Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5625-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1'

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39. Auf dem alten Friedhof, der sich zwischen Hauptstraße und Kirchgebäude dehnt, stehen drei Denkmale, die die Vorbeigehenden an die Opfer vergangener kriegerischer Auseinandersetzungen erinnern sollen. Ein großer Feldstein mit den Jahreszahlen 1812/13 soll die Befreiungskriege ins Gedächtnis rufen, ein 2 Meter hoher Obelisk will die zwölfNeukircher Bürger, die im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 ihr Leben geben mußten, nicht vergessen lassen, und der große, 1922 eingeweihte Steinblock mit den 151 Namen der im Ersten Weltkriegvon 1914-1918 gefallenen Neukircher Männerrnahnt uns, ihrer zu gedenken. Damals ahnte noch kelner, daß fast ein halbes Tausend männlicher Bürger allein aus Neukirch in den Kämpfen eines Zweiten Weltkrieges ihr Leben verlieren würden.

40. Für die Kirchgemeinde Neukirch war es sicher ein sehr bedrükkendes Ereignis, als im Rahmen der Kriegsnachrüstung 1917 die beiden größten Glocken des wohlklingenden Bronzegeläutes vom Kirchturm genommen werden mußten. Diese Arbeit verrichteten vier Soldaten eines Abbaukommandos des Pionier-Ersatz-BatailIons Nr. 12 zu Pirna, indem sie die Glocken einfach vom Turm stürzten. Pfarrer Dillner (3. von links) - selbst von diesem Vorgang sehr betroffen - hielt zusammen mit vielen Gemeindegliedern einen Abschiedsgottesdienst. Erst am 14. Mai 1921 konnte ein neues Bronzegeläut in D-Dur - für 70 000 Mark von der Firma Bruno PietzeI & Co in Dresden gegossen - an der Stelle des vorherigen eingesetzt und feierlich geweiht werden. Bis dahin erinnerte das eintönige Läuten der verbliebenen Glocke an den Krieg und seine Folgen.

41. In der Kirchschule, die 1617 von Meister Peter Lehmann von Grund auf umgebaut wurde und die als ältestes Gebäude Neukirchs gilt, wohnte und unterrichtete der Kirchschulmeister, Gerichtsschreiber und erste Ortschronist Petrus Geißler. Unter seinen Nachfolgern ragt besonders der Organist Ehregott Köchler hervor, bei dem der später weitbekannte, in Neukirch geborene, langjährige Direktor des Bautzener Landständischen Lehrerseminars und Mitbegründer des 'Allgemeinen Deutschen Lehrervereins', lohann Gottlieb Dreßler, seine ersten wissenschaftlichen Kenntnisse erwarb.

42. Das hier im Mittelgrund gezeigte Haus wurde früher als 'Diakonat' bezeichnet, weIl mer oer lJiakon wohnte. Als geistlicher Helfer in der Gemeindearbeit innerhalb der Evangelischen Kirche war er gewissermaßen der Stellvertreter des Ortspfarrers, in dessen Auftrag er unter anderen Aufgaben auch die Kirchenaufsicht über die Schule ausübte. Gab es einmal ernsthaften Lehrerrnangel, wie das in der Schule des Oberdorfes Meißener Seite mehrfach geschah, mußte der Diakon einspringen und den Unterricht selbst übernehmen. Im Bild rechts ist die Kirchschule zu erkennen, in der die Kantoren wohnten und in der eine kurze Zeit auch das Heimatmuseum untergebracht war. Im Haus links vom Diakonat wohnte Glöckner Hultsch, der bis zum Einbau eines elektrischen Läutewerks mehrmals täglich den Turm besteigen mußte, um seinen Glöcknerpflichten nachkommen zu können.

43. Ein Chorjunge zu sein, wareine große Ehre. Sie brachte aber auch die Mühen eines solchen mit sich, denn sonntags im Gottesdienst und bei den verschiedenen kirchlichen Anlässen anwesend zu sein und zu singen sowie alle vorgeschriebenen Handlungen zu verrichten, war zeitaufwendig und erforderte viel Engagement. Besondere Anstrengungen verlangten die nachmittäglichen Beerdigungen, denn die Verstorbenen wurden damals noch vom Trauerhaus aus abgeholt und im feierlichen Zug - voran das Kreuz und hinter dem Trauerwagen die Leidtragenden - durch das Dorf zum Friedhof gebracht. Hier im Bild die neun Chorjungen der zwanziger Jahre mit Kirchner Karl Fröde und den beiden Geistlichen, Pfarrer Dillner (links) und Pfarrer Eitner ( rechts).

44. Der unter kirchlicher Obhut gegründete Jungmädchenverein von Neukirch am Hohwald hatte sein Domizil anfangs im Pfarrhaus, später im Vereinshaus der Kirchgemeinde. In den Zusammenkünften herrschte jugendliche Fröhlichkeit. Es wurde gesungen, gelacht und Theater gespielt, aber es kam auch zu Gesprächen, zu Auslegungen biblischer Themen und zu Vorträgen ernsterer Art. Besonderes Interesse bestand im Sommer an Wanderungen und Ausflügen, wobei das Gebiet der Sächsischen Schweiz mit seinen bizarren Felsen bevorzugt wurde. Pfarrer Eitner, der den Verein betreute, kannte sich dort gut aus, und jede Wanderung mit ihm wurde für die Mädchen zum unvergeßlichen Erlebnis. Im Bild nutzen sie gerade eine kurze Rast für ein Erinnerungsfoto.

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45. Dieses mehrstimmige, im Volkston gehaltene Lied ist eins einer ganzen Reihe von Neukircher Heimatliedern, die die Einwohner gern singen und immer wieder gern hören. Text und Melodie stammen von Herrn Oberlehrer Reinhold Wolf, langjähriger Leiter des Kirchenchores und Organist an der evangelisch-lutherischen Kirche zu Neukirch (Lausitz). Berechtigten Vermutungen zufolge, rnüßte das Lied in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts komponiert worden sein. Kantor Wolf, der viele Jahre an Neukireher Schulen Musikunterricht erteilt hat, lehrte es seinen Schülern mit großer Engagiertheit für sein Heimatdorf und ließ auch bei anderen Gelegenheiten erkennen, wie eng er mit dem, was erin seinem Lied ausdrückte, verbunden war.

46. Bis 1926 war das Fotoatelier von Julius Grunewald an der Hauptstraße nahe der Kirche das einzige Fotogeschäft seiner Art im Dorf. Kaum ein Bild von bedeutenden öffentlichen Ereignissen, von Vereinsrepräsenrationen und offiziellen Gemeindeveranstaltungen, aber auch von Familienfeiern wie Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen usw., das nicht aus der Grunewaldschen Fotowerkstatt stammte. Im Garten rechts außerhalb des Bildes befand sich das Ateliergebäude. Direkt an der Straße warb ein großer Schaukasten für die Firma, die auch Filialen in Cunewalde, Neusalza-Spremberg und Neustadt unterhielt. Die obere Etage des Hauses bewohnte bis 1924 der verdienstvolle Heimatforscher und Ortschronist Dr. Georg Pilk.

47. Der weit in der Oberlausitz bekannte Dr. Arthur Georg Pilk war sorbischer Herkunft, verheiratete sich nach Neukirch und wirkte hier mehrere Jahre als Oberlehrer. In seinen vielseitigen heimatgeschichtlichen Studien, besonders aber in seinen beiden Schriften 'Neukirch am Hohwalde bis zu dem Befreiungskriege' und 'Neukirch im 18. Jahrhundert', begründete er seinen Ruf, 'Vater der Neukircher Chronik' zu sein. Als anerkannter Erforscher sorbischen Volkstums leitete er den sorbischen Musikverein 'Magica Serbska', Sein außergewöhnliches musikalisches Talent bewies er nicht nur als Instrumentalsolist, Dirigent und Konzertorganisator in der Landeshauptstadt, sondern auch als Komponist der sorbischen Operette 'Smjertnica', die im Bautzener Deutsch-Sorbischen Volkstheater aufgeführt wurde.

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48. An der Hauptstraße gegenüber dem oberen Rittergut verbindet ein für die Oberlausitzer Landschaft und deren Gehöft-Bauweise typischer fränkischer Torbogen die 'Schloßschänke' (rechts) mit der sogenannten Burg oder Festung, ein trutzig aufragendes Gebäude, das wie ein wachsamer Polizist die Vorgänge in seiner Umgebung beobachtet. Vermutlich hat hier in diesem fünfeckigen Zimmer einmal ein Angestellter des Rentamtes, ein Gerichtsschreiber, ein Dorfbüttel oder ein Gefängniswärter gewohnt, denn die unterirdischen, verliesartigen Kellergewölbe deuten einerseits auf eine Strafvollzugseinrichtung hin, sind andererseits aber auch Handlungsort halbwahrer Geschichten, wie zum Beispiel der Sage von der Zitation des heiligen Petrus.

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