Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6247-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3'

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39 Mit stolzem Bliek auf ein gehmgenes Werk stellt sich hier Baumeister Ernst Beek inmitten seiner Maurer, Putzer, Zimmerer und Maler dem Fotografen. Soeben haben sie den Bau der Volksschule Oberneukirch vollendet, wenig später, am 7.Januar 1909, wird das Gebäude von Schulrat Bach feierlich eingeweiht und der Ortsschulinspektion offiziell übergeben werden. Über dem Eingangsportal grüßt die Schüler von nun an ein Sandsteinrelief, das drei Situationen jugendlichen Lebens darstellt und die Worte 'Ohne Fleiß kein Preis' enthält. Links und rechts an den Seitenwänden der Portalhalle begleiten die Eintretenden die beiden mahnenden Sinnsprü-

che 'Lerne die Weisheit für Deine Seele, wenn Du sie findest, wird es Dir wohlgehen' und 'Fasse die Zucht, laß nie davon, bewahre sie, denn sie ist Dein Leben.'

40 Ein dichtes Dach ist für jedes Haus von besonderer Wichtigkeit. Dachdeckerrneister Martin Zipser widmete sein Leben von Jugend an dieser Aufgabe, und selbst im Alter von über 70 [ahren stieg er noch 1968 wie ein Junger auf die Spitze des Uhrtürrnchens der Lessingschule (siehe Bild), um notwendig gewordene Schieferreparaturen vorzunehmen. Stets einsatzbereit, plötzlich entstandene Schäden an den Dächern auszubessern, und gestählt durch die ständige Arbeit an frischer Lufi, trotzte er mit seiner unverwüstlichen Gesundheit Wind und Wetter. Aus Heimatverbundenheit und als Mitglied des Vereins der Naturfreunde stand er 1925 mit

in der legendären Reihe derjenigen, die die Ziegel vom Bahnhof-Ost bis zum Baugelände des entstehenden Naturfreundehauses von Hand zu Hand gaben, um auf diese Weise Kosten zu sparen.

41 Im Iahre 192 3 trat der Oberlehrer Hermann Israel (siehe Bild) das Amt des Direktors der später nach Lessing benalmten Schule an. Schon seit 1901 hatte er als strenger, gerecht urteilender und deshalb geachteter Pädagoge in Neukirch gewirkt und war mit den örtlichen Verhältnissen bestens vertraut. Große Verdienste erwarb sich Herr Israel irn Vereinsleben der Gemeinde. So ûbernahm er im Rahmen der bestehenden Gesellschaft fûr Volksbildung 1 919 die Organisation der beliebten Neukircher Volksbildungsabende, die er interessant und lehrreich zu gestalten wußte. Hohe Wertschätzung genoß er im Valtenberg-Gebirgsverein, in dem er

als Liedermeister und ideenreicher Gestalter von Versammlungen nuthalf den Charakter des Vereins zu prägen. Die Nationalsozialisten zwangen den aufrechten Demokraten 1934, seinAmt niederzulegen.

42 Der einzige Meister, der während des Berichtszeitraumes dieses Buches das Blaudruckhandwerk in der Oberlausitzer Amtshauptmannschaft Bautzen ausübte, war der Neukircher Färber Hermann Fischer. Als er 1 907 nach Neukirch kam und hier in der damaligen Dorfstraße seine Blaudruckerei eröffnete, begann er seine Arbeit mit Modeln (Druckstöcken aus Birnbaumholz), die 175-200 Iahre alt waren und hohen künstlerischen Wert besaßen. Ungemessene Tuchflächen, aus denen nachher unter anderem Schûrzen, Kopf- und Tischtücher, Röcke und Zierdeckchen gefertigt wurden, hatte Meister Fischer mit Kunstsinn und technischen

Fachkenntnissen bedruckt, als er 1937 das dreißigjährige Bestehen seines kleinen Handwerksbetriebes feiern konnte. Mit seinem Tode schloß die einzige Blaudrukkerei N eukirchs ihre Pforten für immer.

43 Immer daraufbedacht, seine Kunden fachrnännisch zu beraten, ihnen beste Qualität rundfunktechnischer Erzeugnisse anzubieten und dabei immer heiter und freundlich zu sein - so kennen die Neukireher Einwohner den Geschäftsmann Paul Winkler. Sein Streben nach Selbständigkeit konnte der am Technikum in Mittweida zum Ingenieur ausgebildete junge Unternehmer als Dreißigjähriger verwirklichen, indem er sich 1926 in einem Wolm.hausanbau an der Hauptstraße 29 niederließ und dort ein Rundfunkgeschäft gründete (siehe Foto). Hier fühlte sich Herr WinkIer inmitten seines reichhaltigen Angebots an

Rundfunkapparaten der Marken Blaupunkt, Siemens, PhiIipps, Telefunken und Saba so richtig in seinem Element. Später erbaute er ein eigenes Geschäftshaus und eröffnete darin den weit in der Umge-

bung bekannten und geschätzten 'Klein- TechnikLaden' .

