Muldendörfer in alten Ansichten

Muldendörfer in alten Ansichten

Auteur
:   Albert Peter Bräuer
Gemeente
:   Muldendörfer
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6543-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Muldendörfer in alten Ansichten'

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Einleitung

Der geneigte Leser wird sich bestimmt fragen, was es mit dem Muldenland aufsich hat, wenn ein ganzes Buch fünfkleinen Dörfern gewidmet ist, deren Namen er möglicherweise noch nie gehört hat. Die Antwort, die die nachfolgend beschriebenen Dörfer im heutigen MuIdentalkreis geben, ist einfach: Sie sind Heimat geblieben. Hier gibt es fürTourismuskonzepte, Schloß Podelwitz ausgenommen, keine Besonderheiten oder Sehenswürdigkeiten, nur Werte, die keinen Preis haben: Ruhige Gelassenheit, gute Nachbarschaft, Freundschaft, Liebe ... In einer Gesellschaft, die den Wert des Menschen nur an seinem Konsum, Wohn- und Geldbesitz mißt, wohltuende Vorzüge. Die Mulde hat die Landschaft geprägt, und vom Himmel erhält das Wasser seine Farbe. Aus sich selbst heraus ist nichts. Auch wir Menschen leben in dieser geheimen Wechselbeziehung und sind mitbestimmend für den Wert einer Landschaft. Alles hat seine Zeit. Blühen, reifen, Frucht tragen und sterben, jung sein und alt werden. Jedem ist seine Spanne an [ahren und Jahrzehnten gegeben. Was darin geschieht, was wir daraus machen, darauf kommt es an. Und auch darauf, daß im Angesicht des Alters die Zeit des Blühens und Reifens sichtbar bleibe, so wie die blattgrüne Krone den alternden Stamm eines Baumes beschirmt. Alles hat seine Zeit, und alles hat seinen Sinn! An dieser Stelle kommt der Heimat keine geringe Bedeutung zu, denn sie ist es, die immer wieder Halt und Geborgenheit gibt.

Unser geschichtsträchtiger Gang durch die stromauf gelegenen Muldendörfer Erlln, Maaschwitz, Tanndorf und Podelwitz endet im Kirchdorf Collmen, wohin die Muldendörfer eingepfarrt sind. Daß den alten Ansichten bei Podelwitz und Collmen auch neue hinzugefügt wurden, durchbricht freilich den Duktus dieser Buchreihe, möchte aber die 'sprachlosen' [ahrzehnte überbrücken helfen, aktueller Bezug und späte Würdigung zugleich sein. In diesem Zusammenhang danke ich dem ehemaligen Schloßbesitzer von Podelwitz, Wenzel Freiherr von Reiswitz, sehr herzlich für die gewährte Unterstützung. Dankbar denke ich auch an Frau Lydia Lindner geborene Kunze. Die am 8. Dezember 1905 in Erlln Geborene hat wertvolle Hinweise und Bildvorlagen zu dieser Schrift beigesteuert. Leider war es ihr nicht vergönnt, das Erscheinen des Buches mitzuerleben. Sie ist am 21. Dezember 1996 im gesegneten Alter von 91 [ahren heimgegangen. Zuletzt gilt mein Dank all denen, die uneigennützig Bildvorlagen zur Verfügung stellten und mir mit Rat und Tat beistanden: Charlotte Bräuer (Colditz), Marga Hegewald (Erlln ), Manfred Kästner (Tanndorf) , Irmgard und Manfred Knochenmuß (Podelwitz) , Christine und Jürgen Lehmann (Erlln ), Ilse Ludewig (Erlln), Ilse Meinus (Tanndorf) , Gertrud und Gerhard Riedel (Etzoldshain), Pfarrer Karl-Heinz Schmidt (Collmen), Hildegard Schwarz (Halle/Saale) und Günter Spiegel (CoIditz).

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Damals wie heute haben Menschen Häuser gebaut, Felder und Gärten bestellt und in allem Heimat gesucht und gefunden. Wandern wir nun auf ihren Spuren. Paul Gerhardts Sommerlied, zu dem die Collmener Pfarrfrau Liesbeth Müller-Heintze bezaubernde Bildehen geschnitten hat, soll uns dabei begleiten. Die Scherenschnitte verstehen sich als wohltuende Ruhepunkte zwischen den jeweiligen Kapiteln. Zuerst sind sie vor etwa siebzig [ahren auf Postkarten in der Dresdener Kunstanstalt Markert & Sohn erschienen. Die darunterstehenden Texte schrieb Gertrude Koehler,

Was Paul Gerhardt (1607-1676) mit dem Muldenland zu tun hat? Nun, er war dereinst Scholar an der Fürstenschule im benachbarten Grimma an der Mulde. 1653 verarbeitete er unter anderem die im Muldental gewonnenen Eindrücke im besagten Lied. Und Liesbeth Müller-Heintze? Sie hat als Pfarrfrau soviel Gutes in den Muldendörfern bewirkt, daß wir ihr ein dankbares Gedenken längst schuldig sind. Auf ihren Scherenschnitten leben Menschen, Tiere und Bäume des Freiberger Muldentales weiter, spiegelt sich das dörfliche Leben längst vergangenerTage wider. Und nun: 'Geh aus, mein Herz, und suche Freud!'

