Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6247-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3'

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29 Vom Giebel der 'Kosa' in nördliche Richtung geschaut, schweifi der Blick ûber einen Teil Oberneukirchs bis hinauf zum Neukircher Paß. Von dort führt die alte Bautzener Poststraße durch die Sandhübelhäuser direkt ins Tal und stößt am Hotel 'Goldene Krone'

auf die Hauptstraße. Das vorliegende Foto muß 1 91 0 entstanden sein, denn die Stromversorgung (1909 in Neukirch eingeführt) existiert bereits, das Lichtspieltheater (erbaut 191 1) aber steht noch nicht an seinem Platz, Während eines der ältesten Neukircher Spritzenhäuser mit dem Steigerturm im Kronen-Hof (links im Bild)

schon zu sehen ist, fehlt der Ladenanbau an der 'Brod-,

Weihs- und Feinbäckerei VOll Edwin GebIer' (später Bäckerei von Theodor Gnauck) noch. Die zu damaliger Zeit ungepflasterte Straße macht einen wenig einladenden Eindruck.

OBERNEUKIRCH (Lausitz)

30 Direkt im Zentrum von Oberneukirch, dort, wo sich die verkehrsreichen Straßen von Zittau nach Dresden und von Bautzen nach Bad Schandau berûhren, befand sich früher in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotels 'Goldene Krone' das Geschäft von Uhrrnacher Paul Hultsch. In gekonnter Geschäftstüchtigkeit bot hier der erfahrene Handelsmann alles, was das Herz begehrte, an, so zum Beispiel Uhren aller Art, Gold- und Silberwaren, Porzellan, Steingut, Glaswaren, Schmuckgegenstände, Polyphone und Sprechapparate mit Platten. Das Bild zeigt Herrn Hultsch, der im Volksmund gern 'Scherbel-Hultsch' oder auch 'Scherbel-Barori' genannt

wurde, mit einem Lehrling und zwei seiner Angestellten vor seinem Geschäft, das er später seinem Bruder Clemens übergab und das auch als 'Kosa' bekannt wurde. Er selbst eröffnete einen Porzellangroßhandel.

3 1 Daß ein Verein sein 300 jähriges Bestehen feiern kann, kommt in der Geschichte eines Dorfes sehr selten vor. Der Uniformierten Schützengesellschaft e.v. Neukirch (Lausitz) aber war ein solches Jubiläum vergönnt, und man beging es vom 13. bis 15. Juni 1925 festlich und im großen Stil. Eingeleitet mit einem großangelegten Kommers, erreichte es am Sonntag darauf mit einem einmaligen historischen Festzug und der anschließenden Fahnenweihe auf dem Festplatz seinen Höhepunkt. Zwanzig örtliche Vereine mit ihren Fahnen und Bannern, Kutschen mitVeteranen, Pestwagen des heimischen Handwerks und die Schützengesellschaften der

gesamten weiten Umgebung mit ihren Kapellen beteiligten sich daran. Die Begrüßungsansprache von derTribüne

aus hielt Bürgermeister Schindler, die Weihe der neuen Vereinsfahne nahm pfarrer Eidner vor.

1625

Die Uniform. Sdiützenqesellsdiaît e. v. :

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300 jäd~r.!k~~;.~~n~,~,tehen ~

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60Mblg. den 14. JunI 1925: Großer hi&torl.che~ Festz:ug, daran anschließend großer t

" f'e.takt auf dem Festplatz. für Unterhallung in form von Hon.erlen . ~

ë" und BäJlen (FestslUe Holel Oolllne Krone) Isl bestens

?. gesorgt. /Im Montag, den 15. Juni 1925 w ird abends

-. bel eintretender Dunkelheit ein rlesen-

großes m 0 der nes

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abgebrannt, wie soldles In der gesamlen Lausitz nam nlchl gesehen worden ist.

Zu dem Feste laden hierdurdi die Ortsbewohner sowie die ßewohner der gesamten Umgebung nerzlimst ein

Der fesfausschuß der Unit. Schützengesellschaft Neukirch Laus.

L NB. Die geehrten Bewohner v. Neukirm Laus, werden ge- ~

beien, an der Aussdmückung des Ortes ,ich zu beteiligen. ,

~~_~~ ~:J

32 Der Jugendverein 'Eintracht' war eine weltliche Organisation der Dorfjugend, in der sich junge Leute mit sehr unterschiedlichen Interessen zu gemeinsamen Veranstaltungen trafen. Als Jugendlicher galt, wer zwischen 1 5 und 30 Iahre alt und ledig war. Heiratete aber dann doch ein Mitglied, so wurde das Ereignis ausgiebig mitgefeien, wobei beim Setzen der Ehrenpforte und beim Poltern am Abend vor dem Hochzeitstag keiner fehlte. Das Gruppenfoto aus den zwanziger Iahren zeigt die Mitglieder des Jugendvereins 'Eintracht' vor Beginn eines Vereinsfestes auf dem Schützenplatz. Die prachtvolle Ehrenpforte besteht aus vier mit Kugeln und

Spitzen gestalteten, grün urnwundenen Säulen, von denen aus sich Bögen zu einer angedeuteten Kuppel schwingen. Die freigehaltene Wiesenfläche steht kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung.

33 Vom 19. bis 21. Juni 1924 fand in Neukirch das 6. Gauturnfest des Hohwaldgaues statt. 1 000 Turner und ungezählte Gäste waren der Einladung des örtlichen Deutschen Turnvereins gefolgt, um den sportlichen Wettstreit im 12-Kampf der Männer und den 7 -Kampf der Turnerinnen, den großartigen Festzug durch das geschmückte Dorf sowie die Fahnenparade und die beeindruckenden Massenfreiübungen der aktiven Festteilnehmer auf dem Schutzenplatz (siehe Bild) miterleben zu können. Während des Kommerses in den überfüllten Sälen des Hotels 'Goldene Krone' und des Schützenhauses ergriffen Vereinsvorsitzender Müller, Kommersleiter

Schäfer und Gauvorsitzender Professor Mislowitz, Bautzen, das Wort. Mit der Siegerehrung, einem Vereinsturnen, einem Kinderfest und einem Ball fand das Ereignis am Montag seinen Abschluß.

34 Als einzige Schanstellerfamilie, die jemals in Neukirch beheimatet war, genießt die Familie Winter nicht nur hohes Ansehen, sondern auch Seltenheitswert. Vater Otto Winter begründete das Unternehmen während der zwanziger [ahre, indem er das Gewerbe eines ambulanten Eisverkäufers erwarb. Sohn Arno setzte das Werk seines Vaters, der bald auch eine Kinderschaukel mit acht Kàhnen angeschafft hatte und damit von Iahrmarkt zu [ahrmarkt gezogen war, erfolgreich fort, indem er zunächst ein originelles Bodenkarussell mit beweglichen Schaukelpferden kaufte (Im Bild ist Arno Winter während des Fahrbetriebes gerade mit ei-

nem seiner kleinen Gäste beschäftigt) und indem er später eine moderne Gondelbalm betrieb. Mit dieser fehlte er fortan aufkeinem Neukircher Schützenfest, und auch außerhalb war er auf Rummelplätzen und bei Dorffesten stets ein beliebter Gast.

35 Die Neukircher Feuerwehren haben vom Tag ihrer Gründung an - in Obemeukirch am 1. Oktober 1872 und in Niederneukirch am 1. [anuar 1887 - darauf geachtet, daß ihre Mitglieder eine gute Ausbildung erhalten. Eine große Rolle spielten dabei von Anfang an die Steigertürme, an denen jede Art des möglichen Einsatzes geübt werden konnte. Dem Bau des ersten Steigerturmes zwei Iahre nach der Gründung der Oberneukircher Wehr folgten bald weitere solcher Übungswände. Letztlich bestanden mit dem im Kronenhof (erbaut 1874), an der Schützenplatzseite derTurnhalle (siehe Foto, erbaut 1909), dem an der Obermühle und an der

Gaststätte 'Deutsche Eiche' vorhandenen Steigertürmen ausreichend Möglichkeiten, Eventualfälle zu erproben, um bei tatsächlich auftretenden Bränden schnell, richtig und sicher handeln zu können.

36 Überall, wo geturnt wird, sind auch Sportler anzutreffen, deren Talent erst in der Gruppe so richtig zur Wirkung kommt. Eine solche Riege junger talenticrter Turner harte sich am 28. Juli 1906 gebildet. Sie nannte sich 'Saxonia', bestand aus Vorturnern und war eine besondere Abteilung des Turnvereins Neukirch am Hohwald. Nach Auftritten bei Sportwerbeveranstaltungen, Turnfesten und anderen Gelegenheiten erntete sie stets hohes Lob, denn sie zeigte sich immer als eine disziplinierte Truppe, die sich körperlich voll einsetzte und mit immer wieder neuen turnerischen Einfällen glänzte. Auf dem Foto haben sich die fünfzehn Riegenmitglieder

vor ihrer Übungsstätte, der Turnhalle an der 'Goldenen Krone' , inmitten ihrer Sportgeräte für den Fotografen aufgestellt.

37 In der ersten Hälfte unseres Iahrhunderts betrieb in Oberneukirch Lausitzer Seite Nr. 160 D (heute Hauptstraße 4) über mehrere [ahrzehnte hinweg der Buchbindenneister Robert Hentschel ein Papierwarengeschäft. Es lag zwar ein wenig abseits der Straße, aber die zwei relativ großen Schaufenster lenkten doch die Aufmerksamkeit auf diesen Laden, in dem man alles an Schulartikeln, Schreibmaterial, Lesestoffen, Galanteriewaren, Bildern und anderen kleinen Dingen einkaufen konnte, was an dieser Art Waren im täglichen Leben gebraucht wurde. Wer aus dem reichenAngebot an Gesang-

büchern ein Exemplar erwarb, erhielt Widmung und Namen gratis eingedruckt. Gerne nahm Herr Hentschel au eh Aufträge für Drucksachen und spezielle Buchbinderarbeiten entgegen. Die

Auswahl an Literatur, Grarulationskarten und Alben der verschiedensten Art war groß.

38 Als Nachfolger von Iohannes Schindler übernahm 1930 Herr Bruno Seidel das Bürgermeisteramt der vereinigten Gemeinde Neukirch (Lausitz). Gut im Verwaltungsdienst ausgebildet, hatte der 1888 in Niedermülsen bei Glauchau Geborene das gleiche Amt bereits in N eusalza-Spremberg und in Kirschau ausgeübt.Während seiner 15jährigen verantwortungsvollen Tätigkeit in der hiesigen Gemeinde erwies er sich als ein hochgeschätzter Beamter irn besten Sinne des Wortes. Seine erstaunlichen, jederzeit verfügbaren Gesetzeskenntnisse, sein diplomatisches Geschick am Verhandlungstisch, sein ausgeprägtes Pflichrbewußtsein und seine

klugen Leitungsentschlüsse brachten ihm die Verehrung der gesamten Einwohnerschaft ein. Seinem wagemutigen Einsatz am Kriegsende verdankt sie Ietzten Endes die Rettung des Ortes vor der Zerstörung.

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