44 Eine Unternehmerpersönlichkeit der ursprünglichenArt - sozusagen par excellence - wie man sie ausgeprägter kaum irgendwo finden kann, war Ernst Lehmann, der Begründer der Kofferfabrik Neukirch. BegOlmen 1890 in Großpostwitz, weitergeführt ab 1893 in Oberneukirch und dort erweitert zur offenen Handelsgesellschaft 'Gebrüder Lehmann Neukirch (Lausitz)' , gelang es ihm, ein ganzWestund Mitteleuropa umfassendes Liefersystem seiner Produktion zu entwickeln. Der rastlose Erfindergeist und die Schöpferkraft Ernst Lehmanns führten nicht nur zu vierzehn Gebrauchsmustern und sechs Patenten sowie zur Verwen-

dung des leichtgewichtigen, elastischen und unzerbrechlichen Vulkan-Fibre-Materials, sondern auch zur Erweiterung der Betriebsräume, des Maschinenparks und zurTagesproduktion von 3 000 Reisekoffern der 500 Beschäftigten.

45 Nahe der Stelle, wo die heutige Bruno-Stiebitz-Straße in die Hauptstraße einmündet - ältere Leute nennen sie gelegentlich auch ' Abprelle' standen früher mehrere Gebàude, die im Volksmund als 'Fórstergut' bezeichnet wurden. FürWanderburschen und Handwerksgesellen, die durch Neukirch 'auf der Walze' waren und die ein Quartier suchten, gab es hier die Möglichkeit, eine Nacht unterzukommen. Fast täglich kontrollierte der Ortspolizist Max Rößler oder später der Polizist Böhme, ob die Aufenthaltsdauer auch eingehalten wûrde, ob sich die Gäste korrekt verhielten und ob ihre

Anwesenheit auch unbedenklich sei. 1934 wurde die Herberge abgerissen. Auf dem Grundstück entstanden zwei ansehnliche Geschäftshäuser:

Herr Paul Winkler erbaute den bekarmten 'Klein- Tech-

nik-Laden' und Herr Richard Pietschmann ein Kurzwarengeschäft.

46 Von 1924 an waren Meta und Gustav Zeiler als Herbergseltern in der Hauptstraße 44 tätig, wo sich zu dieser Zeit eine Unterkunftsmöglichkeit für durcbreisende Wanderburschen befand. Die Einrichtung war in ihrer Funktion als Herberge schon lange vor der Vereinigung Neukirchs für alle Gemeinden des Ortes zuständig. Da Gustav Zeiler vom Ertrag dieser Arbeit nicht leben konnte, ging er tagsüber in den Steinbruch am Picho, um sich in der Pflastersteinproduktion ein Zubrot zu verdienen. Meta Zeiler sorgte indessen für die Beköstigung der Hausgäste und einen geregelten Ablauf des Herbergslebens. Für einen geringen Betrag verabreichte

sie ein einfaches Abendbrot, das aus Malzkaffee, Brot, Käse, Margarine, Wurst oder Brathering bestand. Zum Frûhstück gab es eine Mehlsuppe mit eingebrocktem Brot, ehe Punkt 8 Uhr der Gast das Haus verließ.

47 Im Iahre 1911 legte die Ortsgruppe des Naturheilvereins Neukirch westlich der Siedlerstraße (heute AugustBebel-Straße) ein erstes öffentliches Freibad für die Bûrger der Gemeinde an. Das gesamte Badgelällde, auf dem sich ein 1 O-x-l O-mSchwimmbecken, Urnkleideräume für Frauen und Männer, Zellen für Einzelpersonen, überdachte Sitzbänke, ein Imbißstand, eine liegewiese, ein abgegrenztes Gebiet für besonders Sonnenhungrige und an derWestseite ein Holzhäuschen für den Kartenverkauf und kleinere Vereinsveranstaltungen befanden, umgab zum Schutze vor allzu neugierigen Blieken ein

dichter, zwei Meter hoher Bretterzaun. Das 'Luttbad', wie es allgemein genannt wurde, war ein beliebter Aufenthalts- und Festplatz für solche Vereine, deren finanzielle Möglichkeiten begrenzt

waren. Spielmannszüge der Vereine übten hier jede Woche.

48 Bis in das 20. Iahrhundert hinein war es in unserer Oberlausitz üblich, daß sogenannte Hausierer von Dorf zu Dorf zogen, um dort ihre Waren, die sie in Koffern, Kórben oder Rucksäcken bei sich trugen, in den einzelnen Häusern anzubieten. Eine dieser Kleingewerbetreibenden war Frau Pauline Menzei aus Neukirch. Sie handelte nicht wie andere Hausierer mit den gängigen Kleinwaren. sondern mit dem beliebten und begehrten 'Hultsch-Zwieback' aus heimiseher Produktion. Um ihren festen Kundenkreis in den Orten Taubenheim, Sohland und Schirgiswalde sowie in deren Urn-

gebung zu erreichen, fuhr sic mit dem Leiterwagen (Foto) bis zum Bahnhof NeukirchOst, benutzte dann die Eisenbahn und gelangte so mit ihrer köstlichen Last irn Tragkorb zu den Käufern, die sie

als stets freundliche, unermüdlich 'auf'Iour' befindliche Geschäftsfrau kannten.

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