Erlln

1 'Es gibt Stellen aufErden, denen eine gewisse natürliche Heiligkeit anhaftet ... ' Mit diesen Worten leitet Otto Eduard Schmidt sein 'Muldenländisches' in den 'Kursächsischen Streifzügen' von 1912 ein. Erlln ist vielleicht gerade ob seiner Abgeschiedenheit ein solcher Ort. Abseits der großen Fernverkehrsstraßen liegt das letzte Dorf am Freiberger MuIdenstrom eingebettet zwischen Thümmlitzwald und Freiberger Mulde, kurz bevor sich diese mit ihrem Zwickauer Schwesternstrom vereinigt. 1752 werden die 'Erlen häuser' erstmals genannt. Damals bestimmten nicht nurViehhaltung, Heu- und Grumternte den Tagesablauf, sondern mit dem Anbau von Flachs, Weben von Leinen und der Leinwandbleicherei brachten es die Erllner sogar zu einer beachtlichen Tra-

dition im Ort. Einzige moderne Zutat ist die 1867 fertiggestellte Borsdorf-Meißner Eisenbahn. Sie schlängelt sich am grünen Saum des Thümmlitzwaldes entlang und trennt die Gärten der rechten Häuserzeile des kleinen Straßendorfes vom Wald. Im Gelände des 'Erllner Burgberges' liegen

Reste eines frühdeutschen Turmhügels. Die blaugraue Siedlungskeramik reicht bis ins erste christliche Jahrtausend zurück. So hat eben auch ein relativ junges Dorf seine alte Geschichte.

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2 Unter den wenigenAnsichtskarten, die es von Erlln gegeben hat, ist diese aus dem Graphischen Kunstverlag 'Lipsia' (Leip zig) von besonderem Interesse. Auf ihr ist links 0 ben der alte Gasthof zu sehen, den Erich und Ilse Aleschewsky bis zu ihrem Tode bewirtschaftet und besessen haben. Nach ihnen ist Dora Fritsch aus Erlln die letzte Pächterin des Ausschanks gewesen. Gegenüber steht das kleine Fährhaus. Wie auch andernorts, so verbanden die Betreiber der Erllner Kahnfähre das Angenehme mit dem Nützlichen. Von jeher trafen hier viele Menschen zusammen, die gern ein Schwätzchen machten und einkehrten. Gasthofund Fähre bildeten somit den gesellschaftli chen Mittelpunkt des Dorfes. Alte Erllner wissen noch von den aufsehenerregenden Darbietungen zu berichten, die der hier beheimatete Zirkusbesitzer Max Hirsch zum Besten gab. Die 'Enthaup tung von Emma Hirsch' war wohl das unheimlichste Schauspiel, das je im Gasthof gegeben wurde.

RcstaW'ant zur fähre

3 Die letzte Fährfrau von Erlln, Pauline Kretzschmar, beim Übersetzen. Anna Kunze vermerkt auf der Rückseite des Fotos: 'Diese Aufnahme ist voriges Iahr gemacht worden von einem verwundeten Offizier, der in Podelwitz auf dem Schloß einquartiert war.' Wir schreiben das Kriegsjahr 19 15, wo mehrere Soldaten im 'Restaurant zur Fähre' logierten. Mit dem Bau der Brücken in Podelwitz, Sermuth und Kössern wurden die Kahnfähren über die Mulde zunehmend überflüssig. In den Jahren großer Arbeitslosigkeit entstanden vor 1933 die ausgedehnten Deiche zwischen Erlln und Großbothen als 'Notstandsarbeit' . Seitdem ist die Hochwassergefahr im besten Sinne des Wortes eingedämmt. Die Gebäude des früheren Gasthofes und Fährhauses sind jetzt im Besitz von Simone Bauer aus Leipzig.

4 Zuletzt besaß das Haus mit der Brandkataster-Nummer 15 Wilhelmine verw. Gaudlitz geb. Hentzschel in Erlln, bevor es am 7. N ovem ber 1 902 vom späteren Werkmeister der Colditzer Papier- und Pappenfabrik Christian Braun, Otto Emil Kirsten (18691942), erworben wurde. Gebäude, Hof, Garten, Hausfeld und ein aufKleinsermuther Flur liegendes Ackerstück beliefen sich 1909 aufinsgesamt 49,6 Ar, also 4 960 Quadratmeter. Die hier vorliegende Aufnahme stammt ausdemjahre 1908.Wirerblicken ein stattliches Bauernhaus mit schönem Fachwerk, Krüppelwalmdach und zwei Gaupen, in diesem Falle auch 'Ochsenaugen' genannt. Holzfeimen sind aus dem Dorfbild von heute so gut wie verschwunden. Hier sehen wir noch zwei akkurat aufgesetzte, deren Holz nicht nur zum Heizen, sondern sommers wie winters zum Anfeuern des Backofens gebraucht wurde. Ida Selma Kirsten geb. Frauendorfhat noch bis in die dreißiger Jahre hinein Brot und Kuchen für die kleine Dorfgemeinschaft von Erlln gebacken. Der am Garten-

zaun stehendejunge ist der zweitjüngste Sohn des damaligen Hausbesitzers: Arthur Kirsten. 1896 in diesem Haus geboren, ist er während des Ersten Weltkrieges schwer verwundet worden und am 11. Juli 1917 seinen Schußverletzungen im 57. Kriegslazarett von Lemberg (Ga-

lizien) erlegen. Auf dem Kriegerdenkmal, das bis heute liebevoll gepflegt wird, bewahrt die Dorfgemeinschaft auch ihm ein ehrendes Andenken.

