Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5897-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2'

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49. Seitlahrhunderten ist es unter christlichen Menschen üblich, die Verstorbenen nahe der Kirche zur letzten Ruhe zu betten. So legte man auch in Neukirch den Gottesacker rings um das Kirchgebäude an, mußte aber wegen der zunehmenden Einwohnerzahl mehrmals Erweiterungen vornehmen. Da dieser Zustand anhielt, war es unumgänglich, eine befriedigende Lösung für die Zukunft zu finden. Sie bestand schließlich darin, daß Ende 1894 auf einem Pfarrfeld, wenige Meter in südlicher Richtung von der Kirche entfernt, ein neuer Friedhof angelegt wurde, der - umgeben von einer roten ZiegeJmauer - genügend Platz für Reihengräber und Erbbegräbnissc bot. Um den Beerdigungsfeiern einen würdigeren äußeren Rahmen zu geben, wurde 1909 rechts vom Friedhofseingang eine Parentationshalle errichtet. Einige Grabsteine Irüherer Pfarrer stehen direkt an der Kirche.

50. Der helle Innenraum der 1723 erbauten evangclisch-luthenschen Kirche zu Neukirch am Hohwald lädt mit seinen 1 800 Ständen, seinen zwei Emporen und einer herrschaftlichen Betstube die Gläubigen zur Teilnahme an Verkündigung und Andacht ein. Von der mit vergoldetem Schnitzwerk, einem Engel und einer strahlenden Sonne umgebenen Kanzel, die 1782 vom letzten Pfeiler rechts in Höhe der ersten Empore über den Altar verlegt worden war, predigten im beschriebenen Zeitraurn unter anderen die Pfarrer Reinhardt. Bernmann. Thomsen, v.d. Trenck, DilIner, Stempel, Michaelis, Eidner, Zweynert und Handrick. 1909 erhielt die Kirche elektrische Beleuchtung, und 1928 konnte eine Niederdruckdampfheizung in Betrieb genommen werden. Seit 1887 besitzt die Kirche beiderseits des Altars je ein großes buntes Altarfenster. Zu Erntedankgottesdiensten war die Kirche mil vielen Kränzen festlich geschmückt.

51. Im Jahre 1895 übernahm der Pfarrer Albert Friedrich Wilhelm von der Trenck das Amt des Seelsorgers in der Kirchgemeinde Neukirch. Während seiner zehnjährigen Amtszeit erwarb er sich neben seiner segensreichen Arbeit als Geistlicher auch auf dem Gebiet der Heimatgeschichte durch drei Schriften große Verdienste. So verfaßte er für die 'Neue Sächsische Kirchengalerie' mit großer Genauigkeit und ausführlich jenen Abschnitt, der unter dem Titel 'Die Parochie Neukirch am Hochwald' den Werdegang des Ortes darstellt. Eine zweite Schrift aus seiner Feder - 'Pastor Müller. Ein Lebensbild' - stammt aus dem Jahre 1896. Am bekanntesten aber ist das 1902 crschiencne, hochinteressante Büchlein 'Aus alten Zeiten', in dem er Einblick in die Gedenkschriften des Kirchturmknopfes gewährt. Das Buch gehört zu den Standardwerken Neukircher Hcimatgeschichte.

OBERNEUKIRCH

Luftschiff ?? Sachsen'

Valtenberg 588 m

52. Als um die Jahrhundertwende auch in Neukirch bekannt wurde, daß es gelungen sei.Ienkbare Freiluftballone in der Form sogenannter Fliegender Zigarren zu entwickeln, und daß ein gewisser Graf Ferdinand von Zeppelin bereits am 2. Juli 1900 erfolgreich einen ersten Versuchsflug mit dem nach ihm benarmten Luftschiff absolviert habe, drängte sich in den Bürgern immermehr der Wunsch in den Vordergrund, selbst einmal ein solches Fahrzeug zu sehen. Bis zum 27. Juli 1913 mußten sich die Neukircher Einwohner allerdings noch gedulden. doch an diesem Tag trat erstmalig das langerwartete Ereignis ein. Am frühen Morgen - genau um 7.28 Uhr - überquerte das Zeppelin-Luftschiff LZ 17 'Sachsen' auf der Fahrt von Leipzig-Mockau über Kamenz nach dem ostsächsischen Zittau das Mitteldorf von Neukirch. Der Heirnathaten der 'Sachsen', die immerhin eine Länge von 140 m aufwies, war Dresden-Kaditz.

53. Um die Jahrhundertwende kam der junge Doktor der Medizin Erdmann Wilhelm Alfred Flieger nach Oberneukirch. Er hatte in Breslau sein Studium mit außerordentlich guten Ergebnissen abgeschlossen, war jungvermählt und wollte nun sein crworbenes Wissen zum Wohle der Bürger anwenden. In einer am 2. Januar 1900 veröffentlichten Zeitungsanzeige gab er bekannt, daß er als Nachfolger des Herrn Dr. von Einsiedei sich hier niedergelassen habe und seine Sprechstunden als Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer abhalten wolle. Im Laufe der nun folgenden Jahrzehnte erfreute sich Dr. Fliegcr zunehmender Beliebtheit bei der Bevölkerung. Seine hohen Fachkenntnisse, sein selbstloser Einsatz für die Patienten, bei denen er keine Standesunterschiede kannte, und seine menschliche Wärme brachten ihm den Ruf eines volkstümlichen Arztes im besten Sinne ein.

