Muldendörfer in alten Ansichten

Muldendörfer in alten Ansichten

Auteur
:   Albert Peter Bräuer
Gemeente
:   Muldendörfer
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6543-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Muldendörfer in alten Ansichten'

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59 In dem Haus gegenüber vom Podelwitzer Gasthof war eine 'Kinderbewahranstalt' untergebracht. Um 1920 wohnte und arbeitete hier Fräulein Börner (im Bild links). Wilhelmine Freiin von Lorenz besaß das Schloß van 1792 bis 1850.IndemJahr starb sie unverheiratet und vermachte alles ihrer Nichte, der UrgroßmutterWenzel von Reiswitz'. Im Verlauf eines langen Lebens hat sie so manche Stiftung zum Besten der Armen gegeben. Die sich am längsten erhaltene, war die am 3. Mai 1849, ein Iahr vor ihrem Tode, gegründete 'Kinderbewahranstalt zu Podelwitz'. Noch nicht schulpflichtige Kinder aus Podelwitz und den nahegelegenen Dörfern erhielten hier während der Arbeitszeit ihrer Eltern Betreuung und Pflege. Das Hausgrundstück, heute Dorfstraße 2 1 und im Besitz von Eberhard Schütz, brannte am 10. Mai 19 10 aus ungeklärten Gründen

bis auf die Umfassungsmauern nieder. Der sofort begonnene Wiederaufbau war vier Monate danach fertig. Die 'Kinderbewahranstalt' hat noch viele Jahre förderlich gewirkt.

60 Ein nicht alltägliches Bild:

Vom Podelwitzer Fährkahn aus spülen die Waschfrauen Haferkorn (links), Frieda Scheller und Emma Udhardt Bleichwäsche im MuIdenwasser. Anschließend breitete man die Weißwäsche auf dem Rasen der dafür vorgesehenen Wiesen aus und hielt sie beständig feucht. Sonne und Wind taten ihr übriges. Die noch im Kahn stehenden Frauen sind Stubenmädchen vom Schloß. Rechts die alte Fährfrau mit Staken.

61 An der Straße nach Commichau-Leisnig, direkt gegenüber den 'Drescherhäusern' , landete um 1919 ein Doppeldecker. Selbstverständlich war das für die Bewohner von Podelwitz die Sensation. Per Rad oder Fuß eilten sie dorthin, um das technische Vehikel zu bestaunen. Lydia Kunze und Hilde Kurth sind auch dabei gewesen. Nach einer Übernachtung im Podelwitzer Schloß, flog der Pilot mit seiner Frau am nächsten Morgen weiter.

62 Scherenschnitt von Liesbeth Müller-Heintze aus Collmen.

63 Scherenschnitt von Liesbeth Müller-Heintze aus Collmen.

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Collmen

64/65 Auf der letzten hohen Erhebung zwischen den beiden Mulden liegt nicht weit vor ihrem Zusammenfluß der alte Sorbenrundling Collmen. Über den Ursprung und die Bedeutung des Namens ist man geteilter Meinung. Manche wollen das lateinische Wort culmen, das heißt Spitze, erkennen. Sie denken dabei an die Spitze oder Kuppe eines Berges. Nun hat unser Gelände zwar keine aufstrebende Spitze wie etwa der Collmberg bei Oschatz. Die Spitze liegt hier vorwärts der Muldenvereinigung zu, sagen sie. Diese Deutung wird aber wenig Anhänger haben.

Wahrscheinlicher ist die Ableitung des Namens aus dem Slawischen. Im 6. Jahrhundert wohnten hier die durch die Völkerwanderung aus ihrer Heimat Dalmatien vertriebenen Sorben. Die Bergnamen der alten Heimat gaben sie den Höhen unserer Gegend. In Dalmatien gab es einen Berg, der Chlum, Clumo oder Chulm hieß. Nach diesem Ort sei Collmen benannt worden. In der Aussprache und auch in den Aufzeichnungen hat der Name im Laufe der Jahrhunderte Änderungen erfahren. Die Anlage unseres Dorfes ist zweifellos auch slawischen Ursprunges.

Noch heute ist der Rundling deutlich zu erkennen. Er liegt geschützt vorWeststürmen in einer nach Nordost zu abgleitenden breiten Talmulde. Das Innere des Ortes ist nicht ein ebener Platz, wie wir ihn oft in solchen Dörfern finden. Auf dem ziemlich weiten Dorfanger erhebt sich ein mit Obstbäumen bestandener Hügel, der Bornberg genannt. Collmen war ein Bauerndorf Dicht aneinander gezwängt standen die Güter im Kreis. Durch Feuersbrünste sind Lücken entstanden, denn zu Neubauten war die Brandstätte nicht immer groß genug. So mußten einige Besitzer ihre Güter außerhalb des Rundlinges wieder aufbauen. Der so entstandene Raum bot dann den eingeengten NachbarnAusbreitungsgelegenheit. Ein paar Bauernhöfe kaufte das Rittergut. Im ehemals Weberschen Gut, der 'Kaserne', zeigt das Seitengebäude eine altertümliche Bauweise. Dort führt unter dem überstehenden Dach

eine Treppe zu einem balkonähnlichen Laufsteg empor. Von ihm aus sind dann die Türen der einzelnen Kammern zu erreichen. Solche Anlagen sind in unserer Gegend nur noch selten zu finden. An den alten Gebäuden unseres Ortes ist fast allgemein das die toten Wandflächen belebende Fachwerk sichtbar erhalten. Dunkel gestrichen hebt es sich hier und da schön vom hellen Hintergrunde ab. Die Dächer sind in der Mehrzahl mit Schiefer versehen. Das letzte mit Stroh gedeckte Wohnhaus hat vor einigenjahren einem Neubau Platz gemacht.

1 784 ist unsere alte Schule gebaut worden. Als Herr Partzsch 1875 das alte Grundstück erwarb, war die neue Schule schon in Benutzung. Von 1850 bis zur Einrichtung der jetzigen Kleinsermuther Schule haben

die dortigen Kinder eine längere Gastrolle in Collmen gegeben. Unser Schulbezirk besteht seit 1923 nur noch aus den Gemeinden Collmen und Podelwitz. Besondere Neuigkeiten sind nicht aufgezeichnet worden. Was manchem bekannt gewesen sein mag, wurde nur noch einmal hier festgehalten. Und das erscheint nötig in unserer schnellebigen Zeit. So viele gehen heute achtlos vorüber an den Zeugen vergangener Zeiten. Vielleicht verweilen sie nun gern einmal einen Augenlick bei ihnen, wenn sie der Weg vorüberführt.

Kantor Reinhold Lorenz

(Gekürzte Wiedergabe eines Artikels aus ' 100 Jahre ColditzerTageblatt' vom l.ApriI1931.)

COLLMEN bei Coldltz

66 So sah einst die alte, mehrfach umgebaute Kirche von Collmen aus. Im Herbst des Jahres 1735 heiratete in diesem Gotteshaus Magister Abraham Kriegel, Lehrer an der Thomasschule zu Leipzig, die Tochter des Collmener pfarrers Gottlob Ehrenfried Wendt. Johann Sebastian Bach (1685-1750) war zugegen. Es dürfte wohl der einzige Aufenthalt des großen LeipzigerThomaskantors in unserer Gegend gewesen sein. pfarrer Müller erklärte in der Sächsischen Kirchengalerie: 'Es schien am zweckmäßigsten, das ... Kirchenhaus völlig niederzulegen und ein neues an seiner Stelle von Grund aus geräumiger aufzubauen, den alten wetterfesten Turm aber als Zeugen längst verschwundener Zeiten und als ein unverkennbares Wahrzeichen für Collmen zu erhalten. Im Übrigen sollte der Neubau äußerlich soviel als möglich den Charakter

des Hergebrachten wahren. Die fachmännische Bearbeitung dieses Grundgedankens lag in den Händen des Architekten KandIer in Klotzsche, die Ausführung der Bauarbeiten selbst in den verschiedensten Händen von Einwohnern der näheren und weiteren Umgebung. Am 19. März

1908 wurde mit demAbbruch begonnen. Ein Iahr darauf, am 14. März 1909 konnte das neue Gotteshaus unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde und vieler Ehrengäste geweiht werden.'

Alte Kirche von Coltmen b, Col ditz, erbaut Im 13. Jahrhundert, IlbccbcQÇti n 1' Mirz 1908

67 Die neue Kirche von Collmen. Bauherr pfarrer Gottfried Müller hat peinlich genau alle Bauschritte dokumentiert. Heute zählt die Kirche mit unter die schönsten sächsischen Landkirchen imJugendstil. Da bekanntlich alles neue auch wieder Alterungsprozessen unterliegt, hat die Kirchgemeinde Collmen in den vergangenen zwanzig Jahren viel daran gesetzt, den Sakralbau würdig zu erhalten. 1970/71 begannenAußenarbeiten, und von 1982 bis 1983 ist der Innenraum vollens renoviert und restauriert worden. Das verdankt die Kirchgemeinde ausschließlich ihrem jetzigen Seelsorger, pfarrer KarlHeinz Schmidt.Am 3. Dezember 1961 wurde Karl-Heinz Schmidt in Collmen ordiniert und wirkt seit benahe 37 Jahren ununterbrochen in Collmen.

Xirche zu Coltmen

68 Gottfried Müller erblickte am 6. Mai 1866 in Riesa das Licht der Welt, wo sein Vater J ohann Gottfried Lobegott Müller von 1871 bis 1895 Kantor und Organist an der dortigen Stadtkirche war. Von ihm hatte er neben einem tief frommen Wesen auch die seltene Gabe des absoluten Gehöres vererbt bekommen. Die erste schulische Bildung erhielt der Knabe vom Vater selbst. Anschließend besuchte er die mittlere und höhere Bürgerschule seiner Heimatstadt. Vom Dresdener Gymnasium kam Gottfried Müller direkt zum Theologiestudium an die Universität Leipzig. Von Ostern 1886 bis Ostern 1890 lag er' dem Studium mit Lust und Liebe ob'. Nach bestandenem Examen nahm er eine Hauslehrer-Stelle in SchleswigHolstein. Hier führte ihn sein Lebensweg mit seiner späteren Gattin zusammen, wie auf der nächsten Seite nachzulesen ist. pfarrer Gottfried Müller trat am 25. August 1901 als zweiundzwanzigster evangelischer pfarrer sein Amt in der Kirchgemeinde Collmen an. Sein Lebenslauf wird im Pfarrarchiv dieser Gemeinde aufbewahrt. pfarrer Dr. Heber, Gottfried

Müllers Nachfolger, hat ihn vervollständigt und schreibt: 'Das schönste Denkmal hat sich pfarrer Gottfried Müller selbst gesetzt, indem er die Verantwortung und Arbeitslast eines Kirchenneubaus auf sich nahm. Die Geschichte des Kirchenneubaues hat er selbst niedergeschrieben ... ' Darüber hinaus verdankt ihm Collmen auch das erste Wasserleitungssystem des Ortes. Gottfried Müllers älterer Bruder Johannes (1864-1949) gründete aufSchloß Mainberg in Unterfranken eine 'Freisratt persönlichen Lebens' für Suchende jeglicher Geisteshaltung und Herkunft. Als religiöser Schriftsteller hat Iohannes Müller eine große Gemeinde um sich versammelt. Seine Lehre vom ursprünglichen Leben verfehlte nicht ihre Wirkung 'auf die überkultivierten Intellektuellen seiner Zeit'. Hierbei spielte auch sein Buch mit dem bezeichnenden Titel '[esus, wie ich ihn sehe' eine besondere Rolle. Der Collmener pfarrer Gottfried Müller erlitt am 9. Februar

1 93 1 einen Herzschlag vor der Frauenkirche in Grimma, als er gerade im Begriff war, sein Ruhestandsgesuch einzureichen.

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