Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5625-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1'

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19. Aus der Notwendigkeit heraus, Leib und Leben der Gemeindebürger vor Feuersbrünsten und anderen Katastrophen in organisierter Form zu schützen, gründeten verantwortungsbewußte Männer 1872 die Freiwillige Feuerwehr Oberneukirch (siehe Bild). Anläßlich ihres ersten Einsatzes beim Brand des herrschaftlichen Schafstalles gelang es, alle Tiere zu retten und ein Übergreifen des Feuers auf das Gut zu verhindern. Mit der Organisation von Spritzen-, Steiger- und Rettungsmannschaften, mit der Anschaffung eines Gerätewagens, einer Schiebeleiter und einer neuen Spritze und mit dem Bau eines Steigerturrns und eines ersten Gerätehauses begann die Wehr ihren ersten Entwicklungsabschnitt erfolgreich zu meistern. Der 11. Feuerwehrtag des Oberlausitzer Gebirgsgauverbandes sprach ihr deshalb auch hohe Anerkennung aus und lobte deren Trainingsfleiß.

20. In diesem Umgebindehaus in Oberneukirch mit seinem schieferbehangenen, oberen Stockwerk und dem rechts von der Haustür befindlichen, massiven Wirtschaftsgebäudeteil wohnte und amtierte der hochangesehene Gemeindevorstand Ernst Leberecht Berthold (1853-1924). Er übte dieses Amt die erstaunliche Zeit von 45 Jahren aus und war gleichzeitig auch als Standesbeamter für Oberneukirch Meißener Seite und Ringenhain tätig. 1902 übernahm er zusätzlich noch das Amt eines stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes. Um seine Verdienste zu würdigen, erhielt die Straßenverbindung zwischen der Wilthener Straße und der Oststraße, an der sein Haus liegt, den Straßennamen 'Ernst-Berthold- Weg'.

21. Der um 1850 erbaute Gasthof 'Zwei Linden' in Oberneukirch an der Oststraße ging 1901 für etwa 31/z Jahrzehnte in den Besitz der Familie Scholze über. Da Herr Gustav Scholze seine Räumlichkeiten auch für Versammlungen der Sozialdemokratischen Partei und für Übungsabende des Arbeiter- Turnvereins zur Verfügung stellte, verboten die Behörden kurzerhand allen Militärpersonen jeglichen Aufenthalt in diesem Einkehrhaus. Ein großes Sommerfest veranstalteten die Bewirtschaftung und der Jugendverein 'Eintracht' im August 1928. Das Fest warverbunden mit einem großen öffentlichen Sommernachtsball, bei dem die Kapelle 'Arion' aufspielte. Außerdem fanden Preis-Kegeln und Preis-Adlerschießen statt, und es gab viele Überraschungen. Als besondere Attraktion ließ man gegen Abend einen Freiballon aufsteigen.

22. Ehe das Straßenbild von motorisierten Lastkraftwagen bestimmt wurde, transportierten Fuhrleute die benötigten Waren von den Bahnhöfen oder von Großlagern der Städte zu den Einzelhandelsgeschäften in den Dörfern. Zu denen, die unermüdlich von Woche zu Woche zwei- bis dreimal mit ihrem Pferdegespann und dem großen Planwagen nach Bischofswerda fuhren, um dort bei der Großhandelsfirma Huste und Sohn oder bei der Firma Scheumann Lebensmittel und andere Waren für die Neukircher Läden zu übernehmen, gehörte auch der Botenfuhrmann Gottlob August Strehle. Mit ihm begann eine lange Generationenkette von Fuhrleuten, die über seinen Sohn, den Fuhrwerksbesitzer Gustav Strehle, und seinen Enkel, den Fuhrunternehmer Fritz Strehle, bis hin zu den weiteren Fuhrgeschäftsinhabern der späteren Jahre führte.

·/.{; Gasthaus zur grünen Linde,

.. J0lt1t:-:.p. Hickmann, Oberneukirch.

23. Wie in der Oberlausitz vielerorts üblich, verbinden sich Fleischerei und Gastwirtschaft oft zu einer wirtschaftlichen Einheit, die in der Familie von Generation zu Generation weitervererbt wird, Hier ein Beispiel aus Oberneukirch L.S., das diese Tatsache an den Familien Hickmann und Lotze beweist. Da sich Herr Gustav Lotze des öfteren zum Schützenmarschall oder gar zum Schützenkönig qualifizieren konnte, war seine Gaststätte auch ein beliebtes Vereinslokal der Schützengesellschaft von Oberneukirch. Einen gewissen Öffentlichkeitsmittelpunkt anzeigend, steht vor dem Haus der typisch deutsche Baum - die Linde, von deren Existenz sich auch der Name der Schankwirtschaft ableitet: Gasthaus 'Zur grünen Linde'. Das Haus an der rechten Bildseite trägt seit 1897 die Bezeichnung 'Schossigstift'.

