Neustadt (Hessen) in alten Ansichten

Neustadt (Hessen) in alten Ansichten

Auteur
:   Dankward Sieburg
Gemeente
:   Neustadt (Hessen)
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2697-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Neustadt (Hessen) in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Nur etwa fünfzig Jahre nach der Erfindung der Fotografie durch den Franzosen Nicophore Niepce 1822 und der Verbesserung durch Daguerre 1839, veröffentlichte der Heimatforscher und Bezirkskonservator Lud wig Bickei (1838-1901) 1877 in Marburg erstmals einen Katalog seiner fotografischen Studien architektonischer Sehenswürdigkeiten des hessischen Raumes. Bickels Aufnahmen sind Kleinode der Lichtbildkunst und ein beredtes Zeugnis seines unermüdlichen Pioniergeistes. Bedenkt man die Technik des damals vorherrschenden Naß-Collodium Verfahrens, bei dem erst unmittelbar vor der Aufnahme die fotografische Platte mit der lichtempfindlichen Schicht versehen werden konnte, so sind seine Fotos kleine Wunder auf Papier. Wie andere Fotografen vor ihm und seiner Zeit , war auch Bickei gezwungen, bei seinen Außenaufnahmen stets eine kleine Dunkelkammer und ein kleines chemische Laboratorium mitzuführen. Erst 1880 konnte Bickei zu der noch heute üblichen Arbeit mit Trockenplatten übergehen, die er sich zuvor selbst gießen mußte.

Aus seinen fast dreitausend Aufnahmen sind nur wenige, dafür aber bedeutende von Neustadt erhalten geblieben, deren Anzahl durch Privatfotos ergänzt werden mußte. Weder den ansässigen Fotografen noch denen des Umkreises war historisch wertvolles Bildmaterial von Neustadt bekannt. Das mag seine Er-

klärung darin finden, daß Neustadts Bahnhof die Verbindung zwischen Deutschlands ältester Malerkolonie in Willingshausen und der Außenwelt darstellte, und die weniger bemittelten Maler ihre Passage, Unterkunft oder Verpflegung mit Bildern aus der Stadt oder ihrer Umgebung bezahlten, die oft als Ansichtskarten vervielfältigt den fotografischen Ersatz darstellen (vergleiche Nummer 41).

Die Zusammenstellung dieses Bildbandes erwies sich somit als unerwartet schwierig, Dennoch konnten im Laufe eines Jahres etwa zweihundertfünfzig Fotos gesammelt werden, von denen ein Teil erstmals im Juni 1979, während einer Ausstellung im Junker-HansenTurrn, der Neustädter Bevölkerung vorgestellt werden konnte. Aus diesem fotografischen Material wurde eine Auswahl für den vorliegenden Bildband getroffen, die der Intension dieser Reihe entsprechend, Großvaters Zeiten entstehen lassen könnten.

Bei der Zusammenstellung und Kommentierung der Fotos rückte in Ermangelung erlebnisvoller urtümlicher Bilder das historische Moment in den Vordergrund. Damit konnte ein Bild Neustadts gezeichnet werden, das die 'kleine Geschichte' der Stadt und die seiner Bürger vor einem Menschenalter wiederspiegelt. Der alteingesessene Neustädter wird Bilder finden, die er aus eigener Anschauung noch kennt; für ihn sind die beigefügten Texte 'Gedächtnisstützen'. Der jünge-

ren Generation, vor allem den Neu- oder WahlNeustädtern, soll mit diesen Bildern ein Einblick in ihre Stadt und das Leben ihrer Bewohner vor fünfzig bis siebzig Jahren gegeben werden. Der geschichtlich Interessierte findet eine Fülle von Gebäuden, Straßenfluchten und Stadtansichten, die längst der Vergangenheit angehören. Sie geben einen Eindruck von der Ortsentwicklung und den Anstrengungen des Neustädters, Anschluß an die Industrialisierung der Neuzeit zu finden. Neben dem Aufbruch in die Moderne, werden auch die Zeugen der Vergangenheit sichtbar und alles das, was Neustadt mit Recht als 'eigene' Kostbarkeiten in seinen Mauern barg.

