Muldendörfer in alten Ansichten

Muldendörfer in alten Ansichten

Auteur
:   Albert Peter Bräuer
Gemeente
:   Muldendörfer
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6543-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Muldendörfer in alten Ansichten'

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19 Am 20.Juni 1910 ist die neu errichtete Schule von Maaschwitz feierlich eingeweiht worden. Kantor Reinhold Lorenz schrieb danach: 'Es war ein großer, stolzerTag, auf den wir lange hingefiebert hatten, und das schöne, geräumige Schulhaus wird hoffentlich vielen Generationen im Streben nach Wissen und Wahrheit dienstbar sein.' Wer in diesen Tagen an der Maaschwitz er Schule vorüber geht, den muß die Zukunft des Hauses sehr nachdenklich stimmen. Ab Septem ber 1 998 wird sich der Lorenzsche Wunsch nicht mehr an den nächsten Schüler-Generationen erfüllen. Die Schule ist geschlossen.

20 Lehrer Gerhardt Köhler um 192 8 mit seiner Klasse auf dem Schulhof von Maaschwitz. Alle Namen werden von links nach rechts genannt. In der ersten Reihe sitzen: Rudi Kirchhof, Hans Kurth, Otto Thiemer, Ralf Fichtner, Martin Köhler, Georg Möbius, unbekannt und Rudolf Oehmigen. In der zweiten Reihe knien: Rudi Lehmann, Helmut Stein, Richard Erler, Erwin Aleschewsky, Hammer, Kurt Helle, Herbert KieBig und Hermann Oehmigen. In der dritten Reihe stehen: Walli Thiemer, Erna Weber, Ella Thiemer, Welli Kirchhof, Johanna Härtling, Rosa Helm, Ilse Kirsten und Ilse Köhler. In der letzten Reihe stehen:

Ilse Kirchhübel, Elfriede Lange, Ilse Mäding, Hilde Steinbach, Ruth Hentschel und Käthe Mai.

21 Nach dem Maaschwitzer Schulneubau gab dieser auch ein gern verwandtes Motiv aufPostkarten ab. Hier auf einer solchen aus dem Jahre 19 11 und im Verbund mit dem Bahnhof, der Steinzeugfabrik der Gebrüder Böttcher und dem Podelwitzer Schloß. Die Ansichtskarte ist handkoloriert und im Verlag von Hermann Burkhardt, Colditz, erschienen.

22 Als erster Tanndorfer Gasthofsbesitzer wird der Häusler Christian Friedrich Müller genannt. Er heiratete 1822 Clara Charlotte Sachse. Unterdessen haben sich viele Schankwirte abgewechselt, bis um die Jahrhundertwende Arthur Paul Uhlemann das gastliche Haus mit der Nummer 7 übernahm. Er ist während des letzten Kriegsjahres 1918 im Lazarett Grimma gestorben. Seine Frau führte die Gaststätte bis 1920 allein weiter. Nach ihrer Verheiratung mit Klempnermeister Oswald Mai aus Colditz, sprach man in den Muldendörfern hinfort nur noch von 'Mai's Gasthof'. DasVereinsleben blühte auf, der Gasthof erhielt eine eigene Tankstelle und Kegelbahn, und auch Kahnfahrten waren weiterhin über die Mulde möglich. Folglich wurde die Dorfschänke zu einem beliebten Ausflugsziel. Friedel Heinrich geb. Uhlemann war die letzte Inhaberin. Danach fanden

sich für das Haus unterschiedliche Nutzungsformen, teils als Kindererholungs-, teils als Ferienheim. Derzeitiger Besitzer ist das Bildungs- und Sozialwerk MuIdental e. V

