Münster in alten Ansichten

Münster in alten Ansichten

Auteur
:   Walter Werland
Gemeente
:   Münster
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4646-3
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Münster in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Hatte 1802 der Kommandierende Preußische General in Münster Gebhardt Lebrecht von Blücher (1742-1819) Gelegenheit genommen, sich schriftlich zu äußern 'Münster und die Münsteraner gefallen rnich nicht' (er stand mit der deutschen Grammatik immer auf Kriegsfuß und wußte nie, den Feldzug gegen sie erfolgreich zu beenden), so war der deutsche Bundespräsident in den Jahren 1949-1959, Prof. Dr. Theodor Heuss (1884-1963), doch ein freundlicherer Herr. Er erklärte am 19. September 1953 bei einem offiziellen Besuch in Münster über die westfälischc Hauptstadt: 'Wenn ich in einer schönen Stadt war, habe ich immer gesagt, sie sei die zweitschönste in Deutschland, ob es nun Bamberg oder Bremen war. Damit provoziere ich die Frage, welche denn die schönste sei, Und dann habe ich gesagt: Münster!' Bemerkenswert zur Gegenüberstellung dieser beiden Zitate ist, daß Theodor Heuss den Ausspruch zu einer Zeit tat, als Münster 2,5 Millionen Kubikmetern Trümmerschutt gegenüberstand. Von Bomben war die Altstadt (Raum innerhalb des Prornenadenringes) zu mehr als 90 Prozent vernichtet, so daß nach dem Waffenstillstand 1945 im Rat ernstliche Überlegungen angestellt wurden, den Riesenschutthafen von Unkraut überwuchern zu lassen und die Stadt westlich ihres ehemaligen Weichbildes neu zu bauen.

Die 20000 Menschen, die von den ehemals 142881 (im Jahre 1939) noch in Münster lebten, wehrten sich ebenso wie die Tausonde von Evakuierten 'rnit Hals und Kragen' gegen solche Ideen. Allenthalben war man bereit, mit der Schüppe die Stadt zu säubern und den Schutt auf Loren, gezogen von dampfenden Kleinlokomotiven, aus der Stadt zum Neuplatz zu fahren.

Die Münsteraner hatten ein Ziel: Irn Oktober des Jahres 1948 jährte sich zum dreihundertsten Male der Tag des Westfälischen Friedensschlusses in Münster. Zwar lag das Rathaus mit seinern Friedenssaal in Trümmern, aber das gesarnte Inventar (Holzvertäfelung, Kronleuchter, Richtertisch, Sitzkissen und so weiter) war rechtzeitig ausgelagert und damit

gerettet worden. Münster wollte zu diesern Gedenktage we nigstens den historischen Prinzjpalmarkt, sauber gefegt, zum Ernpfange der vielen Honoratioren präsentieren können. Es schaufelten die Bürgerkolonnen von morgens früh bis spät in den Abend hinein. Als Lohn bekamen sie mittags einen Teller Erbsen-, Bohnen- oder Graupensuppe aus den aufgefahrenen 'Gulaschkanonen' und dazu - am Ende der 'Schüpp-Dienstzeit' - eine Urkunde, die noch heute viele mit Stolz vorweisen: 'Auch ich war damals dabei.'

So entstand Münster wieder aus dern Nichts, Vor dem Neutor war eine große Trürnmer-Zerkleinerungsanlage aufgebaut worden, darin die roten Ziegel- und gelblichen Sandsteine gemahlen und zum Wiederaufbau sowie zum Glätten von Straßen und Wegen verwendet wurden. Jahrelang hat diese Maschinenanlage Münster 'durch ihre Mühle gedreht'.

Vor dem Eingange zum ehemaligen Stadthaus an der KIemensstraße - dem Städtischen Räumungsarnt - sah man auf einem Podest ein Männchen mit einer Schubkarre, geschaffen von Albert Mazzotti (1882-1951). Dieser Putto hatte ursprünglich vor der Stadtsparkassen-Nebenstelle an der Münzstraße gestanden. Seine Karre war mit Geld beladen. Jetzt, vor dem Stadthaus, hatte man die Münzen mit Trümmergestein überdeckt zum Zerehen dafür, daß sich hier das Räumungsamt befinde.

