Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5897-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2'

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9. Die erste Mühle, die die Wesenitz nach ihrem Eintritt in das Oberneukircher Flurgebiet antreibt, ist die Buschmühle. Früher von Wald umgeben, ist sie schon zuzeiten des Markscheiders Matthias Oeder als 'Grog (Georg) heroldt Brett müll' auf dessen Karte verzeichnet. Nachdem man im beginnenden 18. Jahrhundert den Teich oberhalb der Mühle trockengelegt und dem Müller das Recht des Branntweinbrennens zugesprochen harte, wurde sie zuletzt nur noch als Holzschleiferei verwendet. 1917 gelangte sie durch Kauf in die Hände des Fabrikanten Max Sommer, der sie seiner bereits bestehenden Produktionsstätte für Koffer, Rucksäcke und Lederwaren anschloß. Wenn auch das Mühlrad nicht mehr klappert, die alten Sagen vom Buschmüller, der das zweite Gesicht besessen haben soll und sich als 'Freischütz' versucht habe, gehen heute immer noch von Mund zu Mund.

10. Ursprünglich unterstand das Oberdorf von Neukirch zwei unterschiedlichen Gerichtsbarkeiten: dem Reibnitz-Hermsdorfschen Mundgute einerseits und dem Amtsschösser zu Stolpen andererseits, Letzterer war für fünf Halbhüfner, zwei Gärtner, zehn Häusler und die Richtergutsanwohner zuständig.1664 bat der Kurfürstlich Sächsische Obersteuerbuchhalter Andreas Bayer aus Steinigtwolmsdorf den Landeshof, ihrn die Gerichtsbarkeit über diesen Personenkreis zu überlassen. Das Ansuchen wurde genehmigt, und damit zog für das Gebiet südlich der Aue die Gerneindebezeichnung 'Oberneukirch Steinigtwolmsdorfer Anteil' ein. Das Hermsdorfsche Gut auf der nördlichen Seite der Straße - vermutlich ein rittergutsähnliches großes Bauernbesitztum - unterstellte sich freiwillig dem Amt Stolpen, worauf der Gemeindename 'Obemeukirch Amtsanteil' zurückzuführen ist.

11. Als ein beliebtes Ausfiugsziel bieter sich dem Wanderer der Große Picho an, einst der Hansberg der Oberneukircher Einwohner. Ein einzigcs Meter fehlt ihm noch, und er hätte als Teil des nördlichen Kammes des Mittellausitzer Berglandes die SOG-rn-Grenze erreicht, Schattige Wanderwege und verschlungene Pfade, großflächige Fichtenbestände, Reichtum an Pflanzen- und Pilzarten, eindrucksvoller Winterzauber und empfehlenswerte Skisportrnöglichkeiten - das sind seine Attribute. Die Berggaststätte entwickelte sich bescheiden aus einem 1927 errichteten schlichten Holzhäuschen (s. Bild) mit einern Ausschank im Freien. Gleieli ob der rüstige Wanderfreund den Gipfel auf dem steilen oder auf dem bequemen Weg erstürmt hat, immer bieter sich ihrn von oben ein unvergeßlicher Bliek nach Norden über das herrlich gelegene Bautzener Land.

12. Wenn Wege und Straßen reden könnten, was hätten sie nicht alles aus der Neukircher Geschichte zu erzählen. Sie würden aus alten Zeiten berichten, wie sich Postreiter und hochbepackte Planwagen auf der alten Bautzener Landstraße bcgegnetcn, wie Fuhrleute in der 'Lochschänke', dem 'Hotgericht' oder in der 'Krone eine Deichsel machten, oder auch davon, wie die Gartennahrungsbesitzer und Kleinbauern mit ihren kuh- oder ochsenbespannten Kastenwagen die holprigen Feldwege befuhren, um auf ihre Äcker zu gelangen. Auf dem gezeigten Bild mühen sich gerade die Zugtiere des Bauern Max Richter aus der gleichnamigen Häusergruppe des Oberdorfes. Wagen, Ackergeräte und Mensenen auf dem sogenannten Schwarzen Weg zu den Pachtäckern zwischen Tautewalde und Neukirch zu bringen. Kind und Kegel müssen bei den Pflege- und Erntearbeiten mit anpacken.

13. Zum Straßenbild nach der Jahrhundertwende gehörten nicht nur Postkutschcn, Planwagen und verschiedene Bauerntahrzcuge, sondern auch Pferdefuhrwerke, die die schweren Granitquader von den Steinbrüchen am Großen Picho zum Bahnhof Neukirch Ost beförderten. Mit einem Gespannfahrzeug dieser Art war Herr Albert Hahnewald aus Tautewalde des öfteren auf Neukirchs Straßen unterwegs, um mit seinen treuen und starken Pferden seinem Tagewerk, dem Transport geförderter Steinrohlinge oder bearbeiteter Granitblöcke, nachzugehen. Zu dieser Zeit besaß Herr Gustav Semrau, Oberneukirch, den Bruch am Nordhang des Picho. Er produzierte dort Treppenstufen, Überschweife, Fenstersohlbänke, Bürgersteig-Bordsteine, Simse in verschiedenen Ausführungen, Grabstein-Rohlinge und vor allem Pflastersteine.

14. In Neukirch gab es im Laufe der Zeit eine ganze Reihe Stiftungen, die von sozialdenkenden Bürgern, Gemeinderäten, Pfarrern, Lehrern und Kantoren vollzogen wurden. Unter diesen Wohltätern der Gemeinde nimmt Herr Kar! Peter einen ehrenvollen Platz ein. Im Jahre 1925 schenkte er der Oberneukircher Gemeinde sein Haus, das seitdem Peter-Heim heißt, und noch dazu Land an der heutigen Peterstraße, damit sich dort junge Ehepaare zu günstigen Bedingungen Eigenheime bauen konnten. 1930 übergab er der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde ein Kapital von 3 000 Reichsmark in der Form von drei Sparkassenbüchern. Die jährlichen Zinsen davon sollten - so legte er in seinem Vermachtnis fest - zu je einem Drittel für die Kirchenheizung, für die Unterhaltung des Vereinshauses und zu Zwecken der Mission verwendet werden. Herr Peter unterstützte auch zahlreiche Vereine finanziell.

15. Von den vier gewerblich betriebenen Schmieden, die zur Zeit der Fotoaufnahme in Neukirch existierten, war die von Schmiedemeister Clemens Kühn die einzige in Oberneukirch Meißener Seite. Er hatte sein Handwerk bei seinem Vater von Grund auf gelernt, es auf der Wanderschaft vervollständigt und übte es nun mit Stolz und Meisterehre aus. In seiner Werkstatt tertigte er vollständige Wagenbeschläge an, reparierte er Ackergeräte jeder Art und erfüllte er die zahllosen kleinen Wünsche, die die Kunden von ihm verlangten. Als sachkundiger Hufschmied und Meister im Hufbeschlag wurde er von den Pferdehaltern sehr geschätzt. Das Bild zeigt ihn mit seinem Sohn Walter Kühn, der die Werkstatt später übernahm, am Amboß im Zweiertakt ein Werkstück ausschmiedend. Die Funken sprühen dabei und vermitteln auf diese Weise einen Eindruck von der Schwere der Arbeit.

16. Im Jahre 1929 hatte sich die Weberei von CE Richter, Oststraße, Oberneukirch, zu einem 'Iextilbetrieb entwiekelt. der immerhin achtzig Beschäftigten Lohn und Brot gab und der zu diesem Zeitpunkt in der Lage war, den sogenannten Hochbau mit Büro-, Lagerund Versandräurnen errichten zu lassen (s. Bild). In den achtJahren vorherwar es - allen Konkurrenzkämpfen und anderen wirtschaftlichen Fährnissen zum Trotz - zu einem ungeahnten Produktionsaufschwung gekommen, der vor allem im Bau von erst drei, dann nochmals vier Cheds, in der Aufstellung der ersten Vcrnag-Webautomaten und in der Nutzung von neuartigen Frotté- und ScheuertuchWebstühlen sichtbar wurde. Selbstverständlich spielte dabei die Einrichtung einer Näherei, in der die gewebten Stoffe sofort zu gebrauchsfähigen Artikeln konfektioniert wurden, eine wichtige Rolle.

17. Im März 1934 ereignete sich auf den Feldern nördlich der Weberei von CE Richter, Oberneukirch, Oststraße, ein ungewöhnlicher Verkehrsunfall: Das zwcisitzige Sportflugzeug rnit dem Kennzeichen D-3ü87, das der Eigentümer der Weberei, Herr Georg Richter, steuerte, stürzte nach einigen Runden über dem Oberdorf beim Tiefflug infolge Bodenberührung ab. Während das Flugzeug bei dieser Bruchlandung arge Beschädigungcn erlitt, trug der Pilot außer einigen Prellungen und einer eingedrückten Rippe keine Verletzungen davon. Schnell sammelten sich an der Unglücksstätte Schaulustige an, die über die Ursache des Absturzes heftig debattierten. Glaubten manche, der waghalsige Versuch, die Hochspannungsleitung zu unterqueren habe zur Bodenberührung geführt, so neigten andere zu der Annahme, der Pilot habe zu risikoreich vorher noch wenden wollen.

18. In den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts entstand in Neukirch eine ganze Reihe von Vereinen, die teils kirchlichen, teils allgemein-gesellschaftlichen Charakter trugen. So wurde 1889 auch der Gesellenverein Oberneukirch ins Leben gerufen, dessen Ziel darin bestand, die Interessen der Gesellen im allgemeinen Sinne zu diskutieren, Informationen und Gedanken auszutauschen und dabei natürlich auch in nicht geringem Maße die Geselligkeit zu ptlegen, Die demokratisch gewählte Leitung des Gesellenvereins lag in den Händen der Vorstandsmitglieder Max Richter (Vorsitzender), Richard Böhme (Stellvertreter), Martin Heinrich (Schriftführer), Emil Wobst (Kassierer) und Friedrich HuJtsch (stellvertretender Kassierer). Das Vereinslokal war die Gaststätte 'Zwei Linden', dessen Wirt des öfteren auf seinc Kosten ein Faß Lagerbier anzapfen ließ.

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