Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5897-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2'

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19. In Oberneukirch Meißener Seite - manchmal auch Amtsanteil genannt - steht an einer Kurve der Wilthener Straße nahe der Fichteschule eine hohe, die Landschaft markierende Sommerlinde. Ihr Alter wird auf reichlich zweihundert Jahre geschätzt. Die Pferde der napoleonischen Truppen - so erzählt man sich hierzulande - sollen die Spitzen der oberen Äste so abgefressen haben, daß sich bis heute eine Baumkrone in der lindentypischen Form nicht ausbilden konnte. Wie schützend überragen die Äste des Baumes ein 1844 erbautes ehemaliges Umgebinde-Bauernhaus, das im Türstock die Buchstaben CG.T. trägt und in dem 'Thoms Richtersch Koarl' fast bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts am Webstuhl saß, ehe er ihn als wertvolles Ausstellungsstück in das Heimatmuseum von Neukirch gab. Dort hat er einen Ehrenplatz und wird bei Führungen bestaunt.

20. Das Leben der Häusler und Gartennahrungsbesitzer war in früheren Zeiten schwer. Alle Familienangehörigen - Großeltern, Eltern und Kinder - mußten mithelfen, die Existenz zu sichern. Versorgte die ältere Generation die Hausarbeit, zu der oft auch die Aufsicht über das 'kleine Volk' gehörte, so verdiente der Vater in den entstehenden Fabriken zumeist nur einen kärglichen Lohn. Da fast jede Häuslersfamilie auch ein wenig Landwirtschaft mit eigenen oder gepachteten Feldern betrieb, konnte sie mit den Produkten, die die Haltung von Hühnern, Gänsen, Ziegen. Schafen oder eventuell auch einer Kuh abwarfen, die Ernährung aus eigenem Aufkommen befriedigend sicherstellen. Trotz aller Lebensnöte aber blieb hier und da doch noch ein Stündchen für Nachbarschaftsplaudereien, Rockengänge der Frauen und Gemütlichkeit bei kleinen Familienfeiern.

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21. 'Der Sächsische Erzähler' war in dem Zeitraum, den das Buch darstellen will, die beliebteste Heimattageszeitung im Raum Bischofswerda-Neukirch. Der Herausgeber, Herr Friedrich May - im Volksmund liebevoll 'May-Fried'I' genannt -, war ein Mensch, der die journalistischen Traditionen seiner während der bürgerlichen Revolution von 1848 entstandenen Zeitung in angemessener Weise pflegte, der den heimatgeschichtlichen Werten seines Blattes große Aufmerksamkeit schenkte und der durch seine volkstümliche Art großes Ansehen in der Bevölkerung genoß. In der Beilage 'Unsere Heimat', die von 1922 bis 1939 wöchentlich erschien, stellte er den Neukircher Heimatforschern DI. Georg Pik und Erhard Nierich stets ausreichend Platz zur Verfügung, so daß sie die Geschichte des Ortes umfassend und vielseitig darstellen konnten.

22. Um die ständige Schulraumnot, die sich auch in Oberneukirch Meißener Seite immer stärker bemerkbar machte, endlich einmal für längere Zeit zu beheben, beschlossen Gemeinderat und Bautzener Schulbehörde nach langer Diskussion über das Für und Wider in den achtziger Jahren den Neubau eines Schulgebäudes, Als der Grundstein dafür gelegt wurde, schrieb man den 13. August 1888. Bei den Grabungsarbeiten für die Fundamente wurde ein Schatz von 44 Silbergroschen des Markgrafenturns Meißen aus dem 15. Jahrhundert gefunden. Die Bauarbeiten schritten rasch voran, so daß bereits im Herbst des gleichen Jahres der Dachstuhl aufgesetzt werden und im folgenden Frühjahr die Einweihung erfolgen konnte. Die Kosten für den Schulbau, den Baumeister Beek ausgeführt hatte, betrugen 2 100 Mark. 1929 erhielt das repräsentative Gebäude den Namen Johann Gottlieb Fichtes.

23. Auf Grund der schlechten Lebensumstände, unter denen um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Lehrkräfte in den Schulen ihren Dienst verrichten mußten, ergab sich verständlicherweise eine starke Fluktuation. Die unzumutharen Wohnverhältnisse, die unzureichende Bezahlung, die hohen Klassenfrequenzen und die unerträglichen hygienischen Umstände brachten es mit sich, daß die Pädagogen z.B. an der Schule Meißner Anteils aller zwei Jahre wechselten, Mit dem Bau der neuen Volksschule Oberneukirch aber änderte sich das schlagartig. Lehrer Albin Oskar Gottlöber, der erste dort amtierende Pädagoge (hier rechts im Bild mit einer seiner drei Klassen), unterrichtete in den ersten Jahren an der neuen Schule allein 147 Kinder. Unter den verbesserten Lebensbedingungen blieb er - die Zeit an der alten Schule mitgerechnet - insgesamt 29 Jahre in Obemeukirch.