Münster war einst besenders stolz auf seinen Beinamen 'die Lindenstadt' gewesen, Man hatte ihn der Metropolis Westphaliae nach der wunderschönen Promenade gegeben, die die fast gleichseitige Fünfeckf1äche der Altstadt umschließt und sie scharf von der Neustadt trennt, die sich vor allem nach 1900 entwickelte, 'Wie in des hohen Dornes Hallen Säule sich an Säule reihet', so streben hier meist vier Zeilen Linden auf und geben in der Natur das Vorbild für die Hallenkirchen in der Altstadt, die tüchtige Baumeister früherer Jahrhunderte als beachtenswerte Baudenkmale schufen.

Den Ring der Lindenzeilen begrenzt auch heute noch nach außen hin in wechselreicher Folge ein Gürtel von wohl-

gepflegten Parterrebeeten und freundlich blinkenden Teichen. Einem frischen Kranze vergleichbar, dessen sattes Grün ein farbenfroher Sinn in gewissen Abständen mit dicken, bunten Blumentupfen in schöner Abwechslung belebt hat, fügen sich in den Lindenkranz der Promenade die sorgfältig mit Blumenanlagen mannigfaltigster Art ausgestatteten Plätze ein.

Münsters Promenaden und Anlagen sind auf den alten Festungswerken entstanden, die die Stadt bis nach dem Siebenjährigen Kriege (1756-1763) vor feindlichen Angriffen schützen sollten. Wo jetzt die äußere Häuserreihe der der Promenade parallel laufenden Straßen der Altstadt steht, erhob sich ehemals der innere Wall mit der von Wehrgängen abgeschlossenen und durch zahlreiche Türme geschützten Mauer. Um diese zog sich ein Graben, der wiederum von einem zweiten, breiteren Wall mit Mauer und Türmen begrenzt und durch Ravelins und Basteien verstärkt wurde. Ein zweiter Graben umgab diesen Wall nach außen hin. Der innere Wall und Graben wurden durch Bischof Hermann II. von Katzenellenbogen (1174-1203), Münsters erstem Fürstbischof, angelegt; der äußere folgte 1447.

Stark befestigte Tore mit Rondellen und mehreren Schanzen vervollständigten den Schutz der Stadt, von dem noch jetzt die Redensart stammt: 'So fast (fest) as Mönster.'

Und doch war die Befestigung weder so fest, daß sie ernstlichem Anstürrnen Trotz bot, noch so malerisch schön wie die manch anderer Städte, wenn sie sich auch auf den alten Stadtansichten (Hogenberg, Altzenbach, Allardt, Alerdinck) recht interessant und trutzig ausnimmt.

Als sich die Befestigung trotz der starken Verbesserungen und Anbauten, die den Festungsgürtel immer krauser gestalteten, im Siebenjährigen Kriege sehr schlecht bewährt hatte, beschloß der weitsichtige Fürstbischöflich münsterische Minister und Generalvikar Franz von Fürstenberg (1729-1810) - laut Inschrift auf dem Sockel seines 1875 auf dem Domplatz errichteten Denkmals 'der Vater des Vater-

landes' geheißen - sie niederzulegen. Das war etwa im Jahre 1770. Der innere Wall wurde in den ihn umgebenden Graben geworfen, der später in Hausgärten umgewandelt wurde, und der äußere Wall zu der erwähnten vierzeiligen Lindenpromenade umgestaltet.

Ein großer Teil der äußeren Gräben blieb bis in die siebziger und achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erhalten. Jetzt ist nicht mehr viel von ihnen zu entdecken. Von den Stauwehren des inneren Grabens ist nichts mehr vorhanden; von denen des äußeren schaut nur noch der mit einem runden Turme bewehrte scharfe Rücken eines einzigen östlich des ehemaligen Militär-Lazaretts am Neuplatz aus den Parterrebeeten hervor. 'Wasserbären' (wohl entstanden aus dern verballhornten Worte 'Wasserwehren') nennt man solche Anlagen. Ein zweiter 'Wasserbär' befindet sich noch auf dem ehemaligen Zoogelande zwischen der Promenade und der Himmelreichallee.

Aus den Toren und Schanzen schuf man vielfach Plätze, Der größte von ihnen ist der Neuplatz (seit 1928 'Hindenburgplatz' geheißen, obwohl Hindenburg niemals in Münster gewesen ist und zu der westfälischen Metropole auch sonst keine Beziehungen hatte). Der Platz entstand im Rahmen der Fürstenbergschen 'Demobilisierungsmaßnahmen', als 1765 die an dieser Stelle vorhanden gewesene Zitadelle niedergelegt wurde. Der Neuplatz ist mit seiner mehr als 12,5 ha großen Flächc der zweitgrößte Platz innerhalb einer europäischen Stadt.

Wie das liebe alte Münster in den letzten fünfzig Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg ausgeschaut hat, zeigen die nachfolgenden Bilder.

Dem Verlag 'Europäische Bibliothek' in Zaltbommel (Die Niederlande) sei Dank gesagt für dieses Buch als liebenswerte Erinnerung an eine Stadt, die ihr Gesicht zwangsläufig wandeln mußte, in ihrem Herzen aber die gleiche geblieben ist.

1. Das alte Münster (umgeben von dem nach der Niederlegung der ehemaligen Befestigungsanlagen geschaffenen Promenadenring) war nach der Chronik des Hauptzollamts Münster noch um das Jahr 1850 von acht Torkontrollen (Torhäusern) umgeben, und zwar vom Neutor (Richtung nach und von Burgsteinfurt-Gronau-Amsterdam), Kreuztor (Rhcine-Osnabrück-Harnburg), Neubrückentor (MaxClernens-Kanal/Die Niederlande), Hörstertor (Rheine-Osnabrück-Hamburg), Mauritztor (BielefeldHannover-Berlin), Servatiitor (Kassel-Frankfurt-Nürnberg), Ludgeritor (Hamm-Dortmund-Köln) und Aegidiitor (Wesel-Brüssel-Paris). Das Bild zeigt das Mauritztor mit seinen beiden etwa 1880 von einem Vertreter der Berliner Klassizistenschule geschaffenen neuen Wachthäusern.

2. Noch vor hundert Jahren klaffte zwischen dem Mauritztor und der ehemaligen Mauritz-Vorstadt offene Landschaft. Die Stadtbewohner pilgerten sonntags (die Beamten auch an den dienstfreien Mittwoch- und Samstag-Nachmittagen) zum Tor hinaus zu den Kaffeewirtschaften zum 'Präötken'. Die Familien führten im Kinderwagen oder im Rucksack Butterbrote und Kuchen mit, auch Kaffeemehl, zu dem sie sich für einen Groschen eine Kanne voll heißen Wassers und Tassen geben ließen. So wurde der Ausflug verbilligt. Bei Linnenbrinks (unser Bild) an der Warendorfer Straße saß man nachmittags oder abends gern beim Konzert der Dreizehner- oder der Kürassierkapelle, oder man promenierte unter den uralten Kastanien. Die jungen Damen hatten doch Ziele!

3. Der kraftvoll aufwuchtende Bau der Mauritzkirche ist in seiner ursprünglichen Anlage ein typisch romanisoher Stiftskirchenbau mit monumentalem Westturm und zwei flankierenden Chortürmen. Man darf diese Kirche als das älteste Baudenkmal Münsters ansprechen. Bischof Friedrich von Meißen (1063-1084) gründete die Kirche und gleichzeitig ein Kloster für zwölf Kanoniker. Als zweiter Stifter gilt sein Nachfolger, Bischof Erpho (1081-1097). Beide ruhen in der dem Hauptturm nach Westen angefügten Erphokapelle. Ihre Grabsteine sind nicht die ursprünglichen, Die Originale haben die Wiedertäufer (1534{35) unter ihrem König Jan van Leyden zerschlagen. Nur noch unmittelbar an der St. Mauritzkirche liegt in Münster ein pfarreigener Friedhof, auf dem aber nicht mehr beigesetzt wird.

4. Nicht weit von den ehernals vom Volksmund 'Reitende Artilleriekasernc' geheißenen Gebäulichkeiten des früheren Observantenklosters steht am Ende der Bergstraße der etwas reichlich lang geratene Buddenturrn, der letzte Turm der alten Stadtbefcstigung, dessen untere Teile etwa aus dem Jahre 1150 stammen. Daß er diese Gestalt erst im Laufe der letzten Jahre vor der Jahrhundertwende erhalten hat, sieht man sofort. Auch ist unschwer zu erkennen, wie hoch er ursprünglich war, als ihn das Kegeldach aus roten Dachziegeln, das nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt worden ist, noch nicht so stolz hatte werden lassen. Zweimal hat man ihn fiir den Zweck eines Wasserturms aufgehöht, das letzte Mal um 1880 um neun Meter, und ihm dabei die malerisch sein sollende Zinnenkrone aufgesetzt.

5. Am Neubrückentor verläßt die Aa die Stadt und führt ihr Wasser der Ems zu. Da, wo sie die Promenade kreuzt, stellt sich dem Spaziergänger eine schwere, zylinderförrnige, geschlossene Baurnasse in den Weg: der Zwinger. Er wurde nach der Eroberung der Stadt und Vernichtung der Wiedertäufer 1536 vom Fürstbischof als Landesherrn errichtet und mit einem kegelförmigen Dach geschlossen. Das Gebäude machte bis zur Kriegszerstörung mit seinen meterdieken Mauern und unheimlichen Zellen einen düsteren Eindruck. Grauenhaft waren in ihm die Kerkerlöcher. Man erzählt sich, in ihm seien die schlimmsten und widerspenstigsten Verbrecher untergebracht gewesen. Diese hätten im tiefen Keller, gefesselt, ständig Wasser treten müssen, um nicht in dem eindringenden Aa-Wasser zu ertrinken.

6. Das stolzeste Bauwerk am Prinzipalmarkt ist das Rathaus, dessen 33 m hoher Giebel mit Engeln und Propheten auf den krabbenbesetzten Fialen, mit dem Hochrelief der Krönung Mariens an der höchsten Stufe der in Unpaarzahl aufsteigenden Staffeln, die Häuserreihe 'des herrlichsten Freilichtfestsaales Westfalens' beherrscht, ein köstliches Zeichen für die Kraft des mittelalterlichen Bürgertums, berechtigterweise als 'das schönste unter den gotischen Rathäusern in deutschen Landen' gewertet. Die Schauseite zeigt Formen etwa aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts. Sie war um 1335 als Staffelgiebel vollendet. Doch gehört ein Teil des dahinter liegenden Baues noch dem 13. Jahrhundert an. Das Rathaus war früher vorübergehend mit fünf Rittergestalten in den Zwickeln der vier Bögen bemalt.

7. Zwischen Rathaus und Stadtweinhaus führt ein schmaler Gang zu dem an der Rückseite des Rathauses gelegenen Friedenssaal, der seine Inneneinrichtung über den Zweiten Weltkrieg durch Ausbau und Auslagerung vollkommen gerettet hat. Es ist eine historisch höchst denkwürdige Statte, ein stimmungsvoller Raum von hohem künstlerischen Wert, ein Glanzpunkt unter den vielen Sehenswürdigkeiten Münsters, ehemals die Ratskammer der Stadt. Hier wurde am 15. Mai 1648 der spanischniederländische Teilfriede geschlossen, Durch die zusammen mit den am 6. August 1648 in Osnabrück beendeten Verhandlungen zwischen Schweden, dem Kaiser und den Reichsständen wurde der unselige Dreißigjährige Krieg beendet. Der Tag des eigentlichen Abschlusses des schwierigen Friedenswerkes ist der 24. Oktober 1648.

8. Beim Umbau des Rathauses durch Geh. Oberbaurat Wilhelm Salzenberg (1803-1887) wurde im Obergeschoß ~ zum Prinzipalmarkt hin - der in englischer Gotik reich ausgeführte und mit den Wappen der münsterländischen Städte geschmückte Rathaus-Festsaal mit einem imponierenden hölzernen Tonnengewölbe geschaffen. Am Spätnachmittag des 28. Oktober 1944 vernichteten Fliegerbomben das Rathaus, mit dessen Wiederaufbau bei den Vorbereitungen zur dreihunderten Wiederkehr des Westfälischen Friedensschlusses begonnen wurde und das genau zehn Jahre später vollendet war. In seinem Äußeren ist das unter Wiederverwendung alter Substanz neuerstandene Rathaus nahezu eine absolute Kopie des alten; doch der Festsaal erhielt eine fast flache Decke, ähnlich jener irn Rathaus zu Überlingen am Bodensee.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek