Neumarkt-Sankt Veit in alten Ansichten Band 1

Neumarkt-Sankt Veit in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Rudolf Angermeier
Gemeente
:   Neumarkt-Sankt Veit
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2152-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neumarkt-Sankt Veit in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Der Doppelname Neumarkt-St. Veit ist kennzeichnend für die beiden Kräfte, die das Leben im oberen Rottal geprägt haben, das Bisturn Salzburg und das Niederbayerische Herzogtum. Zuerst waren es die Benediktinermönche von St. Peter in Salzburg, die durch eine frommeStiftung des Grafen Dietmar von Lungau gerufen wurden. Sie haben sich im Jahre 1171 auf dem Vitusberg, hoch über der Rott niedergelassen um im zweiten Anlauf ihr Kloster nach der benediktinischen Regel zu gründen. Mit diesem Kloster aber ist der Machtbereich des Salzburger Bischofs noch weiter nach Norden ausgedehnt worden. Für den Herzog von Niederbayern war das salzburgische Mühldorf schon unerträglich genug, er war nicht gewillt den neuen Stützpunkt St. Veit, der das ganze obere Rottal zu umfassen drohte, tatenlos hinzunehmen.

Er entschloß sich, dem salzburgischen St. Veit am anderen Ufer der Rott den niederbayerischen 'Neumarkt' gegenüberzustellen. In einer Urkunde vom 14. August 1269 hat ihn Heinrich XIII. von Niederbayern ins Leben gerufen. Wollmärkte, Schweinemärkte, Pflaster- und Straßenzölle waren besondere Privilegien um den wirtschaftlichen Aufschwung zu gewährleisten. Aber wie wichtig Herzog Heinrich diesen Markt genommen hat, mag man daran erkennen, daß er aus dem ehemaligen Johanneshof ein herzogliches Pfleggericht gemacht hat. Der Landrichter von Neu-

markt war nicht nur im oberen Rottal der Vertreter des Herzogs, sein Wirkungsbereich reichte über das Isental und den Markt Kraiburg bis zu den Klöstern Gars und Au am Inn.

So standen sich am Ende des Mittelalters zwei unabhängige Kräfte gegenüber, die nur eines gemeinsam hatten, eine gesunde Entwicklung. Das Kloster besaß um 1500 an die 450 Bauerngüter, die Pfarrei Vilsbiburg wurde ihm inkorporiert und 1485 erhielt der Abt von St. Veit die Erlaubnis, Stab und Mitra zu tragen. Der Neumarkt wurde zum wirtschaftlichen Mittelpunkt im oberen Rottal, aus den zugezogenen Bauernsöhnen und Handwerkern wurden wohlhabende Bürger, die ihren Markt selbst regierten, für ihre Kinder einen ersten Schulmeister bestellten und ein Benefiziurn für die Marktkirche St. Johann aus ihrer Tasche bezahlten.

Die weise und friedliche Regentschaft der reichen Landshuter Herzöge brachte auch unserem Markt einen ungekannten Wohlstand. Markt und Kloster waren ein Jahrhundert lang eine große Baustelle. In St. Veit baute man die größte und schönste Hallenkirche der Umgebung, der Landshuter Bildschnitzer Hans Leinberger schuf 1515 für Abt Nikolaus HumbIer seine Neumarkter Madonna. Die Bürger des Marktes haben um 1450 damit begonnen, sich ihre Marktkirche St. Johann zu bauen. Das Privatschloß der herzoglichen Pfleger, Schloß Baumburg, schuf

eine Verbindung des Marktplatzes mit Hofmark und Schloß Adlstein. Am anderen Ende des Marktplatzes entstand der herzogliche Kasten und die beiden Tore wurden in der jetzigen Form errichtet.

