Mülheim an der Ruhr in alten Ansichten

Mülheim an der Ruhr in alten Ansichten

Auteur
:   Heinz Hohensee
Gemeente
:   Mülheim an der Ruhr
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4558-9
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mülheim an der Ruhr in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Ein niederländischer Verlag stellt alte deutsche Städte vor - aus Zaltbommel kommt ein Buch über Mülheim zu uns. Europa ist klein geworden. Das Auto, die Eisenbahn und nochmehr das Flugzeug haben die Entfernungen schrumpfen lassen. Die ganze Welt ist unser Urlaubsziel geworden. Griechenland, Italien, Spanien und sogar die Karibik und Ostasien sind uns fast vertrauter geworden als die Dörfer und Städte in der näheren Umgebung. Ein Urlaub in der Lüneburger Heide oder im Westerwald oder in der Rhön oder auf der Schwäbischen Alb ist heute nicht mehr modern.

Und auch das Gefühl für Zeit und Geschichte ist uns verlorengegangen. Während unsere alten Städte und Dörfer im Laufe von Jahrhunderten gewachsen waren, hat ein unseliger Krieg in nur sechs Jahren das Gesicht unserer Städte zerstört, ihnen ihre Eigenheiten genommen. Die Narben sind zwar verheilt, aber wir leben seit 1945 in einer Zeit des Umbruchs und des Gigantismus. Alles muß schöner, größer und vor allem moderner werden. Selbst Neubauten müssen oft nach nur zehn oder zwanzig Jahren wieder verschwinden, um etwa einer Straße oder einem Industriegelände Platz zu machen. Und trotz Denkmalssatzungen und -Gesetzen werden die Zeugen der Vergangenheit immer seltener.

Hier setzt das Verdienst der Europäischen Bibliothek ein. Mit der Reihe 'in alten Ansichten' wird der Versuch unternommen, die alten, unzerstörten Dörfer

und Städte vorzustellen und die Erinnerung zu wekken. Im vorliegenden Band geht es um das 'alte' Mülheim, das Mülheim der Jahre von etwa 1880 bis 1940, so wie es unsere Großeltern, unsere Eltern und auch die Älteren von uns noch kannten.

Für Mülheimer Neubürger ist die ältere Geschichte rasch in großen Zügen aufgezeigt: Vom Neandertaler, der hier sicher seine Sommerresidenz hatte, einmal abgesehen, setzen die ersten schriftlichen Urkunden um das Jahr 800 ein. In dem Wald 'Heissi' (Heißen, Heisingen) wurde gerodet und in 'Menethinna' (Menden) wird Land verkauft.

Die Burg in Broich wurde im Winter 883 auf 884 als Sperrfort gegen die Normannen erbaut, eine Kirche in Mintard wird bereits 873 erwähnt. Um das Jahr 1000 sind die meisten der Mülheimer Vororte zumindest dem Namen nach bekannt. Das Zisterzienserinnenkloster in Saam wird (nach heutigem Wissensstand) 1214 gegründet, der Oberhof Styrum wird 1289 zu einer Kemenate ausgebaut. Eine Urkunde von 1093 nennt Mülheim als Sitz eines Gerichts. In dieser Urkunde werden die Herren von Broich, die Herren von Mülheim und auch die von Dümpten zum erstenmal genannt. Die Mülheimer - ihr Sitz war auf dem Kirchenhügel- und die Dümptener (wo?) sind wohl während der Kreuzzüge ausgestorben, die Broicher jedoch konnten ihre Macht festigen. Sagen wir es vereinfacht: auf Broich saß die Regierung, während im Dorf Mülheim das wirtschaftliche

Zentrum war und sich die Kirche befand. Geschlechter kommen und gehen: den Broichern folgen die Herren von Limburg-Hohenlimburg, denen die von Daun-Falkenstein, denen die Leininger und als letzte Herrin von Broich ist Marie Luise Albertine von Hessen-Darmstadt zu nennen. Aber die Regierung des Franzosenkaisers Napoleon I. hat die politische Landschaft in Europa verändert. Der Reichsdeputationshauptschluß in Regensburg im Jahre 1803 hatte die Grundlagen geschaffen: geistliche Territorien wurden säkularisiert, also verweltlicht, kleine Herrschaften wurden mediatisiert, also größeren Einheiten untergeordnet. Um es wiederurn vereinfacht zu sagen: Die Herrschaft Broich, einschließlich Styrum und Saam, wurde in die Stadt Mülheim umgewandelt. Als Geburtstag nehmen wir den 18. Februar 1808, den Tag der ersten Stadtverordnetenversammlung.