5 Leider erlebte das auf dem Foto zu sehende Bauernhaus um 1935 einen großen Umbau, dem das alte Backofenhaus und das schöne Fachwerk zum Opfer fielen. Nach der Modernisierung baten die Eheleute Kirsten alle Familienmitglieder zum Fototermin. In der vorderen Reihe sitzen, von links nach rechts: Ida Selma Kirsten geb. Frauendorf, Otto Emil Kirsten und Ida Frauendorf mit Sohn Gotthold. Dahinter stehen die beiden Kinder Christa Kirsten und Margat Frauendorf Die mittlere Reihe füllen Alfred Kirsten, Frieda Kirsten, Fritz Hofmann, Charlotte Müller und Ilse Kirsten. In der letzten Reihe stehen Frida Hofmann und Martha Müller. Martha Müller geb. Kirsten (1899-1983) erwarb das Haus am 23. März

1 939 von ihrem Vater Otto Emil Kirsten. Gemeinsam mit ihrem Mann Fritz Müller (1900-1976) bewirtschaftete sie Anwesen, Stall, Hof, Garten und Felder mit großem Fleiß. Ihrem schlichten Landleben, das unendlich reich an Liebe und Güte war, verdankt der Autor dieses Buches, ein Enkelsohn, seine schönsten Kinder-

undjugendjahre. Nach demTod von Fritz Müller ist das Grundstück an die Familie Wolfram

Kirchhof verkauft worden, die es noch heute besitzt.

6 Zwei Brüder mit ihren Ehefrauen im 'Grasegarten' des Grundstückes Nummer 15: Paul Otto Kirsten (links) mit Marie Hulda Kirsten geb. Schlegel und Otto Emil Kirsten mit Ida Selma Kirsten geb. Frauendorf Im Hintergrund sind deutlich Bahndamm und Gleisführung des am 28. Oktober 1867 zwischen Grimma und Leisnig eröffneten Abschnittes der Borsdorf-Meißner Eisenbahn zu sehen. Am rechten Bildrand führt ein kleiner gemauerterTunnel durch den Bahndamm zum 'Erllner Burgberg' im Thümmlitzwald. Oberhalb von Erlln befindet sich noch eine zweite Wegunterführung. Durch sie gelangt man zum 'Zäsberg'.

7 Wirtschaft und Wohnhaus auf der Dorfstraße 7 gehörten einst Martha und Paul Rebner. Wie bei fast allen Anwesen üblich, so teilten sich auch hier im Erdgeschoß Wohn- und Stallbereich. Leider ist zu Beginn des Jahrhunderts gleichfalls das Fachwerk abgetragen und das Obergeschoß aufgemauert worden. Nur im Oberlicht über der Haustür wird auf das Iahr 1889 verwiesen. Links vom Haus, wie aufBild 4, die seinerzeit unerläßliche Holzfeime. Die Grundstücksgrenze wird durch das Staket, den Lattenzaun, markiert. Unsere Aufnahme entstand im Frühjahr 1926, als der Hausbesitzer gerade im Begriff war, das Schieferdach zu erneuern. 1970 kauften Christine und Jürgen Lehmann das Grundstück von Gertrud Märker.

8 Dieses Foto ist Mitte der dreiBiger Jahre hinter dem Erllner Gut Nr. 10 entstanden. Hier hatte um 192 0 der 'Wirtschaftsbesitzer' Arno KieBig eine Käserei gegründet. Vor den aufgestapelten Käsekisten mit der eingebrannten Aufschrift' Arno Kiessig Erlln' stehen links Marga Burckhard, in der Mitte ein Ferienkind mit Milchkrug und Einkaufskorb und rechts Lina KieBig geb. Dorn. In dem rechts vom Gut befindlichen 'Auszugshaus' war die Erllner Käserei etabliert. Arno KieBig, Herbert KieBig und zuletzt Lina KieBig betrieben sie. Fein säuberlich wurden blauschimmelige Stangenkäse bis zu

5 Kilogramm pro Kiste in Stroh verpackt. Die Auslieferung erfolgte im kleinen oder groBen Planenwagen hauptsächlich nach Leipzig. 192 9 sind die pferdefuhrwerke durch einAutomobil ersetzt worden. Die junge Frau auf dem Bild, Marga Burckhard, ist am 25. März 1914 in Westewitz geboren, heiratete später RudolfHegewald und zählt heute mit unter die ältesten Einwohner des kleinen MuIdendorfes.

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