Muldendörfer in alten Ansichten

Muldendörfer in alten Ansichten

Auteur
:   Albert Peter Bräuer
Gemeente
:   Muldendörfer
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6543-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Muldendörfer in alten Ansichten'

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391m Jahre 192 7 kam Gärtnermeister Otto Lindner (19011968) nach Podelwitz und leitete von da an die Guts- und Schloßgärtnerei. Das Bild ist im gleichen Iahr entstanden. Vor der 'Klingeltür' , dem Eingang zum Wendelstein im nordwestlichen Treppenturm, sitzt Otto Lindner, dahinter steht links Lydia Kunze, seine spätere Frau (s. Foto 11), rechts von ihr Flora Imhoff und Hilde Iiebing. Gärtnermeister Konrad Lindner, 1933 geboren und Sohn von Lydia und Otto Lindner, ist der heutige Besitzer des Podelwitzer Gartenbaubetriebes.

40 Betreten wir nun die Vorhalle des Podelwitzer Schlosses, in der schon viele reputierliche Gäste empfangen worden sind: 1 757 Friedrich der Große, 1857 Kronprinz Albert von Sachsen, 1870 König Johann von Sachsen ... Der mit Kreuzgewölben überspannte Raum wurde zugleich als Jagdzimmer, wie an den Trophäen unschwer zu erkennen ist, genutzt. Von seiner Innenausstattung haben sich nur noch die Buckeltruhe und beiden Barockschränke erhalten. Das Interieur kam im Zuge der Bodenreform ins Museum der Stadt Colditz, wo es noch heute besichtigt werdenkann.

41 Hier schweift der Blick des Betrachters aus derVorhalle zum Hauptportal und Schloßplatz. Links führt eine steile Wendeltreppe ins erste Obergeschoß. Auf der rechten Bildseite, gleich hinter dem Barockschrank, befindet sich die Eingangstür zum Hauptraum des Schlosses, dem 'SommersaaI' . So wird er in alten Schriftstücken genannt. Dahin wollen wir uns jetzt begeben.

42 ' ... und an einem herrlichen Sommertage bat mich der Kirchenpatron in den grossen Podelwitzer Schloßsaal. Ich blieb gebannt im Türrahmen stehen. Alles von vornehmer, edler Schönheit und dennoch behaglich. Wir nahmen an der einladenden Tafel Platz. Vor mir die weit geöffneten Fenster, durch die die Vormittagssonne gleißend eindrang. An den Wänden Portraits längst verblichener Herrschaften, kunstvolle Möbel und über mir die gerade wieder hergestellte Stuckdecke. Eine Zierde von seltener Schönheit.' Mit diesen Worten beschloß der Collmener pfarrer Hugo Gladewitz 1892 einen Vortrag über den Besuch bei Alfred Freiherr van Reiswitz und Kadersin-Holtzbrinck. Einige Jahre danach stand Professor CorneliusGurlitt (1850-1938) auch in diesem Saal. In seinem vielbändigen Inventarisationswerk 'Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenk-

mäler des Königreiches Sachsen' resümiert er 1897: 'Irn Hauptgeschoß eine prachtvolle Stuckdecke, aus drei Feldern bestehend, deren jedes im Mittel eine figürliche Darstellung aus der Sage der Ia, umgeben von prächtigen Ornamentranken, aufweist. In den Ecken das Wappen und

Monogramm des u. M. van Rechenberg. Namentlich das letzte Feld ist von hervorragender Tüchtigkeit auch hinsichtlich des Figürlichen.'

43 In der Geschichte trifft man leider immer wieder auf den schrecklichen Irrglauben, durch Vernichten von Kunst- und Kulturgütern 'überwundener' Epochen die Ideologie eines neuen Staatengefüges festigen zu können. So war das auch nach 1945. Das Eigentum der Schloß- und Rittergutsbesitzer wurde 'rieu verteilt'. Schloß Podelwitz ging 1952 an die Gemeinde. Umsiedler-Familien zogen ein, und die Räume des Erdgeschosses sollten einen Kindergarten aufnehmen. Bevor Mauern nun auch den Saal unterteilten und Zwischendecken zum Einbau kamen, ist die historisch wertvolle Stuckdecke fast vollends abgeschlagen worden. Nach 1991 begann die Gemeinde Tanndorf mit Unterstützung und Förderung durch das Landratsamt Grimma und die Denkmalschutzbehörde den gesamten Schloßbau zu sanieren. Als im Frühjahr 1998 die störenden Einbauten im einstigen

'Somrnersaal' verschwanden, trat das Ausmaß blinder Zerstörungswut erst richtig zutage. Ein Stuckrest von kaum zwei Quadratmeter Fläche kam zum Vorschein. Das traurige Überbleibsel ist ein Segment aus dem nordöst-

lichen Eckbereich der Saaldecke mit dem Wappen des Ulrich Maximilian van Rechenberg. Zum besseren Verständnis sei gesagt, daß es einen Teil der Saaldecke im linken Bildausschnitt des nebenstehenden Fotos darstellt.

