Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6247-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 3'

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49 Wie ein wissenschaftlich betriebenes Hobby ausgezeichnete Forschungsergebnisse hervorbringen kann, bewies der Neukircher Kakteenzüchter Paul Porsche. Schon zu der Zeit, als er noch in Bautzen wohnte, harte er in Liebhaberart eine vielbeachtete Zucht dieser ausdauemden, dickfleischigen Ziergewächse angelegt. Als er dann nach Neukirch, seinem Heirnatdorf, übersiedelte und auf der Lausitzer Seite seinen Wohnsitz nahm, vervollständigte er seine Kakteensammlung innerhalb von vierhundert Arten auf 4 000 Stück. Unter diesen stachligen Gesellen befand sich eine große Anzahl von in- und ausländischen Seltenheiten. Kein Wunder,

wenn ihn seine Fachkollegen infolge seiner fünfzigjährigen Zucht- und Pflegeerfahrungen den 'Altvater der Kakteenzüchter' nannten, und wenn sich rnancher Kakteenfreund bei ihm einen guten Rat holte.

50 Die Moserschule gehört wie die Alte Schule in Niederneukirch und die in Oberneukirch MS zu jener Generation Neukircher Bildungseinrichtungen, die als Nebenschulen der Kirchschule um das [ahr 1830 herum erbaut wurden. An den Baukosten von 1 902 Talern beteiligten sich die Gutsherrschaft, der Kirchenvorstand und die Elternschaft. Die in der Endabrechnung angeführtenAusgaben für Bier und Branntwein lassen vermuten, daß das Hebefestam 14.Mai 1827 mit großer Freude und reichlichem Konsum von alkoholischen Getränken begangen worden ist. Daß die Einwohner das Gebäude 'MoserschuIe' nannten, ist daraufzurück-

zuführen, daß nach dem ersten Lehrer Johann Karl Gottlieb Meißner hier der Lehrer Gustav [ulius Moser unterrichtete, der nach 29 Dienstjahren 1883 starb. Mit dem Bau der Vereinigten Schule

schlossen Kirch- und Moserschule ihre Pforten.

51 Manchen Heimatfreund wundert es, daß heute mehrere Gaststätten Neukirchs abseits der Hauptstraße liegen, obwohl sie sich doch früher als geschätzte Fuhrmannsabsteigen und lokale Treffpunkte direkt am Wege befanden. DIe Erklärung dafür ist einfach, wenn man bedenkt, daß sich mit dem Bau der neuen Hauptstraße in der Mitte des 19. [ahrhunderts deren Strekkenführung stark verändert hat und daß damit betràchtliche Teilabschnitte der früher wichtigsten Dorfstraße zu Nebenstraßen geworden sind. Dieser Vorgang betraf auch

die 'Gaststätte Preusche', die sich hier im Bild im Umge-

bindebaustil mit Fleischerei und Vereinszirnrner zeigt und sich als Garküche und Restaurant empfiehlt. Infolge der gemütlichen Atmosphäre, der gesunden ländlichen Beköstigung und des freundlichen

Umgangs mit den Gästen erfreute sich das Wirtshaus alIerselts großer Beliebtheit.

52 Hundert lahre alt zu werden ist eine große Gnade, meinten frûher die Leute. Frau Pauline Scheunig war diese große Gunst beschieden. Innerhalb der vergangenen 400 jahre hatte niemand vor ihr ein so hohes Alter in einer solchen geistigen Frische crreicht, Im Dorf war die 'Scheinch-Pauline', wie sie in Lausitzer Art hier von jedem genannt wurde, wegen ihres freundlichen Wesens und ihrer freimütigen Meinungsäußerung sehr beliebt. Bis in die letzten Lebenswochen hinein verließ sie ihr Humor nicht. So konnte sie es nicht unterlassen, als Herr pfarrer Handrick (hier im Gespräch mit der Jubilarin) seine Gratulationsrede zum 100. Geburts-

tag allzusehr ausdehnte, ihm in ihrerTreuherzigkeit zu sagen: 'Herr Pfarrer, tun se oack ierscht amol Koaffeetnnkn und rädn Se danno wettr.'

53 Auf dem alten Friedhof wenige Meter östlich der Kirche steht unter dem Laubdach einer hohen Eiche ein Denkmal, das an die zwölfNeukircher Männer erinnert, die in den Kämpfen des DeutschFranzösischen Krieges von

1 87017 1 ihr Leben opfern mußten. Der zwei Meter hohe und mit einem Kleeblattkreuz gekrönte Obelisk steht auf einer quadratischen Soekelplatte, die frûher in jeder Ecke eine stählerne Kanonenkugel trug. Vier seitlich angebrachte Metalltafeln nennen die Namen der Gebliebenen. Sie lauten: Carl Günther, Carl Lehmann, Carl Rietschel, Ernst Schulze, Ernst Wolf, Immanuel Hensel, Carl Lange, Carl Werner, Friedrich Hillmann, Carl

Thonig, Carl Heller und Traugott Höntschel. Für alle hielt pfarrer Reinhardt, der auch die Denkmalsweihe vornahm, ein Ehrengedächtnis während des Gottesdienstes in der Kirche.