23 Die Mitglieder des Kegelklubs 1912 im Gasthof von Tanndorf In der ersten Reihe sitzen von links nach rechts: Fabrikbesitzer Alfred Böttcher aus Tanndorf und Kistenfabrikant Franz Sp re er ausTanndorf Die zweite Reihe füllen: Baumeister Oswald Kurth ausTanndorf, Oberlehrer Anton WinkIer aus Kleinsermuth und Bauer Max Wetzig aus Tanndorf Den Abschluß in der letzten Reihe bilden Oberförster Steiger sowie Lehrer und Kantor Reinhold Lorenz aus Maaschwitz. Die Stimmung dieser illusteren Runde charakterisiert das Tafellied vom gleichen Iahr, wo es unter anderem heißt: 'Tanndorfs Stammtisch lobesam ladet heute Gäste! Wie die Alten, so die Jungen! Manches ist ja hier gelungen und gedieh aufs beste! Koboldartig - Witz, Humor würzen jede Stunde. läßt sich einer gar verblüffen, nimmt er's krumm, wird ausgepfiffen, gibt drauf eine Runde!'

241m Jahre 1908 errichtete Baumeister Bruno Oswald Kurth sein Wohn- und Geschäftshaus in Tanndorf, das die Nummer 25B erhielt. Auf diesem Foto von 1920 ist der Baumeister mit seiner Gattin EIsa Frieda Kurth geb. Schneider und den drei Kindern Friedrich, Hans sowie Johanna zu sehen. Dem Wohnhaus ist später noch das Baugeschäft und Sägewerk angegliedert worden. Seitdem ist das Grundstück stets in Familienbesitz geblieben. Sein heutiger Besitzer, Diplom-Landwirt Manfred Kästner, bewohnt es mit der Familie und hat dem Großvater alle Ehre gemacht. Von 1990 bis 1995 stand er als Bürgermeister den Muldendörfern Tanndorf, Podelwitz, Maaschwitz und Erlln vor. Die in diesem Jahrhundert umfassendste bauliche Sanierung und Restaurierung des Podelwitzer Schlosses verdankt die Gemeinde vorzugsweise seinem Wirken. Über Manfred Kästners Vater, Dr. Fritz Kästner, wird auf der nächsten Seite berichtet.

25 Am 15. September 1934heiratete Dr. phi!. Fritz Kästner die einzige Tochter von Baumeister Oswald Kurth und dessen Ehefrau Frieda, Johanna. Hier die Hochzeitsgesellschaft im Hof des Tanndorfer Unternehmers. Fritz Kästner wurde am 26. August1903 in Schönefeld bei Leipzig geboren. Nach Volksschule undAbitur am Nikolaigymnasium zu Leipzig studierte er an der dortigen Universität Chemie und Naturwissenschaften und promovierte am 29. Oktober 19 3 0 'Über die Kristallstruktur des Analcims'. Ungeachtet von Beruf und Hochschulamt ist Dr. Kästner sein ganzes Leben hindurch nicht müde geworden, die Entstehung und Geschichte seiner Tanndorfer Wahlheimat zu erforschen. Eine umfangreiche Chronik über die Muldendörfer legt davon beredtes Zeugnis ab. Im Lessingschen Sinne beschwerte Geschichte nicht sein Gedächtnis, sondern erleuchtete den Verstand. Auch das Museum der

Stadt Colditz ist seinem einstigen Beiratsmitglied zu besonderem Dank verpflichtet. Bei seinem ' offiziellen Weggang aus Altersgrün den' beschrieb Dr. Kästner die Schritte, die ihn hierher geführt hatten. Unter dem 5. Schritt notierte er: 'Es ist der Rückwärtsgang des alten Mannes, der Hin-

austritt, aber ohne die Museumstür hinter sich zuzumachen. Glück auf!' Am 9. April 1981, einem Donnerstag, ist Dr. Fritz Kästner auf dem Friedhof von Collmen beigesetzt worden. Seine Frau folgte ihm am 9. Februar 1998 in die Ewigkeit.

26 Scherenschnitt von Liesbeth Müller-Heintze aus Collmen.

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27 Scherenschnitt von Liesbeth Müller-Heintze aus Collmen.

Podelwitz

Zur Geschichte des Schlosses

28/29 Bevor im 16. Jahrhundert die erste hölzerne Brücke über die Freiberger Mulde, etwa drei Kilometer ostwärts derVereinigung mit der Zwickauer Mulde, errichtet wurde, bot die Podelwitzer Furt die einzige Möglichkeit weit und breit, den Fluß zu überqueren. So muß wohl dort schon frühzeitig eine Befestigung zur Überwachung des Überganges bestanden haben.

Das jetzige Schloß Podelwitz ist ein Renaissancebau aus der Zeit gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Der Name ist slawisch 'Po-dol-wiesz', zu deutsch 'Im-Tal-Ansiedlung', also 'Dorf im Tal', was ja auch seiner Lage durchaus entspricht. Das Schloß steht aufFundamenten eines früheren gotischen Gebäudes. Im Erdgeschoß und in den kleinen Kellern finden wir noch Kreuzgewölbe, die es ja im Renaissance-Stil nirgends gibt. Beim Anbau des NordflügeIs im Jahre 1893 wurde festgestellt, daß das alte Fundament auf inzwischen längst versteinerten Eichenstämmen ruht, die in den schlammigen Untergrund gerammt worden waren. Es ist eine erstaunliche Grundlage für einen derart hohen und schweren Bau, der nun immerhin schon ein halbes Jahrtausend steht und allen Naturgewalten standhält.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts befand sich das Podelwitzer Schloß im Besitz der Familie von Schellenberg. Es hat dann oft den Eigentümer gewechselt, meist aus finanziellen Gründen. Um 1680 erwarb es Maximilian von Rechenberg. Er entfernte im 'Saal' des Erdgeschosses und in einem angrenzenden Zimmer die Kreuzgewölbe und ließ sich aus Dresden die italienischen Barockmeister kommen, die dort am kurfürstlichen Schloß umfangreiche Bau- undAusgestaltungswerke durchführten. Sie schufen auch die wunderbare Stuckdecke mit reichhaltigen Ornamenten, dem Rechenbergschen Wappen und drei großen Medaillons nach der Sage der Ia, die in Homers Ilias erzählt wird, im Podelwitzer Schloß. Maximilian von Rechenberg war nach drei bis vier

Jahren bankrott und mußte Podelwitz wieder verkaufen.

Im Jahre 1781 erwarb Friedrich Freiherr von Lorenz Schloß und Rittergut. Als er 1792 verstarb, vermachte er den gesamten Besitz seiner einzigen Tochter Wilhelmine. Sie bewirtschaftete das Gut sehr selbständig bis zu ihrem Tode im Jahre 1850. Anno 1826 hatte sie das Rittergut Collmen hinzugekauft, wodurch der komplizierte und betriebswirtschaftlich äußerst schwierige Landwirtschaftsbetrieb erstmalig wirklich rentabel wurde. Wilhelmine von Lorenz war und blieb unverheiratet und galt als ausgesprochen männerfeindlich. Persönlich lebte sie sehr bescheiden im zweiten Stock des reichlich unbequemen Schlosses mit seinen engen und steilen steinernen Wendeltreppen. Sie hatte wohl ein besonders ausgeprägtes soziales Empfinden und Verantwortungsbewußtsein und machte mehrere Stiftungen. Darunter auch die 'Kinder bewahranstalt' im Dorf, das spätere Kinderheim.

'Tante Minchen' vermachte ihren gesamten Besitz ihrer Nichte Auguste Freifrau von Reiswitz geb. von Lorenz. Sie war die Urgroßmutter des letzten Schloßbesitzers, der mit seiner Familie im September 1945 entschädigungslos enteignet wurde und im Oktober des gleichen Jahres seine Heimat verlassen mußte.

Riemerling, im August 1996

Wenzel Freiherr von Reiswitz

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