Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5625-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1'

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49. Der Platz vor dem mächtigen Gebäude, das links im Bild zu sehen ist, stellt in Neukirch einen historischen Ort dar. Hier kam im Jahre 1830 der angestaute Zorn der Bevölkerung über das arrogant-rigorose Verhalten des Gerichtsdirektors Matthesius zum Ausbruch - ein Ereignis, das weit in der Umgebung starke Beachtung fand und dessen Verlauf mit gesparmter Aufmerksamkeit verfolgt wurde. In dem 1751 erbauten Gebäude, vor dem sich die regional-revolutionären Vorgänge abspielten. braute man auch Bier, so daß die angeschlossene Gaststätte wegen ihrer Nähe zum Herrenhaus im Volksmund oft auch als 'Schloßschänkc' bezeichnet wurde. Die rechte Seite des Bildes zeigt die bis 1860 hier befindliche Apotheke. Ein Straßendurchblick läßt im Hintergrund das 'Hotgericht' erkennen.

50. Ausgelöst durch die Verhaftung eines sogenannten 'Einschreibers' und mehrerer 'Setzer' des verbotenen Böhmischen Lotteriespiels und verstärkt durch andere gesellschaftsbedingte Ungerechtigkeiten, erreichte die Bürgerwut nach Jahren unterdrückten Aufbegehrens ihren Siedepunkt. Die empörte Menge stürmte das Gerichtsgcbäude, in dem sich auch das Rentamt befand, warf Akten, Möbel und Gerätschaften durch die Fenster auf den Vorplatz und verbrannte sie dort. Weitere Aktionen richteten sich auf das 'Stockhaus' , wo die Gefangenen einsaßen, und auf das Herrenhaus, ehe drei Tage später eine herbeigerufene Militäreinheit aus Bautzen die Ordnung wiederherstellte und 35 'Aufrührer' verhaftete. In die Ortsgeschichte ging dieser Aufstand vom 12. September 1830 als 'Hofrevolution' ein.

51. Das 'Herrenhaus' - von manchen Einheimischen auch als 'Schloß' bezeichnet - stammte aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und diente der jeweiligen adligen Rittergutsbesitzersfamilie des Oberhofes als Wohnresidenz. Das schlichte Bauwerk mit seinen acht elipsenförmigen Dachfenstern und dem kunstvollen, granitenen Türstock bildete den zentralen Teil eines von Wirtschaftsgebäuden und Wohnhäusern des Dienstpersonals umrahmten großen Hofes, zu dem zwei schöngeschwungene, mit starken Bohlenbrettertüren versehene fränkische Torbögen Zugang gewährten. Im Innenhof zog ein geschmackvoll gestalteter Springbrunnen mit gepflegter Rasenrabatte und hölzernem Zaun die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich, Er wurde durch eine Holzleitung von einer Wasserstelle hinter dem Schafteich gespeist.

52. Unter hohen Ahornbäumen verborgen, wie Schutz suchend, duckt sich das hier mitten im Bild erkennbare Häuschen an die Erdoberfläche. Es gehörte früher zum Besitz der Familie von Huldenberg und war im 18. Jahrhundert für den Schäfer der Gutsherrschaft als Wohn- und Schurhaus gebaut worden. Der Volksmund nannte es deshalb auch kurz und treffend 'Schäferhäusel'. Da sich wegen der wertvollen Wolle die Schafzucht in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als sehr gewinnbringend erwies, wurde von 1728 bis 1737 der gesamte Lämmerberg abgeholzt und in eine Weidefläche umgewandelt. Für die etwa zweihundert Tiere wurde hinter dem Schäferhaus ein großer Stall mit Pferch gebaut, der aber leider wenige Jahre später bis auf die Grundmauern wieder abbrannte.

53. An der Grenze zwischen Niederneukirch und der Gemeinde Obemeukirch Lausitzer Seite gelegen, war das Gasthaus 'Hofgericht' wegen seiner günstigen Verkehrslage eine ideale Raststätte für durchreisende Fuhrleute, besaß sie doch außerdem Übernachtungsmöglichkeiten und eine Ausspanne für Pferde und Wagen. Da das Gelände und die Gebäude zum Eigentum des Hofes, also zum Rittergut Oberneukirch, gehörten und für öffentliche Verhandlungen zur Klärung strittiger Fragen - oft auch unter Teilnahme des Barons selbst - geeignet waren, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Hertschaft hier Gerichtstag abgehalten hat und sich so der Name erklären läßt. Außerdem befand sich hier eines der örtlichen Gefängnisse, vom Volk als 'Hundeloch' bezeichnet, in dem sehr loekere Sitten zwischen Delinquenten und Dienstaufsicht geherrscht haben sollen.

54. Das Gasthaus 'Hofgericht' erfüllte für alle Gemeinden Neukirchs eine zentrale Funktion, lag es doch etwa in der Mitte des Gesamtdorfes und direkt an der Landstraße. Der 1855 eingeweihte, fünfhundert Gäste aufnehmende Große Saal war von der Akkustik her für musikalische Veranstaltungen besonders gut geeignet. Seine Erbauer und die späteren Architekten hatten ihn in einer Mischung verschiedener Kunststilelemente so ausgestaltet, daß er den Ansprüchen größerer Vereinsvergnügen, festlicher Theateraufführungen und großangelegter Bälle stets gerecht werden konnte. Seine relativ große Bühne, die kapitellgekrönten seitlichen Säulen, der vielflammige Kronenleuchter und die kunstvolle Stuckdecke gaben dem Saal einen Hauch von Vornehmheit und Eleganz.

55. Im Hofgerichtsgebäude befand sich über dem Hausflur ein kleinerer Saal, der von der Bevölkerung vielseitig genutzt wurde. Da die gesamte Gaststätte auch Stammlokal zahlreicher Vereine war, existierten auch mehrere Vereinszimmer . Der Kleine Saal galt vorwiegend als Domizil des Jugendvereins 'Casino-Edelweiß' , dem insbesondere Jugendliche aus dem Gebiet der Landwirtschaft - speziell Söhne reicher Bauern - angehörten. Die auf dem Bild sichtbare Darstellung bäuerlichen Lebens mit dem markigen Spruch befand sich über dem Ausschank und sollte das Nutzungsrecht des Kleinen Saales durch diesen Verein junger Landwirte besonders betonen.

56. Angeregt durch die Tätigkeit des Dr. med. Gotthard von Einsiedel, der in seinem Neukircher Labor versuchte, die Gründe für die große Kinder- und Säuglingssterblichkeit zu erforschen, und selbst auf der Suche, seiner im Jahre 1898 von den Eltern übernommenen Bäckerei Profil zu geben, kam dem jungen Bäkker Max Hultsch der kluge Einfall, ein gesundheitsförderndes, leicht verdauliches Gebäck für Kinder zu produzieren. Es sollte ein Volksnahrungsmittel sein, das wichtige Aufbaustoffe enthielt, gut schmeckte und zudem kostengünstig in der Herstellung war. Nach mancherlei Versuchen war bald das Rezept für ein bekömmliches Gebäck gefunden, das unter dem Werbespruch 'Hultsch-Zwieback für Dich und Dein Kind' bekannt, beliebt und begehrt war. Das Bild zeigt Max Hultsch im weißen Anzug vor seinem ersten Betriebsgebäude.

57. Im Jahre 1817 sah sich ein nachfolgender Besitzer des Niederhofes aus dem Adelsgeschlecht der Huldenbergs genötigt, zum Zweck der Niederhaltung der Untertanen das sogenannte Stockhaus errichten zu lassen. Alle die Personen, die seiner Gerichtsbarkeit unterstanden, mußten im Falle saumseliger Hof- und Frondienste oder aufwieglerischer Meinungsäußerungen damit rechnen, in diesem Gebäude strafrechtlich 'in den Stock geschlossen' zu werden. Diese Strafe bestand darin, daß sich der Delinquent in ein hölzernes Gestell setzen mußte, wo ihm die Hand- und die Fußgelenke in speziell angefertigte Bretter festgeschlossen wurden. Strafverschärfung bestand im sogenannten Krummschließen, bei dem die Tortur durch zunehmend engeres Zusammenziehen der Hand- und der Fußfesseln immer unerträglicher wurde.

58. Zwischen der alten Dorfstraße und der neuen Hauptstraße liegt der 'Niederhof , einst ein Wirtschaftsund Wohngebäudekomplex, der von einer hohen Steinmauer umgeben war und der durch zwei Tore betreten werden konnte. An der Nordseite sorgte der große Hofteich für den nötigen Wasservorrat, an der Südseite lagen das Gebäude der Reitbahn und eine mächtige Scheune. Durch den dazwischen befindlichen fränkischen Torbogen - im Bild rechts hinten - führte entlang der zweihundert Jahre alten Lindenallee ein Fahrweg vom Dorf bis zum Wald am Fuß des Valtenberges.

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