Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6247-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

19 Friedrich August Freund und seine Gattin harten das große Glück, nach einem arbeitsreichen Leben in der Landwirtschaft bis ins hohe Alter gemeinsam den Lebensabend verbringen zu können. Umsorgt von der Familie Paul Wobst, Wilthener Straße 63, litt es Herrn Freund aber nicht, untätig zu sein. So saß er noch mit 87 Iahren rüstig am Treibrad (siehe Bild) und füllte unermüdlich die Pfeifen (kleine Rollspulen ) mit dern weißen Garn vom hohen Spindelstuhl, wobei er mit der linken Hand den Faden führte und mit der rechten das Schwungrad drehte. Die vollen Pfeifen wurden dann

in dieWeberei von c.F. Richter gebracht, auf ein Rahmen-

gestell gesteckt und in der jeweils benötigten Fädenzahl entsprechend der Breite des spateren Gewebes auf den Kettbaum geschärt. August Freund wurde 93 jahre, seine Gattin 85 Jahre alt.

20 Dieses typische Oberlausitzer Umgebindehaus stand früher in Oberneukirch nahe der Leinenweberei von CE Richter. In idealer Art vereinte es die Blockbauweise der slawischen Stämme und den Fachwerkbau der germanischen Einwanderer zu einer baulichen Synthese, die im Umgebindebaustil ihren Ausdruck fand. Bei dieser Art Hausbau umschließt eine Balkenkonstruktion lose die Blockstube und leitet die Last des Obergeschosses und des Daches direkt auf die Fundamente ab. Wo hier im Bild Herr Ernst Höfer Platz genommen hat, mag früher des öfteren auch der Hauseigentümer, Herr Gustav Beck, gesessen haben, den alle Welt

schlicht 'Beck'n Lobs Gustav' nannte. Er war nicht verheiratet, handwerklich sehr geschickt, und seine Künste bei komplizierten Reparaturen nahmen die Nachbarn gern in Anspruch.

21 In Oberneukirch Meißener Seite war um 1912 Herr Oswald Clemens Kûhn als Gemeindevollzugsbediensteter angestellt. Das öffentliche Amt, das er sehr ernstnahm und das er deshalb mit großer Gewissenhaftigkeit ausführte, war sehr vielseitig. Es reichte vom Gemeindeboten über den Steuereinnehmer und Ortpolizisten bis hin zum Nachtwachter mit abendlicher Streifengangpflicht. Wenn Herr Kühn in seiner Uniform mit Fahrrad und Aktentasche auftauchte, dann trug er meist Einladungen zu Gemeinderatssitzungen, amtliche Mitteilungen, Mahnbescheide oder sonstige Benachrichtigungen aus. Das Foto zeigt ihn bei der Ausü-

bung seines Dienstes auf der Oststraße nahe der Gaststätte 'Zwei linden'. In der kleinen Werkstatt hinter den Kirschbäumen betrieb er nebenbei eine Schmiede, die er 1879 als 'Kühns Schmiede' in die Hausnummer 23 verlegte.

22 In Oberneukirch Nr. 38 drehte sich in den [ahrzehnten nach 1900 zur Weihnachtszeit stets eine elektrisch beleuchtete und nach dem Zeitgeschmack mit vielen bunten Ketten geschmückte vierstöckige Pyramide. Gebaut worden war sie von Wilhelm Heinrich und seinern Sohn Martin, die beide im Umgang mit Schnitzmesser, Drehbank und Stemmeisen ein beachtliches Geschick besaßen und gern an der Lósung kleiner technischer Probleme tüftelten. 'Was die Erzgebirgler können, das bringen wir Oberlausitzer auch', dachten sie, und so war im Laufe der Iahre in vorweihnachtlicher Feierabendarbeit ein ganzer Komplex

beweglicher Figurengruppen entstanden. den im Zentrum die eigentliche Pyramide mit der Darstellung der Weihnachtsgeschichte überragte. In rastloser Bewegung gehalten wurde das kleine Wunder-

werk durch einen einfachen Heißluftmotor.

23 Wer nach den Anfängen der Blumenfabrik von Walter Pietsch suchen will, muß seinen Blick erst einmal auf das Gebäude richten, das früher im Steinigtwolmsdorfer Anteil Nr. 53 (heute Wilthener Straße 58) lag. Das Haus, das bis 1888 schlecht und recht als Schule gedient hatte, gelangte zu diesem Zeitpunkt für 4 610 Mark in den Besitz von Tischlermeister Ernst Pietsch, der darin eine Werkstatt einrichtete. Auf der Suche nach zusätzlichen Erwerbsquellen tauchte der Gedanke auf, es einmal mit der Fabrikation künstlicher Blumen aufHeimarbeiterbasis zu versuchen. Das Unternehmen gelang, und bald betrieb Frau Emma Pietsch, die

Schwiegertochter des Meisters, eine gutgehende BIumenausgabe in Verlegerart. 1913 zog Sohn Gustav Robert Pietsch mit dem Geschäft in das neue Haus Erbgerichtsstraße 1.

