Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5625-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Dort, wo genau zwischen Dresden und Zittau die ersten Höhenzüge des Mittellausitzer Berglandes die 5OO-m-Grenze erreichen und sich zu zwei parallellaufenden Hügelketten vereinigen, dehnt sich in einem breit angelegten Muidental 7 km lang der Ort Neukirch (Lausitz) aus. Wie ein aufmerksamer Wächter, trutzig, stark und unnachgiebig, erhebt sich an diesem Eingangstor zur sächsischen Oberlausitz der granitene Valtenberg, dessen respektable Höhe von 589 m von keinem anderen Gipfel des umliegenden Berglandes übertroffen wird. Der Ort Neukirch ist eine Gründung fränkischer Bauern, die im Rahmen der Ostkolonisierung um 1200 hier in das obere Wesenitztal gerufen wurden und die das Waldhufendorf nach und nach anlegten. Seinen Namen, der 1222 erstmalig urkundliche Erwähnung fand, erhielt das Dorf nicht schlechthin etwa nur dadurch, daß eben für eine alte eine neue Kirche gebaut worden wäre, sondern deshalb, weil nach den Kirchenbauten in Bautzen und Göda hier eine Hauptkirche im Sinne der Gründung einer neuen Parochie entstanden war. Kirche und Grundherren bestimmten fortan das Gemeindeleben.

Die holzreichen Wälder, der fruchtbare Ackerboden und das Wasser der Wesenitz boten weiteren Ansiedlern gute Lebensmöglichkeiten, und die günstige Verkehrslage sowie der Arbeitsfleiß der Menschen trugen ebenfalls dazu bei, daß sich in wenigen Jahrhunderten aus mehreren großen Wohnflecken ein einheitliches Bauerndorf herausbildete. Durch die erbbedingten ständigen Teilungen der Hufen wurde die für eine Familie notwendige Ackerfläche immer mehr eingeschränkt, so daß man im Flachsanbau, in der Hausweberei und im Garnbleichen neue Erwerbsquellen sah. Neben diesen wirtschaftlichen Veränderungen vollzogen sich auch neuartige Denkweisen im Bewußtsein der Bevölkerung, so zum Beispiel durch die

Einführung der Reformation und durch die von den Grundherren erlassene Kirchen- und Schulordnung. Einfälle von plündernden Hussitenscharen, Kriegsunruhen und die damit verbundenen Krankheitsepidemien sowie Unwetterkatastrophen und verheerende Hungersnöte brachten zwar arge Rückschläge mit sich, aber die Bevölkerung faßte immer wieder Mut zu neuem Anfang.

Überhaupt ist der Menschenschlag hier im oberen Wesenitztal von echter Oberlausitzer Art geprägt. Einesteils hat seinen Charakter das harte Arbeitsleben eines von früh bis spät schuttenden, karg bezahlten Leinewebers oder eines auf eigenen oder herrschaftlichen Feldern schwer eingespannten Kleinbauern oder Hofgängers geformt und anderen Teils gehört er gleichzeitig zu den sprichwörtlichen 'Oberlausitzer Granitschädeln', Das sind Menschen, die ihre Sympathien Fremden gegenüber selten 'offen auf der Zunge tragen', die aber dann, wenn die rauhe Schale geschmolzen ist und das goldene Herz zum Vorschein kommt, ihr letztes Stück Brot mit dem in Not Geratenen teilen.

Die fünfzig Jahre Entwicklung Neukircher Geschichte, die in diesem Bildband anschaulich dargestellt werden, bilden den historischen Übergang des Ortes vom Bauerndorf Ober- und Niederneukirch zur Industriegemeinde Neukirch (Lausitz). Dieser Abschnitt beginnt mit dem Einzug neuer maschineller Techniken in die Produktionsstätten , und er endet 1928 mit der offiziellen Vereinigung der drei ehemaligen Oberneukircher Gemeinden mit der Gemeinde Niederneukirch. Zwischen diesen beiden Eekpunkten vollzieht sich alles das, was auf den verschiedensten Gebieten des gesellschaftlichen Lebens für die späteren Jahre von Bedeutung ist.

So werden in Neukirch zu dieser Zeit zahlreiche Betriebe der

Leinen- und Damastweberei, des Maschinenbaus, der Lederproduktion und der Lederverarbeitung, der Zwieback-, der Kerarnik- und der Spirituosenherstellung sowie der Koffer-, der Rucksack- und der Holzwarenerzeugung gegründet. In Sägewerken, Mühlen und sich entwickelnden Großbetrieben hält die Dampfkraft Einzug. Günstige Absatzrnöglichkeiten der steigenden Produktion verlangen schnelle Transport-, Nachrichten- und Informationstechniken. Diesen Notwendigkeiten werden der Bau des Eisenbahnnetzes mit zwei Neukircher Bahnhöfen, die Erweiterung der bestehenden Telefonverbindungen und die Errichtung eines modernen Postamtes gerecht. Es kommen aber auch auf die Arbeitnehmer Forderungen wie zunehmendes Akkordtempo, immer bessere Beherrschung der Maschinen und höhere Lohngenügsamkeit zu, die von ihnen nur sehr schwer bewältigt werden können. Die auf Profit bedachten Unternehrner stehen selbst einer unerbittlichen Konkurrenz gegenüber und nehmen keinerlei Rücksicht auf die Interessen ihrer Produzenten, auch wenn die soziale Not immer deutlicher erkermbar wird.

Mit der Zunahme der Bevölkerungszahl ergeben sich neue Schulbauten, weitere Verwaltungsgebäude und bestimmte Sozialeinrichtungen. Erfreulicherweise wird das Gerneindeleben durch viele neue Vereine, durch die Erweiterung des Fremdenverkehrs, durch die Pflege von Traditionsfesten und durch manche neue Kulturstätte bereichert. Auch Einrichtungen der Jugend-, Sport- und Wanderbewegung finden ebenso ihren Platz im Ort, wie sich Sparkassen, Geschäfte, einladende Gaststätten und kirchliche Gebäude in das Dorfbild einfügen. Legen sich auch wie ein großer Schatten die Ereignisse des Ersten Weltkrieges und die Folgen der Inflation und der Weltwirtschaftskrise belastend auf die Bevölkerung, die Neukir-

cher Bürger haben keine Kraftanstrengung gescheut, die Nöte der Zeit zu überwinden. Mit hohern, heimatverbundenern Einsatz, mit Risikofreudigkeit und mit einer optimistisohen Lebenseinstellung haben sie später auch jene schweren Probleme gelöst, von denen sie in den beschriebenen fünfzig Jahren noch gar nicht wußten, daß sie einmal auf sie zukommen würden. Mit solchen Menschen, wie sie der Ober!ausitzer Mundartdichter Herbert Andert in folgenden Versen charakterisiert, darf man wohl getrost in die Zukunft schauen:

War feste oa dr Heemte stitt und doderbei uff's Ganze sitt

und oapackt, doaß woas Ganzes wird, daas is oa Äberlausitzer, wie sich's gehirrt.

Als Autor der Texte möchte ich mich ganz herzlich bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Ortschronik Neukirch, den Herren Walter Pfützner und Fritz Schulze, bedanken, die zu den Textinhalten wertvolle Hinweise gaben. Gleicher Dank gilt der Gemeindeverwaltung von Neukirch, die viele der abgebildeten Ansichten aus dem Fundus des Heimatmuseums zur Verfügung stellte.