44 Im Jahre 1691 erwarb das Podelwitzer Schloß der schon mehrfach genannte Ulrich Maximilian Freiherr van Rechenberg. Er verlegte den Haupteingang von der Nordwest-Seite auf die Südost -Seite und ließ ihn mit seinem Familienwappen bekrönen. 1925 gelang dem Fotografen ein wirklicher 'Schnappschuß' mit zwei markanten Persönlichkeiten. Vor dem schlichten Spätrenaissance-Portal stehen die Geschwister StenzeI Gottlob Friedri eh Alfred Freiherr van Reiswitz-Holtzbrinck (1839-192 9) und Wilhelmine Maria Eva Gräfin van Bethusy-Huc (1850-1932). Alfred von Reiswitz, ein königlich-preußischer Major a. D., der im Sommer 1874 seinen Abschied als Adjutant beim Generalkommando des 6. Armeekorps in Breslau genommen hatte, lebte danach zumeist im Rittergut Collmen. Von hieraus leitete er die Verwaltung der seiner Mutter

gehörenden Besitzungen. Seine Schwester Eva vermählte sich 1869 mit Carl Moritz Friedrich Heinrich Grafvan Bethusy-Huc, einem königlich-preußischen Hauptmann im Garde-FüsilierRegiment Berlin.

45 Major a. D. Alfred van Reiswitz war von den nachstehend Genannten der Großvater, Eva von Bethusy-Huc die Großtante. Das Foto der Geschwister stammt aus demselben Iahr, nur Leontine van Reiswitz (1902-1977) fehlt:

Marie-Jutta van Reiswitz (19041995); Ursula von Reiswitz, sie ist 1899 geboren und lebt noch; Waldtraut von Reiswitz, sie ist 1901 geboren und lebt ebenfalls noch, desgleichen auch der 1908 geborene Wenzel von Reiswitz. Am 27. September 1898 heiratete Friedrich Heinrich Ludwig Alfred Freiherr von Reiswitz und Kadersin (18 75 -1 92 3) in Dresden Helene Mathilde Baronesse von der Rapp (1877 -1932). Aus dieserVerbindung gingen die oben erwähnten fünfKinder hervor. Bis 1 9 2 1 verwaltete der Major van Reiswitz das Fideikommiß. Sein Sohn hat den Landwirtschaftsbetrieb nur ein Iahr übernehmen können. Er ver-

starb an den Folgen eines im Ersten Weltkrieg zugezogenen Lungenleidens am 11. Oktober 192 3 aufSchloß Podelwitz im Alter von nur 48 Jahren.

46 Wenzel Freiherr von Reiswitz, geboren am 17. November 1908 im kurländischen Dauzogir (Litauen), der Heimat seiner Mutter, ist der einzige und somit älteste Sohn seiner Eltern. Vom frühen Tod des Vaters hörten wir schon, deshalb gelangte der Junge bereits mit 14 Jahren in den Stand eines Fideikommißherren. Bis zur Volljährigkeit verwaltete Mutter Helene den Besitz alsVormund. Nach praktischer Ausbildung und Studium in Potsdam kehrte Wenzel van Reiswitz als 'Staatlich Geprüfter Landwirt' zurück. Der Titel ist von amtswegen später in 'Agraringenieur (grad.)' geändert worden. ImAugust 193 1 übernahm er von seiner Mutter die Güter Podelwitz und Collmen. Ein Iahr darauf, am 6. September 1932, heiratete Wenzel von Reiswitz in Döben Jutta van Böhlau (1912-1987). Ihr Ehestand war mit vier Kindern gesegnet.

47 Wenzel von Reiswitz hat, wie er selbst schreibt, 'ein unruhiges und wechselvolles Leben' hinter sich. 'Seine Herkunft aus einem schlesischen Adelsgeschlecht, von dem ein Zweig vor 140 Jahren nach Sachsen verschlagen wurde, hatte ihm sicher nicht den Weg vorgezeichnet gehabt, den er dann geführt worden ist:

Verlust der Heimat nach dem Krieg, Farmerdasein in Chile über lange Jahre, nach der Rückkehr Leiter und Mittelpunkt der EVANGELISCHEN NOTGEMEINSCHAFT im Taunus und nach dem Tod seiner Frau ähnlich in München, dort im Altenheim der Evangelischen Diakonie der Mitarbeiter einer Bibelstunde ... Gott hatte seine Hand auf ihn gelegt und ihm die nicht eben häufige Gabe der sammelnden Kraft unter Christen gegeben.' So ist es nachzulesen im Geleitwort von Dekan Kurt Hennig zu Wenzel von Reiswitz' Buch 'Ich mache

alles neu'. Die zweihundertseitige Auslegung der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, ist 1991 im Ernst Franz Verlag Metzingen (Württemberg) erschienen. In der Rückschau auf das eigene Leben wurden dem Verfasser Linien deutlich, die 'jene endzeitliche Prophetie' der Apokalypse 'mit dem Geschichtsablauf und also auch mit der Gegenwart verbinden'. Heimatliche Verbundenheit führte den 88jährigen im April 1997 in sein einstiges Besitztum Schloß Podelwitz. Nach 52 Jahren wieder vor dem Haupteingang - der Weg ist Geschichte!

48 Schloß Podelwitz, den 27. April 1997. Wenzel Freiherr von Reiswitz sitzt erstmals nach 52 Jahren wieder an einer Kaffeetafel, die ihm zu Ehren von Familie Knochenmuß liebevoll im Schloß Podelwitz gedeckt ist. Scheinbar Alltägliches nimmt der sich Erinnernde bedeutungsvoll auf

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