24. Die Weizmannsmühle, die sich vor ihrern Abriß ganz in der Nähe der etwa 1864 gebauten mechanischen Weberei der Firma Eckoldt befand, hat ihren Namen von einem ihrer Besitzer her abgeleitet. Der Kartograph Matthias Oeder nennt sie auf der von ihrn erarbeiteten Geländekarte 'marthen (Martin) Königs müll1 gang und brett müll'. Oberreit bezeichnet sie in seinem 1819 begonnenen Kartenwerk als 'Oberneukircher Mühle'. Während die umliegenden Gebäude als Weizmannshäuser bekannt waren, muß hier noch klargestellt werden, daß dieser Begriff mit den beiden berühmten Neukircher Ärzten gleichen Namens nicht in Verbindung gebracht werden kann. Nachdem die Mühle ausgedient hatte, mußte sie dern Girndtschen TextiJbetrieb weichen. Nur die Begriffe Mühlgut und Mühlgutstraße erinnern noch daran.

25. Der Gasthof 'Zur goldenen Krone' war für Oberneukirch in mehrfacher Beziehung ein zentraler Punkt. Zum einen kreuzten sich hier die Straßenverbindungen von Bautzen nach Neustadt und von Bischofswerda nach Sohland, was dazu führte, daß sich das Haus für die Fuhrleute, die Reisenden und die Postkutscher zur willkommenen Raststätte entwickelte. Zum anderen bot sich hier ein großer Saal für Familienfestlichkeiten, Dorfkirmestanz, Theateraufführungen oder Vereinsveranstaltungen zur Nutzung an. Da am Vorabendeiner Hochzeitsfeier junge Leute des Dorfes den scherzhaften Einfall gehabt hatten, einen Karren, wie ihn die Leineweber zum Transport ihrer Ware benutzten - hier Steinbock genannt - auf das Dach der Gaststätte zu befördern, trug das Einkehrhaus im Volksmund lange die Bezeichnung 'Zurn Steinbock'.

Çruss aus Oberneukirch

26. Noch sind Konsumgebäude, Lessingschule und einige Villenhäuser am Anfang der Hauptstraße nicht gebaut worden, noch verlangen Autos und Motorräder nicht nach gepflegten Straßenverhältnissen, da steht schon am Schützenplatz des Oberdorfes eine moderne Turnhalle, ausgestattet mit einem guten Sortiment von Turngeräten. Der Wirt des Gasthofs 'Zur goldenen Krone' (im Bild rechts), Martin Richter, volkstümlich mit 'Kronen-Richter' bezeichnet, hatte sie im Jahre 1892 auf eigene Kosten für den bürgerlichen 'Deutschen Turnverein Neukirch am Hohwald' erbauen lassen, um diesen Personenkreis an seine Gaststätte zu binden. Da er sie nicht an den Verein verkaufen wollte, sah sich dieser nach einer anderen Sportstätte um, und so entstand das beliebte Turnerbad.

27. In Neukirch gab es zwei starke Schützengesellschaften, die beide gleichermaßen darauf bedacht waren, ihre jeweilige Eigenständigkeitzu erhalten. Die Uniformierte Schützengesellschaft e.V. des Oberdorfes UIDfaßte etwa einhundert Mitglieder, sie besaß seit 1922 ein stattliches Schützenhaus und feierte jedes Jahr am dritten Sonntag im August ein riesengroßes Schützenfest, bei dem es an Menschenzustrom, Pracht und Glanz nicht fehlte und das in der mittleren Oberlausitz seinesgleichen suchte. Eine besondere Abteilung bildeten die zusätzlichen dreißig Jungschützen des Nachwuchses, deren Aufgabe es war, sich durch gute Schießergebnisse, strenge Disziplin und Vereinsverbundenheit so zu bewähren, daß die Weiterführung der historisch gewachsenen Traditionen, wenn sie später in jüngere Hände überging, gesichert war.

Gruß au .VEUKIRCH (Laueitz ) I

28. In diesem Haus betrieb Max Berthold ein Restaurant und ein Café mit Konditorei. Durchreisende und Einheimische konnten hier einkehren, sich durch Speise und Trank stärken oder bei einer Tasse guten Kaffees und einem Stück Torte ein wenig Entspannung finden. Wer gern kegelte - Liebhaber dieser Sportart hatten sich zu einem Verein unter der Leitung von Herrn Curt Ziegs zusammengeschlossen - war hier in der 'Kegelbahn des Bundes deutscher Kegler' herzlich willkommen. Was das besondere des Hauses aber ausmachte, war die Tatsache, daß Bürger, die in einer finanziellen Klemme steckten, hier die Möglichkeit hatten, Wertgegenstände zu versetzen, die sie später wieder einlösen konnten. Noch lange nach Schließung dieser letzten derartigen Einrichtung in Neukirch hieß das Gebäude 'bei Pfandleihersch'.

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