Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5897-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

29. Als eines der ersten Lichtspielhäuser der weiten Umgebung öffnete in den Dezembertagen des Jahres 1911 das Neukireher Kino an der Bautzener Straße seine Pforten. Zwei junge Zimmerleute aus dem Bauunternehmen von Max Rentsch harten in einfachster Fachwerkbauweise eine Halle mit Zuschauerbänken, Leinewand und Vorführraum errichtet. Hier ließ sich, wenn auch sehr prirnitiv, das Bedürfnis der Bevölkerung, die seit 1895 üblichen beweglichen Bilder zu sehen, zunächst einmal befriedigen. Mit dem Übergang vorn Stummfilm zum Tonfilm 1928 erfolgte der Durchbruch zu einer völlig neuen Vorführtechnik. Dem Bautzener Kinobesitzer Adam Hag, dem auch das Neukircher Lichtspielhans gehörte, gelang es, mit einem vielseitigen Programm aus Ufa-, Tobis- und Bavaria-Filmen den Beifall der Kinofreunde zu finden.

Gruß aus Oberneuktren

30. Im Jahre 1853 wurde die neue Landstraße (heute Zittauer Straße) angelegt. Sie führte irn Neukircher Abschnitt vom Hotel 'Zur Goldenen Krone bis zur Gaststätte 'Grüne Fichte' am Ortseingang von Ringcnhain und war bald vielgenutzte Verkehrsstrecke für die gelbe Postkutsche, für hochbeladene Planwagen von Handelsleuten und für landwirtschaftliche Pferdefuhrwerke. Den 1932 gepflasterten Stroekenteil bis zum Eisenbahnübergang säumten Geschäfte, Handwerksbetriebe und Einrichtungen, die in ihrer Gesamtheit der Bedeutung Oberneukirchs Nachdruck verliehen. Vom Süßwarenladen 'Kosa', den Schneider-, Klernpner- und Schmiedewerkstätten der Herren Wolf, Berthold und Petschel über die Arzt- und Dentistenpraxen der Herren DL Opitz, Liebig und Günzel bis zur Weberei Augst und den Putzmacher-, Hut-, Tabak- und Uhrengeschäften war hier alles da.

31. Auf der Suche nach günstigen Erwerbsmöglichkeiten beginnen kurz nach der Jahrhundertwende die beiden Jung-Unternehmer August HilJmann und Gustav AdolfSteglich in der Girndtstraße mit der Produktion von Obst- und Beerenweinen. Da das Geschaft mit den gegorenen Obst- und Traubensäften floriert. reichen die vorhandenen Räumlichkeiten bald nicht mehr aus. August Hillmann erwirbt deshalb um 1907 an der Landstraße hinter dem Bahnübergang ein einstöckiges Gebäude, in dcrn er sich selbständig macht, eine Obstweinkelterei einrichtet und ab 1910/11 eine Gaststätte mit Weinausschank führt. Die Begriffe 'Apfelweinschänke ' und 'WeinHillmann' werden daraufhin Synonyme für Qualität, und das Angebot von Apfel-, Kirsch-, Johannisbeer-, Ebereschen- und besonders auch von Hcidelbeerwein (1930 die Flasche 1 Reichsmark) ist begehrt.

Paul Liebig

Den I"t

Oberneuki re

am Bahnhof

32. Wenn auch die Örtlichkeit in Neukirch, an der eine Baderstube gestanden haben soll, nicht mehr genau nachzuweisen ist, so sind doch die Praxen späterer Zahnärzte hinlänglich bekannt. Ab 1887 in Niederneukirch und ab 1907 in der heutigen Zittauer Straße 7 bot zum Beispiel der Zahnkünstler Pa ui Erdmann Liebig seine Dienste als Dentist an. In Zeitungsanzeigen empfahl er sich für das schrnerzlose Plombieren in Gold, Porzellan und Silber. Preisgünstig pries er auch die Anfertigung von Zahnersatz mit und ohne Gaumenplatte und das komplikationslose Zahnziehen in seinen Behandlungsräumen an. Er nahm auch Reparaturen und Umarbeitungen von solchen Gebissen vor, die er nicht selbst angefertigt hatte, ohne dabei erhöhte Kosten zu verlangen. Die von ihrn angesetzten Preise hielten sich allgemein in Grenzen (Plomben ab 1, Zähne ab 1,50 Mark).

33. Um die Jahrhundertwende und danach entstanden in Neukirch drei Radfahrervereine. Der älteste von ihnen war der am 12. Januar 1887 gegründete 'Radfahrerverein Neukirch'. den Kar! Rasche leitete. Einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg gründete Fritz Günther den 'Sturmvogel', der bürgerliche RadsportIer vereinte und der seinen Sitz irn Hotel 'Zur Goldenen Krone' hatte. Dem Radfahrerverein 'Solidarität' gehörten rncist Arbeiter aus den hiesigen Fabriken an. Fast in jedem der genannten Vereine bestanden kleinere Gruppen, die sich besonders dem Kunstradfahren widmeten. Mit Einrädern ausgerüstet, übten sie unermüdlich ihre Programme ein und führten sie mit Erfolg auf. Das Bild zeigt die Einradgruppe, die sich dem Oberneukircher Deutschen Turnverein angeschlossen hatte, an einem ihrer Übungsabende in der Turnhalle am Schützenplatz beim Training.

34. Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, daß die Vereine einer Stadt oder eines Dorfes die Hauptträger der kulturellen Aktivitäten der Bürger sind. Keine Lebensäußerung des Volkes, keine Pflege althergebrachter Sitten und keine Entwicklung neuer geistiger und körperlicher Betätigungsfelder erfolgt ohne die Mitwirkung von Vereinen. Daß hierbei die Führung jene übernehmen, die die entsprechenden geistigen Fähigkeiten und die notwendigen finanziellen Mittel besitzen, ist unbestritten. In Oberneukirch gehörten Herr Baumeister Alfred Thomas - im Bild links als Kommandant der Schützen rnit Federbusch, Schützenschnur und Säbel hoch zu Roß - und sein Adjutant, Herr Fleischermeister und Gastwirt Gustav Lotze, zu ihnen, Herr Thomas, meist 'Gickelsbauer' genannt, weil sein Vater um 1900 auf dem Giekelsberg ein Baugeschäft betrieb, war Mitglied vieler Neukireher Vereine.

35. Theaterspielgruppen gab es um die Jahrhundertwende in Neukirch in relativ großer Anzahl. Sie waren meist einem der bestehenden Vereine angeschlossen oder setzten sich aus Mitgliedern derselben zusammen. Die Bühnen der Säle des 'Hotgerichts'. der 'Deutschen Eiche und des Gasthofs 'Zur goldenen Krone ' erwiesen sich wegen ihrer günsrigen Spielbedingungen als besonders geeignet. Der Wirt der letztgenannten Gaststätte förderte die Spiellust der Beteiligten ausgesprochen eifrig, indem er auf eigene Kosten Kulissen und Kostüme vom Stadttheater Zittau auslieh und heranholte. Außerordentlich beliebt waren die Festaufführungen zur Weihnachtszeit. Das Stück 'Christkindlein im Walde', das während der Adventszeit des Jahres 1911 von den Mitgliedern des Turnvereins Oberneukirch a.H, dargeboten wurde, hinterließ besonders tiefe Eindrücke.

36. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im Postwesen von Neukirch einen bemerkenswerten Aufschwung. Er begann 1853 mit der Einrichtung einer Fahrpost auf der sogenannten neuen Wesenitzstraße und fand am 1. Dezember 1856 mit der Eröffnung einer eigenen Postexpedition einen ersten Höhepunkt. Der erste Briefsarnmler und Postverwalter Neukirchs war der Krämer Karl Friedrich Ferdinand Müller. Mit der Übernahme der Postbeförderung durch die Eisenbahn wurde die PosthauptsteIle in den Bahnhof Neukirch-Ost verlegt. Um den zunehmenden höheren postalischen Anforderungen gerecht werden zu können, beginnt Baumeister Max Rentsch 1927 mit dem Bau eines neuen Postarntes, das am 16. Mai 1928 in Betrieb genommen wird. Es erhält den Status eines Landpostamtes und hat in dieser Funktion 26 kleinere Poststellen zu betreuen.

37. Als sich am 1. Juli 1928 die beiden Gemeinden Neukirch am Hohwald und Oberneukirch zur einheitlichen Gemeinde Neukirch (Lausitz) zusammenschlossen, war diesem Vereinigungsprozeß am 1. April 1928 eine diesbezügliche Abstimmung durch die Bevölkerung vorangegangen, die allerdings nicht ganz problemlos verlaufen war. Am Ende eines Streites um das Gemeindeoberhaupt und das Gemeindesiegel einigte man sich darauf, daß das Niederdorf den Bürgermeister stellen solle und das Siegel vom Oberdorfkomme. Das Wappen der vereinigten Gemeinde zeigt seitdem ein Schaf auf einem Felsen stehend, das unterhalb davon von einem aufgerichteten Löwen bedroht wird. Die Symbolik des Wappens besteht darin, daß sich Neukirch unter der Amtsgerichtshoheit Stolpens so sicher fühlen könne, wie das Schaf sicher sei vor den gefährlichen Angriffen des Löwen.

38. Bei der Einführung der Straßennamen im Jahre 1927 erhielt die bisherige Dorfstraße im Abschnitt zwischen der Bautzener Straße (Lohmühle) und der Hauptstraße (Kirchenschmiede ) die Bezeichnung Bruno-Stiebitz-Straße. Damit wurde das Wirken eines Mannes gewürdigt, der vierzehn Jahre als Gemeindevorstand in Oberneukirch Lausitzer Seite tätig gewesen war. Mit außergewöhnlicher Klugheit und dem Wissen eines studierten Handelsökonomen ausgestattet, hatte sich der 1878 Geborene für die Arbeit in der Gemeindeverwaltung entschieden und war 1910 zum Gemeindeoberhaupt gewählt worden. Man sagt ihm nach, daß er bei parlamentarischen Verhandlungen stets großes Geschick bewiesen habe und daß es ihm meist gelungen sei, eine Lösung zu finden und die gegensätzlichen Parteien zu versöhnen. Kein Wunder, daß er als sachkundige Persönlichkeit anerkannt wurde.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2020 Uitgeverij Europese Bibliotheek