Die schlimmen Jahre der Geschichte haben Markt und Kloster gemeinsam tragen müssen. Da ist der Landshuter Erbfolgekrieg, die Wirrnisse der Reformation, der Dreißigjährige Krieg, der auch noch die Pest mitbrachte, der spanische Erbfolgekrieg 1705, die Pandurenzeit 1745 und all das Unheil, das mit Kaiser Napoleon gekommen ist. In den Zeiten der Not hat man, wie überall, auch über die Rott hin leichter zusammengefunden. Die elegante Zwiebelhaube, die Johann Michael Fischer 1765 für St. Veit entwarf, wurde zum Sinnbild für den Glanz des 17. und 18. Jahrhunderts, in dem St. Veit, wie alle bayerischen Klöster, erstrahlte. Aufwendige Kirchenfeste im Glanz barocker Kirchenkunst , Gelehrsamkeit, Philosophie und Musik machten aus St. Veit einen geistlichen Mittelpunkt, dessen profane Entsprechung in ausgedehnten Wäldereien, wogenden Feldern und einem köstlichen Gersrensaft bestand. Die Säkularisation hat all dem 1802/1803 ein Ende gemacht. Neue Besitzer konnten St. Veit den alten Glanz nicht wiederbringen, die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche und 1934 wurde aus Markt und Kloster Neumarkt-St. Veit.

Dem Markt brachte das 19. Jahrhundert eine glück-

liehere Zeit. Das bürgerliche Zeitalter hat seine letzten Jahrzehnte in einer Idylle verbracht. Brauerei-, Gutsund Realitätenbesitzer bestimmten die Szene, die randvoll war mit Liederkranz, Feuerschützen und mit Frisch-Frornm-Fröhlich-Frei, Den Beginn der Neuzeit kann man am Jahr 1875 ablesen. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Mühldorf-Plattling kam die erste Lokomotive und 1880 entstand mit der Tauernbahn Landshut-Salzburg der Knotenpunkt Neumarkt-St. Veit. Schon mit dem Bau der Bahn, aber noch mehr mit der Inbetriebnahme, stieg die Einwohnerzahl spürbar. So entstand ein ganz neues Viertel, in dem 1879 das Amtsgericht gebaut wurde, zusammen mit den kühnen Bauten, die die jungen Architekten Reißl teils im klassizistischen, teils im Jugendstil erstellten. Die Eisenbahn veränderte viel im Markt, sie sprengte den alten Kern des Marktplatzes, sie unterbrach den alten Kreuzweg nach Teising hinauf, ja man kann sagen, mit diesen Jahren verlor der alte niederbayerische Markt seine Funktion. Auch die bauliche Substanz wurde vielfach verändert. Alte Bürgerhäuser wurden verbaut, die hölzerne Mühle brauchte man nicht mehr und aus dem herzoglichen Kasten von 1495 wurde nach häßlichem Umbau ein Kino.

Dieses Büchlein soll Verschwundenes wieder sichtbar machen, gesellschaftliche Ereignisse aus alten Tagen lebendig werden lassen und zeigen, was sich alles, zum Vorteil oder zum Nachteil, verändert hat.

1. Diese Fotografie ist die älteste, die wir von Neumarkt besitzen. Wir wissen nicht genau wann sie gemacht wurde, aber an der Zwiebelhaube von St. Joharm erkennen wir, daß es vor 1880 gewesen sein muß. In diesem Jahr wurde im Zuge der Neugotisierung der Kirche die Zwiebelhaube abgetragen und die heutige Spitzhaube aufgesetzt. Der Marktplatz selbst ist mit Katzenkopfpflaster belegt und die Straße durch Wasserrinnen abgegrenzt. Das Gebäude rechts im Vordergrund ist das alte Amtsgericht. Erst als 1879 in der Bahnhofstraße das neue Amtsgericht gebaut wurde, ist aus diesem Haus eine Mädchenschule mit einer Kinderbewahranstalt geworden.

2. Auch diese Ansicht des Marktplatzes dürfte schon vor der Jahrhundertwende entstanden sein. Vor den Häusern gab es noch keinen Bürgersteig, aber immerhin schon eine Marktplatz-Beleuchtung. Kaspar Weninger hat diese Petroleumlampen betreut, als Nachtwächter war er bei Einbruch der Dunkelheit unterwegs, um den Bürgern das Licht anzuzünden. Während der Nacht oblag ihrn die Feuerwache. Am oberen Tor ist die damals schon existierende Götz'sche Apotheke erkermbar und das Rathaus hat als Zeichen seiner Würde ein kleines Zwiebelhäubchen aufgesetzt bekommen.

3. Das ist ein zweites Bild, das schon vor der Veränderung der Turmhaube von St. Johann, also schon vor 1880, gemacht sein muß. Das Rathaus hat hier, im Gegensatz zum Bild Nummer l , schon seine neugotisch verzierte Fassade. Das Peter-Hans-Haus war damals noch im Besitz der Familie Bachmaier und erst viel später wurde seine Fassade zu einem Treppengiebel umgeändert. Ganz rechts kann man das Mitterrnüller-Haus, vorher Baßlsperger, erkennen, ohne Laden, nur mit einem Toreingang und dem typischen Mehlaufzug zum Dachboden. Mit der Bäckerei wurde immer eine Mehlhandlung dazu betrieben.

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4. Ein Bliek von Norden in den Marktplatz hinein zeigt, daß es im oberen Rottal immer zwei verschiedene Einflüsse gegeben hat, den spätgotisch, niederbayerischen aus Landshut und den südlichen, innstädtischen, der von Salzburg gekommen ist. So sieht man in Neumarkt sowohl die typischen Giebelfassaden der zum Teil recht schmalbrüstig aneinander gebauten Häuser, als auch die breiten Blendfassaden, die für die InnstadtBauweise so charakteristisch sind und das Gesicht des Mühldorfer Stadtplatzes prägen.

Marktplatz

&russ aus Neumarkt a. d. Rott

5. Der Marktplatz von Neumarkt, hier von Süden her gesehen, geht in seiner heutigen Form auf die Gründung des niederbayerischen Herzogs Heinrich XIII. im Jahre 1269 zurück. Sein 'Neuenmarkh' sollte nicht nur ein Gegengewicht zum salzburgischen Benediktinerkloster St. Veit sein, sondern zugleich auch eine Station auf der für ihn wichtigen Verbindungsstraße zwischen Burghausen und seiner Residenzstadt Landshut. So ist das geschlossene Rechteek des Platzes aus einer Verbreiterung dieser Straße entstanden und erfüllt seine Funktion als Platz und Straße zugleich.

Gruss aus jfeufTlarkt a. d. Roft.

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6. Die westliche Häuserfront des Marktplatzes ist hier aus den zwanziger Jahren dargestellt. Kurz vorher hat man zum ersten Mal den Platz mit Lindenbäumen bepflanzt. Auf allen Bildern, die es aus früherer Zeit gibt (Hans Donauer 1588, Michael Wening 1710, Teisinger Votivtafel 1800) ist der Platz ohne Bäume dargestellt. Auf dieser Westseite gab es auch drei Marktbrunnen. Sie dienten sowohl der Trinkwasserversorgung, als auch als Löschwasser, auf dessen ausreichende Reserve der Marktmagistrat sein besonderes Augenmerk legte.

Gru[; aus Ileumarkt a. d. Fott.

7. Der Bliek von Süden zeigt, daß dem Neumarkt die RoH zur Grenze wurde. Der Markt in seiner ansteigenden Form ist sicher mit Absicht vom ursprünglichen Sumpf- und Überschwemmungsgebiet des Flußes abgesetzt. Erst viel später ist das Viertel 'auf der Loh', südlich der Rott, entstanden. Im Vordergrund des Bildes ist der Mühlbach deutlich sichtbar, der die Klostermühle betrieb und mehr Wasser führte als die Rott selbst. Zwischen der RoH und dem Mühlbach, auf der heutigen Grünanlage des Kriegerdenkmals, stand damals der Schlauchturm der Feuerwehr. Ganz rechts die hölzerne Rottbrücke.

8. Neben der Ansicht des Marktes von südlicher Richtung ist dieser Postkarte auch ein Bild des Benediktinerklosters St. Veit eingefügt. Dieses Kloster war fürstbischöf1ich Salzburger Besitz. Die Häuser um den Vitusberg bildeten bis 1920 eine selbständige Gemeinde mit eigener Schule, Gemeindeverwaltung und eigenem Bürgermeister. Nach 1920 hat sich St. Veit mit Wolfsberg zu einer Gemeinde zusammengetan, bis es im Jahr 1934 zum Zusammenschluß von Wolfsberg, St. Veit und Neumarkt an der Rott zum Markt Neumarkt-St, Veit kam. 1956 wurde es vom Bayerischen Innenminister Geiselhöringer zur Stadt erhoben.

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