Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5625-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 1'

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59. Dieser fränkische Torbogen an der Südseite des Niederhofes besaß eine Lichte Weite von 5,5 m x 4 m und seine Mauerstärke betrug 70 cm. Die Toreinfahrt zum Hofgelände konnte im Bedarfsfalle mit zwei schweren Holztüren und einem starken Querbalken geschlossen werden. Sie stammte aus einer Zeit, in der Friedrich von Burckersrode der Rittergutsbesitzer war. Dieser adlige Herr war so von der Verwirklichung der Idee des Urchristentums durchdrungen, daß er zu dem Entschluß kam, sich ganz der pietistischen Lehre des August Hermann Franke zuzuwenden und selbst konsequent danach zu leben. So ließ er von 1701 bis 1708 das Herrenhaus des Niederhofes abreißen, um dafür im Valtental ein pietistisches Musterdorf errichten zu lassen.

60. Um Raum für Wohnzwecke zu gewinnen, wurde in früheren Zeiten oft ein balkengestützter Vorbau über der Haustür angelegt. Auf diese Weise entstand die in Neukirch an noch vier anderen Gebäuden nachweisbare Oberlaubenhaus-Bauweise. Das im Bild gezeigte Fachwerkgebäude an der Hauptstraße in Niederneukirch war überall unter dem Namen 'Sauer-Schneidersch' bekannt und beherbergte rechts vom Eingang eine gemütliche Gaststube mit Holzschiebern an den Fensterinnenseiten und mit wertvollen Brandmalereien an den Deckenbalken. Die linke Seite des Hauses bestand aus einer Kolonialwarenhandlung, die zwei Schwestern betrieben und in der in der Art eines Tante-Emma-Ladens vom Scheuertuch über Schuhkrern und Holzpantoffeln bis zu Butter und Brot alles eingekauft werden konnte.

61. Für die Oberlausitzer Dörfer sind die Umgebindehäuser ein charakteristisches Merkmal. Nirgendwoanders sind sie in einer so hohen Zahl anzutreffen wie hier. Die Oberlausitz gilt deshalb auch als größtes zusammenhängendes Flächendenkmal dieser typischen Volksarchitektur in Europa. Neukirch besaß etwa 60-70 Gebäude dieses Baustils. Ein Umgebinde ist eine Balkenkonstruktion, die lose eine in Blockbauweise errichtete Wohnstube umschließt und mittels aufrechtstehender Holzsäulen, schräger Kopfbänder und eines Schwellbalkenrahmens ein Holzgerüst bildet, das das Obergeschoß samt Dach trägt. Für die Leineweber war das Umgebindehaus mit seinen Sechs-Scheiben-Fenstern und der durch das zwischen den Stempeln aufgeschichtete Brennholz möglichen Wärmedämmung besonders im Winter eine ideale Wohn- und Arbeitsstätte.

62. Der Gasthof 'Zur Deutschen Eiche' - unter älteren Bürgern auch als 'Rothschenke' bekannt - war für die Bevölkerung von Niederneukirch der kulturelle Mittelpunkt. Hier trafen sich im Vereinszimmer nicht nur die Mitglieder des Gesellen-, des Militär- und des Sparvereins, sondern auch die Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, der Privaten Bogenschützengesellschaft und des Unterstützungsvereins. Für größere Veranstaltungen wie Bälle, Volksfeste und Gemeindeversammlungen erwies sich der Saal mit seinem Fassungsvermögen von 450-500 Personen als sehr geeignet. 1889 gründeten in der 'Eiche' die im Ort beheimateten Handwerker des 'tönernen Gewerbes' ihre 'Töpfer-Innung für Neukirch und Umgegend', der bald eine ganze Reihe gleichartiger Betriebe aus den umliegenden Dörfern beitraten.

63. Wenn im eigenen Ort nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden waren, suchte mancher Neukircher in den Nachbarorten sein Geld zu verdienen. Viele fanden Arbeit in den Steinbrüchen der Firmen Sparmann und Kunath, Demitz- Thumitz. Dort förderten sie aus den bis zu 150 m tiefen Brüchen den wertvollen und deshalb begehrten Oberlausitzer Granit. Stundenlangen Weg auf der Tröbigauer Straße nehmen hier Steinarbeiter Hörenz und seine beiden Kollegen in Kauf, konnte man doch unterwegs auch einmal in die Pilze gehen oder eine Hocke Reisig für den häuslichen eisernen Ofen sammeln. Der wöchentliche Verdienst war sehr gering, was die geflickte Weste, die abgewetzten Hosen und der Barfußgeher mit den Holzpantinen unter dem Arm anschaulich beweisen.

64. Der Aberglaube war in früheren Zeiten auch unter der Neukircher Bevölkerung verbreitet. Nicht nur , daß man an die Bedeutung von Träumen glaubte, Kartenlegerinnen aufsuchte und zu bestimmten Zeiten keine Wäsche wusch, sondern man suchte sich auch durch Mittel vor Naturkatastrophen und Schicksalsschlägen zu schützen, deren Wirksamkeit zumindest umstritten war. So erhoffte man sich zum Beispiel von einer Holzlatte, deren eine Seite schlangenlinienförmig besägt war und die man an der geraden Seite am Hausgiebel senkrecht anbrachte, Schutz vor Blitzeinschlag und Feuersbrunst. Bei der Holzbauweise und dem leichtentzündbaren Strohdach der Weberhäuser war das verständlich, ob aber eine solche 'Blitzschlange' wie hier am Dammweg Nr. 30 tatsächlich die notwendige Sicherheit bot - das sei dahingestellt.

65. In Neukirch verbindet sich der Name Ewald Milius eng mit dem Inbegriff einer hohen gärtnerischen Gestaltungskunst und mit allern, was Gartenbau in seiner vielfältigen Naturbeziehung anbelangt. Aus Schlesien stammend, wo er auch seinen Beruf erlernt harte, kam der junge Obergärtner über Pirna nach Neukirch, kaufte 1885 im Niederdorf ein Bauerngrundstück und baute dort nach seinen Plänen eine Gärtnerei auf', deren guter Rufbald überall bekannt war. Mit zähem Fleiß gelang es ihm, die Schwierigkeiten des Anfangs zu überwinden und nach und nach bis zum Jahre 1900 fünf Gewächshäuser zu errichten. Sein Wunsch, in ihnen das Projekt einer Warmwasserheizung zu verwirklichen, konnte allerdings erst 1928 Erfüllung finden. Viele junge Oberlausitzer Gärtner verdanken Herrn Milius ihre gedicgene fachliche Ausbildung.

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66. Im Rahmen des industriellen Aufschwungs in Neukirch entstanden 1849 die Maschinenfabrik von Johann Gottlieb Berthold und in der Folge 1866-1868 die Eisengießerei gleicher Firma. Hatte man ganz schlicht mit einer fußangetriebenen Drehbank den ersten Schritt in die neuzeitliche Produktion riskiert, so verhalfen bald technische Verbesserungen, gebäudemäßige Erweiterungen und eine rege Handelstätigkeit zu internationaler Anerkennung. Beeindruckt von der Güte der Erzeugnisse, vergaben Firmen aus ûdessa, Barcelona und Chikago Bestellungen nach hier. Die Entwicklung der Neukircher Eisengießerei und der ihr angeschlossenen Maschinenfabrik mit ihren charakteristischen Stufengiebeln wurde so zum Inbegriff des aufblühenden technischen Zeitalters im oberen Wesenitztal.

67. Auf einer kleiner Anhöhe in Niederneukirch steht dieses bäuerliche Anwesen, das ganz früher einmal zum Haugwitzschen Rittergut gehörte und das später die Bezeichnung 'Bergtöpferei' erhielt. 1759 verkaufte Freiherr Georg Ludwig Erasmus von Huldenberg für 150 Reichstaler seinem Diener Johann Heinrich Fischer aus herrschaftlichem Eigentum dieses Gehöft mit der Maßgabe, darin eine Töpferei für Weißgeschirr einzurichten. Einen bedeutenden Aufschwung allerdings nahm das Geschäft erst, als der junge Töpfergeselle Johann Gottfried Lehmann aus Dobrilugk zuwanderte und seinen Meister für die Produktion des wesentlich besseren Braungeschirrs begeisterte. Beiden ist es zu danken, daß von nun an in Neukirch ein Handwerk heimisch wurde, daß später den Ort zu einem Zentrum Oberlausitzer Töpferkunst werden ließ,

68. Nicht weit von der 'Bergtöpferei' entfernt richtete sich 1824 in einem unbenutzten Diensthaus der bereits erwähnte Johann Gottfried Lehmann eine eigene Töpferei ein. Seine sprichwörtliche Geschäftstüchtigkeit, sein Fleiß und sein Sinn für ein gewinnbringendes Risiko brachten es mit sich, daß er bereits nach wenigen Jahren seine Werkstatt wesentlich erweitern konnte, so daß ein stattliches Anwesen entstand. Als sein erster Sohn geboren wurde, pflanzte er am Grundstückseingang zwei Linden. Sie gaben der Hofeinfahrt ein markantes Gepräge. Über Generationen hinweg gelangte die Töpferei 1910 in die Hände der Töpferfamilie Kannegießer, die mit ihrer hervorragenden Arbeit an der Drehscheibe und mit ihrer Handelstätigkeit auf Märkten den RufNeukirchs als Töpferort festigte.

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