Neubukow in alten Ansichten Band 1

Neubukow in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dipl. Ing. Herman Ketteler im Zusammenarbeit mit Heidemarie Blohm und Burkhard Albrecht
Gemeente
:   Neubukow
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5318-8
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neubukow in alten Ansichten Band 1'

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VORWORT

Ob Ihr im kleinen Neubukow groß wurdet, auf den Banken der Stadtschule die Hosen blankwetztet und den Blankgewetzten zur Freude Eurer Mütter beim Klettern auf den alten Eichen und Buchen des Wallbergs noch einen tûchtigen Riß hinzufügtet, ... Ob Euch das Schicksal der Zeit ... von den alten Toren und ragenden Türmen Eurer Städte, von den blauen Seen und dunklen Wäldern Eurer Heimat zu uns, in unser kleines Städtchen [ûhrte, das Euch neue Heimat sein soll und sein will, ... Oder ob Euch Euer Weg nur einmal hier und da, zufallig, vorüberhuschend, die gerade Straße duren die einfachen bescheidenen Háuserreihen führte und ûber den schönen großen und [reien Marktplatz, vorbei am alten Rathaus, ... Euch allen soll dieser Bildband einen kurzen Einblick zu geben versuchen in das Leben einer kleinen Stadt.

Gleichsam als 'Stadtbilderklärer' vergangener Zeiten wollen wir, die wir Euch mit der Auswahl der Fotos den Bliekwinkel vorgegeben haben, die alten Ansichten der Stadt - aber auch seiner Bürger - in Wort und Bild in Erinnerung rufen. Zu uns gehört mit Heidemarie Blohm die Einheimische, die möglicherweise 'in dem malerischen Schwinskrog ihre ersten Schwimrn- und Tauchversuche mit einem fröhlichen Schnupfen bezahlte und vielleicht mit einer der Feuchtigkeit entsprechenden Abreibung', ... zu uns gehört mit Burkhard Albrecht der Zugezogene, den 'das Schicksal der Zeit von den Dünen der ostpreussischen Nehrung in unser kleines Städtchen führte', ... zu uns gehört mit Hermann Ketteler, der Besucher aus dem Münsterland, der bereits vor dem 9. November 1989 im Auftrag des Steinfurter Kreistages auf den Spuren westfälischer Siedler in

Meekelenburg eben nicht nur "zufàllig. vorüberhuschend' nach Neubukow kam, um weit vor der Wende deutsch-deutsche Kontakte zu knüpfen.

Unterstützt wurden wir - das Autorenkollektiv durch eine kleine Brigade von Zeitzeugen im verständlicherweise bereits 'grenzmündigen' Alter. Erika Evers und Ursel Brüsehaber waren es, die nicht nur aus feudaler und faschistischer Zeit zu berichten wußten, die noch die Erzählungen unserer Altvorderen überliefern konnten und ihre vier Jahrzehnte währenden Erfahrungen mit dem 'real existierenden Sozialisrnus' erinnerten. Unser Wissen über die Gründung und Entwicklung Neubukows haben wir vor allem der Quellenforschung der beiden Stadtchronisten zu verdanken. Als erster veröffentlichte im Jahre 1937 Sebastian Heißel seine 'Geschichte einer mecklenburgischen Landstadt' . Er verstand seine Arbeit nicht als 'dickleibige und leblose Chronik', sondern als 'eine geschichtliche Betrachtung und zwar notwendigerweise von einem gewissen Standpunkt aus' - wohl dem des neutralen Historikers. So 'wollte er sich auch nicht anmaßen, die nationalsozialistische Kampfzeit in und um Neubukow darzustellen', und überließ es seinem Mitautor Kammesheidt aus Güstrow, 'den zeitnahen Abschnitt der 1930er Jahre aus eigenern, reichem Erleben beizurragen'.

Der zweite Chronist des Städtchens war Walter Haak, der von 1984 bis 1988 in drei Heften mit seinem 'kleinen Werk zur Heimatverbundenheit, zum Stolz auf das in Jahrhunderten Gewachsene beitragen' wollte. Wie Heißel in den dreißiger Jahren - so mußte fünfzig Jahre später auch Haak den politischen Machtverhältnissen Tribut zollen. Heißeis Chronik sollte hinausgehen, 'urn

den Freunden der Stadt Nachricht zu geben von dem Werden der Gemeinde und dem Willen, unter der Führung Adolf Hitlers an dem wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des Vaterlandes mitzuwirken', Ein halbes Jahrhundert später sollte die zweite Stadtchronik 'die Befreiung von feudalen und kapitalistischen Fesseln widerspiegeln, vom Aufbau des Sozialismus erzählen und die Erkenntnis vermitteln, daß die unterdrückten Klassen in ihrem Kampf den Sieg davontrugen',

Wer konnte bei Abschluß der Haaksehen Chronik im Jahre 1988 ahnen, daß eben dieser Kampf der Unterdrückten in der DDR am 9. November 1989 zum Fall des 'sozialistischen Schutzwalles' führen würde? ... und so entstand auch unsere Stadtchronik des 'Neubukow in alten Ansichten' unter dem Eindruck politischer Einflüsse - diesmal allerdings unzensiert, hatte doch die einzige in unserem Vaterland unblutig verlaufene Revolution erstmals seit 1933 wieder für demokratische Verhältnisse in ganz Deutschland gesorgt. Anteil an dieser Wende hatten sicherlich auch die 'Steinfurter Wege nach Mecklenburg', die für Neubukow schließlich am 24. Oktober 1990 zur Besiegelung der Partnerschaft mit der Stadt Steinfurt führten,

Unsere tiefe Empfindung, daß mit dem 3. Oktober 1990, dem Tag der Deutschen Einheit, für uns alle -die 'Ossis' und die 'Wessis' - ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat, haben wir - das rnecklenburgisch-ostpreussischwestfälische Autorenteam - zum Anlaß genomrnen, in dieser Atempause der Geschichte beispielhaft für unser wiedervereintes Deutschland die Bilder der Neubukower Vergangenheit zum eigenen Gedachtnis zusammenzustellen und zum besseren Verständnis der unwie-

derbringlieh hinter uns liegenden Epoche der deutschen Geschichte für unsere Nachwelt zu veröffentlichen.

Hatten unsere Vorgänger ihre Chroniken vor allem Neubukows Söhnen und Töchtern gewidmet, so wollen wir zu Anfang der 1990er Jahre darüber hinaus nach über 40jähriger Trennung insbesondere zum Zusammenwachsen des deutschen Volkes in einem vereinten und freien Europa beitragen. Unser Ziel ist sicherlich nicht zu hoch gesteckt, wenn Ihr erinnert, daß dieser Bildband im neuen Bundesland Mecklenburg-Vorpommem zusammengetragen und recherchiert, im alten Bundesland Nordrhein-Westfalen getextet und im EGStaat Niederlande herausgegeben wurde.

Wie schon zu Anfang unseres Vorwortes wollen wir auch abschließend die Festschrift zum 700jährigen Stadtjubiläum zitieren - gilt doch der Anspruch, der dort 1950 ausgesprochen wurde, auch für unsere 'alten Ansichten'; Nicht allein eine Chronik, aufgestellt an Hand von Jahreszahlen, Urkunden, alten Büchern, soll diese Schrift bedeuten. Ein kleines Mosaik soll sie sein wie das Städtchen selbst mit seinen roten Ddchern im hellen und dunklen Grün seiner Wiesen und Bäume, seiner braunen und gelben Felder ... ein Mosaik, zusammengesetzt aus Geschichte und Überliejerung, Sage und Tradition, Wirklichkeit und Wahrscheinlichkeit.

Neubukow/Steinfurt, im Oktober 1991

Burkhard Albrecht Heidemarie Blohm Hermann Ketteler

1. NEUBUKOW: Bez. Rostock, Ldkr. Doberan. Stadtgründung M. 13. Jh. bei der nahe gelegenen Burg Bukow, an der Straße Rostock-Wismar. Erste Erwähnung als novum oppidum Bukow 1260; lübisches Recht. An der Stelle eines früheren slawischen Dorfes angelegt im Schema der mecklenburgischen Gründungsstädte des 13. Jh.: rechtwinkliges, gitterförmiges Straßennetz, zentral gelegener Markt, in dessen Miue das Rathaus. Befestigung mil Wall und Graben, jedoch urspr. 4 Tore. Diese Kurzcharakteristik ist der 1980er Ost-Ausgabe des Dehio-Handbuches der Deutschen Kunstdenkmäler entnommen. Die gleichaltrige West-Ausgabe der Brockhaus Enzyklopädie hielt zudem den Hinweis auf den großen Sohn der Stadt - den Archäologen Heinrich Schliemann - für besonders wissenswert.

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2. Die Postkarte aus dem Jahre 1904 zeigt eine dem Zeitgeschmack entsprechende 'aufgemotzte' Version des Stadtwappens. Die heraldischen Grundelemente sind bis heute die entwurzelte grüne Buche auf silbernem Grund und der gekrönte schwarze Stierkopf auf goldenem Schild im ausgerissenen Geäst geblieben. Der Wappenkundler spricht hier von einem redenden Wappen, deutet es doch den Namen der Stadt an. Bukow heißt wohl Buchenort. Vermutlich ist das Wort vom slawischen 'buky' abgeleitet. Etwa seit 1220 ist der Stier das Wappentier des mecklenburgischen Herrscherhauses. Nach der ersten Landesteilung kennzeichnete der Herzog des mecklenburgischen Kernlandes seinen Stierkopf mit einem Halsfell - zur Unterscheidung von der ebenfalls mecklenburgischen Herrschaft Werle.

3. Nähert man sich der Stadt von Pepelow aus, wird man mit den beiden einzigen Zeugen der Stadtwerdung konfrontiert - mit der Kirche aus der Zeit der Christianisierung und dem Wallberg. Die baurnbestandene Anhöhe soll slawischen Ursprungs sein. Die vermutete frühgeschichtliche Burganlage hat jedoch durch Abtragungen starke Veränderungen erfahren. Der mecklenburgische Altertumsforscher Georg Friedrich Lisch sah in ihr einen Rest der alten Burg Bukow. Von ihr wurde im Zusammenhang mit Borwin I. (1178-1222) berichtet. Er war Fürst des Slawenstammes der Obotriten, die diesen Küstenbereich nach der Völkerwanderung besiedelt hatten. Auch die südöstlich gelegene Flur 'Wendischer Friedhof' deutet auf eine slawische Siedlung auf Neubukower Boden hin.

4. Das niederdeutsche HaJlenhaus vor dem Mühlentor erinnert an die unblutige Eindeutschung des ehemals slawischen Mecklenburg ab dem 12. Jahrhundert. Der Welfenherzog Heinrich der Löwe begarm damals, das Land mit westelbischen - insbesondere westfälischen - Rittern und Bauern zu besiedeln. Gleichzeitig förderte die Missionarstätigkeit der von ihm gegründeten Bistümer Ratzeburg und Schwerin die Christianisierung der Eingesessenen. Im Verlauf dieser hochmittelalterlichen feudalen Ostexpansion entstand im norddeutschen Raum - einschließlich Mecklenburg - eine einheitliche Fachwerkarchitektur. Nach Aussage des Denkmalpflegers Udo Mainzer 'war das niederdeutsche Bauernhaus in seinen Anfängen ein Wohn- und Stallhaus, das sich mit seinen Räumlichkeiten um die von zwei Ständerreihen gesäumte Diele scharrtc'.

5. Auch auf die biertrinkende Männerriege vor dem Hotel 'Stadt Hamburg' treffen wohl Wilhelm Raabes wehmütig spöttischen Worte aus dem Jahre 1857 zu, durch die er die Eingesessenen mit dem ihm eigenen poetischen Realismus in der 'Mecklenburgischen Vaterlandskunde' charakterisierte: 'Da Mecklenburg seine deutschen Bewohner hauptsächlich aus dem westlichen Norddeutschland bis Holland und Flandern einschließlich erhielt, so gleicht auch der Mecklenburger diesen Norddeutschen in Sprache, Sitte und Art und namentlich gleichen in mehreren Beziehungen die eingcwanderten deutschen Bauern denen in Westfalen. Im Wesen ist der Mecklenburger pflegmatisch, ruhig, gernütlich, bedächtig, von trockenem Humor und hausbackenem Verstande, gegen Fremdes und Neues mißtrauisch, in gewohnten Verhältnissen treu und fest. '

6. Neubukow entstand vermutlich nach 1229 - dem Jahr der Aufteilung der obotritischen Restlande. Die neue Stadt war damit Teil der Herrschaft Mecklenburg. 1348 erhob Kaiser Karl IV. den Mecklenburger Fürsten zum reichsunmittelbaren Herzog. Die übrigen Herzogtümer fielen mit Parchim im Jahre 1256. Rostock 1323 und Werle 1436 an die Hauptlinie zurück. Nach der zweiten Hauptlandesteilung kam Neubukow 1621 zum Herzogtum Mecklenburg-Schwerin und verblieb dort auch nach der dritten im Jahre 1701. Von 1815 bis 1918 war der Landesherr Großherzog. Verfassungsgrundlage des ausgeprägten Ständestaates war seit 1755 der Landesgrundgesetzliche Erbvergleich, Neubukows 1788 errichtetes Rathaus läßt das Selbstbewußtsein des bürgerlichen Standes erahnen.

7. Erst die Abdankung Friedrich-Franz IV. im Jahre 1918 beseitigte die feudale Verfassung des Großherzogtums. Nachfolger wurde der Freistaat Mecklenburg-Schwerin. Die Bürgerrechte waren nicht mehr an einen bestimmten Besitz gebunden. Von Stadtverordneten freigewählte Stadträte unterstützten fortan die Bürgcrmeister. Die Stadt- und Landgemeinden eines Amtes bildeten nunmehr einen Kommunalverband zur Selbstverwaltung ihrer Angelegenheiten. Von 1921 bis 1926 gehörte Neubukow zur Landdrostei Bad Doberan, danach zum Amt Wismar. Die zwanziger Jahre waren nicht nur in Mecklenburg durch Weltwirtschaftskrise, Inflation und Massenarbeitslosigkeit geprägt. Hiervon unbeeinträchtigt war es für Neubukow die große Zeit der Kinderfeste wie dieses im Jahre 1928.

8. Neben der Schweriner Linie gab es ab 1701 das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz, seit 1918 ebenfalls Freistaat. Unter den Nationalsozialisten wurden beide Mecklenburgs am 1. Januar 1934 zu einem Land vereinigt. Seit der Wahl Adolf HitIers zum Reichskanzler war noch nicht einmal ein Jahr vergangen. Man muß schon genau hinsehen, um die nationalsozialistische Vereinnahmung des Neubukower Marktgeschehens zu entdecken - die Hakenkreuzfahne, den zum Hitlergruß erhobenen Arm des SA-Mannes, das militärische Zeremoniell. Als Folge des mutwillig herbeigeführten Weltkrieges erlebte der Marktplatz nur ein paar Jahre später die durchziehenden Flüchtlingtrecks. 1945 kam das Land MeckIenburg um Vorpommern westlich der Oder erweitert - zur Sowjetischen Besätzungszone.

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