Münnerstadt in alten Ansichten

Münnerstadt in alten Ansichten

Auteur
:   Klaus-Dieter Guhling
Gemeente
:   Münnerstadt
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6163-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Münnerstadt in alten Ansichten'

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29 Die Ansicht von der Grube zum Oberen Tor hin zeigt uns zur rechten Hand einen der ehemals öffentlichen Pumpbrunnen, die neben den privaten Brunnenanlagen in vielen Häusern einst die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherstellten. Die Qualität des Trinkwassers freilich litt zur damaligen Zeit an Verschmutzungen durch die Abwässer von Mensch und Vieh, die noch durch kein Kanalsystem sickerfrei abgeleitet wurden. So nimmt es nicht wunder, wenn etwa für die [ahre 1882/83 eine.Typhusepidemie überliefert wird. Erst im [ahre 1908 wurde eine moderne Wasserversorgung mit einem Wasserwerk im Tal östlich der Stadt ge-

baut, die Trinkwasserversorgung damit saniert, freilich auch nur aufZeit, wie sich heute herausstellt.

30 Das ObereTor gehört mit seinen 35 Metern zu den höchsten Tortürmen Deutschlands und erlebte 1993 ein Iubiläum, ist es doch im August 1293 erstmals urkundlich erwähnt. Sein Bau aber geht wohl auf die erste Hälfte des 13. [ahrhunderts zurück, in die Zeit, da der Mauerring der Henneberger Stadtgründung errichtet wurde. Hoch über den Dächern der Stadt hielt hier einst ein Türmer Ausschau, als die Fallgatter in den heute noch erhaltenen Führungssteinen Abend für Abend herabgelassen wurden undTorwächter den Ein- und Ausgang kontrollierten. Heute steht derTurm ohne Funktion, von der zugehörigen Stadtmauer an der westlichen

Seite durch einen Straßendurchbruch getrennt, durch den jahrzehntelangen Autoverkehr in seinen Grundmauern erschüttert, Wahrzeichen einstiger Bedeutung und Wehrhaftigkeit unserer Stadt. Das Bild entstammt der Kamera des Fotografen W Rothuber (1929-1931).

3 1 Die Verkehrssituation am Oberen Tor war seit Eröffnung der Bahnlinie 1874 durch einen beschrankten Bahnübergang gekennzeichnet, den der Verkehr von der alten Schindbergstraße in Richtung Stadt zu passieren hatte. Bei dieser Straße handelte es sich um die ehemalige Staatsstraße 149 Würzburg-Meiningen, unsere heutige Bundesstraße 19. In den frühen achtziger Iahren des vorigen Iahrhunderts muß das Straßenbauamt in Schweinfurt die steile Trasse des alten Schindbergs zugunsten der heutigen kurvenreicheren, aber sanfter ansteigenden Straßenführung aufgegeben haben und die Querung der Bahnlinie durch eine Brücke kreuzungsfrei

ausgebaut haben, Für die 'verlassene Staarsstraße' am alten Schindberg entrichtere die Stadt an den Staat ab 1885 einen jährlichen Pachtbetrag von vier Mark. Die Fußgängerunterführung anstelle des

beschrankten Bahnübergangs entstand erst im zweiten Iahrzehnt unseres jahrhunderts.

Münnerstadt, oberes Thor

321m Schatten einer uralten knorrigen Linde am Fuße des Schindbergs unmittelbar neben der Ausfallstraße nach Süden stand einst ein kunstvoll gestalteter Bildstock, der 1665 errichtet worden war, 1969 aber völlig verwittert bei einer Straßenbaumaßnahme eingelegt wurde. So sind Baurn und Bildstock als Zeugen langer [ahrhunderte in unserer Zeit verschwunden. Der heutige Betrachter kann den einstigen Standort am evangelischen pfarrhaus und am Auferstehungskirchlein rnit seinem frühesten Tiirrnchen im Hintergrund erkennen. Im gegenüberliegenden kleinen Stadtpark stehen noch wenige altersgleiche Bäume und grüßen mit ihren Kronen die Mauern und Türme der Stadt,

33 Vom Hange des Schindbergs breitet sich vor uns die Dächerlandschaft Münnerstadts aus. Im Vordergrund

das Wiesengrundstück, auf dem in den [ahren 1919/20 das Forstamtsgebäude errichtet wurde. Links steht der Saalbau des Weigandkellers, der seit den achtziger [ahren des vorigen Iahrhunderts mancherlei Tanzveranstaltun gen und Festitvitäten vor den Toren der Stadt erlebte und in seinem Kellergeschoß der kühlen Lagerung des Biers der Adlerbrauerei diente. Dieses Anwesen ging 1 92 0 in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde ûber, die nach Umbaumaßnahmen hier am 28. März 1 92 1 zum ersten Mal ein eigenes Gotteshaus in

Mûnnerstadt feierlich einweihenkonnte.