Lassen Sie uns nun anhand der historischen Ansichten das Zeitalter von fünfzig Jahren Neukircher Geschichte, wie es sich um die Jahrhundertwende darbot, mit Aufmerksamkeit und Freude besichtigen,

Siegfried Heinrich

1. Vom Valtenbergturm aus vermittelt der Bliek in die nördliche Richtung eine großartige Übersicht über den von Landwirtschaft, Industrie, Handwerk und Erholungswesen geprägten Ort Neukirch (Lausitz), der sich von Flurgrenze zu Flurgrenze 7 Kilometer lang im Wesenitztal hinzieht. Während das etwas abseits gelegene Valtental mit den nahen Wäldern am Davidsberg (vorn im Bild) die Ruhe der unverfälschten, naturgegebenen Umwelt widerspiegelt, pulsiert im ausgedehnten Siedlungsgebiet der Gemeinde (Hintergrund) reges dörfliches Leben. Umgebindehäuser als Zeugnisse hoher Zimmermannskunst vergangener Zeiten wechseln mit modernen Bauten der Wohnkultur, des Handwerks und des Gewerbes sowie der industriellen Entwiek lung.

2. Der Wanderer, der von Bautzen herkommend den nördlichen Bergzug überwunden har, um seinen Weg auf der 'Hohen Straße' durch historisch interessantes Gebiet in das Dorf Neukirch fortzusetzen, bleibt an manchen Stellen gebannt stehen, nimmt ihn doch der Bliek über das Tal hin zum Valtenberg gefangen. Überwältigt von so viel Schönheit sonnenüberstrahlter, freier Natur verweilt er ein wenig am Wegesrand und genießt die eindrucksvolle Ruhe der Umgebung. Der gegenüberliegende Valtenberg mit seiner reichen Pflanzen- und Vogelwelt, seinen vielen Möglichkeiten erholsamen Wanderns und seinen zahlreichen Sagen von verborgenen Schätzen und menschenfreundlichen Querxen ist Teil eines der größten Landschaftsschutzgebiete der Oberlausitz.

3. Da die alte, etwas baufällig gewordene Kirche der ständig steigenden Zahl der Gottesdienstbesucher nicht mehr gerecht werden konnte, faßte der damals über Neukirch herrschende Freiherr Ernst Ludwig von Stein zu Altenstein den Entschluß, ein gänzlich neues Kirchengebäude zu bauen. Seinem Befehl zufolge, begann im Frühjahr 1723 in Anwesenheit des Oberlandbaumeisters ChristofBeyer aus Steinigtwolmsdorf der Abriß, und es erfolgte am 27. April des gleichen Jahres die Grundsteinlegung für den Neubau. Da dabei eine beträchtliche Schuldenlast entstanden war, mußte man sich nach Fertigstellung des Kirchenschiffes statt eines Turmes zunächst mit einem schlichten Glockenhäuschen behelfen. 1749 kam es aber dann doch zum Bau eines prächtigen, fast 50 m hohen Turrns, der nach vierjährigen Bauarbeiten am 6. August 1753 eingeweiht werden konnte.

4. Der aus Granit bestehende Valtenberg, dessen Name von einem sagenhaften Ritter Valentin abgeleitet sein soll und der mit seinen 589 m Höhe alle anderen Gipfel des Mittellausitzer Berglandes übcrragt, gilt als Hausberg der Neukircher Einwohner und ist zugleich ein Anziehungspunkt für Fremde. Auf Anregung der beiden Heimatforscher Pfarrer Leberecht Götzinger aus Neustadt und des Topographen Carl Merkel aus Bischofswerda wurde im Jahre 1856 auf dem Berggipfel ein mächtiger Turm errichtet. Die Bauleute schafften dieses Werk in der fast unglaublichen Zeit von 150 Tagen. Der im folgenden Jahre eingeweihte steinerne Riese bieter dem Besucher von der zinnenumgrenzten oberen Plattform aus einen wunderschönen, reizvollen Rundbliek über das Bischofswerdaer, Bautzener und Stolpener Land.

5. In dieser gemütlichen Baude auf dem Valtenberg wurde im März 1907 der 120 Mitglieder umfassende 'Gebirgsverein Valtenberg' gegründet. Er stellte sich das Ziel, nicht nur Wanderungen und fröhliche Baudenabende zu organisieren, sondern auch den Turm, die Gipfelumgebung und das ganze Hohwaldgebiet zu pflegen, zu erforschen und für Einheimische wie für Fremde attraktiv und besuchenswert zu machen. Hervorragende Verdienste erwarben sich dabei die Herren Fritz Günther (Begründer des Vereins), Herrmann Israel (Liedermeister ), Erhard Nierich (Vorträge), Alfred Kretschmer (Wanderleiter ) und Rudolf Herwig (Organisator). Leider brannte die Baude auf dem Berg mehrmals vollständig ab, so 1859 und 1951. Sie wurde aber immer wieder aufgebaut, und viele Wirte nahmen sich ihrer mit großer Liebe an.

6. Wer auf den Valtenberg steigt, wird sicherlich den kleinen Umweg nicht scheuen, der an der Wesenitzquelle vorbei zum Gipfel führt. In 515 m Höhe dringt hier das ehemalige Stollengewässer aus dem Berg hervor, um seinen Lauf in Richtung EIbe zu beginnen. Bis zum Siebenjährigen Krieg hatte man an dieser und an etwa vierzig weiteren Stellen lange Gänge in den Berg hineingetrieben, immer in der Erwartung, auf Gold, Silber oder Bergkristall zu stoßen. Doch das 'Goldgeschrey' verebbte in den unruhigen Zeiten, und das Mundloch verfiel allmählich. 1925 faßte der 'Gebirgsverein Valtenberg' die Quelle der Wesenitz mit Granitsteinen ein und stellte drei Jahre später eine Platte mit dem Vereinszeichen und der Inschrift 'ValentinErbstollen 1752-1756' an dem früheren Stolleneingang auf.

7. Mitten im Hohwald, nicht weit von der böhmischen Grenze, verbirgt sich unter hohen Bäumen, aber direkt an der Fahrstraße zwischen Steinigtwolmsdorf und Neustadt ein Gasthof, der wegen seiner Lage 'Hohwaldschenke' genannt wird. Einst ein kleines. hölzernes WaJdhüterhaus, später-nach umfangreichen baulichen Veränderungen - ein ansehnliches, massives Gehöft, bot es etwa ab 1880 Durchreisendcn, Fuhrleuten und allen, die mit Waldarbeit ihr tägliches Brot verdienten. Unterkunft, Speise und Trank an. Wie es heißt, fanden sich dort in der abgelegenen und von der Landespolizei kaum aufgesuchten Schankwirtschaft hin und wieder auch solche Leute ein, die vom verbotenen Gütertransport von Sachsen nach Böhmen und umgekehrt lebten. Die geheimen Wege dieser 'Pascher' trugen etwas irrtümlich die Bezeichnung 'Diebsteige' .

8. Urn für die Feuerung in den Häusern den nötigen Torfzu gewinnen, wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf einer sumpfigen Wiese im Hohwald ein Torfstich angelegt, von dem aus in den Jahren von 1846 bis 1886 die erforderlichen Mengen dieses Brennmaterials nach Neukirch und in die anderen umliegenden Dörfer geholt werden konnten. Am Totfstich stand ein kleines, strohgedecktes Häuschen, in dem Mutter Marx den Torfstechern, Fuhrleuten und Waldarbeitern Bier, Schwarzbrot, würzigen Käse und einen kräftigen Schluck 'Neukircher Korn' anbot. Mit dem Aufkommen der Kohlefeuerung schlief die Nachfrage nach Torf aber allmählich ein, Junger Fichtenwald breitete sich auf der Torfwiese aus, und so wurde das kleine Holzhäuschen - im Volksmund 'Torfhütte' genannt - 1887 abgerissen und nach Steinigtwolmsdorf verkauft.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek