Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5625-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1'

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9. Zum Naturreichturn des oberen Wesenitztales gehören auch die gepflegten Wälder des Freiherrlich Huldenbergsehen Forstreviers um den Valtenberg. Förster, Forstwirte und Sägewerkbesitzer konnten davon ganz gut leben. Schwieriger war die Lage der 'Buuschmächer', wie früher die Waldarbeiter genannt wurden. Sie mußten die Bäume in schwerer körperlicher Arbeit fällen, entasten und entrinden. Die zwei biederen Naturkinder, Holzmacher Zeidier (links) und Holzmacher Hensel (rechts), sind allerdings von dem urigen wetterfesten Menschenschlag, den nichts erschüttern kann und der sich trotz aller Not im Leben behauptet. Sie wissen - ihre verschmitzten Blicke verraten Mutterwitz und Schlagfertigkeit - dem Leben die optimistischen Seiten abzugewinnen und pausieren, wie hier, auch einmal eine Tabakspfeife lang.

10. Wenn man von Neukirch aus den Hauptwanderweg zum Valtenberg nimrnt, findet man etwa 200 m nach dem Betreten des Waldes rechts einen großen Feldstein, der tief in der Erde steekt, oben aber eine tischebene Platte besitzt. Von 1900 bis 1905 bot dort an wettergünstigen Sommersonntagen ein Herr Schramm aus Neukirch den Vorbeiwandernden Getränke an. Manchen männlichen Bürgern soll an Tagen mit hochsommerliehen Temperaturen dort das Bier so gut geschmeckt haben, daß sie nach dem Genuß mehrerer Flaschen auf eine weitere Bergbesteigung verzichteten. Der Stein, den Herr Schramm als Theke benutzte, hieß fortan im Volksmund nur noch 'Schrarnms Bierkeller'. Nahe dieser Stelle baute man 1914 mit Hilfe des Rittergutsbesitzers die Berggaststätte 'Waldschlößchen' (Bild).

11. Als ein gerechtdenkender, stets auf das Wohlergehen der Allgemeinheit bedachter Bürger, dessen aufrichtige, lautere Gesinnung auch von seinen Gegnern respektiert wurde, war der Neukircher Einwohner Kar! Berger bekannt. Der gelernte Maurer hatte sich sein Haus etwas abseits vom Ort am Waldrand gebaut und sich so den Spitznamen 'Busch-Berger' eingehandelt.In seiner niedrigen Wohnstube gründete er im Januar des Jahres 1900 mit fünfzehn Gesinnungsfreunden einen für Neukirch ersten sozialdemokratischen Wahlverein. Karl Berger, der als Steinarbeiter viele Jahre täglich zur Arbeit in die Demitzer Steinbrüche lief, um dort den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen, kannte die Nöte der Arbeitnehmerschaft sehr genau, und er vertrat deren Interessen selbstlos mehrere Legislaturperioden im örtlichen Gemeinderat.

12. Mit dem Anwachsen der Wanderlust unter den Bürgern um 1900wurde auch der Wunsch der Neukireher Wanderfreunde geweckt, ein eigenes Heim für Veranstaltungen und Übernachtungen zu besitzen. In der Mitte der zwanziger Jahre begannen endlich die Arbeiten für ein solches Haus. Mitglieder aus allen Stützpunkten des 'Vereins der Naturfreunde" Ost-Sachsens und ungezählte sozialdemokratisch gesinnte und andere Einwohner des Ortes halfen ideenreich bei den Arbeitseinsätzen mit. Als die Grundmauern standen, bildeten sie eines Sonntags eine 1,7 km lange Menschenkette vom Bahnhof Neukirch Ost bis zum Bauplatz am Vogelberg, um durch das Weiterreichen der Ziegel von Hand zu Hand die Transportkosten zu sparen. Am 28. Juni 1925 konnte dem Heimvater Martin Lippoldt das 'Naturfreundehaus' übergeben werden.

13. Von den etwa dreißig Gaststätten, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Neukirch Einheimische wie Sommerfrischler gleichermaßen zum Verweilen einluden, war das Gasthaus 'Zur grünen Fichte' die Einkehrstätte, die wegen ihrer abseitigen Lage den Eindruck erweckte, daß sie eigentlich zur Nachbargerneinde Ringenhain gehöre. Die Ortsgrenze zog sich tatsächlich auch direkt durch die Gaststube, so daß es möglich war, im gleichen Raum mal ein Bier in Neukirch, mal eins in Ringenhain zu trinken, Nach dem Bau der Straße in der Mitte des 19. Jahrhunderts fuhr hier regelmäßig auf der Strecke Bischofswerda-Sohland mit Peitschenknallen und Posthornblasen Herr Schelle auf seiner Postkutsche vorbei.

Gruß aus Oberneukirch

14. Eine paßähnliche Vertiefung innerhalb des Höhenzuges Dahrener Berg-Valtenberg gewährt den südlichen Zugang zum Neukircher Abschnitt des oberen Wesenitztales. An der niedrigsten Stelle befanden sich vor dem Bau der Poststraße der etwas unscheinbare Vorgänger der Gaststätte 'Grüne Fichte' und die sogenannte Steinmühle. Wer diese alte Straße zwischen den beiden Gebäuden benutzte, kam an der Buschmühle und an der 1850 erbauten Bleicherei, 'Mandel' genannt, vorbei, sah in der Nähe die 1904 errichtete Weberei von Hoffmann & Co und erreichte über den Talweg die Weizmannsmühle, die schon von weitem zu erkennen war, denn sie trug im Schiefermuster des Daches groß die JahreszahI18-60. Der Fuhrmann von damals hatte zwar mit den schlechten Straßenverhältnissen arg zu kämpfen, erwurde aber mit einem herrlichen Bliek über Oberneukirch entschädigt.

15. Von den sieben im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Neukirch vorhandenen Töpfereien ist die von Kar! Alwin Heinke die jüngste. 1866 gründete sie Carl Gotthelf Matthes, und zehn Jahre später ging sie bereits in die Hände des ersten Meisters über, der den Namen Heinke trug. Seitdem stellt das Unternehmen, das zeitweise bis zu zwölf Gehilfen beschäftigte , Tonwaren verschiedenster Art in bester Qualität her. Wie in allen Töpfereien des Ortes wechselten Konjunktur und Absatzflaute oft, doch die Beteiligung an Märkten, das Geschäft im Böhmischen und der Haushandel sowie die Präsentation bei Ausstellungen, bei Festumzügen (Bild) und bei anderen Gelegenheiten lohnte sich. Die starke Nachfrage nach Heinkes Tonerzeugnissen bewies deren Beliebtheit immer wieder aufs neue.

16. Den Waldweg in Oberneukirch benutzend, gelangte der schwimmbegeisterte Bürger zu einem Bad, das sich der bürgerliche Neukircher 'Deutsche Turnverein' in eigener Regie geschaffen hatte. Ursprünglich lag an dieser Stelle 'Girndt's Teich' - ein Tummelplatz für alte und junge Wasserfreunde. Aus dem unerrnüdlichen körperlichen Einsatz der Vereinsmitglieder - allen voran die Männerriege um Turnwart Ernst Ulbricht - war hier in den zwanziger Jahren aus einem Teich-Wiesen-Hanggelände eine gepflegte Badeanstalt mit Wettkampf-Bassin, Umkleidekabinen, Liegewiese, Spielfläche und Vereinshäuschen entstanden. die die Bevölkerung reichlich nutzte. Die vielen fröhlichen Sommerfeste, die gutbesuchten Schwimmsportveranstaltungen und die ungezählten Schwimmlehrstunden für die Schulkinder ließen die Zahl der Gäste im "Turnerbad' von Jahr zu Jahr ansteigen.

17. Zum Kern des bürgerlichen Deutschen Turnvereins Oberneukirch gehörte die Turnriege des Vorturners Ernst Ulbricht. Unter der Leitung ihres Turnwartes hatte sie durch unerrnüdlichen Trainingsfleiß, bewußte Disziplin und exakte Zielstellung ein solch hohes Leistungsniveau erreicht, daß sie bei ihren öffentlichen Auftritten in der Turnhalle, bei Wettbewerben oder bei Sportfesten für ihre vollendet vorgeführten Darbietungen stets höchste Anerkennung erntete. Der Turnriege gehörten an: Ernst Ulbricht (Tumwart, Webmeister), Fritz Richter (Schlosser), Karl Lehmann (Kirchenschmiede), Erhard Marx (Fahrradmechaniker). Erich Hentschel (Landwirt), Paul Richter (Modelltischler) und Martin Berthold (Töpter). Mit ihrem hervorragenden Einsatz beim Bau des Turnerbades setzte sich die vorbildliche Männer- Turnriege selbst ein sinnvolles Denkmal.

18. Wo Wasser fließt, ist für den Menschen auch die Möglichkeit gegeben, dessen Kraft zu nutzen. So ist es kein Wunder, wenn von den 28 Mühlen, die die Wesenitz während ihres Laufes von Steinigtwolmsdorf bis Bischofswerda trieb, allein zwölf Mahl- und Sägemühlen in Neukirch anzutreffen waren. Eine davon ist die Obermühle, die schon 1590 der bekannte Kartograph Matthias Oeder erwähnte. Gab es früher wegen der nahen Grenzlage der Mühle sehr verwickelte Besitzverhältnisse, die sogar Händel mit sich brachten, so hatten sich die Geister um 1900 längst beruhigt. Der spätere Müller August Richter war nicht nur eine geachtete Persönlichkeit im Gemeinderat, sondern auch langjähriger Kommandant der Oberneukircher Feuerwehr, für die er eine neuartige Personenabseilrolle und einen Spezial-Handspritzenschlitten für den Winter erfand.

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