Nachrodt-Wiblingwerde in alten Ansichten

Nachrodt-Wiblingwerde in alten Ansichten

Auteur
:   Verkehrsverein Nachrodt-Wiblingwerde
Gemeente
:   Nachrodt-Wiblingwerde
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6596-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nachrodt-Wiblingwerde in alten Ansichten'

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Phönix

291mjahre 1809 errichtete Heinrich Wilh. Schniewindt aus Altena in Nachrodt eine Schleif- und Scheuermühle mit einem unterschlägigen Rad zur Herstellung von Nähnadeln. 1816 ging das Werk in den Besitz von [ohann Heinrich Schmidt, dem späteren Besitzer von Gut Nachrodt, über. 1821 erhielt er die Genehmigung zur Herstellung von Stabeisen und Eisenplatten. 1828 wurde in Nachrodt der erste und größte Puddelofen in Deutschland gebaut. 1835 wurde das Werk seinem Sohn Eduard Schmidt übertragen. 1862 beschäftigte das Werk bereits 414 Arbeiter.

1 873 wurde das Werk an die Westfälische Union in Hamm verkauft. 1898 wurde die Westfälische Union und damit auch das Werk Nachrodt

von der Aktiengesellschaft 'Phónix' übernommen. Das Werk hatte zu der Zeit 1 250 Beschäftigte.

Die Puddler

30 Das 'Puddel' - Verfahren zur Stahlherstellung wurde 1780 in England erfunden. Hier kommt das flüssige Roheisen nicht direkt mit Kohle in Verbindung, sondern nur mit den Verbrennungsgasen. Durch ständiges Umrühren (englisch puddle) mit Stangen verbrennt ein Teil des Kohlenstoffes und aus dem Roheisen wird Stahl. Je weiter die Oxydation im Puddelofen fortschreitet, desto steifer wird die Stahlmasse. Am Ende des Verfahrens zerlegte der 'Pudd Ier' die teigige Masse in mehrere Klumpen, die er dann einzeln aus dem Ofen zog. Die 'Luppeu' wurden dann unter einem Hammer von der

Schlacke befreit. Diese schwere Arbeit konnte nur von besonders großen und kräftigen Leuten durchgeführt werden. Das Bild zeigt die Belegschaft mit Obermeister Kreinberg im [ahre 1901.

AlteReihe (Schmidtstraße)

3 1 Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts standen in Nachrodt nur zwei alte Bauernhöfe und fünfWohnhäuser. In den zwanziger [ahren wurden sechs neue Häuser errichtet. Mit Übernahme der Schleif- und Scheuermühle durch]. H. Schmidt & Söhne hielt die Industrialisierung Einzug in den Ort. Das aufstrebende Werk brauchte viele

kräftige Hände. Durch den Bau von Arbeiterwohnungen wirkte die Firma dem entstehenden Wohnraummangel entgegen. Nachrodt erfuhr eine umfangreiche Vergrößerung, 1868/69 entstanden so die ersten Häuser, die 'Alte Reihe' (Ecke Hauptstraße/ Schmidtstraße) Die Innenwände bestanden aus Fachwerk, das mit StrohLehmgeflecht ausgefüllt und mit Lehm verputzt war.

Colonie

32 Der Personalbedarf der Fa. ]. H. Schmidt war durch Einheimische nicht zu decken. Im Laufe der Zeit karnen die ersten Einwande-

rer aus Hessen, Pommern, Ostpreußen, Elsaß-Lothringen, Holland, Frankreich und anderen deutschen und europäischen Landen. Um die Anfangs sehr hohe Fluktuation einzudämmen, baute man

Werkswohnungen. 1887 entstand so die 'Colonic' (zwischen 'Rastatt' und Sparkasse), bestehend aus sechs Doppelhäusern für 24 Familien.1899 folgten die Häuser 'Saurewiese- Windhügel' (Kamp-Schul-,

Berg- und Elisabethstraße). Zu allen Häusern gehörte ein Stall für Ziege und Kaninchen und ein Gemüsegarten.

~russ aus der Westfäl Schuieiz

Wilheimstraße (Niemöllerstraße )

33 In den [ahren 1906/07 wurden auf dem Buchenstück neunzehn Arbeiterwohnungen gebaut. Es entstand das heutige Langenstück. Die Wilhelmstraße (heute Niemöllerstraße) war eine der ersten in diesem Gebiet. Es entstanden im wesentlichen Doppelhäuser mit je vier Wohnungen. Jede Wohnung hatte einen separaten Eingang. Dazu gehörten natürlich auch Ziegenund Kaninchenstall und Gemüsegarten. Das Privatleben spielte sich bei trockenem Wetter auf der Straße ab. Nach zwölfStunden harter körperlicher Arbeit war man froh, noch ein paar Worte mit den

Nachbarn wechseln zu können. Nachbarschaft wurde überhaupt groß geschrieben. Jeder half]edem; man lebte fast wie in einer Großfamilie. Viele waren auch verwandt oder verschwägert.

Geschäftshaus

34 Mit Erweiterung der industriellen Anlagen vergrößerte sich die Einwohnerzahl ständig. So wurden auch bald einige Handwerker ansässig. 1835 waren in Nachrodt und Einsal 5 Schreiner, 1 Wagner, 2 Wirte, 1 Schlosser, 4 Zimmerleute, 2 Maurer, 2 Schuster und 1 Schmied registriert. Es gab aber bis Ende des 19. Jahrhunderts keine Lebensmittelgeschäfte. 1885 eröffnete das Werk Nachrodt eine Verkaufsstelle für Lebensmittel (daraus wurde später der Konsum). Im gleichen [ahr errichtete Herr Gosemärker das erste größere Geschäftshaus (heute Schreibwaren Mothes und Änderungsschneiderei). Neben Lebensmittel und Gemüse wurden nebenan Haushaltswaren angeboten.

Villa Schweiz

35 Die Villa Schweiz wurde 1855 von Robert Löbbecke im Schweizer Stil erbaut und 1863 durch Anbau der beiden Seitenflügel erweitert. Die

Villa war mit 'Zentralheizung' (Warmluftheizung) ausgestattet. Vor dem Eingang war ein Springbrunnen angelegt. In dem angrenzenden Park befand sich ein kleiner See mit einer Insel, auf der eine

muschelförmige Laube zu romantischen Gesprächen einlud. Mit Verkauf der Firma 1872/73 ging die Villa in den Besitz der Westfälischen Union über und wurde Wohnsitz der Direktoren und

die Bevölkerung paßte ihren Namen entsprechend an: 'Villa Klinge', 'Villa Hankc', 'Villa Zölner' .

}'fachrodt

lUI. Klinge,

Station zum Lennetal 'Einsal'

361mJahre18SSwurdemit dem Bau der Eisenbahnstrecke Ruhr-Sieg durch das

Kelleramt begonnen. Das Werk Nachrodt nutzte die Gelegenheit und ließ für 10 000 Mark einen Bahnanschluß erstellen. Das 'Eisenwerk Einsal' bekam ebenfalls einen Direkt-

anschluß. Es dauerte zwanzig [ahre bevor die erste öffentliche Haltestelle für Personenzüge eingerichtet wurde. Auf Bemühen des Direktors W Peipers vom Eisenwerk Einsal

und vieler angesehener Bürger eröffnete die Eisenbahndirektion Elberfeld am 10. September 1875 eine Haltestelle, die 'Station Lennetal Einsal' .

Gasthof zum Lennetal, (Bes C. Vormann)

Sommerfrische u l.uftkurort

Bahnhofsbrücke

37 Nach mehreren vergebliehen Versuchen durch Ehrenamtmann Eduard von Löbbecke wurde 1896 endlich demAntrag aufErrichtung eines Haltepunktes in Nachrodt von der Eisenbahndirektion Elberfeld stattgegeben. Als Gegenleistung mußte die erforderliche Brücke durch das Amt Altena errichtet und der Bahn außerdem ein Grundstück zur Errichtung eines Güterbahnhofs kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Das Grundstück wurde kostenlos von der Generaldirektion der 'Phónix' zur Verfügung gestellt. Die Bahnhofsbrücke wurde am 28. Juni 1900 eingeweiht und der Haltepunkt Nachrodt am 1. November 1900 übergeben.

Straßenbahn

38 Die erste Straßenbahn im Kreis Altena fuhr in Nachrodtl Einsal! Die Strecke führte von der Grüne bis zur Helbecke und wurde im März 1901

dem Verkehr übergeben. In der Grüne hatte man Anschluß nach Hohenlimburg und Iserlohn. Die Straßenbahn war lange Zeit das meist genutzte Nahverkehrsmittel. Es ging anfangs auch beschaulich zu.

Betriebspersonal und Fahrgäste kannten sich persönlich. Die Fahrer wußten morgens welcher 'Langschläfer' noch fehlte und warteten bimmelnd vor seiner Haustür. Die letzte Bahn am Abend (der Lum-

pensammIer) hielt brav vor den zahlreichen Gaststätten, um alle wohlbehalten nach Hause zu bringen.

NFlCHR'JDT, ~

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