24. Zu den Gewerben, die für die dörftiche Entwicklung Neukirchs besenders wichtig waren, gehörte auch das des Stellmachers und Wagenbauers August Fröde, der - aus Niederneukirch kommend - in Oberneukirch Meißener Seite 1868 ein Gebäude kaufte und es in einen holzverarbeitenden Handwerksbetrieb umwandelte. Sein Sohn Alwin Fröde übernahm 1919 das elterliche Erbe und baute es zu einem ansehnlichen Unternehmen aus. Bis zu dreizehn Lehrlinge, Gesellen und andere Hilfskräfte beschäftigte er in Hochkonjunkturzeiten in seiner Werkstatt. Man stellte komplette Acker- und Erntewagen, Gespannfahrzeuge der leichten und der schweren Art, Kutschen und kleinere Handwagen sowie verschiedene Ersatzteile her. Auch Gartenmöbel und Schneeschuhe wurden den Kunden angeboten. Gute Dienste leistete ein selbstgebautes Horizontal-Sägcgatter.

25. Zu den ältestcn, urkundlich nachweisbaren Gebäuden von Oberneukirch gehört das Obergericht. womit das große Gut im Steinigtwolmsdorfer Anteil gemeint ist. Hier führte der dazu bestellte Richter seine Verhandlungen, und hier verkündete er nach genauer Untersuchung des anstehenden Falles sein Urteil. Angeheizt von Bier und anderen alkoholischen Getränken gab es in der Gaststube und auf dem Tanzsaal im oberen Stockwerk manche tätlich ausgetragene Meinungsverschiedenheit, und viele solcher Händel arteten in wüste Messerstechereien aus. Daß sich hier deshalb auch gleich eins von mehreren Stock-Gefängnissen befand, wundert nicht. Übrigens fand hier im Kretscharn am 2. Dezember 1558 der berühmte 'Saukriegs-Kongreß' statt, bei dem der Bischofswerdaer Stadtrat den hiesigen Landadel um Hilfe gegen den Raufbold Hans von Karlowitz bat.

26. Seit 1817 besteht in Oberneukirch die Kornbrennerei von F.A. Günther, deren guter Ruf sich von Beginn an in der hohen Qualität ihrer Erzeugnisse begründete. Als einzige Kornbranntweinbrennerei und Likörfabrik mit Dampfbetrieb am Ort brachte die Firma den echten hochfeinen Neukircher Getreide-Jagd-Korn 'Ein Kapitaler' in der Qualitätsrichtungen 'Rotlack und Blaulack' sowie 'Grünlack' auf den Markt. Auch als Fruchtsattproduzent-Irnporthaus für Jarnaicarum, Bataviaarrac und französischen Cognac gelangen dem Betrieb hervorragende Markenerzeugnisse. So schätzten die Kunden im weiten Umkreis Günthers Likörspezialitäten und Punschessenzen sowie die angenehme Verträglichkeit des 'Neukircher Magenbitters ebenso hoch ein, wie sie die feine Kümmelnote des Allasch oder den typischen Wacholdergeschmack des Steinhäger zu rühmen wußten.

27. Auf dem sogenannten Neukircher Paß, dort, wo die alte Landstraße von der Diehmener Postschänke her an der tiefsten Stelle des Höhenzuges Hoher HahnPicho den Kamm überschreitet und den Bliek hinunter ins Wesenitztal freigibt, stand seit dem 18. Jahrhundert ein Wegezeichen, das allgemein die 'Arm( en) säule' genannt wurde. Aus einem Steinblock ragte eine eiserne Stange heraus, an der vier hölzerne Bretter wie Arme in verschiedene Richtungen zeigten. Die Aufschriften wiesen nach Bautzen, die Hohe Straße entlang zum Oberhof, nach Süden in Richtung des Gasthofes 'Zur goldenen Krone' und nach Osten über das Schützengut nach Tantewalde. Wilthen und Kirschau. Eine Bank an dieser Säule lud zu Fuß Gehende wie Geschirrführer zu einer kleinen Rast ein, um die herrliche Sicht bis zu den 'Sieben Linden' zu genießen.

28. Alwin Schurig war ein Dorforiginal, an das sich viele Neukireher noch gern erinnern. Er und seine Frau Hedwig schlugen sich recht und schlecht durchs Leben, ohne der Gemeinde zur Last zu fallen, und wenn er mit seinem Grünwagen und dem Rufe 'Braucht'r Suloat'n?' durch die Straßen fuhr, dann kaufte ihm mancher allein schon deshalb etwas von seinem Angebot an Salat, Blurnenkohl, Möhren, Gurken und Grünkohl ab, weil er ihn unterstützen wollte. Manche lustige Geschichte um seiue Person machte im Dorf die Runde. Anlaß dazu bot oft sein etwas gestörtes Verhaltnis zur schriftlichen Form der deutschen Sprache. Einmal soll er Herrn Pfarrer Handrick. der für Alwin immer ein gutes Wort hatte, zum Geburtstag eine leere Glückwunschkarte mit dem Satz überreicht haben: 'Bleib oack schiene g'sund, und hier hoaste eene Koarte, ab'r schreib'rn mußtersche salb'r!'

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