Trotz etwa 12 000 Einwohnern war in Mülheim nicht viel von einer Stadt zu entdecken. Es gab keine gelernten Verwaltungsbeamten, es gab keinen Gemeindebesitz. Straßen und Plätze waren ungepflastert, es fehlte an jeder Infrastruktur. Erst Bürgermeister Weuste gelang es in 25jähriger Amtszeit von 1822 bis 1847 aus dem verschlafenen Dorf eine kleine Stadt zu machen. Mülheim erhielt ein Rathaus, die Kettenbrücke wurde errichtet, Teile des Rumbachs wurden kanalisiert und eingetunnelt, die Aktienstraße wurde gebaut.

Weitere wichtige Bürgermeister sorgten für eine steti-

ge Entwicklung: Wilhelm Oechelhäuser (1851-1856), Karl Obertüschen (1857-1873) und Karl von Bock und Polach (1879-1902). Mülheim wurde an das Eisenbahnnetz angeschlossen, die Stadt erhielt eine Straßenbahn, Mülheim wurde Garnison ... Oberbürgermeister Dr. Paul Lembke endlich machte in 24 Jahren Amtszeit von 1904 bis 1928 Mülheim zur Großstadt. Er schuf die Stadt, die die älteren von uns noch in Erinnerung haben: die neue Ruhrbrücke, das neue Rathaus, das Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung, den Flughafen ... Er war es auch, der die seit 1846 verlorenen Vorortgemeinden wieder heim zur Muttergemeinde Mülheim führte. Sein Lebenswerk sank in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 in Schutt und Asche.

Vor zwanzig Jahren ging nach 500 Jahren die Bergbautradition zu Ende. Mülheim war die erste Großstadt im Revier, die frei von Kohlenzechen war. In der Friedrich-Wilhelms-Hütte, von der bahnbrechende Erfindungen in die Welt gingen, ist das Feuer unter den Hochöfen längst erloschen. Mülheim ist eine neue Stadt geworden.

Dieses 'Bilderbuch' erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch. Es willlediglich das alte Mülheim noch einmal Revue passieren lassen. Möge es den 'aulen Mölmschen' eine willkommene Erinnerung sein und auch den Neubürgern ein wenig Freude bereiten!

~l'USS aus )Ylülheim a. d. Jtuhl'.

Totalansicht.

'U79 Verlas von Tbeodor SebDitzlcr, Dllaseldorf;

1. Mülheim, wie es sich um die Jahrhundertwende von Broich aus dem Beschauer darbot. Rechts sieht man die Türme auf dem Kirchenhügel: ganz rechts die Paulikirche, dann die Petrikirche und daneben den kleinen Dachreiter der Marienkirche. Die Kettenbrücke verbindet noch die Altstadt mit den Vororten Broich, Saam und Speldorf, Kirchenhügel und Alter Markt sind noch der Mittelpunkt der Stadt, später so markante Gebäude wie die neue Synagoge oder das neue Rathaus fehlen noch. Mülheim schickt sich an, Großstadt zu werden: im Jahre 1908 wird mit Hermann Höhborn der 100 OOOste Einwohner geboren.

2. Wenn die Forseher sich nicht irren, ist dies der geschichtliche Kern Mülheims. Unser Bild zeigt die Rückseite des Tersteegenhauses, des ehemaligen Muhrenhofes. Hier war vermutlich der Wirtschaftshof der Herren von Mülheim, die auf dem Kirchenhügel ihren befestigten Sitz hatten. Weit über tausend Jahre steht an dieser Stelle ein Haus. Wir wissen auch nicht, wann das heutige Tersteegenhaus erbaut ist. Seine Bedeutung erhielt es durch Gerhard Tersteegen (1696-1769), den großen Pietisten und Liederdichter. Das kleine obere Fenster ganz rechts kennzeichnet sein Sterbezimmer. Erkennen Sie über dem Dach ganz rechts die Turmfenster der Petrikirche?

3. Viele Mülheimer können sich noch an diesen Bau erinnern. Er stand neben dem Tersteegenhaus, welches am rechten Bildrand noch zu erkennen ist. Der Fotograf hat wohl am Eingang der Gaststätte 'Mausefalle' gestanden. Möglicherweise war das Haus auf unserem Bild ebenso alt wie das Maurengut, also das Tersteegenhaus. Der Ursprnng liegt in grauer Feme. Jedenfalls ist hier die älteste besiedelte Stelle im Mülheimer Innenstadtbereich. Die Häuser um die Kirche fielen im Krieg, das hier gezeigte Haus dagegen zeigte starke Verfallserscheinungen. Jahrelang mußte es mit Balken abgestützt werden, bevor man es niederriß.

4. Dieses schöne Barockhaus aus dem Jahre 1783die Jahreszahl war durch die eisernen Hausanker erkennbar - trug die Adresse Alter Markt 2. Erbauer war der Apotheker Wilhelm Pithan, der 1777 im Nebenhaus links seine Apotheke errichtet hatte. Das Haus auf unserem Bild ging später in den Besitz der Familie Blech über. Bis heute ist diese Familie Betreiber einer Druckerei. Ein Ahnherr gab 1797 die erste Mülheimer Zeitung unter dem Titel 'Gnädigst privilegirte Mülheimer Zeitung der Neuesten Begebenheiten' heraus. Ab 1882 wurde in diesem Haus der 'General-Anzeiger für Mülheim a.d. Ruhr und Umgebung' gedruckt, der später mit der Mülheimer Zeitung vereinigt wurde. Heute ist an dieser Stelle das katholische Stadthaus.

5. Der heutige Altenhof ist uns als Saalbau im Besitz der evangelischen Kirche bekannt. Nach dem Krieg war hier in Ermangelung anderer Räumlichkeiten das Mülheimer Kulturzentrum. Der alte AItenhof mußte etwa 1928 weichen. Fast 1 000 Jahre lang war hier der Wirtschaftshof der Herren von Mülheim, später Eigentum der Grafen von Altena, dann der von Isenburg, der Limburger und endlich der Styrumer. Bis etwa 1900 wurde er landwirtschaftlich betrieben, dann wurden die Grundstücke einzeln veräußert, Seit mindestens 1385 und bis 1809 gehörte zum Altenhof ein Hofgericht, das für die kleineren Streitigkeiten der Bauern zuständig war. Auch eine Mühle durfte nicht fehlen, sie lag am Kaiserplatz, wo der Rumbach zu einem Mühlteich gestaut war. Er wurde 1875 für 9 000 Mark von der Stadt erworben und zugekippt.

6. Ein altes Bild der Marienkirche, zumindest vor 1928, denn da wurde dieser Bau abgebrochen und durch die heutige Marienkirche ersetzt. Im 16. Jahrhundert nach der Reformation war Mülheim evangelisch geworden. Katholischen Gottesdienst gab es nur noch im Saarner Kloster und auf ScWoB Styrum. Erst ab 1750 begann in Mülheim wieder eine Missionierung und Gegenreformation. 1786 wurde an der heutigen Stelle das erste Kirchlein nach fünfjähriger Bauzeit feierlich eingeweiht. Erweiterungen stammen aus den Jahren 1856 bis 1860. Pfarrer Wolff war der Initiator. Endgültige Um- und Ausbauten erfolgten 1870 bis 1872. Da konnte man fast von einer zweiten Kirche sprechen, die dann eben bis 1928 Dienst tat. Unter Pastor Jacobs wurde nach revolutionären Plänen von Prof. Fahrenkamp die heutige Marienkirche errichtet.

7. Im Jahre 1929 muß diese Karte entstanden sein, die Marienkirche war eben neu erstanden. Es war eine revolutionäre Neuheit. Die runde Taufkapelle, von der Familie Thyssen gestiftet, fehlt noch. Während die Kirche nach dem Bombenkrieg ziemlich rasch wieder aufgebaut wurde, hat man auf eine Wiedererrichtung der Taufkapelle verzichtet. Links an die Kirche schloß sich das sogenannte Brüderhaus an, das 1856 errichtet worden war. Der Alte Markt war der Mittelpunkt Mülheims, hier waren die beliebtesten und gemütlichsten Kneipen: die 'Mausefalle', das 'Muschelhaus Antrop' und das 'Ührchen'. Und in früheren Jahrhunderten war hier eben auch der für die Bevölkerung wichtige Wochenmarkt.

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8. Vor dem Haus Alter Markt 5 stand das Denkmal für die Gefallenen der Befreiungskriege 1813/14. Der Kriegerverein EppinghofenlMellinghofen hatte es 1884 auf dem Platz vor dem Restaurant 'Jägerhof', heute Kreuzung der Leineweberstraße mit Bachstraße und Viktoriastraße, errichten lassen. Der stärker werdende Straßenverkehr verlangte einen Umzug des Denkmals. So kam es auf den Kirenenhügel, wo es von 1904 bis 1939 seinen Platz hatte. Während der nationalsozialistischen Zeit verschwand es endgültig. Eine Tafel mit den Gefallenen wurde für einige Jahre an der Petrikirche angebracht. Auch sie ist mittlerweile verschwunden.

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