Neuhausen auf den Fildern in alten Ansichten Band 4

Neuhausen auf den Fildern in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Willi Fay
Gemeente
:   Neuhausen auf den Fildern
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6519-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neuhausen auf den Fildern in alten Ansichten Band 4'

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Einleitung

Dieser vierte Band der Reihe 'Neuhausen auf den Fildern in alten Ansichten' enthält Fotografien von Menschen und Ereignissen aus der Nachkriegszeit bis in die sechziger [ahre.

Vor allem die ersten [ahre nach dem Krieg waren geprägt von Not und Entbehrungen. Armut und Leid trafen alle. Man denke nur an die Trauer um die vielen Gefallenen der Gemeinde oder an die Ungewißheit über das Schicksal der Kriegsgefangenen. Man denke an den Hunger der Menschen, ans Ährenlesen, wie man das Korn auf dem Dachboden offen lagerte, um es dann in der Kaffeemühle zu mahlen. Oder man denke an das Bucheckernsammeln im Wald. In der Ölmühle bekam man für 8 pfund 'Buchele' 1 Liter nicht raffiniertes, für 10 pfund 1 Liter raffiniertes Öl.

Das wichtigste Druckerzeugnis zu jener Zeit waren die Lebensmittelkarten für 1 300 Kalorien pro KopfundTag; auch gab es nur begrenzt Bezugscheine aufTextilien, Schuhe und Haushaltswaren. Glücklich schätzen konnte sich, wer Beziehungen hatte oderTauschbares für den Schwarzmarkt.

Es gab in den ersten Monaten auch keine Zeitungen. Was die Besatzungsmacht anzuordnen hatte, wurde aufWandanschlägen oder durch' Ausschellen' über den Amtsboten bekannt gemacht. Ein kleiner Lichtblick für unseren Ort war in den Sommermonaten 1945 die Teilung Württembergs in einen amerikanisch besetzten nördlichen Teil, dem Neuhausen zugeschlagen wurde,

und einen französisch besetzten südlichen Teil. Die Amerikaner erlaubten, den Schulunterricht rasch wiederaufzunehmen.

Die unzulänglichen Wohnverhältnisse machten sich immer stärker bemerkbar. Schon während des Krieges sind der Gemeinde Ausgebombte und Evakuierte zugewiesen worden, schließlich kamen die Vertriebenen noch hinzu. Zunächst wurden sie in sämtlichen Sälen der Gasthäuser untergebracht, nach und nach in jede nur bewohnbare Kammer des Ortes eingewiesen.

Für die damalige Behörde war es bestimmt keine leichteAufgabe, mit dieser Situation fertig zu werden. Es gab viel Ärger mit den Einwohnern und Heimatvertriebenen. Hinzu kamen anfangs Sprachschwierigkeiten, denn der Dialekt der neuen Mitbürger unterschied sich beträchtlich von dem der Einheimischen; dabei hatten es die älteren Leute besonders schwer, sie blieben meistens unter sich.

Im [anuar 1947 war die Stimmung auf einem Tiefpunkt angelangt, als zu den Versorgungsschwierigkeiten noch eine Kältewelle und Brennstoffmangel kamen. Der Wert des Geldes sank immer mehr auf dem freien Markt, ein Ei kostete 12 RM, ein Kilo Kaffee 1 100 RM, 20 Zigaretten 150 RM. Von Besatzungsangehörigen fortgeworfene Zigarettenkippen wurden gesammelt und aufgeraucht. Die von Amerikanern oder ausgewanderten Verwandten verschickten Pakete an besonders Bedürftige linderten die Not ein wenig.

Unter solchen Umständen dachte man nicht ans Fotografieren, im übrigen mußten beim Einmarsch der Franzosen alle Fotoapparate abgegeben werden. Insofern stand aus dieser Zeit nur eine beschränkte Anzahl von Bildern zur Verfügung. Erst nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948 wurde die Lage besser. Obwohl zunächst mit großer Skepsis aufgenommen, hoffte man sehnlichst auf Änderung. Jeder Bürger bekam 40 DM, die Spareinlagen und Guthaben wurden im Verhältnis 100 RM zu 6,50 DM umgewertet. Die Rationierung von Verbrauchsgütern wurde zum Teil aufgehoben. Langsam kam die Wirtschaft ins Rollen und die Arbeitslosenzahl sank. Das kulturelle Leben der Gemeinde begann sich von neuem zu entwickeln. [edoch veränderte sich das vertraute Dorfbild zusehends.

Die gesammelten Bilder sollen zum Nachdenken über Geschehenes und zum Vergleich mit dem Neuen anregen. Denjenigen, die mich durch ihre Mithilfe und das Überlassen von Fotos unterstützt haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Neuhausen auf den Fildem, im November 1997, Willi Fay

1 Für die russischen und polnischen Zwangsarbeiterin nen, die im Ochsensaal untergebracht waren, bedeutete der Einmarsch der Franzosen das Ende des Krieges und der Zwangsarbeit. Zum Abschied ließen sie sich mit ihrem Hausherrn, dem Ochsenwirt Robert Bayer, fotografieren, um zum Ausdruck zu bringen, daß sie trotz allem zu ihm und seiner Familie ein gutes menschliches Verhältnis hatten. Wie dieses Foto zustande kam, weiß niemand; denn alle Fotoapparate mußten abgegeben werden und Fotografieren war strengstens verboten. (Aufnahme 1945.)

2 Eine Aufnahme von Neuhausen im [ahr 1946, vom Brühl aus gesehen.

3 Im Juni 1914 bezogen die Schwestern des Franziskanerordens vom Kloster Heiligenbronn bei Schramberg das neu erbaute Kinderheim St. Josef. Im März 1944 wurden die Schwestern in eine verzweifelte Situation gebracht, als die Stadt Stuttgart mit Beschlagnahme drohte und eine vollständige Überlassung aller Räume des Kinderheims ohne Personal und Inventar verlangte. Die Neuhäuser Bevölkerung lehnte sich dagegen auf. Einzelpersonen und Parteistellen setzten sich ein für den Verbleib der Schwestern. Das Verhandlungsergebnis war, daß nur ein Teil des Kinderkrankenhauses 'ülgäle' ins Kinderheim nach Neuhausen verlegt wurde. Als einige Zeit

nach dem Krieg das 'ülgäle' wieder nach Stuttgart zurückverlegt wurde, stand das ganze Haus den Schwestern wieder zurVerfügung. (Aufnahmen um 1946.)

4 Nach Pfarrer Max Weiger oblagen die Geschicke in den ersten Nachkriegsjahren Pfarrer Rudolf Wagner. Am 19. Mai 1946 war Investitur in Neuhausen. Ihm wurde ein feines Kunstverständnis nachgesagt. Sein besonderes Interesse galt der Instandsetzung der Liebfrauenkapelle. Er war auch Bezirkspräses der im Cäcilienverein vereinigten Kirchenchöre. 1954 wurde

er zum Stadtpfarrer von Calw ernannt.

5 Die erste demokratische Gemeinderatswahl am 27. Januar 1946 und ihr Ergebnis.

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276. 244. 240.

Die neugewäfû.ten Gemeinderatsm.1tglieder wer-den heu'te dur-eh den Blirgermeister in jhr Amt e1.."lBef'ührt,zu 'treiler i;. gewissen-=

hat'ter Erfi:i11ung dnre r Amtspflichten zum wohle der häe s ä.ge n

Gemeinde « ihre·x Eänwohne'r -eohne Ansenen der Per-aonç Ln une ä> gennû'tz Lge r ~ unpar te t.reoner Weise- ELutlSefQr~e:rt, aowde z.ur wehr-cng des .Amtse;eheimnisses,Enthaltung be:1. Ve!'Wendtsc-:taft '" ver-scnwëge rung ~ be1Eef8fit!;enheit hàngewfeaen,

Die, Verpflich"tun~ der Gemeinderf'.te wird jedoch enbe tn-achüe der gl'!benwh.rti~en vexhë'Ltmd.eee einem apë."teren Ze.itpunkt vo.r== behal.ten,

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6 Es war 1946 etwas Besonderes, in diesemAusmaß eine Hochzeit und noch eine Doppelhochzeit im Gasthaus Ochsen zu feiern. Nur derjenige, der die Zeit kurz nach dem Krieg erlebt hat, wird ermessen können, wie schwer es war eine Hochzeitsfeier zu

organisieren, in der für jedes einzelne Essen Lebensmittelkarten gefordert wurden. In diesem Falllautete die Menükarte folgendermaßen: Hirnsuppe, Schweinebraten mit Spätzle und grünem Salat (das Öl für den Salat mußte extra mitgebracht werden). An Ge-

tränken gab es Bier sowie Most, der in Suttenkrügen mitgebracht wurde. Zum Tanz spielte die Kapelle Altenburger auf. Die Rechnung vom damaligen Besitzer des Ochsens, Robert Bayer, an die Brautpaare Alfons EiseIe und Erna Rank sowie Alfons Ernst

undAnna Rank lautete:

64 Mittagessen à 1,50 RM,

9 Kinder à 1 RM, 78 Abendessen à 1,10 RM, 3 Essen für die Musiker à 1,10 RM, 213 Bier à 35 Rpf, Kaffee zubereiten 12 RM, 10 % Bedienung 28,00 RM. Zusammen

308 RM. und 65 Rpf.

7 Die Neuhausen zugeteilten Heimatvertriebenen wurden zunächst in den Sälen der Gasthäuser untergebracht. Für die Gemeindeverwaltung war es keine leichte Aufgabe, Quartiere für die vielen Neuankömmlinge zu besor-

gen. Die Hausbesitzer sträubten sich gegen eine Überbelegung ihrer Häuser und Wohnungen und die Flüchtlinge erwarteten ein menschenwürdiges Quartier. Die Verantwortlichen mußten viele böse Worte hören, auch wenn

sie das Beste aus dieser Notlage machen wollten. Ein Teil fand notdürftige Unterkunft in den Baracken hinter Schäfer Schwarz, die 1943 auf Ersuchen der Firma Elma auf dem gemeindeeigenen Gelän-

de zur Unterbringung von französischen Zivilarbeitern erstellt worden waren.

8 Allein aus dem ungarischen St. [ohann wurden dreißig Familien in Neuhausen eingebürgert. Da die Neuhäuser anfangs sehr zurückhaltend waren, versuchte eine Gruppe junger Heimatvertriebener um Karl Zahlecker unter sich ein Treffen zu organisieren. Im Ochsen gründeten sie ein Komitee und luden auf den 20. Juni 1948 zum ersten 'Sankt Johanner Kiritog' (Kirchweihtag) ein. Daß dies der Tag der Währungsreform sein sollte, war vorher nicht bekannt. Trotzdem war der große Ochsensaal voll. (Aufnahme 1948.)

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