34 Wir blieken in die VeitStoß-Straße nach Süden zum Oberen Tor hin. Die Bauten im Vordergrund -links die Stadtkapelle, rechts das Gasthaus 'Zum Adler' und das Kruganwesen, Kolonialwarengeschäft - gehören der Vergangenheit an, wurden sie doch am 1. April 1945 bei einem Bombenangriff in Schutt und Asche gelegt. Die Gastwirtschaft 'Zurn Schwarzen Adler' hatte seit 1715 bestanden. Zu ihren namhaften Besitzern gehörte in der Zeit seit 1886 FranzWeigand, der auch eine Brauerei führte und den sogenannten Weigandskeller zur kühlen Lagerung des Biers am Schindberg errichten ließ. Heute erhebt sich auf den Fundamenten

des ehemaligen WeigandkelIers die evangelische Auferstehungskirche. In den achtziger [ahren des vorigen Iahrhunderts probte die Liedertafel im Adlersaal.

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35 Die vorliegendeAnsicht vermittelt einen Eindruck von der Hauptstraße, der ein für allemal derVergangenheit angehört. Das hegt nicht so sehr an dem altertümlichen Kraftfahrzeug aus der Frühzeit des Automobilbaus oder an dem pflasterausbau der Straße, sondern vielmehr daran, daß dominierende alte Bausubstanz ein Raub des Zweiten Weltkrieges geworden ist. Die Marienkapelle, die hier mit ihrer Vorderfront griiBt, das stattliche Bürgerhaus daneben, aber auch der Gasthof 'Zum Adler' rnit seinem stolzen Ausleger - dies alles sank in Schutt, als fünfWochen vor Kriegsende Bomben auf Münnerstadt fielen.

Mûnnersladt

H.uptst~ß.

36 Die kleine Kapelle gotischen Stils gehört zu den beklagenswerten Opfern des Bombardements der letzten Kriegswochen von 1945. Es handelt sich um die ehemali ge Marien- oder Stadtkapelle an der heutigen Veit-StoßStraße, Ecke Kapellengasse. Der Bau der Kapelle war 1410 aufVeranlassung des Münnerstädter Amtmanns Peter von Brunn begonnen worden. Frommer Bürgersinn hatte nicht nur für die Errichtung des Kirchleins gesorgt, sondern auch die Stiftung einer Vikarie für die gottesdienstliche Betreuung der Kapelle finanziert. Der zu diesem Zweck gebildete Pfründebesitz wurde aber zu Beginn des 17. Iahrhunderts bereits 'von

der Commenthurei des teutschen Hauses verschlungen', wie der Stadtchronist Nikolaus Reininger 1852 formulierte.

37 In derVeit-Stoß-Straße

5, dem ehemaligen Anwesen Haus Nr. 77 im zweiten Stadtviertel, hatte [oseph Krenig, der 1854 aus Neustadt/Saale nach Mûnnerstadt übergesiedelt war, eine Konditorei und einen Wachszieherladen eingerichtet; beides führte seit 1907 der eingeheiratete Ludwig Rid weiter. Das Café war viele jahre ein beliebter Treff der Mürschter 'Studentlich' und hatte bis 1969 Bestand. Heute findet sich im gleichen Haus der Friseursalon Jilg. Das anschließende Gasthaus 'Fränkischer Hof' hatte erwa bis zur Mitte des vorigen Iahrhunderts 'Zum Goldenen Hirschen' geheißen und gehört zn den drei ältesten Gastwirtschaften Mûnnerstadts.

Illûnnerstadt Partie am markt

38 Vor uns steht ein repräsentatives Patrizierhaus mit Treppengiebel, das Andreas Oesterreicher 1580 hatte erbauen lassen. Er war einer der einflußreichsten Bürger der Stadt, der zwischen 1552 und 1588 alle wichtigen Stadtämtel' wiederholt bekleidet hatte. Freilich hatte er sich seines neuen Hauses nicht lange erfreuen können, mußte er doch 1 588 um seines protestantischen Glaubens willen Münnerstadt verlassen und nach Schweinfurt auswandern. Das Haus wechselte im Laufe der Iahrhunderte mehrfach den Besitzer, bis dann die Witwe des Michael Henneberger arn 27.August 1889

das Haus und ihren ganzen Besitz zur Gründung einer Kmderbewahranstalt stiftere. Nahezu einhundert Iahre lang bis Juli 1982leiteten hier die Schwestern der Kongregation des Heiligsten Erlösers Kin-

dergarten undAltenheim, bekannt unter dem Namen Marienanstalt.

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