Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6247-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3'

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8 Dieser Stein liegt all Wegesrand nahe der Gaststatte 'Waldschlößchen'. Im Volksmund heißt er 'Schramms Bierkeller', weil hier fünf jahre lang nach der Iahrhundertwende ein Mann dieses Namens die durstigen Kehlen müder Valtenbergwanderer mit schäumendem Bier oder perlender Limonade erfrischte. Da die Getränke trotz der sommerlichen Hitze immer relativ kûhl serviert wurden, soll einmal ein Gast gefragt haben: 'Herr Schramm, Herr Schramm, wie machen Sie das nur, Ihr Bier ist immer so angenehm frisch?' Der Gefragte soll darauf nur geheimnisvoll schmunzelnd geant-

wortet haben: 'Na ja, vielleicht ist hier im schattigen Wald nahe derTheke ein versteekter Bierkeller vorhanden, den nur ich kenne!' Mit dieser Entgegnung war besagter Begriff für den Stein geboren.

Wenige [ahre später entstand in unmittelbarer Nähe obengenannte Gastwirtschaft.

9 Ein Bauunternehmer, der ganz in seinern Beruf aufging, war Emil Max Rentsch. Schon seine Vorfahren - Vater Ernst Rentsch und Großvater Georg Rentsch - hatten in dieser Branche Beachtliches geleistet, und so war dem 1883 in Tautewalde Geborenen die Liebe zum Bauhandwerk schon in die Wiege gelegt worden. Von der Pike auf stets tätig lernend, verschaffte er sich an der Baugewerkeschule in Zittau solide theoretische und praktische Kenntnisse und legte 1908 in Bautzen die Baumeisterprüfung ab. 1910 eröffnete er in der Girndtstraße 1 zu Neukirch einen eigenen Baubetrieb. Gebäudebauten wie die des Postamtes, der Jugendherberge, der Picho-

Gaststätte und derWaldsiedlung - um nur einige zu nennen - verbinden sich von da ab rnit seinem Namen. Viele Bürger danken Max Rentsch ihr eigenes Heim.

10 Das Fabrikgebäude hinter dem Bahnübergang an der heutigen Zittauer Straße 23 wurde im [ahre 1904 irn Auftrag von Carl Friedrich Richter, Webereibesitzer in Oberneukirch, gebaut und war ursprünglich zum Zwecke der Gewebeausrüstung als Bleicherei gedacht. Da das Unternehmen jedoch kaum Gewinn einbrachte, wurde es 1905 an die Herren Martin Hoffmann und Karl-Gustav Schulze veräußert. In dem erworbenen Gebäudekomplex, auf dem sich die gleichzeitig erbauten Hauptgebäude, die eingeschossige Fabrikhalle mit Sheddach und der Trokkenturm befanden, richteten

beide nun die 'Webwarenfabrik Schulze & Hoffmann' ein. Modern mit JacquardMaschinen ausgerüstet, war es möglich, hier großflächige und komplizierte Webmuster - sogenannte Jacquardware -

herzustellen. Die Handelsbeziehungen reichten damals bis nach England.

1 1 Fûr das Neukireher Kraftfahrzeugschlosserhandwerk gilt Herr Paul Meißner als einer der Pioniere, die sich ganz der Entwicklung des damals aufkommenden neuen Gewerbes widmeten, Hatte sich der 1865 Geborene anfangs mit der Herstellung von Fahrrädern in der Form von Hochrädern befaßt, so erkannte er sehr schnell, daß die Zukunft großen Aufwind für motorbetriebene Fahrzeuge bringen würde. Er richtete deshalb an der belebten Zittauer Straße eine ' AutoReparatur- und Maschinenschlosserei' ein und eröffnete eine moderne Tankstelle (siehe Foto). Durch und durch ein Mechanikus im besten Sinne des Wortes, tüftelte er in sei-

ner kleinen Keller-Werkstatt gern an Neuerungen zur Kleinmechanisierung. So erfand er zum Beispiel eine Apfelschälmaschine und ein Zählwerk für Bleichereistaffe, das auch parentiert wurde.

12 Die seit 1866 an der heutigen Zittauer Straße bestehendeTöpferei übernahm 1907 KarlAlwin Heinke (siehe Foto). Mit guten Fachkenntnissen, mit entschlossener Tatkraft und mit dem Sinn für technische Neuerungen ausgestattet, verstand er es, das Unternehmen trotz mancher historisch bedingter Schwierigkeiten durch alle Fährnisse der Zeit zu führen und Anerkennung zu gewinnen. Bis zu zwölf Gehilfen konnte er damals beschäftigen, denn die Produktion von Buntgeschirr hauseigener Art fandAnklang, und der Handel weit in das Böhmische hinein ließ den Umsatz beträchtlich ansteigen. 1920 wählten ihn die Mitglieder der "Tópfer-In-

nung von Neukirch und Umgegend' zu ihrem Obermeister, und 1934 übernahm er das gleiche Amt für die Scheibentöpfer von ganz Ostsachsen. Auf einer Gewcrbeschau in Wilthen errang er eine Silbermedaille.

13 Wenn Leinen produziert wird, muß es auch gebleicht werden. In unserem Gebiet war die sogenalillte Rasenbleiche üblich, bei der die Ware nach dem Bleichbade noch feucht auf der Wiese ausgebreitet wurde, damit sie an Luft und Sonne trocknen und so bleichen konnte. Um eine solche Bleicherei mit Leinwandmangel errichten zu können, erwarb der Kramer Carl Friedrich Ferdinand Müller am heutigen Talweg ein Grundstück samt der darauf befindlichen Gebäude. Da hier die gebleichte Leinenware auch sofort gemangelt wurde, nannte der Volksmund das Unternehmen - mundart-

lich ausgedrückt - 'Die Mandel'. Selbst der langjährige Bleichereibesitzer Paul Richard Müller, der 1939 in erstaunlicher geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag feiern konnte,

hieß im Dorf nicht anders als 'Mandel-Paul' oder manchmal auch 'Mandel-Müller'.

14 Eine echte Markenzigarre zu rauchen ist schon ein Genuß, sie mit der Hand zu drehen, ist eine Kunst, die verstanden sein will. Die geschickten Hände der in der Ringenhainer Zigarrenfabrikation von Fritz und Erich Kirschner beschäftigten Neukircher und Ringenhainer Frauen wie Hulda Bär, Elsbeth Kirschner, Elia Wobst, Auguste Kirschner, Hedwig Winkler, Gertrud Thomas, Else Pietsch und Helene Steglich (von links) beherrschten sie meisterhaft. Der Tabak für die Fabrikation von Zigarren, Stumpen und Zigarillos kam aus Sumatra und Brasilien, was allein schon gute Qualität versprach. Die Kunden kauften sie deshalb gern, und bes on-

ders zu Weihnachten waren Kirschners schmuckvolle Zigarrenschachteln mit dem köstlichen Inhalt beliebte Geschenkartikel. die bei den Rauchern hoch im Kurs standen.

15 Auf einer Anhöhe nahe der Hohwaldstraße steht auf Steinigtwolrnsdorfer Flur eine Baumgruppe, die im Volksmund 'Die sieben Linden' genannt wird. Zu dieser Landmarke eigener Art kam es, als der Rittergutsherr von Steinigtwolmsdorf, der Kurfûrstliehe Baumeister Christoph Beyer, um 1 730 an diesem Ort ein siebeneckiges Lusthäuschen errichten ließ. Da nach seinem Willen jedes seiner sieben Kinder rings um das Häuschen eine Linde pflanzen mußte, entstand so jedenfalls nach der Ûberlieferung - das Wahrzeichen seines Rittergutsbezirkes. Es heißt aber auch, daß in geschichtlicher Vorzeit hier einmal ein Thingplatz gewesen

sein soll, auf dem man Volksversammlungen und Gerichtstage abgehalten habe. Unter freiem Himmel und sicher unter einer riesigen Linde sei hier über Krieg oder Frieden entschieden worden.

16 Mit der Errichtung und der Einweihung einer Bergwirtschaft auf der 506 m hohen Weifaer Höhe im Iahre

1 92 7 erweiterte sich die Kette der Bauden auf den Oberlausitzer Bergen um eine weitere Perle. Für das Einkehrhaus bürgerte sich der vielbenutzte Name 'Schurig-Baude' ein, der auf den Besitzer und Wirt, auf den Bäckermeister Alwin Schurig, Weifa, zurückzuführen war. Mit seiner heimischen Bauweise, dem Mansardendach und dem kleinen, wettersicher abgeschlossenen Aussichtstürmchen in der Art eines Dachreiters fügte sich das fertiggestellte Haus romantisch in den Fichten- und Mischwaldbestand des Gipfelgeländes ein. Gaststube, Ge-

sellschaftsraum, Frerndenzimmer und Jugend-Übernachtungsräume besaßen elektrisches Licht, Dampfheizung sowie Kalt- und Warmwasserleitung. Zur Unterhaltung spielte ein Orchestrion auf.

1 7 Die Arbeit in einem Steinbruch ist eine harte Tätigkeit. Davon wußten viele Neukireher Männer ein Lied zu singen, wenn sie im Bruche von Max Zenker am Picho ihrem schweren Tagewerk nachgingen. Die Produktionsanlage für den Granitabbau bestand aus dem stufenförmig angelegten Bruchloch, aus den Förder- und Transportgeräten und aus der Verarbeitungsstätte mit dem Putzerhaus. Waren die Rohlinge

mittels Schwebebahn und Laufkatze emporgehievt, wurd ensie mit Loren zum Bearbeitungsort gebracht, wo aus ihnen in Feinarbeit Fensterbanke, Treppenstufen usw. entstanden. Unter einer Überdachung warteten vier Fallhämmer darauf, vorgefertigte sogenannte Pritschen auf das gewünschte Pflastersteinmaß zu zerkleinern. Obwohl die Beschäftigten in Akkord arbeiteten, geschahen keine größeren Unfálle.

1 8 Wohlwissend, daß beim Straßenbau immer große Mengen von geeignetem Basismaterial gebraucht werden, entschloß sich in den zwanziger [ahren der Unternehmer Wilhelm Kästner, auf diesem Gebiet in das Wirtschaftsleben einzusteigen. 1927 legte er deshalb auf einem in Familienbesitz befindlichen Dretschener Waldstück an der Nordseite des Picho-Gipfelhanges einen Steinbruch an und gründete den unter der

Bezeichnung 'Grûnsteinbruch und Schotterwerk von Wilhelm Kästner' produzierenden Betrieb. Hergestellt und an Baugeschäfte und Straßenbaufirrnen geliefert wurden Werksteine, Mauersteine, Packlager, Grob-, Klar- und Feinschlag. Als Transportfahrzeug wurde ein 'Vier-Tonner' aus den Kasseler Hentschelwerken benutzt. Er hatte Vollgummibereifung und das Lenkrad auf der rechten Seite.

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