54. Gegenüber der Stelle, an der heute etwa 100 m unterhalb der Kirche die Parkstraße von der Hauptstraße abzweigt, befand sich früher ein totenschreinähnlich zugehauener Steinblock mit einer tischebenen überfläche und cinem Kreuz. Eine gut sichtbare Höhlung barg einen kleinen Metallsarg, der den Zweck dieses Steines erkennen ließ. Der Volksmund nannte ihn Sargstein, weil hier der Friedhofsmeister den kleinen weißen Sarg kurz absetzte, wenn er ein verstorbenes Kind auf dem Wege von zu Hause hin zu seiner letzten Ruhestätte trug. Nach der nur noch unvollständig zu entziffernden Inschrift auf der arg zerschundenen Sandsteinplatte liegt der Schluß nahe, daß dieses eigenartige Denkmal eine Stiftung des ehemaligen Mittelmüllers Lehmann war, der damit an den frühzeitigen Tod seines Sohnes erinnern wollte.

55. Wappen wurden in der mittelalterlichen Geselischaft an Angehörige und Familien von Adelsgeschlechtern verliehen. Auch die Neukircher Patronatsherrschaft Oppen von Huldenberg bcsaß einen Wappenbrief. In ihrn - datiert vom November 1840 - genehmigt König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen dem Rittergutsbesitzer Albert Hermann Ferdinand von Oppen Huldenberg, das Wappen seiner Mutter mit dem seinigen zu vereinen. So entstand ein interessant gestaltetes Doppelwappen, dessen Besonderheit darin besteht, daß in einem Hauptschild ein Mittelschild enthalten ist. Als Vollwappen ist es doppelt bekrönt und seitlich mit Helmdecken versehen. Beide Schilde sind vierteilig, heinhalten Adelssymbole und werden in ihrer Gesamtheit von zwei schultergepanzerten Spangenhelmen überragt, aus denen sich zwei Büffelhörner erheben bzw. eine rosenkranzumsäumte Säule emporsteigt.

56. Zu den historischen Sachzeugen aus der Zeit der Entstehung des Dorfes Neukirch gehören die fränkischen Gehöfte mit ihren charakteristischen Torbögen. Diese Bauweise wandten die aus Franken stammenden Kolonisten an, als sie um 1200 im Rahmen der Besiedlung des oberen Wesenitztales den Ort als Waldhufendorf gründetcn. Die Torbögen schlossen den von Wirtschafts- und Wohngebäuden gebildeten Innenhof straßenseitig ab und gaben den bäuerlichen Bewohnern des Gehöfts das Gefühl von Sicherheit. Der hier gezeigte sanft geschwungene, zwei Gebäude verbindende Torbogenschweif, der früher zwei mächtige hölzerne Torflügel überspannte und der aus starkern. dachziegelbedecktem Manerwerk bestand, gewährt von der Schloßschänke her einen Bliek über die Hauptstraße in den Innenhof des Oberneukircher Rittergutes.

57. Für kleinere Erholungspausen eine nahe Parkanlage oder für Wochenendvergnügungen im kleinen Kreis eine Jagdhütte oder ein Lusthäuschen zu besitzen, das gehörte in früheren Zeiten zum gesellschaftlichen Status der begütertcn Schichten. Auch der ZwiebackIabrikbesitzer Max Hultsch sen.ließ sich einen privaten Park gegenüber seinem Betrieb bauen. Das Gelände zog sich in einem breiten Streifen bis zur Alten Straße hinüber und umfaßte etwa eine Fläche von 150 x 45 Schritte. Mit seinen gepflegten Wegen und Rabatten, mit seinem Pavillon im japanischen Stil und mit seinem Springbrunnenteich und den herrlichen Seerosen war der Park nach seiner Fertigstellung im Jahre 1927 ein wahres, wenn auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmtes Schrnuckstück Neukirchs. Im Bild sind Arbeiter gerade dabei, den Eingangsweg zu befestigen.

58. In der Nähe der Zwiehackfabrik , dort, wo die Wesenitz die Hauptstraße unterquert, fällt dem Besucher Neukirchs ein für die Oberlausitz ungewöhnlich gebautes Haus auf. Es ist im Baustil eines Schweizer Landhauses errichtet und trägt am Giebel die auch im Volksmund gebrauchte Bezeichnung 'Schweizerrosc', Der Grund für diese Kuriosität lag in der großen Liebe, die der Hausbesitzer, ein Herr Karl Wilhelm Georg Schrarnrn, für das Schweizer Land und dessen kulturelle Eigenheiten empfand. Er hatte dort selbst einmal in Schillers Schauspicl 'Wilhelrn Tell' mitgewirkt, und dieses Erlebnis hatte seinen Charakter geprägt, Stolz wies er fast jeden Besucher auf ein großes Bild in seiner Wohnstube hin, das ihn in seiner Rolle bei einer der Aufführungen zeigte, Herr Schramm war künstlerisch begabt. Er sang gern und versah sein Haus mit selbstgedichteten Versen.

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