen vom 19. März und 20. April. Das Bahngelände selbst gleicht einer Wüste, in der oberen Hälfte des Bildes erkennt man die Baracken des Wehrmachtsdepots, die Firma Polenski und Zöllner und den Innkanal. Weitläufig sind die Bombentrichter zu sehen, allein beim ersten Angriff wurden von ca. 700 Maschinen 5 500 Bomben abgeworfen, 2 800 Wägen und 50 Lokomotiven zerstört und etwa 75 % der Gleisanlagen und Betriebs- und Verwaltungsgebäude zerstört. Trotz dieser enormen Beschädigungen war man schon nach vier Wochen wieder so weit, daß der Zugverkehr einigermaßen funktonierte, aber für 144 Menschen war keine Hilfe mehr möglich gewesen.

67. Das goldene Rad der Stadt Mühldorf war die begehrte Trophäe der Mühldorfer Pfingstrennen von 1949. Am Start war die gesamte Motorradelite Deutschlands, die mit so klangvollen Namen wie Münzloher, Gunzenhauser, Marxreiter, Naneder, Gebensdorfer oder Neidlinger heute noch in bester Erinnerung ist. Der Höhepunkt war das Rennen der 500 ccm Maschinen, das schließlich K. Marxreiter aus Plattling auf einer Jap mit einem Stundenmittel von 103, 1 gewinnen konnte. 14 000 begeisterte Zuschauer waren Zeuge spannender Rennen. Der hier abgebildete Ehrenpreis der Stadt Mühldorf wurde vom Goldschmiedemeister Joseph Rothfischer geschaffen, eine 26 cm hohe Zierdose in Gold, der am Sockel sechs große Onyxe eingelegt waren.

68. Wenn der Motorsportclub Mühldorf jedes Jahr zu Pfingsten die Weltelite auf seiner schnellen Tausend-Meter-Bahn zu Gast hatte, waren spannende Rennen geboten. In den zwanziger Jahren lieferte sich der Lokalmatador und Europameister Sepp Giggenbach mit seinen Kollegen Braun, Schnitzenbaumer und Posehenrieder packende Duelle mit den Österreichern Schneeweis und Walla. Dann karn die Ära der Guntzenhauser, Münzloher und Siegi, bis nach dem Krieg Wack Hofmeister, Christoph Betzl und Karl Maier auf Barry Briggs, ale Olsen und Ivan Mauger trafen. Seitdem hat der Motorradsport eine schwindelerregende Entwicklung genommen, die Leistungen der Fahrer und ihrer Maschinen sind am absoluten Limit angelangt, die Zeit der Amateure und Liebhaber auf dem Motorrad ist endgültig vorbei.

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