24 Das ist Malermeister Carl Werner inmitten seiner Lehrlinge, Gesellen und kunstsachverständigen Mitarbeiter. Der in einer Bauernwirtschaft hinter der Mittelmühle Geborene hatte nach seinem Volksschulbesuch, seiner Lehrzeit und der Meisterprüfung seinen Wolmsitz nach Oberneukirch Nr. 80 (heute ErnstBerthold-Weg 3) verlegt und dort einen Malerhandwerksbetrieb begründet, der von allen Bevölkerungskreisen sehr geschätzt wurde, An Aufträgen mit besonders hohen künstlerischen Anforderungen fehlte es dem Meister nie. So gestaltete er die Räume in der Valtenbergbaude, die War-

tesäle 1. und 2. Klasse im BalmhofNeukirch-West und die großen repräsentativen Säle einiger Neukircher Gaststatten mit seinen Ideen und seinem Können geschmackvoll aus, wobei er gern gut-

ausgebildete Fachleute aus Künstlerkreisen zur Mitarbeit heranzog.

25 Zwischen den Gaststatten 'Grûne Fichte' und 'Hofgericht' drehten sich in frûheren Zeiten die Wasserräder von insgesamt acht Mühlen. Eine von ihnen war die Pappmühle, in der-wie der Name schon sagt - Pappe hergestellt wurde. Die Anlage erbaute 1820 Herr FriedrichAdolf Garth auf seinem eigenen Grundstück, das die Ortslistennummer 104 trug (heute Wilthener Straße 30). Etwa 1890 übernahm sie sein Sohn Louis Hugo Garth, der sie bis etwa 1930 betrieb. In dem relativ kleinen Werk waren fast alle Maschinen und alle dazugehörigen Gerätschaften aus Hartholz wie Eiche und Bu-

ehe gefertigt. Das zur Herstellung von Pappe benötigte Fasermaterial wurde aus Altpapier, Pappemakulatur und Textilabfá11en gewonnen. Das Foto aus dem Iahre 1920 zeigt Herrn Hugo Garth und

Frau Ernestine bei der Arbeit in einem der Produktionsràu-

me.

26 Ab der Mitte des 18. [ahrhunderts zogen es manche Neukireher Bürger vor, ihren Wohnsitz etwas abseits des üblichen Siedlungsgebietes anzulegen. Die Zunahme der Bevölkerungszahl, religiöse Motive, Stiftungen verschiedener Art, der Wunsch, abgeschieden von den anderen leben zu wollen, und die Tendenz, erwerbs- und verkehrsmäßig günstiger zu wohnen, mögen Gründe dafür gewesen sein. So entstanden an geeigneten Stellen auf Neukireher Flur 1721 die Valtenhäuser; 1735 die Rupprechtshä user, 1 737 die Steinhübelhäuser, 1763 die Gickelshäuser, 1 840 der Niedere Viehbich, 1845 Richters Häuser, 1860 die Sandhübel-

häuser (vorn in Bild), 1864 die Weitzrnannshäuser, 1889 die Häuser am Strumpf, 1936 die Waldsiedlung und 1928 die Peterstraße. Im Vordergrund des Fotos schlängelt sich noch gut sichtbar die alte

Fuhrmannsstraße in Richtung Wilthen.

Valferberg

, · ·

·

Oberneukirdi (bausib)

27 Jede Mühle hat ihre eigene Geschichte. Die der Lohmühle in Oberneukirch LS Nr. 54 (heute Bruno-StiebitzStraße 53) begann im [ahre 1842, als sie Gerbermeister Berthold erbauen ließ, um darin durch Zerrnahlen von Eichen- und Fichtenrinde Lohe zu gewinnen, die als Gerbmittel bei der Herstellung von Leder benötigt ,",'11rde. Die Bezeichnung 'Lohmühle' blieb auch dann bestehen, als das Anwesen

1 870 in den Besitz der Familie Hensel gelangte, die hier über mehrere Generationen hinweg ein Sägewerk unterhielt. Anfangs nutzte man für den Mühlenbetrieb die Wasserkraft derWesenitz, später ließ Alwin Hensel eine mit

Holzspänen befeuerte Kesselanlage, eine sogenannte Dampflokomobile einbauen. Sie treibt noch heute als letzte vollfunktionstüchtige Anlage dieser Art in der Oberlausitz das Sägegatter des Werkes an.

28 In jeder der vier Gemeinden N eukirchs hatte sich um die jahrhundertweude eine Gaststätte herausgebildet, in der sich das kulturelle Leben der dort einheimischen Bürger konzentrierte. In Oberneukirch Lausitzer Seite war dieser Mittelpunkt das Hotel 'Zur goldenen Kronc'. Verkehrsgünstig gelegen, für alle Arten von Feierlichkeiten bestens geeignet und von den rührigen Wirten Ernst WinkIer, Oswin Steudtner und Richard Trochelepsch bettieben. war hier ein gastliches Haus von besonderer Güte entstanden. Sein ausgezeichnetes Renommé beruhte vor allem darauf daß auswärtige hochgestellte Persönlichkeiten und andere zahlungskräftige Gäste

trotz der kurzen Entfernung mit der Kutsche vom Bahnhof abgeholt und bis zum Hoteleingang gefahren wurden, wo sie ein schmucker Hotelboy mit runder Kopfbedeckung, die Tür aufreißend und sich

verbeugend, in Empfang nahm.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2020 Uitgeverij Europese Bibliotheek