54 Was Pfarrer Reinhardt mit seinem Engagement für elternlose Kinder in Neukirch begonnen und was der Christliche Männerverein mit der Gründung eines sogenannten Rettungshauses (rechts im Bild) im Iahre 1888 in die Tat umgesetzt hatte, das führten der in der Brûderansta1t van Moritzburg ausgebildete Diakon Ernst Emil Mihan und seine Ehefrau Ernestine im täglichen Urngang mit den 20-25 jungen Menschen zielgerichtet fort. Mit Hilfe der Mitglieder des Rettungshausvereins und durch den selbstlosen Einsatz zweier Mitarbeiterinnen gelang es den Hauseltern in den zwei Jahrzehnten nach der

Iahrhundertwende, für die ihnen anvertrauten Zöglinge menschliche Lebensvershältnisse mit sozial gesicherter Versorgung und persönlicher Zuwendung zu schaffen. Herr Mihan gilt auch als Begründer

der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Neukirch.

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55 Fast 402 m hoch ist der nördlich des Neukircher Oberhofes gelegene Lämmerberg, der seinen Namen dadurch erhalten hat, daß in der ersten Hälfte des 18. Iahrhunderts innerhalb von neun Iahren die gesamte Bergkuppe radikal abgeholzt wurde, um Weidefläche für 1 200 Schafe des Rittergutsbesitzers zu gewinnen. Am 18. Mai 1813 hatten auf dem Berg französische Truppen unter General Laureneins ein Lager aufgebaut. Im Gefecht mit den gegenüberliegenden Russen durchschlug eine Kugel den Kirchturmknopf Es geht die Rede, daß die sogenannte Kuckuckslinde (siehe Bild) auf dem Grabe der gefallenen Franzosen stehe. Die Neukir-

cher meinen auch, daß sich der Name des weit erkennbaren und deshalb als Landmarke wirkenden Baumes daher erklären lasse, daß dort der Kuckuck im Frühjahr zuerst schreie, und wer ihn höre, dem sei bald großes Glück beschieden.

56 Der Neukircher Kegelklub, der 1870 gegründet worden war und dem bis zum ó O.Vereinsjubiláum im Iahre 1930 (Foto) und weiterhin nur hochangesehene, ortsansässige Eimvohner der bürgerlichen Gesellschaft angehörten, hatte sich den Namen 'Fidibus' gegeben, da er vermutlich aus einer Art Tabakskollegium hervorgegangen war. Das Foto zeigt im Vereinslokal 'Keglerheim' Privatier MaxThümmel, Schuldirektor Ernst Wolf, Apotheker Curt Keller, Kantor Reinhold Schöne, die Fabrikanten Gustav Holtsch und Martin Hoffmann (1. Reihe, von links), Gerbereibesitzer Otto Lehmann, Bleicher Hermann Zasel, Dr. EmilWagner, Fabri-

kant KarlAugst, DruckereiInhaber Robert Maiwald (2. Reihe, van links), Dr. Wemel' Opitz, den Postangestellten Handriek. Töpfermeister Paul Louis Lehmann, Tierarzt Dr. Fritz Girndt und Sparkassen-

leiter Hermann Ritscher (3. Reihe, von links).

57 In Neukirch war es unter dem weiblichen Teil der Bevölkerung üblich, sich ab und zu zu einem Plausch und einerTasse Kaffee zu treffen. Die Frauen einfacher Schichten gingen im Nachbarschaftskreise meist zu Rocken oder zu Lichten, die Frauen gehobenen Standes dagegen bildeten 'Kaffeekränzchen' . In beiden Fällen versammelte man sich dazu reihum in den Wohnungen, setzte je nach Einkommen den Gästen Kaffee und Kuchen vor und besprach die allerneuesten Vorkommnisse im Dorf oder schwatzte über Alltäglichkeiten. Das Bild zeigt ein Neukireher Kaffeekränzchen, das sich für den Fotografen so richtig in Positur gesetzt hat,

Vermutlich sind es von links nach rechts Fräulein Günther, die Gattinnen von Dr. Flieger, Dr. Hellner und Apotheker Näther sowie die Malermeistersehefrau Werner und Frau Matthes aus derTöpferei.

58 Nach demAdreßbuch von 1912 existierte zu dieser Zeit in Oberneukirch Lausitzer Seite Nr. 224 (heute Hauptstraße 61) bereits die von WilhelmAlbert begründete Fabrik zur Herstellung künstlicher Blumenbestandteile. Der Volksmund nannte den Betrieb schlicht 'BlumenAlbert' oder auch 'KnüppelAlbert'. Auch der Ausdruck 'Knospenfabrik Wilhelm Albert' war hier und da zu Iesen. Der Betrieb umfaßte 1928/29 etwa dreißig Beschäftigte, die in den Sälen des dreistöckigen Fabrikgebäudes künstliche Ilexbeeren, Fliegenpilze, Knüppel und Staubfàden herstellten. Während der Saison stieg die Zahl der Heimarbeiter oft bis auf

achtzig an. Als Nachfolger des Vaters stiegen Willy Albert, verantwortlich für die Produktionstedmik, und Harry Albert, zuständig für den Absatz, voll in das Betriebsgeschehen ein.

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