Um einer Häufung willkürlich aneinandergefügten Bildmaterials entgegenzutreten, waren die Verfasser bemüht, dieses dem Betrachter auf einem Spaziergang nach und durch Neustadt zu erschließen. Zum besseren Verständnis vorhergegangenen oder des nachfolgenden Bildmaterials und seines Textes, war es notwendig, über den zeitlich begrenzten Rahmen (1880-1925) hinaus, auf früher oder später entstandene Fotos zurückzugreifen. In allen Fällen handelt es sich nur um wenige Jahre, die den Zeitraum nur unwesentlich unter- oder überschreiten. Unvorhergesehen schwierig erwies sich neben der Beschaffung des Bildmaterials vor allem die Datierung des Dargestellten, denn meistens gelangten diese Auf-

nahmen mit einer Erbschaft in die Hände der heutigen Besitzer und sind oft ohne Beziehung zu diesen geblieben, oder sind Reproduktionen verlorengegangener Originalaufnahmen. Glücklicherweise konnten die Verfasser bei der Datierung und Kommentierung der Fotos, neben einigen älteren Neustädter Bürgern, vorallem auf einen treuen Mitarbeiter, Herrn Julius Walz, zurückgreifen, dem an dieser Stelle gedankt sei, ebenso allen Leihgebern und Informanten.

Trotz aller Bernühungen ist es hier und da nicht immer gelungen, ein Bild zufriedenstellend zeitlich einzuordnen. Es wurde daher folgender Schlüssel angewandt: 1920 = genaue Datierung, wohl 1920 = 1920 +/- 2 Jahren, um 1920 = 1920 +/- 5 Jahren und etwa 1920 = 1920 +/- 10 Jahren.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, daß die oft sichtbare mangelnde Qualität der Fotos nicht auf eine schlechte Reproduktionstechnik des Verlages oder der Verfasser zurückzuführen ist, sondern auf den oft sehr schlechten Zustand der Originalfotos und Reproduktionen, denn in allen Fällen waren die dazugehörenden Negative nicht zu beschaffen. Doch auch in diesem Zustand vermögen Aufnahmen zu sprechen; auf Retuschierung der Aufnahmen durch die Verfasser wurde daher verzichtet.

1. Beginnen wir unseren Weg nach und durch Neustadt auf der alten Niederrheinischen Querstraße, die zwischen 1831 und 1842 gebaut, Neustadt an den Raum Kirchhain und Treysa anschloß. Unmittelbar an dieser Straße, die heute als Bundesstraße 454 wie ehedem nach Hersfeld führt, steht bei Meter 300,6 Meereshöhe dieser Obelisk zur Erinnerung, daß man in diesem Augenblick die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser überschreitet. Von alters her bildete die Wasserscheide die natürliche Grenze zwischen der Graftschaft Ziegenhain und später zwischen den kurmainzischen Bezitzungen um Neustadt und der Landgrafschaft Hessen-Kassel.

2. Egal von welcher Himmelsrichtung man nach Neustadt kommt, stets steigt man zur Stadt hinab, die in einem sanften Talkessel unmittelbar hinter der Rhein-Weser-Wasserscheide liegt. Nirgendwo wird diese Lage sichtbarer, als von der Höhe des Steimbels, südlich der Niederrheinischen Querstraße aus (Foto um 1925). Schon von Weitem weist uns das Wahrzeichen der Stadt, der Junker-Hansen-Turrn, den richtigen Weg zu den beiden ehemaligen Toren der alten Wasserfestung aus dem 13. Jahrhundert. Anders kommt man nicht nach Neustadt hinein, denn es gibt seit alters her nur diese eine Straße, um die Neustadt von den Grafen von Ziegenhain vor 1261 gebaut wurde.

3. Der zuvor schon erwähnte 'Steimpel' war ursprünglich ein Ödland urtümlicher Weite (Foto um 1925) mit vorgeschichtlichen und mittelalterlichen Siedlungsspuren. In der nachfolgenden Zeit war das Ödland am Steimbel nicht nur Weideland des ehemaligen Winshäuser Schafhofes an seinem südwestlichen Abhange, sondern auch Austragungsort manches historischen Schützenfestes des 17. und 18. Jahrhunderts. An seinem Fuße führten noch im 16. Jahrhundert die Flurprozessionen vcrbei oder zogen die Kaufleute von und nach Neustadt. Seit 1938 ist der Steimbel bebaut. Die damals als Arbeitersiedlung der größten deutschen Munitionsfabriken bei Neustadt erbauten Häuser, bergen heute Industriebetriebe oder sind Wohnungen ihrer Angestellten und Arbeiter.

4. Geht man auf der Niederrheinischen Querstraße in Richtung Neustadt weiter, so mußte man in früherer Zeit von den wechselvollen Ansichten auf die Stadt fasziniert gewesen sein, anders läßt sich die große Zahl der Fotos von Neustadt aus dieser Sicht nicht erklären. Nicht weit von diesem Standort (Foto um 1930) zweigten die alten Wege zur Weißmühle und AlJendorf ab oder warfen Reisende und Wanderer einen letzten Bliek auf die Stadt zurück. Von allen Seiten sichtbar, fesselt zunächst der Junker-Hansen-Turrn unser Auge, bevor es nach links oder rechts abschweifend am Turm der katholischen Pfarrkirche (13. und 15. Jahrhundert) oder dem der 1859/1860 erbauten evangelischen Kirche wieder haften bleibt.

5. Die Täler um Neustadt sind mit Ausnahme des geologisch jüngeren Wieratales flach oder wellig und lediglich von dem aufragenden Basaltkegel des Nellenberges unterbrochen. Auf seiner Höhe stand von alters her eine Burg, die 1294 mit Neustadt von den Grafen von Ziegenhain an die Erzbischöfe von Mainz verkauft wurde. Durch die Bildmitte zieht die Siedlung Struthfeld, heutige Hindenburgstraße, deren Entstehung auf das Wüstwerden umliegender Orte im 13. und 14. Jahrhundert zurückzuführen ist, Die Weißmühle am rechten Bildrand war fester Bestandteil des alten städtischen Wehrsystems, das stets unter Wasser liegende Wiesen um Neustadt erforderte. Foto um 1930.

6. Wie schon das vorhergehende Bild, zeigt auch dieses Foto in eindrucksvoller Weise den Wandel der Stadt und ihrer Landschaft. Auf dem Wege zur Stadt, kam man auch um 1925 an der damals geschotterten Querallee vorbei. Von den kleinen, kaum sichtbaren Pappeln und Linden, die den Bliek ungehindert zum Struthfeld, in das Otterbachtal oder zum Hain rnit der Nellenburg freiließen, dem Sportplatz auf den Wiesen rechts von der Straße und dem Sumpfgelände der Icht links der Straße, ist heute nichts mehr zu finden. Hier, wo der Bliek ungetrübt die Stadt umfaßte, reihen sich Autos und Großbauten; rechts die Gesamtschule, links das Soldatenheim und eine Kaufhalle, hinter denen sich der neue Stadtpark bis vor die einstigen Stadtmauern erstreckt.

7. Anläßlich der Bestrebungen Neustadts, den wohl beim Bau der Kirche um 1502 unvollendet gebliebenen Turm, um ein Geschoß zu erhöhen, entstand in den Jahren 1914-1917 durch den Landeskonservator in Marburg dieses Bild von der Allee aus. Der Bauantrag wurde damals mit der Begründung abgelehnt, daß dieser 'unvollendete' Kirchturm keineswegs einen unbefriedigenden Anblick biete oder sogar störend wirke, sondern vielmehr das Bestehende in einem äußerst günstigen Verhältnis zueinander sowie zum gesamten Stadtprospekt stehe. Auf dem Foto sind von links nach rechts zu sehen: die katholische Pfarrkirche, daneben das ehemalige Pfarrhaus, dann die Scheune mit Gesindewohnungen, Stallgebäude und Wohnhaus des Burgsitzes von Nordeck zur Rabenau, bisher nicht identifizierter Wohnsitz, darauf Stallgebäude und Junker-Hansen-Turrn des Schlosses.

8. Foto 7 und 8 trennen Welten, obgleich es nur wenige Jahre sein dürften. Die Restaurierungs- und Verschindelungssucht machte auch in Neustadt nicht halt, so daß um 1925 das Ortsbild beherrschende Fachwerk hinter den Fassaden deckenden Schindeln verschwunden war. Die finanzielle Notlage der Stadt wird in dem Verfall der Wehrbauten sichtbar, die mit dem das Foto beherrschenden Burgsitz der Herren von Nordeck zu Rabenau (Bildmitte) 1969/1970 abgerissen wurden. Dennoch 'die beiden die Häuserrnassen überragenden Baukörper (Kirche und Junker-Hansen-Turm), die jeder fllr sich scharf ausgesprochene Formen zeigen, geben dem Bild der Stadt eine bezeichnende Umrißlinie, daß es sich dem Beschauer sogleich fest einprägt. Keine andere Stadt Hessens kann eine ähnliche Silhuette aufweisen.' (Landeskonservator, Hessen, 1917.)

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek